Autor Thema: Ein Sprung ins Baltikum 2010 - 4: An der estnischen Rollbahn II, 17. 8. (50 B.)  (Gelesen 2914 mal)

Roni

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Hallo!

Wir setzen unseren Bericht am frühen Nachmittag des 17. 8. 2010 in Kehra fort: ich war zum Bahnhof zurückgekehrt, als schon wieder der nächste Kesselwagenzug aus Richtung Russland heranrollte, gezogen von 2TE116-1366. Im Vordergrund sieht man das alte Stationsgebäude, das hier ebenso wie in Aegviidu abseits der modernen Bahnsteige stand.


ChME3-1328 - eine ex-sowjetische Lok aus tschechischer Produktion in Wisconsin Central Farbkleid wirkte schon etwas komisch, passte aber gut - hatte mittlerweile mit ihrem kurzen lokalen Güterzug gewendet und stand auf Gütergleisen des Bahnhofs. Hier gab es einen Anschluss zur lokalen Zellstofffabrik, deren Anweisenheit sich vor allem dadurch äußerte, dass es überall im Ort roch als ob jede Babuschka des Dorfes gerade eine Krautsuppe kochen würde.


Der nächste Zug aus Tallinn kam an, diesmal sehr gut besetzt.





Der Sammler folgte gleich - so eine Gerade, in der man zwei Züge hintereinander im Blockabstand sieht, hat man auch nicht oft! Am anderen Ende, kilometerweit weg, lag die Kurve von Aegviidu, die Brücke von Kehra ist in der Nähe zu erkennen.


Endlich, um 15:42 konnte ich nach Osten weiter, mit dem nächsten Triebwagen nach Tartu.


In Lehtse, eine Station vor Tapa, verliess ich den von DR1B-3705 geschobenen Zug wieder. Vom Betonbahnsteig aus ergab sich dort dieser schöne Blick auf die herrliche alte Station. Ich dachte mir: das könnte doch mit einer langen Wagenschlange nicht schlecht aussehen, und wartete, und wartete...


Doch es kam immer nur von hinten etwas, so wie dieses Bahnbauvehikel. Das Signal Richtung Tallinn erwies sich leider als Selbstblock, hatte also keine Aussagekraft.


Als nächstes 2TE116-1682.





And als Highlight C-36-7i 1503 mit Containern an der Zugspitze, das sah schon nicht mehr so europäisch aus!


Etwas später hielt der Triebwagen nach Narva.


Spiegelbeobachtung beim Einsteigen, welches durchaus öfter Turnen über große Spalten bedeutete...








Die Sonne setzte nun zu einigen herrlichen Stimmungen an, und ich gab meinen Traum von einem Zug in die gewünschte Richtung vorerst auf, um mich weiter Richtung Tapa zu bewegen.


Hier erwartete ich zunächst den Express nach Tartu um 18:15 und erwischte ihn, als die Sonnenstrahlen herrlich durch die Wolken brachen.


Nun erwartete ich den Moskva-Ekspress, aber es kam: der nächste Kesselleerzug aus Tallinn, gezogen von 2TE116-1259!








Man Standpunkt war bei einem Bahnübergang genau auf der Kuppe zwischen Lehtse und Tapa, so dass es in beide Richtungen hinauf ging. Leider läutete die Warnanlage ziemlich lästig und beständig.


Nachdem der Güterzug vorbei war, fing der dritte Weltuntergangsschauer des Tages an, und zwar so stark, dass ich ohne Regenschirm triefend nass geworden wäre. Schon bald kam aber die Abendsonne durch, und ich konnte es schon erahnen, für den anstehenden Schnellzug würde die Stimmung der pure Wahnsinn werden! Also voilà: Sonne und strömender Regen für den GORail Moskva-Ekspress Tallinn - Moskau, wie immer mit TEP70-0238!








Hier ein Panoramaansicht:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/449549/display/22584399

Vor Tapa kam schon der nächste Schnellzug aus Tartu entgegen.











Der Regen hatte nun wieder aufgehört, und ich atmete kurz durch, doch schon erspähte ich unten in Tapa eine gewaltige Rauchsäule aus etwas Gelb-Rotem aufsteigen! ;-)


Es handelte sich um eine GE-Doppeltraktion mit C36-7i 1545 und 1515!


Schnell schnallte ich auf das Superweitwinkel für die Wolkenstimmung um:


Sind wir hier in Estland oder vielleicht doch in Wisconsin? ;-)


Nachdem die Monster-Maschinen mit Begrüssungs-Tröten an mir vorbeigedonnert waren, drehte ich mich um und sah: Zugbegegnung!





