Autor Thema: Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)  (Gelesen 4158 mal)

Roni

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Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« am: 27. Mai 2011, 02:33:06 »
Hallo!

Auf Anfragen hin gibt es nun eine kleine Auswahl der Fotos meiner diesjährigen Osterreise nach Rumänien und Kroatien über Ungarn. Am Abend des 17. 4. 2011 bestieg ich den ÖBB Schlafwagen des D 347 "Dacia" von Wien nach Bukarest. Ich hatte auch mit T3-Ticket ein Abteil im P-Wagen für mich alleine, mein Lieblingsschlafwagenabteil, allerdings ist die Laufruhe nicht mehr die beste. Ich hatte eine kurze Nacht vor mir, nur 7 Stunden, Ankunft in Arad sollte gegen 4 Uhr osteuropäischer Zeit sein, also schon um 3 nach meiner mitteleuropäischen inneren Uhr. Die Nacht verlief ruhig, bis auf eine Zwangsbremsung gegen 1 Uhr, woraufhin mehrere Eisenbahner unseren Schaffner weckten. Mit insgesamt 30 Minuten Verspätung erreichten wir die Grenze, an der noch immer kontrolliert wird, allerdings nicht furchtbar streng. Die Verspätung war mir nur recht, mein erster Anschlusszug in Arad sollte erst in einer Stunde fahren. In Arad kamen wir am Hausbahnsteig an, der eigentlich überall in Rumänien gut in Schuss gehalten wird, die Beschilderung erinnerte mich an Italien. Nachdem ich die Abfahrt des "Dacia" hinter einer 47er auf der Hauptstrecke Richtung Brasov und Bukarest aufgenommen hatte, begab ich mich durch die Unterführung zum letzten der zwei Nebenbahnsteige, hier war alles etwas heruntergekommen. Auf den angrenzenden Gütergleisen gibt es die ganze Zeit regen Verkehr, auch einige Private kommen vorbei und sorgen für viel Abwechslung. Der Garnitur meines Zuges P 3123 Arad - Brad näherte sich eine 65er, die von gut gelaunten Verschiebern angekuppelt wurde. Ich stieg nun in den dunklen Zug, den ich nur eine halbe Stunde bis zum Knotenpunkt Sântana (auch Sintana genannt = "Sankt Anna") benutzen würde. Kurz vor der Abfahrt kam leider von mir nicht fotografier- oder filmbar ein Güterzug mit einem U-Boot als Vorspann vorbei.



Wir fuhren nun ein kurzes Stück auf der Hauptstrecke zurück Richtung Ungarn, bevor die bis Sântana zweigleisige Dieselstrecke nach Norden abbog. Die Schaffner kamen mit Taschenlampe ausgestattet zur Fahrkartenkontrolle vorbei, auf die Zugbeleuchtung war eher wenig Verlass. Lustigerweise war ich schon nach den wenigen Minuten am Bahnsteig unter dem Spitznamen "Paparazzi" bekannt!
In Sântana stieg ich in herrlicher Morgenstimmung aus, noch war es dunkel, aber am Horizont dämmerte es schon. Überall im fast 15.000 Einwohner zählenden Ort erwachten die Hähne und gaben ein Krähkonzert von sich. Die 65er dieselte auf der Strecke Richtung Ineu und Brad weiter, während kurz darauf ein ehemaliger SNCF X 4500 des privaten Betreibers RegioTrans Sântana Richtung Arad verliess. Einen spektakulären Anblick bot der untergehende Mond, der sich knapp über dem Horizont tiefrot verfärbte.
In der Dunkelheit marschierte ich die Strecke Richtung Norden entlang und musste einem ein Grundstück verteidigendes Hundepärchen ausweichen. Doch bald war die nördliche Bahnhofsausfahrt erreicht, wo sich die Strecken Richtung Oradea und Ineu aufteilen. Erdhügel von Bauarbeiten ermöglichten noch dazu einen Überblick über die bis zu den Bergen in der Ferne komplett flache Landschaft.

Tren accelerat (Eilzug) A 1744 Baia Mare - Timisoara in Form eines CFR Desiro konnte ich mit dem untergehenden Mond auf Chip bannen.


