Autor Thema: Indien 2012 - 20: Goa - Diesel im Paradies III: Dudhsagar Fälle (50 B.)  (Gelesen 2281 mal)

Roni

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Hallo!



Der vorherige Teil der Reportagen:
Indien 2012 - 19: Goa - Diesel im Paradies II: Klassenausflugsmorgen (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3257.0



Das Video zum Bericht:
http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1




18. 2. 2012

Knapp vor Erreichen des Dudhsagar Wasserfall-Blickes hörte ich ein Zugpfeifen ober mir, ich nahm die Beine in die Hand und...















 
... kam genau an, als die Führungslok des mit der South Western Railway Starlok KJM WDM-3A 14024 plus einem Gooty WDG-3A Pärchen mit führender 14630 als Vorspann bespannten, nur wöchentlich verkehrenden 17311 MAS VASCO Expresses ins Bild auf die Brücke über den Wasserfall rückte!




Der Zug hatte seit Chennai schon über 1000 Kilometer zurückgelegt und querte pünktlich um 10:27 Dudhsagar.




Das Dudhsagar (übersetzt in etwa: "Meer aus Milch")-Panorama. Mein ultimatives Dschungel-Erlebnis wurde etwas getrübt, als ich nach einsamer Anfahrt plötzlich inmitten russischer Touristen stand, die von Pauschal-Hotels herangekarrt worden waren. Da war ich so stolz auf mein erreichtes Traum-Expeditionsziel gewesen, und dann kamen Leute in Badeschlapfen daher. Ich versuchte die Menschen so gut es ging auszublenden, man hatte doch auch Momente alleine, ein paar fotogene Inder nahm ich schon auf das Bild.




Der Bach lud natürlich zu einer Fortsetzung von "Zeit fließt" ein.




Affensprung!




Über eine Kuppe erreichte man das Becken am Fuße der Fälle, russische Mädels in Bikinis posierten hier, während Einheimische im Wasser unter den Kaskaden spielten. In Reiseführern wurde jedoch eingehend davor gewarnt, da schon einige Leute an dieser Stelle ertrunken waren. Die Nationalpark-Führer lockten ein paar große Fische an, die sich im Wasser tummelten. Die Wasserfälle sind nach dem Monsun zwar sicher spektakulärer, aber auch jetzt, nach Monaten Trockenzeit, waren sie noch immer sehr beeindruckend.
Natürlich lassen sich zur Monsunzeit wahnwitzige Aufnahmen wie diese hier anfertigen, denn dann erreichen die Fälle die Brücke - jedoch ist dazu eben auch eine Indienreise zur Monsunzeit nötig, und das ist beim ersten Mal sicher nicht angeraten:
http://www.irfca.org/gallery/Trips/west-konkan/braganza_trek/0235b-Amaravathi.JPG.html














Im Jeepzeitplan waren nur 45 Minuten am Ziel vorgesehen, ich wartete noch auf einen möglichen Güterzug, aber es kam nichts mehr.




Zudem wollte ich noch die herrliche Dschungelpassage genießen.




Ein mächtiger Mangobaum.









Eine Gruppe Indischer Hutaffen war hier heimisch, welche sich unter anderem von den Touristen ernährte. Es war faszinierend anzusehen, mit welcher Präzision ein Jungtier einem Mädchen ein winziges Stück Brot aus der Hand nahm ohne diese zu berühren und innerhalb einer Sekunde wieder einige Meter Abstand gewonnen hatte.




Schaut mich an!




Es ist ein Bub!




Zumindest zum Kauen stand auch natürliche Nahrung zur Verfügung.




Ich zerstöre die Illusion nur ungern... aber wie gesagt, es gab auch einsame Phasen.




Hmmmm, was da wohl aus der Tasche geholt wird?




Nun machten wir uns auf den Rückweg und trafen regelmäßig auf entgegenkommende Jeeps. Es waren etwa hundert Fahrzeuge im Pool, Lizenzen wurden exklusiv an Einheimische vergeben, welche ihrerseits Gebühren und Steuern dafür zahlen mussten. Bei der Cashew-Farm holten wir ein liegengebliebenes Fahrzeug ein und transportierten sieben Touristen im Heck unseres Jeeps bis Kulem.

Nomadische Büffelhirten, Dhangar genannt, waren im Nationalpark heimisch.




Fußballverrücktes Goa: Inter Mailand-Emblem im Jeep.




Der Weg war gesäumt von Trichternetzspinnen-Löchern.




Ein begegnender Mahindra Bolero, ich saß in der selben Type.




Es mussten einige Flüsse durchquert werden, daher begann die Jeepsaison immer erst zwei Monate nach Anfang der Trockenzeit.




Kurz vor Kulem, bereits außerhalb des Nationalparks, durchquerten wir ein weiteres Gewässer, in dem unter anderem Wäsche gewaschen wurde. Wie man sieht war der rote Staub allgegenwärtig, nach der Fahrt mit heruntergelassenem Fenster waren die Oberschenkel meiner Jean komplett rot gefärbt.




In Kulem angekommen hatte ich noch etwas mehr als eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des Zuges.




Ich besorgte mir Nachschub in einem der bunten Geschäfte, anschließend ging ich weiter zum Bahnhof (die Fußgängerbrücke ist hier im Hintergrund zu sehen).














Der Bahnsteig lag auf der anderen Seite der Gleisanlagen, dazwischen standen allerdings noch zwei Güterzüge zur Abfahrt bereit. Daher nahm ich nicht die Überführung, sondern ging einen Trampelpfad entlang an der den Führungsmaschinen vorbei.
Man sieht gut den Unterschied zwischen der neueren Gooty WDG-4 12493 und der von den Monsunbedingungen gezeichneten, teils verrosteten Hubli WDG-4 12105 - allerdings auch erst 2007 gebaut!




