Autor Thema: Indien 2012 - 12: M. H. O. W. - Auf Meterspur zum Ort ohne Namen (50 B.)  (Gelesen 2135 mal)

Roni

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Hallo!



Der vorherige Teil der Reportagen:
Indien 2012 - 11: Auf Meterspur durch das Aravalligebirge (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3220.0



Das Video zum Bericht:
http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1




12. 2. 2012

Wie befinden uns im Udaipur - Indore Express auf der Fahrt nach Ratlam und auf ehemaligen Meterspurgleisen, deren Fortsetzung ich unter Tags erkunden würde. Dabei sollte ebenfalls Indore erreicht werden, allerdings auf direkterem Meterspurweg als der Breitspurexpress, der eine Runde zum selben Ziel fahren musste.


19658 UDZ INDB EXPRESS

1 UDZ Udaipur City 20:35 NWR 0 1
2 MVJ Mavli Jn 21:25 21:27 2 NWR 43 1
3 COR Chittaurgarh 22:50 23:00 10 WR 115 1
4 NBH Nimbahera 23:24 23:26 2 WR 144 1
5 JWO Jawad Road 23:37 23:39 2 WR 154 1
6 NMH Nimach 23:55 23:59 4 WR 170 1
7 MDS Mandsor 00:53 00:55 2 WR 219 2
8 JAO Jaora 01:40 01:42 2 WR 270 2
9 RTM Ratlam Jn 04:00 04:20 20 WR 303 2
10 KUH Khachrod 04:49 04:51 2 WR 331 2
11 NAD Nagda Jn 05:13 05:15 2 WR 345 2
12 UJN Ujjain Jn 06:20 06:30 10 WR 400 2
13 DWX Dewas 07:20 07:33 13 WR 440 2
14 INDB Indore Jn 08:35 Last Stn WR 479 2



Die Nacht verging gut, Dank Köpfhörern um alle Schnarcher auszublenden, kurz vor vier standen wir nahe Ratlam, und die Dame über mir fragte ob es schon die Station sei. Diese erreichten wir pünktlich, und ich machte gleich ein paar Aufnahmen. Unser Zug wurde von einem Abu Road "Baldie" gezogen, dieser setzte in Ratlam ans andere Ende des Zuges um, Lok wurde nicht getauscht.

Abu Road WDM-3A 14050 vor dem Umsetzen an das andere Ende meines Zuges. "Clean Train Stations" traf ich einige auf der Reise, in manchen Zonen sogar die "sauberste", ich widmete Ratlam eine künstlerische Bearbeitung der Szenerie...




Die Lok hatte umgesetzt und war bereit zur Weiterfahrt nach Ujjain und Indore. Hier sieht man auch, wieso diese ALCO-Sonderbauform "Baldie" - also Glatzkopf - genannt wurde, die Haube ist auf der kurzen Fahrerseite etwas abgerundet.




Ausfahrt des 19658 Udaipur - Indore Express.




Zudem konnte ich in dieser wichtigen Station an der Western Railway Hauptstrecke Mumbai - Delhi noch ein paar Züge, zum Beispiel den einfahrenden "Paschim Express" gezogen von einer Neubau WAP-7 (siehe Video, Minute 44:15), festhalten. Ein Diesellokschuppen ist ebenfalls in Ratlam stationiert.

Anschließend ging ich an der von am Asphalt liegenden, schlafenden Leuten belagerten Eingangshalle vorbei zum Meterspurbahnhof. Ein allgegenwärtiger Anblick, ich kam später auch noch an weitaus extremeren Fällen vorbei.




Ein Durchgang vom Meter- zum Breitspurteil.




Der Übernachtpersonenzug aus Akola hatte 30 Minuten Verspätung, doch fuhr er bald am Meterspur-Hausbahnsteig ein.


Eine Auswahl der wichtigsten Halte, der Zug war auf 431 Meterspur-Kilometern 16 Stunden (planmäßig 15:25) unterwegs gewesen.