Ein Grund meiner frühen Anwesenheit vor Ort war die einzige Malaxa 77-9xx Leistung ab Arad, der Frühzug nach Chisineu Cris (Cris, auf deutsch Kreisch, ist der Fluss (oder die Flüsse), der dieser Region nördlich von Arad den Namen Kreischgebiet gibt, südlich angrenzend ist das Banat). Pünktlich um halb sieben kam P 3729 des Weges, bestehend aus einem urigen Malaxa-Doppel.


Der Zug, bestückt mit sehr nettem Triebfahrzeugführer, wie oft in Rumänien, knatterte herzhaft in Richtung baldigem Sonnenaufgang.


Endlich erhob sich die Sonne über die Hügel in der Ferne, im Vordergrund die in dieser Region besonders typischen und stark ausgeprägten Telegrafenleitungen.


Der nächste Höhepunkt bestand aus P 3112 Oradea - Timisoara Nord, gezogen von einer 62er Sulzer, eine auf 120 km/h Höchstgeschwindigkeit ausgelegte Version der 60er.


Gleich darauf folgte ein Desiro Richtung Norden, diesem auf den Fersen P 3113 mit einer 82er.


Der Malaxa kehrte als P 3730 aus Chisineu Chris zurück und traf bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Sântana auf der zweigleisigen Strecke Richtung Arad A 1834, der an diesem Montag von zwei 65ern bespannt wurde. Der einzige Eilzug, den ich an dem Tag nicht als Desiro sah.


Die Ausfahrt des 65-er Pärchens gestaltete sich Dank EMD 8-710G Motors spektakulär. Die Lokführer gaben auch schön Gas und der Zug war noch Minuten später in der Ferne zu hören. So kann man sich die modernisierte Version der 60er gut gefallen lassen!


Als nächstes war es Zeit für den ersten Zug bei Tageslicht aus Richtung Ineu, eine RegioTrans Caravelle dieselte als P 14354 von Cermei heran. Ein herrlicher Blick Richtung Berge mit Telegrafenleitungen bis in die Unendlichkeit bot sich, nur kurz vor der Einbindung in Sântana vollführte die Strecke eine starke S-Kurve.


Nun war ich schon begeistert von der schönen Abwechslung, Rumänien ist eben noch ein Land, in dem man nicht genau weiß, welches Fahrzeug nun als nächstes kommt. Doch das ganze sollte noch getoppt werden: Ich setzte mich kurz in den Bahnhof, denn nun stand eine kleine Pause auf dem Programm. Was kam? Nun, ein Güterzug, gezogen von einer CFR Marfa 60er, bestehend aus UZ-Kesselwagen mit je einem Flachwagen als Kupplungadapter an beiden Zugenden! Dieser blieb noch dazu dankenswerterweise stehen, die Lokführer machten in der Zwischenzeit eine kleine Kaffeepause.


Ansonsten gab es auch viel Aktivität im Bahnhof, es wurden Sanierungsarbeiten durchgeführt mit einigen Gleisbaumaschinen im Einsatz, manche wirkten wie "Marke Eigenbau". Ich erkundete nun aber die Hauptstrecke südlich von Sântana, gleich bei einem Bahnübergang an der Ausfahrt stolperte ich über dieses geniale Motiv. Telegrafenleitungen sind in dieser Region eines der prägnanten Merkmale, doch werden diese oft nicht direkt neben der Strecke geführt, sondern etwas abseits. Dieses krasse Beispiel habe ich noch nirgendwo sonst gesehen, die Telegrafenleitung mitten durch den Friedhof, wobei mir nicht bekannt ist, welches der beiden vorher da war. Im Hintergrund rollte P 3114 von Oradea Richtung Arad, wieder gezogen von einer 65er.


Hinter dem Friedhof bog die Strecke stark ab, die Telegrafenmasten nahmen die Abkürzung über das Feld, die RegioTrans Caravelle nach Arad musste die Kurve nehmen.


Ich ging noch ein bisschen die Strecke am Ort entlang und wartete auf den Mittagszug aus Arad, dieser sollte aus einem 78-1xxx Malaxa bestehen. Die Sonne brannte nun schon unbarmherzig herunter, und ich bereute, keine Kappe mitgenommen zu haben. Aus der flimmernden Hitze tauchte P 3743 in der Ferne auf.


