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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Jüdischer Osten '18 - 23: Weiß bedecktes Chișinău (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3890.0


Was bisher geschah:
Qualmender Osten '03-'16 - 21: Abschied von Czernowitz (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3888.0


Die Videos zu dem Teil:
https://youtu.be/ApzYd_Lzrcg

https://youtu.be/WmYCDzD87uc




21. 3. 2018

Wir befinden uns vor dem Chișinăuer Bahnhof, das Gebäude wurde 1870 vom Architekten Henry Lonsky errichtet. Der erste Zug kam im Sommer 1871 aus Odessa an, nachdem eine Brücke über den Dnestr gebaut worden war, die eine Verbindung nach Tiraspol sowie weiter zum Schwarzen Meer und russischen Eisenbahnnetz ermöglichte. Dies gilt als erste Eisenbahn in Moldawien, damals Teil der Provinz Bessarabien im Russischen Zarenreich. 1873 wurde die Strecke bis Cornești fertiggestellt, 1875 die Verbindung nach Ungheni und Rumänien mittels einer von Eiffel konstruierten Brücke über den Pruth. Diese Richtung würden wir nun einschlagen.
Kurz nach Fertigstellung begann der Russisch-Osmanische Krieg (1877–1878), im Zuge dessen Rumänien, Bulgarien, Serbien und Montenegro ihre volle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangten.

Mehr zur Station, auf Rumänisch:
https://ro.wikipedia.org/wiki/Gara_Chi%C8%99in%C4%83u

auf Russisch:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%B8%D1%88%D0%B8%D0%BD%D1%91%D0%B2_(%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D1%86%D0%B8%D1%8F)

Der Fahrplanaushang außen stimmte nicht.




Die Anzeige innen für Expresszüge war korrekt (Ende März wurden die Zeiten geändert, siehe http://railway.md ), wenn auch nicht alle täglich fuhren.




Das Bahnsteigsdach wurde 2003 errichtet. Um 16:20 stellte TschME3-4167 die Garnitur unseres Zuges auf Bahnsteig 1 bereit, ich fotografierte mit dem Handy.




Die 1950 bei Cegielski in Poznań gebaute Denkmallok Er-85-63 war bis Ende der 1960er auf der Strecke nach Ungheni im Einsatz gewesen.




Die TschME3-Verschublok war vom Zug gegangen... Zeit für unsere Expresslok!




... TschME3e-6779, die nun unsere gute Bekannte werden wird. :0)




Fast war unser Schnellzug 105B Richtung Bukarest nun bespannt, und ich stieg am zum Scherzen aufgelegten Prowodnik vorbei ein in das überhitzte Kupe-Abteil.






In der Früh des selben Tages - nachdem die 2TE10L bei Pruncul auf Chip gebannt worden war - fuhren wir westwärts entlang des Stausees Ghidighici auf der R1. In den Orten musste man Schlaglöchern ausweichen, dazwischen gab es eine neue, zweispurig ausgebaute Straße, von der allerdings nur eine Spur vom Schnee gesäubert war - nur die härtesten moldawischen Autofahrer überholten auf der mittleren Schneespur. Nach dem Bahnhof Străşeni fanden wir einen Schranken und um die Ecke eine Stelle zum Stehenbleiben. Die Zeit für den Zug war schon gekommen. Der Schrankenwärter blickte immer wieder aus seinem Container, offensichtlich musste er sich auch auf visuelle Informationen verlassen. Dann plärrte etwas aus dem Lautsprecher, und...




... um 8:40 kam Schnellzug 106B aus Bukarest in nun schon bekannter Konfiguration des Weges.



















Langsame Durchfahrt durch den Bahnhof Străşeni. Die Schranken der Straße 442 - als Verbindung zur M14 recht befahren - waren rein manuell zu schließen. Auf der Fahrt durch das Land sah man aber auch viele automatische Bahnübergangssignalanlagen, das dürfte eher die Ausnahme sein.




20. 3. 2018

Am Dienstag erwischte ich den 106B gleich beim Hotel, TschME3e-6779 beschleunigt gerade aus der Station Visterniceni, wo Regionalzug 825TSCH gekreuzt worden war. Man beachte die teils hölzerne Industrieanlage im Hintergrund.









Ein KAMAZ-Heizerl.




21. 3. 2018

Willkommen im Calea Ferată din Moldova / Schelesnaja doroga Moldowy Kupe. Dass ich so schnell und in Moldawien wieder eine GE Genesis zu Gesicht bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. ;-)




EINE unserer sehr einfach gehaltenen Fahrkarten Chișinău - Iași (Entfernung ca. 120 km / Brutto-Fahrzeit: 5 1/2 Stunden). Ausgeblendet oben auf der Bettkarte waren noch Name und Passnummer, die man angeben musste.




Am Stausee Ghidighici, die Straße führt auf der anderen Seite entlang.




19. 3. 2018

Am ersten Nachmittag waren wir schon einmal an das Străşeni-seitige Ende des Sees gefahren. Viele Stellen erreichen konnte man aufgrund des Schnees nicht, hier nähert sich 105B vor Weinbergen.




Am Abreisetag sah ich, dass dieser Weg an der Bahn durchaus auch von Einheimischen mit dem Auto genutzt wurde.









Das ist die selbe Garnitur, die wir zwei Tage später nehmen würden.














21. 3. 2018

Reisen durch das melancholisch-winterliche Moldawien. Zwischen Corneşti und Bumbăta wird ein kleiner Pass überquert, dort ist die Strecke auch ein kurzes Stück zweigleisig. Ursprünglich hätte ich am Dienstag in diese Gegend fahren wollen.




Nach zwei Stunden Fahrt sind die 100 km bis Ungheni geschafft, der Rest der 5 1/2 Stunden bis Iași wird hauptsächlich an den Grenzstationen von Ungheni verbracht. Dabei unternimmt man eine wahre Schienenkreuzfahrt von weiteren TschME3 gezogen und geschoben hin und her im Bahnhof Ungheni zur Umspurungsanlage - man konnte das sehr schön per maps.me verfolgen. Letztendlich wird der Zug an den Bahnsteig auf der anderen Seite des Stationsgebäudes gestellt. Man spürte das GM-Tuckern des modernisierten rumänischen Kutters und wusste, jetzt kann es nicht mehr soooo lang dauern.
Zumindest ein Kabarett wurde zur Unterhaltung geboten. Zunächst schaute ein sich als Arzt ausweisender Herr ins Abteil, der fragte, ob es einem eh gut ginge. Dann kamen die GrenzbeamtInnen, die eine Befragung noch eher nach Sowjet-Prinzipien vornahmen. Wie gibt's denn das, dass man nur zwei Tage in Moldawien ist? Und in der Ukraine ist man auch gewesen (vor zwei Jahren)? Na, höchst verdächtig! Da musste der Zollbeamte gleich den größeren unserer Koffer durchsuchen. Er nahm einen Schraubenzieher mit austauschbarer Spitze und stocherte ein wenig darin herum, dann war er zufrieden gestellt. Nach ein paar Minuten tauchte er etwas verzweifelt wieder auf, und fragte, ob wir seine Schraubenzieher-Spitze irgendwo gesehen hätten. Wir schauten auf den Bänken, am Boden - nichts zu sehen, bei uns ist sie nicht. Später auf der Reise hatte ich erst in Timișoara Zeit, den Koffer ganz auszupacken. Und was fand sich ganz am Boden? Jawohl, die Schraubenzieher-Spitze des moldawischen Zolls habe ich unfreiwillig als Souvenir mitgenommen!




In der Dunkelheit wird der Pruth überquert (wir kennen ihn in der Serie schon aus den Karpaten und aus Czernowitz), dann ist die rumänische Grenzstation Ungheni Prut erreicht, wo man planmäßig weitere 54 Minuten zur Kontrolle verbringt. Bei der CFR firmiert der Zug nun unter IR 401. Mit 10 Minuten Verspätung trafen wir letztendlich im eisigen Iași ein.




Ein 2.-Klasse-Wagen war aus Moldawien mitgefahren und wurde sofort mit der GM abgehängt. Ich kam gar nicht vor, schon rangierte man weg. Dazu rutschte ich noch am nicht bemerkten blanken Eis aus, dass sich auf dem überdachten Bahnsteig gebildet hatte. Die Verschieber amüsierten sich darüber köstlich.
Nun gut, also zogen wir unsere Koffer schnell zum recht nahen Hotel Arnia, das mich schon im Sommer 2016 überzeugt hatte. Glücklicherweise wurden in Rumänien Gehsteige gereinigt, so dass der Marsch nicht zu einer reinen Eislaufpartie geriet.