Plötzlich schloss sich der Bahnübergang, und tatsächlich, ich hatte noch das Glück einer Güterzugausfahrt! Wieder einmal alles zeitlich höchst effizient erledigt... :-)




Gemächlich setzte sich die lange Wagenschlange gezogen von Hubli WDG-4 12105 und 12048 in Bewegung, es dauerte ein bisschen bis die drei schiebenden Hubli GMs WDG-4 12008 (Original GM aus der ersten Lieferung), 12097 und 12039 an mir vorbeidonnerten. Währenddessen spazierten ein paar von der Schule heimkehrende Jugendliche vorbei und posierten mit der Handykamera vor dem ausfahrenden Zug.




Auf Höhe der Loks wurde als Regenschutz eine größere Überdachung aufgestellt, im Hintergrund wartete ein weiteres Hubli WDG-4 Pärchen mit 12086 in Front.









Durch den omnipräsenten Staub gestaltete sich die Reinigung wohl nicht einfach.




Danach war noch gemütlich Zeit, sich in den Mittagspersonenzug Richtung Vasco zu setzen.









Meine Gooty WDG-3A 14625 hatte auf dem schiefen Stumpfgleis umgesetzt, während sich das Duo gleichen Bautyps, welches den Express aus Chennai die Ghats hinab geführt hatte, daneben ausrastete.




Auch ein weiteres Schiebe-Trio mit Hubli WDG-4 12102, der gelben Original GM 12003 und 12125 wartete bereits hier, also sollte es für den nächsten Güterzug bald weitergehen.




56963 KULEM VSG PASSENGER

1 QLM Kulem 12:20 SWR 0 1
2 KM Kalem 12:29 12:30 1 SWR 8 1
3 SVM Sanvordem Chuch 12:44 12:45 1 SWR 18 1
4 CNR Chandar Goa 12:49 12:50 1 SWR 25 1
5 SJDA Sanjuja Da Areyal 12:59 13:00 1 SWR 28 1
6 MAO Madgaon 13:13 13:15 2 KRCL 34 1
7 SRVX Suravali H 13:20 13:21 1 KRCL 41 1
8 MJO Majorda 13:27 13:28 1 KRCL 45 1
9 CSM Cansaulim 13:31 13:32 1 SWR 49 1
10 SKVL Sankaval 13:37 13:38 1 SWR 54 1
11 DBM Dabolim H 13:41 13:42 1 SWR 57 1
12 VSG Vasco Da Gama 14:00 Last Stn SWR 62 1


Bald fuhr mein Zug aus, mittlerweile hatten sich die Nachschiebeloks an den letzten verbliebenen Bergfahrer gesetzt.




Im luftigen Schatten konnte man die Hitze draußen gut aushalten, zudem genoss ich die erworbenen Erfrischungen.




Kalem bot wieder ein ganz anderes Bild, viele schwer tragende Frauen stürmten den Zug.




Arbeiter mit staubigen Schaufeln waren ebenfalls wieder unter den Passagieren.




Abfahrt!




Wohlverdiente Siesta der erschöpften Damen, die nun als Kopfpolster dienenden Tücher halfen sonst beim Tragen von Lasten per Kopf.




In Sanvordem konnte ich einen Blick auf eine ehemalige portugiesische "Nationalindustrie" werfen, aus dem Jahre 1923. Davor hing ein Wimpel verziert mit Hammer und Sichel.




Im Bahnhof Sanvordem kreuzten wir einen im Schneckentempo kriechenden Güterzug geführt von WDG-4 12131, es herrschte also doch ordentlich Betrieb auf dieser Strecke. Durch den Gegenzug hatten wir nun eine Viertelstunde Verspätung.




Bei der Ausfahrt fiel mir der kreative Gebrauch eines eisenbahnerisch ungenutzten Prellbocks auf.




In Madgaon warteten wir ohne ersichtlichen Grund eine weitere Viertelstunde, danach ging es auf dem zweigleisigen Stück aber schnell voran.




Vor Majorda erreichten wir die Haltestelle Suravali, durch das Hitzeflimmern entstand beinahe ein pointillistisches Bild. Rechts kann man noch alte Telegrafenleitungen erkennen.




Durch mittlerweile eine halbe Stunde Verspätung kreuzten wir den 56964 Vasco - Kulem Passenger klarerweise wieder an einer anderen Stelle, ich hatte nun schon praktisch alle Möglichkeiten (Cansaulim, Majorda, Suravali) innerhalb von drei Zugfahrten abgeklappert. Ich filmte gerade mit der Kompaktkamera, als eine schwarze ALCO-Rauchwolke aus der guten alten 14586 aufstieg - ich drückte verzweifelt den Zoomregler, anschließend den Auslöser und hoffte auf den nicht immer verlässlichen Autofokus - aber es klappte!


Diese Stelle ist übrigens durchaus emotional belastet, denn hier hatte Apurva mit seiner Familie schon fast genau zehn Jahre zuvor eine ziemlich identische, bekannte Bilderserie fotografiert. Aufgrund der geraden Hauptstrecke war die Haltestelle Suravali einfach ideal geeignet, um rauchende ALCO-Ausfahrten der Regionalzüge zu erleben:
http://www.irfca.org/gallery/Trips/west-konkan/Goa-2K2


Nächster Halt: einer DER Eisenbahn-Traumstrände!
« Letzte Änderung: 17. Juni 2012, 23:11:12 von Roni »
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zum 20. mal...... Super Bilder. Auch abseits der Eisenbahn. Danke
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


Enrico

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Hallo!
Super wie immer
Danke fürs zeigen
Grüße
Enrico

Roni

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Hallo!

Danke euch!  :)
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Roni

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