Der modernisierte 1000er-Malaxa passierte den Ort nicht ganz so schnell, wie es hier aussieht.


Nach einer Wendezeit von nur wenigen Minuten kehrte der Zug als P 3744 nach Arad zurück.


Ich nahm nun die Route durch den Ort zurück zum Bahnhof, die Dörfer hier sind zwar sehr einfach, aber die Menschen schaffen es doch, die Umgebung aufzulockern. Die meisten Strassen sind Alleen, die Gehwege führen direkt an der Hauswand vorbei, von der Fahrbahn durch einen Grünstreifen getrennt. Fast jedes Haus besitzt eine eigene Bank am Wegrand, ebenfalls typisch sind die Regenrinnen, welche auf einer Stütze über den Gehweg geleitet werden. In der Nähe des Bahnübergangs sah ich ein Fuhrwerk vor mir, welches ich recht locker ohne Lauftempo zu Fuss überholen konnte. So entstand dieses Bild hier, komplettiert durch Caravelle und einen alten Dacia, von denen noch einige auf der Strasse zu sehen waren.


Nun wollte ich ein wenig die Strecke Richtung Norden weitererkunden und setzte mich auf die Bahnhofsbank, welche, wie öfters auf der Reise gesehen, eher aussah, als hätte man sie irgendeinem Fahrzeug entrissen. Die Leute, die ich traf, erwiesen sich als sehr freundlich, ich hatte trotz Sprachbarriere einige Unterhaltungen, der Vorstand kam sogar von selber zu mir und schenkte mir einfach so ein Kursbuch.


Der 1000er Malaxa kam auf seiner zweiten Fahrt als P 3745 nach Chisineu Cris und brachte mich nach Nadab, einem Zweigbahnhof drei Stationen entfernt. Innen sind leider alle Malaxas durch Plastiksitze modernisiert, der Innenraum hat sich aber sonst kaum geändert. Er ist ungewöhnlich breit und bietet noch klassische Vorhänge an den Fenstern. Während der Fahrt wurde mir von einem jüngeren Mann seine Lebensgeschichte auf Englisch erzählt, mit dem Ziel ein paar Lei (= "Löwen") zu ergattern. Durch die Alkoholfahne fiel mir das schon schwer, da ich aber noch nicht die Stadt besucht hatte und nur Plastikgeld besaß, wäre es ohnehin nicht möglich gewesen. Bei Comlaus zeigte er mir noch sein Haus.


In Nadab passte die gesamte Infrastrukturszenerie zusammen, nur eine parallel zum Bahnhof führende Transitstrasse mit enorm viel LKW-Verkehr minderte das Erlebnis etwas. Der Triebwagen kam bald als P 3746 nach Arad zurück.


Während sich der Malaxa in der flimmernden Weite der Ebene verlor, wartete RegioTrans P 14337 nach Graniceri. Die Anschlüsse sind auch zwischen CFR und Privaten gut eingeplant.


Diesen aktiven Taubenschlag musste ich mit dem nächsten Pendler nach Graniceri einfangen, diesmal mit einer originalen Caravelle, neuere und ältere Version werden von RegioTrans gemischt eingesetzt. In der Wartezeit wurde mir von einem älteren Herrn die Lebensgeschichte erzählt, diesmal auf Rumänisch, obwohl er wusste, dass ich es nicht sprach. Allerdings ist es kein Problem mit Kenntnissen in Latein und romanischen Sprachen die Grundzüge des Erzählten zu verstehen. Er zeigte mir auch seine Diabetes geschuldete Beinprothese, die er Dank EU bekommen hatte. Überhaupt ist die Grundstimmung gegenüber der EU in Rumänien sehr positiv.


P 3115 Timisoara - Oradea wurde wieder von einer 65er gezogen. Mein Standpunkt war die Strecke nach Graniceri, eindeutig in schlechterem Zustand als die Hauptstrecke daneben.


Der Malaxa kehrte als P 3747 zurück, die Einkäufe aus der großen Stadt mussten nach Hause gebracht werden.