3. 8. 2016

Bei letztem Abendlicht und ungefähr 40 Grad mehr als am vorigen Foto konnte ich vor dem Hauptbahnhof Iași einen ex-Stuttgarter GT4 erwischen, der gut mit dem Dacia-Logan-Taxi-Gelb harmonierte. Im Hintergrund das alte Zollhaus aus dem späten 19. Jhdt, die damalige Grenze zwischen Rumänien und Russland lag nur 10 km entfernt in Ungheni.

Im 14. und 15. Jahrhundert entstand das Fürstentum Moldau (benannt nach dem Fluss Moldova, deutsch "Moldau" - nicht zu verwechseln mit der tschechischen Vltava, ebenfalls deutsch "Moldau"), welches ungefähr die Regionen Bukowina (heute ukrainischer und rumänischer Teil), die jetzige rumänische Region Moldau um Iași sowie das heutige Moldawien ohne "Transnistrien" enthielt.
Südwestlich davon lag das Fürstentum Walachei - heute das südwestliche Rumänien mit Hauptstadt Bukarest - , westlich Transsilvanien/Siebenbürgen. Ab dem 16. Jhdt. erlangte das Osmanische Reich volle Kontrolle über das Fürstentum Moldau als Vasallenstaat.
1774/1775 trat der osmanische Herrscher die Bukowina mit Czernowitz (nun Ukraine) und Suceava (nun Rumänien) an die österreichische Monarchie ab. Das Territorium, das zum Teil dem heutigen Moldawien entspricht, wurde 1812 an Russland abgetreten und erhielt als Provinz die Bezeichnung Bessarabien. 1859 vereinigte sich das Fürstentum Walachei mit der heutigen rumänischen Region Moldau, die erste gemeinsame Hauptstadt bis 1861 war Iași. 1861 wurde das Fürstentum Rumänien mit Bukarest als Hauptstadt deklariert, ab 1878 komplett unabhängig vom Osmanischen Reich, ab 1881 Königreich Rumänien.
Nach dem ersten Weltkrieg gelangten sowohl das heutige Moldawien ohne "Transnistrien", Siebenbürgen als auch die gesamte Bukowina zu Rumänien. Im Verlauf des zweiten Weltkriegs kam der heute ukrainische Teil der Bukowina und Moldawien zur Sowjetunion, zusammen mit "Transnistrien" bildete letzteres die Sowjetrepublik Moldau. Daraus entwickelte sich nach der Wende der "Transnistrien"-Konflikt zwischen rumänischer und russischer Ausrichtung, der Jahrzehnte später noch in einer Pattsituation besteht. Die unterschiedlichen Sichtweisen erkennt man schon am rumänischen Begriff "Transnistrien" und der Eigenbezeichnung "Pridnestrowien", also jenseits des Nistru gelegen, oder vor dem Dnestr - gemeint ist natürlich der selbe Fluss.

Mehr zum Fürstentum Moldau:
https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrstentum_Moldau





4. 8. 2016

Sowohl im Winter als auch Sommer unternahm ich einen Frühausflug von Iași, um halb fünf rangierte der noch nicht durch UIC-Ziffern verunstaltete Kutter 60-1160 an Regionalzug 1062 nach Ungheni.




Mein Zug würde dieser sein, doch davon in späteren Reportagen.








3. 8. 2016

Wir springen nun in die Hauptstadt der heute ukrainischen Bukowina, Czernowitz. Am Ende des Reportageteils 21 war ich in den Zug 959 nach Vadul Siret mit Abfahrt um 9:25 eingestiegen. Zur Abfahrtszeit war auch Thomas auf die Brücke über die Bahn gekommen um wieder einen Grenzzubringer mit Čmelák, in dem Fall TschME3-3084, zu erwischen  - es ist immer nett, wenn man ein Foto vom Zug bekommt, in dem man gerade saß! :0)
Kurswagen nach Bukarest fuhren an dem Tag nicht, das konnte ich im Reisezeitplan nicht unterbringen, ich wollte ja noch nach Serbien.

Foto (c) Thomas Wünsch



Nach elf waren wir an der ukrainischen Grenzstation Vadul Siret eingetroffen. Auf dem Vierschienengleis an Bahnsteig 1 hielt der Zug vor dem Lokalbahnhof.














Wo ist der internationale Bahnhof? - Da ist er!




Ich wartete als einziger Passagier im überdimensionierten Protzbau, immer wieder wurde ich von vorbeigehenden Mitarbeitern angeglotzt - was, ein Reisender, hier? Eine Dame sorgte für die Glanzpolitur des Bodens. IR 384 aus Suceava kam um 12:55 pünktlich hinter einem Kutter auf Gleis 2 an. Während die 60 den Zug umfuhr, wurde ich - tatsächlich mit einem zweiten Passagier - durch die Zollschleuse geleitet und gab den Pass ab, danach durften wir in einem Waggon Platz nehmen. Vor der Abfahrt um halb zwei bekamen wir unsere Pässe zurück. Es fehlte noch das CFR-Zugpersonal, wo war es? Zur Abfahrtszeit tauchten plötzliche alle aus dem Ort auf, volle Plastiksackerln tragend. Ah... das ist also der profitable Ukraine-Run! ;-)
Den Holzzug haben wir bei der Ausfahrt Czernowitz gesehen, nun hatte eine der 2M62 wegrangiert.




Es geht noch ein Stück durch die Ukraine, teils auf Vierschienengleis, teils separat geführt. Diese Regionalhaltestellen im Niemandsland bedient auch niemand mehr.




Unser (beider) IR 381 Vadul Siret - Bukarest kreuzte in der rumänischen Grenzstation Vicşani IR 380 Bukarest - Vadul Siret.




Ein Leerzug Richtung Ukraine stand bereit. Unter dem Fenster hörte ich einen lautstarken, minutenlangen Streit zwischen einem CFR Marfă-Mitarbeiter und einem ukrainischen Kollegen. Da traute ich mich gar nicht aus dem Fenster schauen.




Der Umschlagbahnhof Dorneşti war kurz nach drei erreicht, bis hierher führt die Breitspur - ein voller Zug im Hintergrund. Einer der GFR (Grup Feroviar Român)-Kutter war wohl aus Polen in die Ur-Heimat zurückgekehrt.




Rechts die Breitspur-Umladeanlagen.




Wir bekamen freie Ausfahrt, GFR 60-1504 war im Verschub beschäftigt.




Flotte Sommerfahrt durch die rumänische Bukowina.




Wir erreichten die Elektrifizierung in Suceava Nord.




Der Bahnhof Suceava Nord - eigentlich Gara Ițcani im gleichnamigen Ort. Keiner der Bahnhöfe Suceavas befindet sich in der Stadt - dazu kommt ein Kuriosum: Suceava Nord wurde 1871 als Grenzstation der k.u.k. Monarchie errichtet und entsprechend prunkvoll gestaltet, und wir werden auch sofort den anderen, zur selben Stadt aber unterschiedlichen Monarchie gehörenden Grenzbahnhof erreichen.




Das Gebäude ist renovierungsbedürftig, im heurigen Winter meinte ein Taxifahrer, es sei überhaupt geschlossen (was natürlich für den Bahnverkehr nicht stimmt), und weigerte sich mit zusätzlicher rassistischer Begründung uns dort hin zu fahren.









Um 15:48 hatten wir endlich den Bahnhof Suceava - eigentlich Gara Burdujeni, auch ein Vorort - erreicht. Dieser wurde 1902 als Grenzstation des Königreichs Rumänien errichtet und ist deshalb ebenfalls entsprechend prunkvoll. 2006 wurde dieser im Gegensatz zu Suceava Nord restauriert.




60-1318 hatte uns aus Vadul Siret hergebracht, nun wurde wieder schleunigst auf E-Lok für die Fahrt bis Bukarest gewechselt. Laut momentanem Fahrplan wird der Lokwechsel schon in Suceava Nord vollzogen. Insgesamt benötigte die Zugverbindung für die 80 km aus Czernowitz mehr als 6 Stunden - das ist natürlich nur etwas für Bahnliebhaber.


Nächstes Mal schauen wir uns Suceava genauer an - im Mittelalter 200 Jahre lang Hauptstadt des Fürstentums Moldau, heute Zentrum der rumänischen Bukowina.
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Hallo!