52976 AK RTM Fast Passenger MG

1 AK Akola Jn First S 13:00 CR 0 1  
14 KNW Khandwa Jn 20:00 20:15 15 CR 174 1
26 MHOW Mhow 00:25 00:40 15 WR 292 2
27 INDM Indore Jn 01:20 01:30 10 WR 313 2
30 FTD Fatehabad Chandrawati Ganj Jn
02:25 02:27 2 WR 352 2
32 RTM Ratlam Jn 04:25 Last Stn WR 431 2

Entladen der Meterspurwagen.




Der Lokführer der in Mhow stationierten YDM-4 6726.




Am Meterspur-Hausbahnsteig in Ratlam.














Die Mhow YDM-4 setzte tuckernd um, und ich begab mich in die allgemeine 2. Klasse am anderen Ende des Zuges, ein Achterabteil mit Holzbänken, Sitze an der Gangseite gibt es auf Meterspur nicht. Der Zug führte allerdings auch Sleeper-Wagen. Es war nun fünf Uhr, noch eine Stunde bis zur Abfahrt. Ein älterer Herr kam in mein Abteil, wickelte sich schwer in Decken ein und legte sich auf die Gepäckablage gegenüber von mir. Etwas später enterte eine Gruppe bessergekleideter junger Inder mein Abteil, welche die Plätze gut gegen andere Mitreisende verteidigten. Wir kamen bald ins Gespräch, es stellte sich heraus, dass sie Studenten einer Bank- und Finanzakademie waren, die in Indore ein Examen absolvieren wollten. Im Februar ist in Indien Prüfungsmonat, auch einige jüngere IRFCA-Freunde hatten zu dem Zeitpunkt Prüfungen. Die Fahrt ging nun los, vorerst musste man aufgrund der Kälte in der Dunkelheit die Fenster noch geschlossen halten. Es wird hier ein ordentliches Tempo erreicht, bald nach Ratlam, es war schon etwas heller, überquerten wir ein paar größere Brücken (siehe Video, Minute 50:15).


Mein Zug:

52975 RTM AK FAST PASSENGER

1 RTM Ratlam Jn 06:00 WR 0 1
2 BNG Barnagar 06:52 06:54 2 WR 48 1
3 GPX Gautampura Road 07:14 07:16 2 WR 64 1
4 FTD Fatehabad Chandrawati Ganj Jn 07:38 07:40 2 WR 80 1
5 AJN Ajnod 07:51 07:53 2 WR 91 1
6 PLA Palia 08:11 08:13 2 WR 105 1
7 INDM Indore Jn 08:45 08:55 10 WR 119 1
8 RJQ Rajendra Nagar Indore 09:08 09:10 2 WR 126 1
9 RAU Rau 09:20 09:22 2 WR 130 1
10 HKH Haranyakheri 09:41 09:43 2 WR 136 1
11 MHOW Mhow 09:50 10:10 20 WR 140 1
12 PTP Patal Pani 10:18 10:20 2 WR 145 1
13 KKD Kalakund 10:55 10:57 2 WR 155 1
14 CRL Choral 11:09 11:11 2 WR 165 1
15 MKT Mukhtiara Balwara11:37 11:39 2 WR 178 1
16 BWW Barwaha 11:55 11:57 2 WR 193 1
17 OM Omkareshwar Road12:04 12:06 2 WR 198 1
18 SWD Sanawad 12:16 12:18 2 WR 204 1
19 NKR Nimar Kheri 12:33 12:35 2 WR 215 1
20 KTKH Kotlakheri 12:41 12:43 2 WR 220 1
21 ATR Attar 12:58 13:00 2 WR 229 1
22 ANI Ajanti 13:23 13:25 2 WR 246 1
23 KNW Khandwa Jn 13:55 14:10 15 CR 258 1
...
36 AK Akola Jn 22:30 Last Stn CR 431 1

Sonnenaufgang um 7:15.




Sonne durch den Führerstand mit Lokbesatzung.