Warten auf den Zug, allerdings nicht diesen, denn der Malaxa würde sich erst in drei Stunden auf den Weg nach Arad machen. Ich wollte früher ins Hotel, daher wartete ich ebenso wie die anderen Passagiere auf P 3116 aus Oradea. Dieser war jedoch verspätet, deshalb düste zunächst ein Desiro nach Baia Mare durch, den er in Nadab hätte kreuzen sollen. "Mare" ist trotz seines mediterranen Klanges keine Referenz ans Meer (heißt es auch), sondern bedeutet in dem Zusammenhang "groß". Glücklicherweise können die Fahrdienstleiter der CFR kreuzen, nicht wie bei einigen anderen Bahnen, und P 3116 kam bald des Weges, Arad erreichten wir recht pünktlich. Der Zug war gut besetzt, aber nicht übervoll. Ich hatte in einem der rot-braun lackierten Wagen Platz gefunden, die ich eher empfehlen kann als die blauen. Die Innenausstattung ist modernisiert, wenn auch nicht in gutem Zustand, vor allem aber gibt es Halbfenster, nicht nur Klappen. Kurz vor der Einfahrt kamen wir bei einem Bahnübergang mitten im Feld an einer Überlandstrassenbahn-Endschleife vorbei, welche jedoch unbenutzt aussah. Mitten drinnen hütete ein Ziegenhirte seine Herde.


Am Bahnhof angekommen wollte ich recht schnell zum Hotel, als ich jedoch eine 62er vor P 3117 nach Oradea rangieren sah, suchte ich rasch einen Standpunkt für die Ausfahrt. Im Bahnhof war es schon schattig, viele Trampelpfade ins Bahnhofsvorfeld ermöglichten jedoch eine von den letzten Sonnenstrahlen schön beschienene Ausfahrt. Man musste nur am Wachhund einer Lokeinsatzstelle vorbei, wo eine 80er wartete (rechts im Bild), welcher jedoch bald von jemandem zurückgepfiffen wurde. So konnte ich die Schweizer Schönheit ungestört genießen, sogar beim Schriftzug dürfte nur ein "F" von "CFF" ersetzt worden sein...


Als edel erwies sich der kurze Regionalpendler zur Grenzstation Curtici, welcher aus einer von Koncar gebauten 43er und einem Erste-Klasse-Wagen bestand.


Ich hatte mich nicht im Vorhinein über den Stadtverkehr in Arad informiert, umso überraschter war ich über das ausgedehnte Strassenbahnnetz, auf dem eine Parade von deutschen Gebrauchtstrassenbahnen stattfand, auch einen Innsbrucker Wagen konnte ich sichten. Die Triebwagen trugen oft noch die originalen Lackierungen, in Rumänien wird nur an die Front ein gelbes Feld mit Betreiberstadt und Nummer gepinselt.


Ein ehemals OEG, davor Bielefelder DUEWAG GT 6 vor dem schönen Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs. Darauf machte ich mich auf den Weg zum Hotel, zumindest dachte ich das. Wie sich herausstellte wurde das Best Western Central Hotel zwei mal auf Google Maps dargestellt, die weiter vom Bahnhof entfernte Position gleich beim Rathaus ist die korrekte! Letztendlich fand ich doch hin und verbrachte eine bequeme, wenn auch kurze Nacht, denn am nächsten Morgen wollte ich mit dem 900er Malaxa hinausfahren.


Beim Gang entlang der Hauptstrasse zum P 3729 um 5:57 konnte ich wieder Strassenbahnen aufnehmen, hier vor der gewaltigen orthodoxen Kathedrale.


An der Haltestelle vor dem Hauptbahnhof.


Am Hausbahnsteig wartete eine RegioTrans Caravelle mit "Samba!" Graffiti.


Ich lief aber rüber zum Malaxa, den noch zwei andere Frühaufsteher mit mir benutzten. Die Schaffner rückten wieder mit Taschenlampe zur Kontrolle aus, denn Innenbeleuchtung existierte nur punktuell.


Ich machte mich bereit und stellte mich auf die Ausgangsplattform im hinteren Teil des Schienenbusses. Dieser kann in einen Führerstand konvertiert werden, um den Betrieb mit nur einer Einheit zu ermöglichen. Eine Haltestelle hinter Sântana, im Ortsteil Comlaus, sprintete ich aus dem Malaxa heraus und konnte per Weitwinkel noch die Silhouettenschüsse einfangen. Die Bedeckung war so dicht wie sonst die ganze Woche nicht mehr, aber gerade dadurch entstand eine tolle Stimmung. Unter dem typischen Knattern mit begleitender Rauchwolke, unterbrochen von Gangwechseln, setzte sich das urige Gespann in Bewegung. Netterweise war hinten ebenfalls das Spitzenlicht eingeschaltet.