Zum Video geht es hier (bitte auf 4K Qualität stellen, funktioniert eventuell manchmal nur bis 1080p):
https://youtu.be/TfmcqSHroeg



Am vorletzten Wochenende unternahm ich eine Fahrt zur JHMD über Brünn - Freitag Abend herrschte dort geschäftiges Treiben bei schöner Wolkenstimmung - , mit Übernachtung in Třebíč, wo ich am frühen Morgen fotografieren konnte.

Auf der JHMD fuhr der Dampfzug mit Reșița U46.001 nach Nová Bystřice, zudem verkehrten T47.005 und T47.015 mit den Planzügen, "Nautilus" fuhren nur am Nordast. Ich überholte den Dampfzug per Planzug und stieg im eigentlich einsamen Hůrky aus. Es war alles ein wenig verspätet, daher blieb der Dampfzug stehen und wartete die Kreuzung mit dem Nordfahrer ab. Die Ausfahrt wäre nett gewesen, doch plötzlich blieb ein Reisebus hinter dem Bahnübergang stehen, und eine Schar Bustouristen stieg aus, um sich die Dampflok anzuschauen. Glücklicherweise konnte man sich gleich hinter dem Bahnübergang in eine einsame Waldkurve zurückziehen... ;-)

Es waren meine ersten Aufnahmen mit der Panasonic Lumix DMC-FZ300, nicht das neueste Modell, aber bewährt und robust.


Video-Screenshot-Vorschau:




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Bilder und Fotoberichte / Jüdischer Osten '18 - 23: Weiß bedecktes Chișinău (50 B.)
« Letzter Beitrag von Roni am 18. April 2018, 19:09:40 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Winterlicher Osten '18 - 22: Schneetag in Chișinău (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3889.0


Das Video zu dem Teil:
https://youtu.be/ApzYd_Lzrcg




20. 3. 2018

Nach Stadtrundgang und Supermarkteinkauf gingen wir am Nachmittag die verschneiten Gasse zum Hotel hinunter.




Der Schnee verdeckte zwar einige Schlaglöcher, aber er schaffte mangels Räumung auch neue Hindernisse. Über diese Stelle an der Kreuzung der Strada Pietrariei, an der unser Hotel lag, mit der großen Strada Calea Moşilor entlang der Bahn war ich mit dem Kia Rio zwei Mal problemlos drüber gekommen. Andere Vehikel, wie zum Beispiel einen VW-Bus, sah ich allerdings dort steckenbleiben. Beim dritten Mal jedoch saßen wir mit der rechten vorderen Stoßstange unten auf einem dieser Eismugel auf. Bei der nachträglichen Begutachtung war ein Riss in der Billigplastik-Schürze zu sehen. Also wurde alles dokumentiert.




Am Schneetag blickte ich bei Dämmerung aus dem Hotelzimmerfenster... was kam, kann man schon in der rechten oberen Ecke entdecken.




Um 18:29 rauchte eine Hälfte einer 2TE10M oder Drittel einer 3TE10M mit dem Zug 341F aus Moskau fast pünktlich die letzten Kilometer der langen Reise zum Chișinăuer Hauptbahnhof hinauf.




Die Rückfahrt des Zuges 341B mit Planabfahrt 20:40 filmte ich aus dem Fenster (Video bei Sekunde 0:47), nun hatte der Schneefall schon deutlich nachgelassen, die beleuchtete Verkündigungskirche gegenüber war klarer zu sehen. Am nächsten Morgen grüßten uns zarte Sonnenstrahlen.




21. 3. 2018

Abfahrt war für 6:30 geplant, das Gepäck ließen wir im Hotel. Kleines Hindernis: das Schlüsselloch des Kia (er besaß nur eines und keine elektronische Verriegelung) war eingefroren. Doch eine heiße Tasse Wasser von der Rezeption, in die der Schlüssel eingetaucht wurde, schaffte Abhilfe. Die Straßen waren trotz schönen Morgens noch weniger geräumt als zuvor, an der Ausfahrt zur Hauptstraße blieb auch der Kia kurz hängen, doch mit ein bisschen zurückschieben und Anlauf ging es schon. Ich plante den ersten Zug am Anfang des Stausees Ghidighici zu erwischen. Dazu fuhren wir die Strada Petricani hinaus und bogen dann von der M21 auf die L445 ab, welche recht steil einen Hügel hinunter führt. Dort begegneten wir einem quer stehenden Tanklastzug, der die Steigung nicht hinauf kam - er wurde vorsichtig umschifft. Bis zur Station Ghidighici konnte man der Straße trotz Schneedecke problemlos folgen, doch dann sah ich einen Lastwagen auf der ultimativen Schlaglochpiste Strada Feroviarilor auf uns zuschaukeln - nein, mit unserem Fahrzeug kamen wir dort nicht weiter. Von der anderen Seite über die R1 hätte man noch rundherum fahren können, doch das war mir schon zu knapp mit dem ankommenden Zug. Also: was tun? Wir fuhren die Straße zurück, die einzige Stelle mit Zugang zur Bahn wäre die Station Pruncul, doch das Umfeld dort war weniger als einladend - und wie sich später herausstellte lag dort neben Industrie auch ein Gefängnis gleich neben der Bahn. Wir fuhren die Steigung zurück hinauf, der Tanklastzug hatte es inzwischen wieder hinunter auf eine Nebenstraße geschafft. Die M21 überquert die Bahn auf einer Brücke - das wäre doch eine Möglichkeit? Also fix das Auto bei einer Tankstelle danach abgestellt - wo sich übrigens gerade mehrere Polizeistreifen zur Kaffeepause versammelten. Ich schnappte die Fototasche und ging zur Brücke. Video nahm ich wegen des dichten Verkehrs nicht mit. Fast hätte ein Blick über einen Teich am Fluss Bîc auch gepasst, doch war die Strecke leider nicht genügend frei. Daher ging ich vor zur Brücke über die Bahn und entdeckte einen Forstweg hinunter. Das war natürlich wesentlich reizvoller, als neben der Straße zu stehen. Zudem hatte ich ja schon am Tag zuvor von oben fotografiert, eine Perspektive von unten schien interessanter. Ich wartete um 7:30, der angepeilte Zug sollte um 7:46 am Hauptbahnhof ankommen.





















Wieder für die weite Strecke recht pünktlich, bog Schnellzug 061B aus St. Petersburg um 7:39 um die Ecke.




Wieder war es die schon erlebte 2TE10L-1250 B-Sektion.




Schneestaub-Action in Moldawien - wer könnte das erwarten!




Und ein bisschen Blau mit Sonnenlicht zeigte sich ebenfalls, auch das war nach dem Tag zuvor eher unwahrscheinlich.




Der erste Wagen stammte von der weißrussischen Bahn.




Der Rest der Garnitur war wieder top in Altgrün gehalten.









Anschließend fuhren wir weiter raus nach Străşeni, doch den nächsten Zug wird es erst im nächsten Bericht zu sehen geben. Auf der Rückfahrt musste ich den Kia vorsichtig die steile Strada Milano hinaufbugsieren, dann war mit dem jüdischen Friedhof der nächste Besichtigungspunkt erreicht.









Es handelt sich um den größten jüdischen Friedhof Moldawiens, manche Quellen sprechen auch vom größten Europas. Chișinău war einst ein Zentrum der jüdischen Kultur in Europa, bis zum zweiten Weltkrieg machten Menschen jüdischen Glaubens etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, laut einer rumänischen Volkszählung 1930 waren es 270000 gewesen. Wer dem Holocaust entkommen konnte, kehrte zu Sowjetzeiten wieder zurück, jedoch wanderten viele vor allem im späteren 20. Jahrhundert nach Israel aus - 75000 Menschen mit moldawischen Wurzeln haben es dorthin geschafft. Doch im Gegensatz zu anderen Orten wohnen in Chișinău auch heute noch 10000 Personen, die sich zum Judentum bekennen (nach antireligiösen Sowjetzeiten wahrscheinlich mehr mit jüdischen Vorfahren), weswegen es nicht wie sonst oft nur Verfall, sondern eine genutzte Abteilung des Friedhofs zu finden gibt.

Mehr Information: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_(Chi%C8%99in%C4%83u)

(auf Englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_Jews_in_Moldova




















Wir wanderten auf Tierspuren bergauf.



















Die Friedhofshüter waren mit der Renovation von Gittern beschäftigt, diese wurden auch gleich als Schneepflug verwendet.
