Die Einfahrt nach Gautampura Road, fast pünktlich.




ALCO-Qualm, Sonnenaufgang und Palmen - was will man mehr?




Abgesehen von den Flussquerungen ging es durch eine flache, fruchtbare Ebene.




Um 7:41 trafen wir im Knotenpunkt Fatehabad Chandrawati Ganj Junction ein, von hier kann man ebenfalls noch auf Meterspur nach Osten Richtung Ujjain umsteigen.




Mhow YDM-4 6660 wartete mit dem abfahrtsbereiten 52958 Mhow - Ratlam Passenger.




Ich hatte mir überlegt, dass ich in Fatehabad eventuell aussteigen könnte, allerdings wurden es jetzt doch immer mehr Leute, dass ich befürchtete keinen Platz in nachfolgenden Zügen mehr zu bekommen, und die Zuglagen mit Zugkreuzung immer hier waren zum Fotografieren nicht optimal.




Bei Stationen beschafften sich die Studenten stets etwas anderes zum Frühstück von örtlichen Verkäufern, bei gut riechenden Kipferln konnte ich noch ausschlagen, Chai in der nächsten Station musste natürlich sein. Mittlerweile hatten wir auch ein paar Fotos und Handyvideos voneinander geschossen.




Wir kamen an einigen Nomaden mit Schafen und Kamelen vorbei, hier sah ich mehr als in Rajasthan.




Nomaden in doch stärker eingeteilter und modernerer Agrarlandschaft als in Rajasthan.




Die Menschenmenge wuchs auch in Palia an, man merkte, dass man sich nun wieder dem Zentrum Indiens näherte.




Überall an der Strecke fand man noch Relikte alter Infrastruktur, wie diesen Wasserturm.




Wir näherten uns nun Indore, alle im Abteil hatten ihre Testvorbereitungsbögen gezückt und büffelten. Indore machte sich durch Müll und Armut am Bahnrand bemerkbar, insgesamt ist es jedoch eine Boom-Town, das "Detroit Indiens", hier ist ein Großteil der Autoindustrie angesiedelt.

Wir fuhren bald entlang der Breitspur und kamen im Bereich einer Abstellgruppe zufällig in die Quere meiner Abu Road WDM-3A mit einem Wagen des Udaipur – Indore Express, welcher nur etwas früher als wir im Meterspurzug angekommen war, hier im Hintergrund zu sehen.




Einfahrt im Hauptbahnhof Indore Jn.




Nach der Einfahrt des Zuges in Indore wusste man erst, dass es sich bis jetzt um einen dünn besetzten Zug gehandelt hatte. Gewaltige Menschenmassen drängten hinein, als gäbe es kein Morgen.

Abseits der Masse, welche auf Bahnsteigs- und Bahnsteigs-abgewandter Seite gleichermaßen in den Zug strömte, waren auch ruhige Momente vorzufinden.




In der Breitspursektion war kurz davor pünktlich der 12961 "Avantika Express" Mumbai Central - Indore Jn. eingefahren, wir hatten mittlerweile 20 Minuten Verspätung. Am rechten Rand ist der Meterspurteil des Bahnhofes zu erkennen.




Ausfahrt aus Indore, Ratlam WDM-2A 17527 mit dem typischen Flügelradlogo von Ratlam, welches einst einige der prominentesten WDM-2 in Indien zierte.





Mit immer größerer Verspätung setzten wir uns in Bewegung, entlang der schönen, bunten Häuser von Indore, die durchaus von Reichtum zeugten. Im Vordergrund spielten sich natürlich andere Szenen ab, Schweine - die hier in Massen vorkommen – vor Waschmittelreklamen, endlich auch einige Kricket spielende Kinder.

So lässt sich das Sauleben genießen!




Am Vorstadtbahnhof Rajendra Nagar wurde ein heruntergekommener älterer Mann aus dem Zug geworfen, woraufhin dieser mit Gleisschotter zurückattackierte. Worum es genau ging, verstand ich nicht, vermutlich Schwarzfahren, aber es war der einzige Zwischenfall in der Menschenmasse.