Blick entlang der typischen Telegrafenreihe in die Unendlichkeint, das Licht kam noch vom Malaxa, aber es würde bald der Kutter-gezogene Gegenzug kommen, daher folgte ich einem Feldweg die Bahn entlang zurück Richtung Sântana. Bei der Haltestelle traf ich natürlich meinen Freund vom Tag davor aus dem Triebwagen, er konnte sich nicht einmal an mich erinnern, aber immerhin stimmte der Wohnsitz...


Die Strecke bestand hier aus geraden Abschnitten unterbrochen durch ein paar starke Kurven. Hinter der ersten fand ich eine Lichtung im Ort mit schönem Blick Richtung Sonnenaufgangsstimmung über den Bergen. Ich musste nur wieder zwei Wachhunden ausweichen, dann kam schon P 3112, diesmal mit einer 60er.


Der Desiro nach Norden war ideal, um die Stimmung bei den Bergen näher unter die Lupe zu nehmen, anschließend ging ich durch den Ortsteil zurück zur Haltestelle. Comlaus erwies sich als der heruntergekommenere Teil von Sântana, an jeder Ecke fand man zudem Gruppen von zwei bis drei streunenden Hunden. Diese hatten jedoch eindeutig Angst vor Menschen, wohl aus schlechter Erfahrung, waren also angenehmer als die Viecher, die etwas zu verteidigen hatten.


P 3113 hielt an der minimalistischen Haltestelle, gezogen von einer 82er, einer von Alstom modernisierten 80er/81er, für mich die einzig hässliche Maschine in Rumänien, vor allem in grellem Orange.


Ein Streckengeher war aus dem Zug ausgestiegen, ebenso wie einige weitere Passagiere, und ging Richtung Sântana. Ich überholte ihn bald auf der Suche nach einem Platz für den zurückkehrenden Malaxa. Leider sah ich entlang der Strecke auch die tragischste Szene der Reise: am Feldweg wartete ein Hundewelpe, ich schaute genauer und glaubte noch ein paar mehr im Graben zu entdecken. Doch da lag nur der schon verwesende Körper seiner Mutter, ein Zug hatte den Kopf glatt abgetrennt. Der ängstliche Welpe zog sich zitternd hinter den Kadaver zurück und wollte nicht von der Seite seiner Mutter weichen. Natürlich brach es mir das Herz, aber man konnte nichts tun, wie auch, bei einer derartigen Hundeüberpopulation...


Auf einer Kuhweide zwischen den Ortsteilen fand ich ein Platzerl, der Streckengeher kam bald darauf vorbei, er hatte es sich zum Hobby gemacht, auf den Schienen zu balancieren. Wir wechselten ein paar kurze Worte, dann knatterte auch schon P 3730 aus Chisineu Cris heran und beschleunigte schön genau vor mir, währenddessen wurde "Zenzi" zurück zur Herde gebracht.


Der Streckengeher grüßte den Schienenbus im Vorbeifahren, im Hintergrund die orthodoxe Kirche von Sântana.


A 1834 dieselte heute nur mit einer 65er vorbei.


Eine originale Caravelle bildete diesmal den RegioTrans P 14335 an der Kurve hinter der Bahnhofsausfahrt. Anschließend spazierte ich durch den Ort zum Bahnhof und konnte ein paar schöne Szenen erleben, zum Beispiel wurde ein Grundstück per Pferd gepflügt.


Da ich über Mittag nach Timisoara wechseln wollte, nahm ich schon P 3114 zurück nach Arad. In der letzten Station vor der Stadt, Utvinisu Nou, endete die Elektrifizierung an einem von Unicom Tranzit genutzten Güterbahnhof. Hier konnte ich diese schöne Parade aufnehmen, in der Mitte 60-0001 (weiß aber nicht, ob das wirklich die Erste ist). Das selbe hatte ich allerdings schon in der Früh gesehen, am ganzen Vormittag hatte sich also nichts getan.