In der vom Eingang entfernten unteren Ecke des Friedhofs, schon nahe Wohnblöcken, befindet sich der älteste Teil des Friedhofs mit zerstörter Synagoge aus dem 19. Jahrhundert.
























In der Sowjetunion typisch waren Grabsteine mit Skulpturen, die die Tätigkeit der verstorbenen Person symbolisieren.




Anschließend fuhren wir zum Flughafen, um den Wagen zurückzugeben. Für den Schaden an der Stoßstange wurde ein Teil des Selbstbehalts einbehalten, den ich aber ein paar Tage nach der Reise schnell und unbürokratisch vom Rentalcars Komplettschutz zurück überwiesen bekam - kann dazu bei Fahrten in Ländern mit derartigen Straßenverhältnissen nur raten, man sollte nur den Richtlinien zur Dokumentation folgen und sich vom Vermieter alles bestätigen lassen. Ein nicht ganz offizielles Taxi - was den Einteiler am Flughafen aber nicht störte - setzte uns im Zentrum an der Puschkinstraße ab.




Gleich daneben das Gheorghe Asachi-Gymnasium.




Im Hintergrund die Kathedrale der Heiligen Theodora von Sihla.









An der Seite des Nationalen Kunstmuseums findet man das Restaurant PaniPit, wo wir unter anderem dieses moldawische Kotelett mit Mămăligă genossen.




Draußen machten wir noch einen Rundgang, hier trifft öffentlicher Verkehr auf nicht sonderlich ärmlichen privaten Verkehr.




#3789 ist ein ZiU-682G von 1990.









Die Häuser im Zentrum waren ehemals auf ein Stockwerk beschränkt gewesen.




Ein Škoda 14TrDT/6M, geliefert 2002.




Vor dem Geschichtsmuseum stand unter anderem ein Kamow Ka-26 Hubschrauber mit Koaxialrotor. Darunter das Lokal "Propaganda".




Wir stiegen in den brandneuen RTEC 62321M2 #3907 vom September 2017, wo uns die Schaffnerin Einzeltickets um je 2 Lei (10 Cent) verkaufte. Wie bei solchen Preisen Korruption möglich sein soll, ist nicht ganz klar.




An der Station Circul angekommen, ein letztes Trolleybusbild der Reise mit ZiU-682V-013 #3792 von 1990 vor dem ehemaligen Staatszirkus.




Wir kehrten in das Hotel zurück, um das Gepäck zu holen, und ließen ein Taxi rufen. Vor der Hoteleinfahrt fand ich dieses Vehikel abgestellt.




Ein holprige Fahrt durch den Stoßverkehr über diverse Abschneider, wo auch der Taxifahrer angehupt wurde, und wir hatten kurz vor vier den Hauptbahnhof erreicht. Die Fahrpläne draußen an den Türen waren allerdings schon lange nicht mehr aktuell.




Wir nahmen Platz in der Wartehalle. Ein Securitymann wollte wissen, wohin wir fahren würden und ob wir Karten hätten, ansonsten wurden wir in Ruhe gelassen. Wir machten nur ein paar Handyfotos, aber bald sollte es losgehen...



Im nächsten, grenzüberschreitenden Teil widmen wir uns zu 100% der Eisenbahn! :-)
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Bilder und Fotoberichte / Winterlicher Osten '18 - 22: Schneetag in Chișinău (50 B.)
« Letzter Beitrag von Roni am 12. April 2018, 19:50:28 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Qualmender Osten '03-'16 - 21: Abschied von Czernowitz (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3888.0


Das Video zu dem Teil:
https://youtu.be/ApzYd_Lzrcg



Für die heurigen Osterferien hatte ich vage geplant, spontan nach Rumänien zu fahren. Ich schaute mich noch nach Möglichkeiten um und fand vier Wochen vor der Reise ein Angebot um zumindest kurz rein zu schnuppern, wo ich schon länger hin wollte...
Vor der Reise herrschte immer wärmeres Herbstwetter, dann der Blick auf die Prognose - Minusgrade? Schnee? In der zweiten Märzhälfte?


19. 3. 2018

Bei noch schneefreier Kälte fuhren wir Montag Früh nach Wien Schwechat, wo die Air Moldova Embraer 190 pünktlich aus Chișinău (deutsch: "Kischinau") eingetroffen war. Gerade führte die Austro Control eine ausführliche Inspektion durch, also mussten die Fluggäste eine Weile im Bus warten.




Der zwei Mal wöchentliche Flug 868 führte uns meist über Wolken, die erst bei den Karpaten Lücken zeigten. In Chișinău landeten wir inmitten einer durchgehenden Schneedecke. Am Samstag hatte es noch 12 Grad gehabt, auf einem Webcam-Schnelllauf konnte man verfolgen, wie sich erst ab Sonntag Vormittag binnen kürzester Zeit das Weiß durchsetzte.




Mehr über die Stadt hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Chi%C8%99in%C4%83u

Um auf das Land hinaus fahren zu können hatte ich für zwei Tage einen Mietwagen gebucht. Wir bekamen von Hertz einen neuen Kia Rio, der mir jedoch für moldawische Verhältnisse - besonders im Winter - etwas zu tief gelegt vorkam. Auf der Flughafenstraße fahrend und den ersten Schlaglöchern ausweichend erreichten wir nach ein paar Kilometern das Hochhaus-"Stadttor" am Beginn des Bulevardul Dacia.




Zunächst hielten wir beim Hauptbahnhof zwecks Fahrkartenkaufs für die Weiterreise (Ticket-Scan folgt in der Serie), dann ging es zu unserem im Norden der Stadt jenseits der Bahnstrecke gelegenen "Shadow Boutique Hotel and Spa". Es war recht nett und höher gelegen, zudem mussten wir zum Zimmer drei Stöcke erklimmen. Doch die Aussicht vom Balkon zahlte sich aus. Die Sonne schien, doch leider kann man sich in Moldawien nicht einfach zum Eisenbahnfotografieren entscheiden, denn es verkehren nur eine Handvoll Züge täglich. Später am Nachmittag fuhren wir dann ein wenig hinaus, das Resultat wird es aber erst im übernächsten Bericht zu sehen geben, den ich thematisch ordnen werde. Am Abend genossen wir eine erste lokale Jause aus dem gut bestückten Supermarkt in der Nähe. Besonders der Brotkranz war ausgezeichnet, dazu gibt es in einer Weinregion - welche ehemals Teil des osmanischen Reiches war - auch gefüllte Weinblätter zu verkosten.





20. 3. 2018

Eigentlich hätte der Dienstag voller Ausflugstag werden sollen, fast nach Ungheni hätte es gehen können. Doch es waren stärkere Schneefälle noch bis in die Abendstunden vorhergesagt, also hatte das alles leider keinen Sinn. Stattdessen wurden wir mit dem Erlebnis "Sibirien light" beglückt, auch eine sehr spezielle, fotogene Stimmung, die man nicht so erwarten hätte können.

So konnte ich gemütlich nach halb neun erstmals vor das Hoteltor. Momentan fiel weniger Schnee, doch geräumt wurden gerade einmal die Trolleybushaltestellen - hier die Station Circul.
Mehr über das Trolleybussystem der Stadt erfährt man unter anderem hier (auf Englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/Trolleybuses_in_Chi%C8%99in%C4%83u
und hier: http://transphoto.ru/city/174

Rechts ZiU-682V-012 #3777 von 1989 in Werbelackierung, links einer der neu von der weißrussischen Belkommunmasch gelieferten BKM 321, #1291 aus dem Jahr 2011. Die erste Ziffer der Nummern bezeichnet Trolleybus-Depot 1,2 oder 3.




Auf der anderen Seite des Bulevardul Renașterii Naționale ("nationale Renaissance") befindet sich der ehemalige Staatszirkus, gebaut 1981, die Clownskulpturen über dem Eingang stammen von 1988. Der Zirkus ist unbenutzt, zumindest eine kleine Arena daneben wieder aktiv.




Ich ging zur Brücke über die Bahn.




Pünktlich um 8:50 kam Regionalzug 825TSCH nach Ungheni, die erste Station Visterniceni liegt gleich hinter der Kurve. Hier trifft modern auf alt.




Auf den zweiten Blick sieht man, dass "modern" vielleicht doch nicht so zutrifft, denn es handelt sich bei den CFM D1M nur um 2012 von Electroputere modernisierte urige D1, an der Dachpartie leicht zu erkennen. In Visterniceni wurde ein anderer Zug gekreuzt, der aber thematisch wieder in den übernächsten Reportageteil passt.