YDM-4 6717 begegnete uns mit dem 52978 Mhow - Indore Passenger in Rajendra Nagar. Auf dieser Vorortsektion verkehrten die meisten Meterspurzugpaare, 16 pro Tag inklusive bummvoller Langstrecken- und Nachtzüge sind aber natürlich noch immer sehr wenig für den Verkehr einer Millionenstadt.
Oft sieht man Blaskapellenmitglieder in klischeehaften Uniformen, diese treten bei Hochzeiten auf.




Momente im vollen Inneren des Waggons.




Endlich erreichten wir eines meiner Wunschziele, die Stadt mit dem klangvollen Namen Mhow - doch Moment, ist es wirklich ein Name? Laut einer Theorie handelt es sich hier um die in britischen Zeiten eingeführte Abkürzung für "Military Headquarters Of War", in Gebrauch belegt zumindest seit 1823. Und der Name ist auch heute noch Programm, hier befinden sich einige Einrichtungen und Schulen der indischen Armee. http://en.wikipedia.org/wiki/Mhow
Mhow ist einer der Hauptausgangspunkte der Meterspurzüge, natürlich vor allem Richtung Indore, aber auch nach Süden, wo eine Gebirgssektion folgt. Die Stadt war schon seit Kolonialzeiten ein Meterspurstützpunkt, sämtliche YDM-4 der Strecke sind hier beheimatet.

Ich zeigte dem Vorstand meine Genehmigung und fotografierte dann an der südlichen Ausfahrt. YDM-4 6353 rollte mit dem 52992 Khandwa - Ujjain Passenger aus der Ghat-Section ein. Am Bahnübergang herrschte bis zum letzten Moment Hektik, der Zug kroch aber auch nur dahin.




Ein Blick auf Mhow, sicher einer der größten verbliebenen reinen Meterspurbahnhöfe Indiens.




Der Gegenzug fuhr ein.




Wie immer: sehr buntes Treiben.









Geschlossene Schranken sind nur ein kleines Hindernis.




Mein Zug stand noch immer auf Bahnsteig 1 - apropos: Billa Sackerln gibt es hier auch! ;-)




Vor dem mächtigen Stellwerk A.




Endlich, mit 25 Minuten Verspätung fuhr mein Zug weiter Richtung Süden aus.




Wieder einmal Indian Railways Fensterblicke vom randvollen Zug.









In Indien brauchte man sich nie weit nach einem freundlichen Gesicht umsehen - ah, noch ein Billa-Sackerl, nur ein bisschen edler!














Der Zug hatte kurz beim Ausfahrsignal den Schranken blockierend gestoppt, setzte dann aber seine Fahrt fort. Zum Fotografieren hatte man hier alle Zeit der Welt.




Das Zugende naht.




Kaum ist er vorbei, geht es wieder los.




YDM-4 6373 legte nun ein Päuschen ein, rechterhand hinten ist der Lokschuppen zu sehen.




Es nahte wieder einmal ein violettes Ungetüm.





Anschließend setzte ich mich nahe eines schönen Formsignalmastes in den Schatten, es herrschten nach der Morgenkälte nun schon fast 30 Grad. Ein Soldat kam auf einem Motorrad vorbei, stellte sich in einiger Entfernung von mir auf und telefonierte am Handy. Ich ging hinüber zu ihm und begrüßte ihn, sagte, dass ich eine Genehmigung hätte. Er war freundlich und verabschiedete sich dann von mir. Kurz darauf kam ein jüngerer Mann in Air Force-Uniform zu mir und stellte sich vor: "Guten Tag, Military Secret Service!"



... to be continued ...
lg,
Roni

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wie gewohnt tolle Bilder
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


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Danke, Peter!  :)
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Wunderbarer Bericht, schön und informativ wie die anderen!!

 
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