Ex-Sowjetmaschinen klingen schlechter, aber rauchen besser: mein erster Liebling aus der Früh in Aegviidu, Transoil 2TE116-795, hatte die ganze Landschaft eingenebelt...


Keine Sackgasse für die Bahn hier.


Nun konnte ich hochzufrieden zum Bahnsteig zurückkehren, zunächst sollte noch ein Triebwagen aus Tallinn kommen. Deshalb begab ich mich erst an das andere Bahnsteigende, doch eine vage Hoffnung, dass doch noch etwas aus Tapa kommen könnte, trieb mich wieder zurück. Und tatsächlich, in der Ferne stieg wieder eine riesige Rauchwolke auf. Da es aber noch einige Minuten dauern würde, konnte ich so zuerst gemütlich DR1BJ-2717 nach Rakvere mit Sonnenuntergang erlegen, er war um 19:49 fast pünktlich und der letzte Zug des Tages in Richtung Osten.





Wie erhofft schlängelte sich die von 2TE116-1050 (auch eine Bekannte aus der Früh) angeführte Wagenkette herrlich über die Kuppe.


Und neben der Station machte sich der Zug im letzten Abendlicht ebenfalls wunderbar. Die seltsamen Typen auf der Lok waren offensichtlich abgelöst worden, und ich wurde freundlich gegrüßt.


Das sieht man in unseren Breiten auch nicht alle Tage: der Flug der Ibisse!


Ein Drama spielte sich noch ab: ein Passagier kam um acht Uhr an den Bahnsteig und wollte verzweifelt Richtung Rakvere, doch der Zug war bereits eine Viertelstunde vorher gefahren. Durch Baustellen wurden die Fahrpläne öfter verändert, so dass sich offensichtlich manche nicht mehr auskannten. Mein Zug aus Valga kam pünktlich um 20:15 des Weges, da verharrte der Arme noch immer stur am Bahnsteig, auch wenn eine begleitende Freundin und ich ihm erklärt hatten, dass da nichts mehr fahren würde.


Auf weiteren Waldlichtungen sah man während der Fahrt noch immer die untergehende Sonne.


Ich lehnte mich immer wieder aus dem Fenster und wurde nicht enttäuscht: kurz nach Lehtse kam uns noch 2TE116-788 entgegen.


Die Sitzbänke im Inneren waren fast Holzklasse, nur mit Plastiküberzug, und absolut ungeeignet für Langstrecken (die Fahrt Valga - Tallinn dauert etwa fünf Stunden), mir tat schon nach einer halben Stunde der Rücken weh. Manche Züge sollen aber auch erste Klasse Abteile besitzen, und Stadler-Triebwagen schon bestellt sein. Am Abend ging die Fahrt sehr flott dahin, oft mit über 100 km/h, und man merkte, was in der Strecke steckte. Offensichtlich hatten die Bauarbeiter alle Feierabend, denn wir kamen pünktlich in Tallinn an.


Mein Zug nach der Ankunft um 21:27 zur blauen Stunde in Tallinn, rechts fuhr DR1A-228 rauchend nach Turi aus.








Gemeinsam mit einem ER2 verliess der Leerzug den Endbahnhof.


Am Heimweg machte ich noch ein Bild am Rathausplatz, ein schöner Abschluss für einen höchst erfolgreichen Tag! Es wurden gezählte 21 Güterzüge gesichtet, und dabei 6 verschiedene GE Dash-7 im Einsatz, alle C36-7i, weit mehr als aus den letzten Jahren berichtet. Das war das Ende der kurzen Balitkum-Reihe aus diesem Sommer, aber ich komme sicher gerne jederzeit wieder, wo ich mich nun halbwegs auskenne. Als Stützpunkt könnte ich mir nächstes Mal Rakvere vorstellen, denn von dort gelangt man noch früher in die Steigung nach Tapa. Der Moskva-Ekspress mit Sonnenaufgang muss dort absolut super sein, und ich bin sicher, man könnte an diesem Ort vermutlich einen ganzen Tag verbringen und den schwerarbeitenden Diesel-Monstern lauschen und zusehen!
lg,
Roni

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Schöner Abschlußbericht Deiner Reise.  :D :D
Leider fehlt der Sound, den Du uns in den Beschreibungen so schmackhaft gemacht hast.  :'(

lG
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Roni

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Hallo!

Danke!  :)

Man könnte ja auch die Videos dazu abspielen...  ;)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=2824.0
lg,
Roni

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Die Videos habe ich mir schon angesehen, aber da kommt der Sound natürlich nicht so gewaltig rüber,wie wenn man an der Strecke steht.  ;)

lG
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Loknarr

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@Roni

Super Report! :)

MfG
Loknarr
Bei Einbruch der Finsternis muss mit Dunkelheit gerechnet werden!