Blick den Bulevardul Grigore Vieru Richtung Zentrum entlang, #3010 ist ein ZiU-682V von 1985. Die Brücke überspannt auch den Fluss Bîc - man wird aufgefordert "seinen Fluss zu lieben!".




Zwei BKM 321 spiegeln sich im Café vor dem Zirkus.




Erstaunlicherweise benötigten wir die Dienste dieses Herren auf dieser Reise nicht.




Warten auf die Marschrutka... um 10:50 hatten wir gefrühstückt und waren zum Stadtrundgang bereit wieder auf der Brücke angelangt. Es schneite stärker, Frau Holle sorgte für einen Zeitsprung nach...






















... Sibirien in den 70ern?





Schnellzug 047TSCH an geraden Tagen nach Moskau war um 10:50 am Hauptbahnhof gestartet, gezogen von der B-Einheit der CFM 2TE10L-1250. Diese Maschinen waren 1961-77 gebaut worden, das "L" steht für Luhansk, in Russland schied die letzte 1998 aus dem Planbetrieb. Die Fahrplanzeiten haben sich Ende März übrigens geändert. Doch von Sichtungsberichten ist bekannt, dass weiterhin 2TE10L im Personenverkehr aktiv sind.




Trolleybus-Special-Panorama: links ein abgeschleppter Trolleybus auf der Strada Calea Moşilor an der Stelle, wo man zum Hotel abbiegen musste, rechts auf der Brücke eine Fahrschule.
Aus dem Panorama weggelassen habe ich Szenen wie aus dem Krimi, als plötzlich - nur Momente bevor der Zug kam - eine Polizeistreife mit Blaulicht auf den Seitenstreifen unter uns fuhr und drei identische Neuwagen ohne Nummernschild anhielt. Das filmende "dritte Händchen" war davon irritiert, deshalb geriet die Videoszene leider etwas zaghaft. Wir kamen jedoch unbemerkt davon.









Die Wagen sind alle in klassischen Farben und pipifeinem äußerem Zustand gehalten.




ZiU-682V10 #3735 von 1986 kam am verschneiten Boulevard des Weges. Man muss sich schon vorstellen, dass das neben Bussen und Marschrutkas der einzige Massentransport einer über 700000 Einwohner zählenden Metropole ist. Dem Schnee trotzten die Trolleybusse zumindest robust.




Wir folgten dem Boulevard ins Zentrum, rechts ZiU-682V-013 #3792 von 1990.









Dieser BKM 321 warb mit gratis WLAN an Bord.
Die Zahnklinik hatte sich eine strategisch schlaue Position im selben Gebäude zwischen einer Patisserie und einem Zuckerlgeschäft ausgesucht.




Dies ist das Geschäftsviertel des Landes, "Coffee" und "Business Lunch" warteten an jeder Ecke.




Auf der Fußgängerzone Strada Eugen Doga.




Im Kathedralenpark wurde gerade geräumt. Der Glockenturm steht hier separat.




Die Kathedrale der Geburt des Herrn war 1830-36 errichtet worden. Drinnen durfte man nicht fotografieren. Es war sehr stimmungsvoll - ich habe noch selten eine orthodoxe Kirche betreten, wo derart viele Ikonen gleichzeitig bebusselt wurden.









Das "Geräumte" war oft tückisch, denn darunter lauerte manchmal blankes Eis.




Der "Arcul de Triumf" - eigentlich "Heiliger Bogen" - war 1840 anlässlich des russischen Sieges im Russisch-Türkischen Krieg 1829 erbaut worden. Dahinter an der Piața Marii Adunări Naționale (Platz der Großen Nationalversammlung) das Regierungsgebäude Moldawiens.




Blick vom Platz das Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt entlang. RTEC 62321M1 #2401 ist auch das Belkommunmasch-Modell, allerdings 2013 in Chișinău endgefertigt. Das wird am Rückfenster mancher Busse beworben.









VMZ-5298.00 #3865 war als Prototyp mit Batterie ausgestattet worden.









Stefan III. der Große, oder auch "Ștefan cel Mare și Sfânt" - also groß UND heilig, wird uns noch auf den weiteren Reiseteilen durch das ehemalige Fürstentum Moldau ein steter Begleiter sein - mehr zu ihm später.
Rechts Alexander Puschkin, der hier in den 1820ern zeitweise lebte und die Stadt verabscheute. Jedoch war es ein komplett anderes Chișinău - denn das heute zu sehende war von Sowjets nach den totalen Zerstörungen des zweiten Weltkriegs und eines schweren Erdbebens 1940 großteils neu aufgebaut worden.




In der Stadt der Parks spazierten wir durch den zentralen Stadtpark Stefan der Große.




Nach dem Marsch durch den Schnee - noch dazu hatte ich mich rechtzeitig vor der Reise verkühlt - kehrten wir am Rand des Parks in das "Penthouse Café" ein. Der Wintergarten bietet als besonders nettes Feature lebende Föhren, die in die Konstruktion des Daches inkludiert worden waren. Nach Aufwärmen per Suppe (nette Variation: passierte Rote Rüben-Cremesuppe) aß ich ein Kalbs-Entrecôte, bei den Preisen konnte man es sich leisten.




In der Mittagspause hatten einige Freiwillige begonnen den Platz mit dem Denkmal Stefans vom Schnee zu säubern, dieser wurde in Tüchern weggetragen. Vorbei kam einer der eher seltenen Škodas, 14TrDT/6M #3815 von 2001.




Am Regierungsgebäude der Republik Moldau - wie das Land offiziell heißt - möge man nicht nur auf den Adler achten, sondern auch auf den Auerochsen mit Stern zwischen den Hörnern. Ein klassisches Wappentier Moldawiens, welches uns wieder begegnen wird. Die verwickelte Geschichte der zumindest teilweise kongruenten Regionen Moldau, Bessarabien und Bukowina schauen wir uns dann ebenfalls genauer an.




Vor dem wie vieles EU-Flaggen-geschmückten Rathaus: BKM 213 #1279, gebaut 2005, ist einer der wenigen Gelenkstrolleybusse.




Die Löwen vor dem Orgelsaal wurden gerade vom Schnee gereinigt, leider ließ man uns keinen Blick in eine der schönsten Räumlichkeiten der Stadt machen.




"Kunst" im Schnee.




Am Zentralmarkt.









Ca. 5 Eurocent oder 25 rumänische Bani war ein moldawischer Leu wert.




Etwas für Ikarus-Liebhaber. Zufällig war es Linie 2 nach Cricova - eine der Ausflugsmöglichkeiten für den Tag, allerdings hoben wir uns das meiste für einen ausgedehnten Besuch zur wärmeren Jahreszeit auf.
Rechts ein umgedreht recyceltes Straßenschild.









Ein Waffengeschäft mit Waffenverbot...




Wir gingen an Kliniken vorbei. Wie auch in der bulgarischen Provinz gesehen war man hier kreativ mit Autoreifen gewesen.




"Pericol de electrocutare" und Eiszapfen vertragen sich vermutlich nicht so.




Rushhour an unserer Heimatstation Circul.



Trotz Schneefalls bis in die Abendstunden gab es noch Zugbilder an diesem Tag... im nächsten Teil! :-)
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Bilder und Fotoberichte / Qualmender Osten '03-'16 - 21: Abschied von Czernowitz (50 B.)
« Letzter Beitrag von Roni am 09. April 2018, 09:46:44 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Großväterlicher Osten '03-'16 - 20: Festgenommen in Czernowitz (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3887.0



17. 4. 2003


Im vorherigen Reportageteil war ich von der Bahnhofspolizei zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben in die Wachstube mitgenommen worden. Wie schon erwähnt, waren die beiden Beamten ohnehin nicht sonderlich darauf aus gewesen. Ich deutete ihnen, dass ich mit dem Handy jemanden rufen würde, der sich besser verständigen könnte. In der Wartezeit waren sie zum Scherzen aufgelegt, fast hätte ich wohl noch eine Horilka serviert bekommen. Nach einer Viertelstunde traf mein Vater ein, der als ehemaliger Dozent Russisch wie ein Muttersprachler spricht. Nach kurzer, freundlicher Konversation wurde ich noch einmal ermahnt, auch wenn die Stimmung schön ist, in Zeiten des internationalen Terrorismus müsse man nun sehr vorsichtig sein (der 2. Irakkrieg war zu dem Zeitpunkt erst wenige Wochen alt, die Ukraine Teil der "Koalition der Willigen"). Dann wurde ich entlassen, und wir fuhren zu unserem Stammrestaurant "Utah", wo sich die begeisterte Familie schon zum Abendessen versammelt hatte.