In Arad kaufte ich zunächst eine Kappe, denn die Sonne war doch intensiver als für Ostern vermutet. Anschließend holte ich mir eine Reservierung für IC 78 "Traianus" aus Budapest, der nächste Zug nach Timisoara. Nach Vorweisen des InterRail Passes verstand die Schalterdame auch, dass ich nur die Reservierung wollte, und keine Fahrkarte (diese wäre mit ca. 10 € gar nicht billig gewesen). Hier ist der Verkehr zum Teil dünner als auf der Dieselstrecke nach Norden, anderswo würde auf einer 50 km Strecke zwischen einer 150000- und einer 300000-Einwohner-Stadt wohl ein S-Bahnverkehr mit dichtem Takt eingeführt werden.
Inzwischen bereitete sich der 1000er-Malaxa auf die Mittagsabfahrt vor, hier die Langsamfahrstellen.


Dach des modernisierten Triebwagens.


Pünktlich verließ P 3743 Arad nach Sântana, im Hintergrund wartete eine Caravelle auf den nächsten Einsatz.


Der IC bestand aus drei CFR-Wagen und war nicht stark belegt. Die Fahrt führte über Aradu Nou auf die eingleisige Strecke nach Timisoara, gezogen von der 47-742, die offensichtlich dauerhaft für den Grenzverkehr eingeteilt mit Rumänien-Fahne im Führerstand ausgestattet war. Entlang der Strecke sah ich eine interessante Stelle in steppenartiger Landschaft bei Vinga, einem eher heruntergekommenen Ort. Mitten drin entdeckte man aber das offensichtliche Resultat eines Wetteiferns der Religionen: im unscheinbaren Dorf standen maßstäblich etwas verkleinerte, aber dennoch riesige Versionen einer katholischen neo-neogotischen Kathedrale und ihres orthodoxen Gegenparts!
Bald danach fuhren wir in Timisoara Nord ein, die meisten Passagiere des Zuges konnte man als smart-jugendlich einordnen.


Im Bahnhof tat sich so einiges, auch mehrere Privatmaschinen standen im Vorfeld, darunter eine ehemalige SNCF-Frêt Maschine, sowie eine GFR 81er (Grup Feroviar Român, die haben eine coole Animation auf der Webseite: http://www.gfr.ro ) und eine DB-Schenker Ludmilla. Dazwischen fuhren immer wieder Züge wie diese CFR 82er neben ihrer unmodernisierten Schwester. Aber es gab auch Güterzüge, eine 65er kam mit A 1837 und Nachtzugwagen aus Iasi an, Abfahrt am Vorabend um 20 Uhr.


RegioTrans Caravelles waren hier ebenso beschäftigt wie CFR-Züge, befanden wir uns doch mitten im Banat, einer der wenigen Regionen Europas, wo die Streckendichte wohl noch annähernd gleich jener der Eisenbahngründerzeit ist. Bei den Stumpfgleisen am Westende der Station fand ich meinen P 9593 nach Jimbolia an der serbischen Grenze, ein Malaxa 77-9xx Doppel, der vordere in neuer grell-grün-gelber Farbgebung, der hintere rot-grau und abblätternd, wie so manche Passagiere - mehr zu meiner darauf folgenden Rumpelfahrt im zweiten Teil der Reportage!
lg,
Roni

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Re:Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« Antwort #1 am: 27. Mai 2011, 08:45:22 »
Wie immer, starke Bilder!  :D

lG
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Speedy

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Re:Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« Antwort #2 am: 02. Juni 2011, 11:35:41 »
Wieder einmal ein sehr schöner Bericht inkl. schöner Bilder.
Aber letzteres ist bei Dir ja nichts neues  ;D
Bei uns läuft alles...

...bald laufen auch Sie ! ! !

messermoser

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Re:Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« Antwort #3 am: 02. Juni 2011, 15:22:19 »
Super Bericht Danke Roni
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


Roni

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Re:Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« Antwort #4 am: 03. Juni 2011, 19:38:28 »
Hallo!

Danke euch! :)
lg,
Roni

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Loknarr

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Re: Süd-Österliche Dieseltour 2011 1/2 (50 B.)
« Antwort #5 am: 12. Juli 2011, 14:33:28 »
@Roni

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Loknarr
Bei Einbruch der Finsternis muss mit Dunkelheit gerechnet werden!