Zu Mittag des selben Tages hatten wir den Bahnhof am Stadtrundgang schon einmal besucht. Glücklicherweise ist mein Bild nicht auf der Pinwand neben dem damaligen Regionalfahrplan gelandet... ;-)




Die Haupthalle mit Expressfahrplanaushängen.




Auf den Gütergleisen stand einiges versammelt.









Personenzüge sah man zu dem Zeitpunkt nur abgestellt, links Waggons aus Kiew.




Hmmmm... gut, beim nächsten Shinkansen passe ich dann auf! :0)




Die Garnitur nach Uschhorod.




Links sieht man es leicht rauchen.









Zumindest der Instandhaltung verdankte man eine Verschubbewegung.









Da hatte einer die richtige Idee...




Und dann passierte doch etwas: eine 2M62 qualmte Richtung rumänischer Grenze mit Güterzug aus der Station!
Es ist eines der Bilder, bei dem man sich denkt: wäre ich doch am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen... das werde ich wohl nie wieder dort erleben können.




Vom Bahnhof kann man durch einen steilen Park bergauf gehen, unterwegs:




Hier waren eindeutig Leute mit positiver Lebenseinstellung unterwegs.




Ah! Studenten - wir sind vor der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität angelangt.




Das Ensemble war 1864 - 1882 vom tschechischen Architekten Joseph Hlawka errichtet worden und diente ursprünglich als Residenz des orthodoxen Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens. Die Universität war 1875 als "Franz-Josephs-Universität" gegründet worden, später während der rumänischen Zeit "Universitatea Regele Carol I din Cernăuți", in der Sowjetunion "Tscherniwezkyj derschawnyj uniwersytet". 1955 wurde dieser Gebäudekomplex bezogen, der seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.









Vergleichsbild: links 17. 4. 2003, rechts 2. 8. 2016.




2003 verkehrte ein Skoda 9Tr im Planbetrieb auf der Universitätsstraße. Daneben gab es billiges Kseroksen.




Trolleybusbetrieb 2016.









Rechts die städtische Zahnklinik.









2016 gab es noch Straßenverkäufer, aber im Gegensatz zu 2003 auch an jeder Ecke ein Geschäft. Die Auswirkungen der Ukraine-Krise sieht man auf den zweiten Blick.




Man könnte eine ganze Fotoreise unternehmen, nur um Balkone in Czernowitz zu fotografieren.




Die ehemalige Herrengasse ist die zentrale Fußgängerzone der Stadt, heute Olha-Kobylanska-Straße.




Durch Zufall hatten sich Anne und Thomas unabhängig von mir am selben Tag das selbe Hotel ausgesucht. Also gingen wir am Abend in der Herrengasse essen. Das Lokal war nicht schlecht, allerdings hatte Anne wieder Pech mit dem Service, denn immer bekam sie ihre Speisen wesentlich später als die anderen. In guter alter Manier waren auf der Karte sämtliche Zutaten der Speisen nach Gramm gelistet. Nun war das erste Problem, dass man keine Zutaten weglassen konnte, nur zu anderen Speisen eine Zutat dazu nehmen durfte. Unser Kellner sprach halbwegs Englisch, die Verständigung schien kein Problem. Letztendlich tauchte dann ein anderer Kellner mit einer inversen Speise auf, die nur die ungewünschten Zutaten enthielt. Es dauerte eine Weile, bis der richtige Kellner gefunden war, und das Missverständnis ausgebügelt werden konnte.




2003 war man fein gekleidet zum Besuch im Kinopalast.




Das Kabelservice ist da!









Die ukrainisch-orthodoxe Nikolauskathedrale, oder auch "betrunkene Kirche".




Die Himmelfahrtskathedrale.









Das hölzerne Ensemble der Nikolauskirche gleich neben der Nikolauskathedrale. 1748 noch zu osmanischer Zeit erbaut, die älteste orthodoxe Kirche der Stadt.




An Holzgebäuden fand man diese Brandbekämpfungsutensilien.




Messe in der katholischen Kreuzerhöhungskirche.









Am Nachmittag des 17. 4. 2003 fuhren wir hinaus zum jüdischen Friedhof der Stadt, einer der größten Europas - einen weiteren werden wir bald in der Serie besuchen.




Durch Zufall trafen wir eine Verwandte der 2002 verstorbenen Rosa Roth-Zuckermann. Sie wurde durch Volker Koepps Dokumentarfilm "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" von 1999 bekannt.




Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Czernowitz kann man hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Czernowitz














Vom Friedhof überblickt man das Industrieviertel der Stadt, im Hintergrund befindet sich das Lokomotivdepot.






3. 8. 2016

Für mich ging es am nächsten Morgen Richtung Rumänien weiter. Mit vollem Gepäck marschierte ich den Hügel zum Bahnhof bergab, besorgte mir im Regionalteil des Gebäudes ein Ticket nach Vadul Siret und setzte mich anschließend zu den Wartenden.
Doch Moment... es lag etwas in der Luft, was mich schnell mit dem schweren Rucksack wieder etwas bergauf zur Brücke der Prutstraße laufen ließ... Inzwischen kam links M62-1473 aus dem Depot, das rechte Gleis führt Richtung rumänischer Grenze.




Was stand denn da noch so herum?




Fünf Minuten später ging es Richtung Vadul Siret los! Vierfach-Power durch zwei 2M62... die Stromleitungen nahe meines Brückenstandpunktes habe ich entfernt.




Aufgerollte gelbe Flagge wird gezeigt, hinten rangiert inzwischen die M62.




Die Weitwinkelvariante, danach schaltete ich schnell auf Videomodus um, sodass man hier noch den Sound zur Szene erleben kann: https://youtu.be/WmYCDzD87uc?t=14m34s




Später nahm ich Platz im Zug 959 nach Vadul Siret. Am Nebengleis war gerade eine 2TE10M angekommen.



Als nächstes steuern wir ein anderes Ziel in der Region an, ehe beide Reportageteile wieder zusammengeführt werden... :-)
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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Finale im Südosten '17 - 19: Am griechischen Bahn-Olymp (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3865.0


Was bisher geschah:
Trolleybusse im Osten '03-'16 - 14: Kolomyja - Czernowitz (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3800.0



Da es wieder Nachschub aus der Region gibt, kehren wir zur Serie von 2016 zurück.

Die Bilder dieses Reportageteils stammen vom 16. und 17. 4. 2004, sowie vom 2. 8. 2016.

Zu Ostern 2003 unternahmen wir eine erweiterte Familienreise durch die Westukraine. Darunter besuchten wir mit Czernowitz/Ukrainisch heute Tscherniwzi auch die ehemalige Heimat meines Großvaters väterlicherseits. In eine k.u.k. Soldatenfamilie im heute polnischen Przemyśl geboren, zog er als Kind noch in Zeiten der Monarchie nach Czernowitz. In der Zwischenkriegszeit gehörte die Bukowina zu Rumänien, mein Großvater sprach auch Rumänisch und fühlte sich offensichtlich in der Zeit heimisch. 1940 wurde die Stadt vorerst von der Sowjetunion besetzt, im Zuge dessen nach Verhandlungen ca. 25000 "Deutsche" "heim ins Reich" geschickt wurden. Dadurch gelangte mein Großvater nach Wien. Allerdings hat er durch dieses Trauma Zeit seines Lebens nie wieder einer Staatsmacht vertraut, selbst wenn es ihm später im friedlichen Österreich Vorteile gebracht hätte.

Genaueres über die Geschichte der Stadt kann man hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Czernowitz

Kanaldeckel halten sich wirklich lange, 2003 konnten wir Relikte aus unterschiedlichen Perioden der letzten hundert Jahre finden.




Die Gassen wurden umbenannt, Großvaters Haus stand einst in der steilen Roschergasse zur Vorstadt Rosch, 2003 ist es die Wulyzja Gastello.




Ähnlicher Blick im August 2016









2003 angekommen beim Haus. 2016 fand ich schon einige Um- und Vorbauten, so dass kein echtes Vergleichsbild existiert.




In der ersten Hälfte des 20. Jhdts. ein Einfamilienhaus, wurde es Anfang des 21. Jhdts. von vier Parteien bewohnt.




Jedoch nur eine Toilette draußen.




Die Bewohner erwiesen sich als äußerst freundlich, wir wurden in allen vier Wohnungen willkommen geheißen.




Dadurch erlangten wir auch interessante Einblicke, die man sonst wohl nicht so vom ukrainischen Alltag bekommt.














Dieses reizende Paar hatte es uns besonders angetan. Überall ließen wir kleinere Geschenke, Annehmlichkeiten wie Kaffee, die dort nicht so leicht zu bekommen waren. Mit den Alten hielten wir noch aus Wien Briefkontakt, schickten auch Geld zur Unterstützung. Sie freuten sich, eine neue Familie gefunden zu haben. Leider waren sie schon teilweise blind und starben recht bald darauf...














Die erste Nacht verbrachten wir in einem Sowjet-Betonbunker, dessen Highlight eine ausgestopfte Kuh im Frühstücksraum war. Ein Teil der Familie bildete sich ein, dort nicht mehr übernachten zu wollen, also fand man dieses "Motel" etwas außerhalb des Zentrums. Ich will nicht wissen, was es sonst noch so war - jedenfalls äußerst geschmackvoll designt. Ich hatte dort ein Bett, auf das ein viel zu kurzes Leintuch gespannt wurde.




Meine Cousine konnte angesichts dieser Vokuhila-Coverbilder einem Kassettenkauf nicht widerstehen.




Ebenfalls populär: die Zeitung "Ohne Zensur".
Auf dem Weg vom "Motel" in die Stadt passierten wir stets den "Reaktor"-Disko-Klub.




Der bedeutendste ukrainische Lyriker Taras Schewtschenko - zu dem Zeitpunkt vermochte er die Menge allerdings nicht zu beleben.




Links Kino und ehemalige Synagoge. Rechts der Kulturpalast mit Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina.




Nach der Wende restaurierte Sterne im Stiegenhaus, welche während der Naziherrschaft verstümmelt worden waren. Einer wurde als Erinnerung belassen.




Paul Celan ist ebenfalls in Czernowitz geboren worden.









Wir fanden einen Stapel alte k.u.k. Ansichtskarten - am Nachmittag des 17. 4. 2003 spazierte ich damit für Vergleichsaufnahmen durch die Stadt, hier am Zentralplatz.




Die alten Strommasten aus der Monarchie faszinierten, an anderen Stellen waren sie noch zu finden (siehe vorheriger Teil).




Viele ältere Damen boten Waren aus dem eigenen Garten an. Vor mir als Fotografen hatten einige Angst - ich will nicht wissen, was sie schon durch mafiöse Typen und Ordnungsorgane erlebt haben.









Das 1905 errichtete Stadttheater.




Im Sommer 2016 wurden auf dem Theaterplatz mittels edlen Tanklasters Blumen gegossen.




Hier sollen zwei Schwestern gegenüber gewohnt haben.




Bei Dämmerungseinbruch um 20 Uhr am 17. 4. 2003 marschierte ich die Gagarin-Straße hinunter Richtung Bahnhof.




Rechts vor der Post ein T-34, als Denkmal für die Panzerbesatzung unter Leutnant Pawel Nikitin, die Czernowitz am 25. März 1944 als erste erreichte.




Der 1905-1908 gebaute Bahnhof.









Es herrschte am Abend viel Betrieb, mit lokalem Verkehr in einige Richtungen, unter anderem nach Stefaneschty, Wyschnyzja, Mamalyga und Meschyritschtschja (ein Dorf, auch Bezeichnung für Mesopotamien).
Haupttraktion: TschME3.














Die Bahnsteigsbeleuchtung wurde erst spät aktiviert.




Typische Zugenden: hinten der Schnellzug nach Lwiw, vorne Regionalzug 6685 nach Stefaneschty mit Abfahrt um 20:32.




Bespannt von TschME3-4546.




Für die kühle Nacht wurde angeheizt.









Kurz vor der Abfahrt.














Die Fuhre nach Lwiw bekam edlere Traktion verpasst: M62-1397. Die damalige Olympus Camedia C3000Z aus dem Jahr 2000 konnte man einfach gegen Lampenmasten pressen und Langzeitbelichtungen anfertigen. Bei keiner moderneren Digicam funktionierte das jemals wieder so problemlos.




Im Hintergrund sieht man gerade eine 2M62 aus Richtung Vadul Siret an der rumänischen Grenze andampfen.




Die Fuhre kam zum Stehen - erster Waggon: Bukarest - Moskau.




Vier Wagen waren angekommen.




Eine durchfahrende TschME3 beleuchtete die Konturen der 2M62.




Es war noch die Zeit vor der orangen Revolution, und auf den Maschinen hockten noch einige Hardcore-Sowjettypen. Ein - auch vom Aussehen her - Lenin-Jünger an der M62 wurde auf mich aufmerksam und aktivierte die Beleuchtung um mein Treiben genauer zu begutachten.



Daraufhin alarmierte er die Bahnhofspolizei, welche bis dahin mein Treiben überhaupt nicht interessiert hatte. Als mich die Beamten in Gewahrsam nahmen, gab mir der Typ doch tatsächlich die Hand - als ob ich stolz darauf sein dürfte, dass er als sein Pflicht als Genosse erfüllt hatte. Das Ganze wirkte so skurril, dass ich schon das Gefühl hatte, ich könnte jetzt gehen - aber nein, man nahm mich mit auf's Wachzimmer...
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Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
ScanRail Tour 2004 - 19: Malmö - Göteborg (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3884.0




29. 8. 2004


Wir kehren zurück nach Göteborg C, wo X2000 warteten.









Bunter Lokalverkehr.




Wir bestiegen erneut eine Gumminase.




Der Öresundståg brachte uns um 20:30 zurück nach Malmö C.




Ein Linx stand ebenfalls dort.




Um 21:30 bestiegen wir unseren Liegewagen im "Berlin-Night-Express".




Die schon in der Früh gesichtete SJ Rc3 1061 übernahm den ersten kurzen Part der Reise.




Die typische Sekundenanzeige kommt bei Nacht besonders gut.




Bei der Abfahrt stand ich am offenen Fenster um den lauen Sommerabend zu genießen und das letzte Stück Skandinavien zu sehen. Es sollte auf die kurzen Stichstrecke Richtung Trelleborg gehen, zwecks Fährüberfahrt nach Sassnitz.
Die Ausläufer Malmös zogen vorbei, die Station Malmö Syd... Moment... Malmö Syd? Da geht es ja gar nicht nach Trelleborg, da geht es zur Öresundbrücke!
Nach ein paar Momenten dürften das auch andere gemerkt haben, denn der Zug blieb auf freier Strecke eine Weile stehen. Und schob anschließend auf freier Strecke zurück!
Da war es tatsächlich passiert: das einzige Mal, dass ich persönlich erleben konnte, wie ein Zug sich verfuhr...

Letztendlich trafen wir um 22:30 im Fährhafen Trelleborg ein.




Das Schiff war zumindest noch da, eine Diesel-Rangierlok übernahm am Bahnsteig von der Rc.




Und schob uns neben LKWs in das Innere der Fähre. In der Nacht blieb ich liegen, es herrschte ohnehin nur Finsternis.






30. 8. 2004


Kurz nach sechs Uhr Früh hatte uns der GVG (Georg Verkehrsorganisation GmbH) Holzroller 109-3 mit Scandlines-Werbung bis Berlin Ostbahnhof gezogen.






16. 8. 2010

Sechs Jahre später verweilte ich ebenfalls in Berlin und erwischte die damalige Ausführung des Zuges.




Leerfahrt inklusive leichten Regenbogens an der Greifswalder Straße.







30. 8. 2004


Zurück zur Morgenstimmung am Ostbahnhof.









Wir starteten ein buntes Tages-Besuchsprogramm, für mich war es der erste Berlin-Aufenthalt.
Nach einer Doppeldeckerbus-Fahrt konnte ich Straßenbahnen bei der Marienkirche fotografieren.




Links im Hintergrund die Heilig-Geist-Kapelle, heute Teil der Humboldt-Universität.




Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in der Neuen Wache.




"Erichs Lampenladen" stand damals gerade noch, das Holocaust Mahnmal befand sich erst in Bau.









He, du bist hier auf der falschen Seite! ;-)




Gegen Mittag kamen wir zurück zum Hackeschen Markt.









Neben Mittagessen gab es Kreuzungen der Verkehrswege.



















Zur S-Bahn Station Westend.




Ein bisschen ins Grüne am Schloss Charlottenburg.




Mit Nutria.




Zurück nahmen wir die U-Bahn von Jungfernheide.




Zur seinerzeit Mehdornschen Zentrale am Potsdamer Platz - die Serie habe ich damals schon einmal gezeigt.





























2004 gab es Montagsdemos und Olympische Spiele in Athen - was man alles im Nachhinein so weiß...




Vor sieben kehrten wir zum Ostbahnhof zurück.





























Gegen 19:15 näherte sich EuroNight 229 "Spree-Donau-Kurier" nach Wien über Nürnberg mit Planabfahrt um 19:21.




Ich fotografierte gleich aus dem ÖBB-Schlafwagen während der Fahrt durch die Stadt.









Ein letztes Sonnenbild mit dem werdenden Berliner Hauptbahnhof.




In Wannsee standen wir noch eine halbe Stunde, dann ging es in die Nacht nach Wien.

Das war's mit der ScanRail Tour 2004, ich hoffe, es hat gefallen! :-)

Die Bahnroute mit dem heute nicht mehr existenten ScanRail Pass war:
Wien - (Flug) - Stockholm - Östersund - Gällivare - Narvik - Björnfjell - Narvik - (Bus) - Bodø - Trondheim - Åndalsnes - Oslo - Bergen - (Boot) - Flåm - Myrdal - Bergen - (Boot) - Stavanger - Oslo - (Flug) - Wien und
Wien - Hamburg - Westerland - Kopenhagen - Malmö - Göteborg - Malmö - Berlin - Wien.
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Bilder und Fotoberichte / Frühl... Winter in Sibir... Moldawien (1 V. / 2 B.)
« Letzter Beitrag von Roni am 28. März 2018, 12:43:09 »
Hallo!


Zum Video geht es hier:
https://youtu.be/ApzYd_Lzrcg


Bin gerade zurückgekommen von einem Städte-Sightseeing-Trip über Land nach Hause von Chisinau, Moldawien, über Rumänien inklusive Iasi, Suceava in Timisoara.

Unerwartete "Sibirien light"-Bedingungen auf der Osterreise erschwerten die geplante Tour mit Mietauto auf das Land in Moldawien, doch die Stimmung war natürlich etwas Besonderes, und die gesichteten Maschinen im Einsatz teils museal. Von Chisinau nahmen wir Zug 105b bis Iasi. Am nächsten Morgen schaute ich hinaus nach Buhaiesti bei perfektem Winterwetter, nach Stadtbesichtigung Iasi übernachteten wir in Suceava. Ab nächstem Nachmittag ging es im Schlafwagen quer durch das Land bis Temeswar, wo wie immer alte Straßenbahnen (zwei nun in historischem Gelb, das sah ich letzten Oktober noch nicht), Malaxas (Ferkeltaxe sichtete ich keine) und mehr auf einen warteten.

Gefilmt habe ich nur ein paar Szenen, wie immer folgt viel mehr in den Fotoberichten... :-)


Video-Screenshot-Vorschau:



CFM 2TE10L-1250b mit 061b aus St. Petersburg bei Pruncul, 21. 3. 2018
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Bilder und Fotoberichte / ScanRail Tour 2004 - 19: Malmö - Göteborg (50 B.)
« Letzter Beitrag von Roni am 14. März 2018, 21:05:43 »
Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
ScanRail Tour 2004 - 18: Holmenkollen - Öresund (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3882.0




29. 8. 2004


Wir kehren am Sonntagmorgen zu den Öresundståg X31K nach Malmö C zurück.









Für Spiegelungen eignen sie sich hervorragend.









SJ Rc3 1061 fand sich ebenfalls ein, seit 2014 Hectorrail 143 061. 1059 und 1060 gab es am Anfang der ScanRail Tour in Stockholm zu sehen.




Überblick über die Halle mit abfahrbereitem X2000 rechts.









Über den Öresund Richtung Kopenhagen und Helsingör sollte es ebenfalls gleich losgehen.



















X2000-Impressionen.














Abfahrt Richtung Stockholm.














Wir nahmen nach dem Frühstück im Hotel einen Öresundzug und kamen vor 12:30 in Göteborg an.









Connex-Nachtzug 91 aus Luleå hatte ebenfalls gerade das Ziel der weiten Reise aus dem Norden erreicht.




Front des hübschen Empfangsgebäudes von Göteborg C, gebaut 1856-57.



Hier treffen wir auf die Straßenbahn Göteborgs:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenbahn_G%C3%B6teborg

Die Triebwagen der Type M31 waren 1984-92 von ASEA und ABB gebaut und 1998-2003 von Mittenwalder Gerätebau um einen Niederflur-Mittelteil ergänzt worden.




Treffen mit der älteren Baureihe M29, 1969-1972 von Hägglunds geliefert, erkennbar an den 800er-Nummern. Diese ist aufgrund anhaltender Probleme mit Nachfolgern (M32 von AnsaldoBreda ab 2004 geliefert, nun folgen Bombardier Flexity Classic als M33) weiterhin im Einsatz.




Die aktuelle Lackierung ist zweifarbig.



















Das Stadtmuseum Göteborg ist in einem ehemaligen Gebäude der Schwedischen Ostindien-Kompanie aus dem 18. Jhdt. untergebracht.









Das Marine-Museum Maritiman liegt am Göta älv, hier das U-Boot "Nordkaparen".




Das Fischerboot "Gunhild" wurde seither verschrottet.




Auch Straßenbahnen fahren über den Göta älv, der den Vänersee mit dem Meer verbindet.




Die Göta älvbron ist eine 1937-39 gebaute und 1966 verbreiterte Klappbrücke.




Eine Skulptur des schwedischen Dichters Evert Taube und die Viermastbark "Viking" von 1906 beleben das Bild.









Die neue Oper Göteborgs war 1994 eröffnet worden.




Im Hintergrund der Turm der Christinenkirche oder Deutschen Kirche aus dem 17. Jahrhundert.




M28 (700er-Nummern, die älteste aktive Type gebaut 1965–67 von ASEA/ASJ) vor dem Kunstmuseum am Götaplatsen.




Später genossen wir das Nachmittagslicht im Kungsparken zwischen Victoriabron und Vasabron.


































Die Göteborger Wappentiere an der Fontänbron ("Brunnenbrücke") erinnern an die seit dem 17. Jhdt. hier existierenden hölzernen Stadtbrücken mit Löwenstatuen.














Zurück am Hauptbahnhof für einen Linx X2000 im besten Licht.




Ich stelle es mir immer als Manhattan für Trolle vor... ;-)



Nächstes Mal fahren wir endgültig von der ScanRail Tour 2004 heim - aber nicht ohne Umweg!
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Hallo!


Zum Video geht es hier:
https://youtu.be/ETrRKPTeZWY



Vorletzten Samstag, 24. 2. 2018, war ich für einen Tag im Oberallgäu unterwegs. Leider hob sich der Nebel nicht, dennoch boten sich genügend winterliche Szenen mit der seit Dezember wieder zwischen Immenstadt und Oberstdorf vor den Alex-Zügen verkehrenden ex-ÖBB 2143.21 sowie einigen 218ern. Auch der Doppelstock-"Schnee-Express" aus Ulm verkehrte.
In der Früh und am Abend konnte ich Aufnahmen in München Hbf machen, unter anderem mit 111ern. Hin und zurück nahm ich den Schlafwagen im Kalman Imre, zurück wegen Wartens auf den Zugteil aus Italien in Salzburg (6 Stunden Aufenthalt) mit großer Verspätung - aber ich genoss dafür die Fahrt in einem T3 für mich allein.

Video-Screenshot-Vorschau









Letzten Samstag, 3. 3. 2018, ging es zu einem näheren Tagesausflug nach Radstadt - diesmal hob sich der Nebel, und die Temperaturen stiegen auf +6 Grad in der Sonne. In Bischofshofen wartete der "Alpen Express 2" auf seine Rückreise aus den Krokusferien mit verkehrsroter BTE-Bügelfalte 110 491.

Doch Objekt der Begierde dieser Turnuszug-Saison war natürlich der reguläre DRV 13187 "Alpen Express" Leiden Centraal (ab 16:56 am Tag zuvor) - Schladming mit nostalgischer AKE E 10 1309. Während also im Allgäu eine blutorange 2143er unterhält, ist es hier der TEE-lackierte ex-DB Oldtimer.



Zwischen Schladming und Bischofshofen bekommt man dann noch die Leerfahrt Lp 85104 als Bonus, zwecks Abstellung während des Tages.
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