Autor Thema: Indien 2012 - 21: Goa - Diesel im Paradies IV: Eisenbahn-Traumstrand (50 B.)  (Gelesen 2225 mal)

Roni

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Hallo!



Der vorherige Teil der Reportagen:
Indien 2012 - 20: Goa - Diesel im Paradies III: Dudhsagar Fälle (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3260.0



Das Video zum Bericht:
http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1





18. 2. 2012

Ich fuhr nun an Majorda vorbei nach Sankval, hier war die Bahn am nächsten zum Strand, allerdings thronte ebenfalls ein großes Dünger-Werk über der Landschaft. Nachdem ich die Ausfahrt meines Personenzuges Richtung Vasco gefilmt hatte, lief ich an den Anschlussgleisen zur Verladehalle vorbei. Es sollten zwei Schnellzüge - in jede Richtung einer - kurz hintereinander Sankval passieren. Ich suchte gleich ein Plätzchen für den vier Mal wöchentlich verkehrenden "Amaravati Express" aus Kalkutta, der bald in Vasco ankommen sollte. Gleich darauf müsste der "Goa Express" nach Delhi in die Gegenrichtung vom Kopfbahnhof ausfahren. Die Gegenstücke zu beiden Zügen haben wir bereits am ersten Morgen in Vasco gesehen. Ich entdeckte einen Standpunkt, wo man mit der virtuellen Machete den Strand einbeziehen konnte, mit einer echten wäre es kein Problem gewesen, hingen doch nur ein paar Lianen im Weg. Hier hatte ich auch Blick auf das Vasco-seitige Signal, dieses blieb jedoch bis nach der Planabfahrtszeit des täglich verkehrenden "Goa Express" rot. Das hieß, dass wohl dieser zuerst kommen würde, weil er nur ein paar Minuten vom Ausgangsbahnhof hierher unterwegs war. Da es keinen guten Standpunkt mit Blick auf den Indischen Ozean in die andere Richtung und in sicherer Entfernung zum schnellen Wechsel gab, opferte ich ein eventuell besseres Frontal-Bild und wartete weiterhin auf den "Amaravati Express".

Der 12779 "Goa Express" Vasco da Gama - Hazrat Nizamuddin (Delhi) wurde um 15:30 mit leichter Verspätung von der Gooty WDG-3A 14580, welche mich mit dem Gegenzug am Tag zuvor nach Goa transportiert hatte, vorbeigezogen. Die Bahn musste von Vasco einen Hügel erklimmen und tauchte aus dem Wald auf, der Scheitelpunkt war schon überwunden.




Nun erreichte die Strecke die Küste, nur wenige Meter darunter lag der Strand. Man beachte die grüne Flagge an der Lok.






Anschließend stellte sich die Frage: wie lange sollte ich auf den "Amaravati Express" warten? Der Zug war über 2000 Kilometer bis hierher unterwegs, es könnte auch Stunden dauern.







Doch die Entscheidung wurde mir schnell abgenommen: Tatsächlich, bald nach Passieren des "Goa Express" sprang das Signal auf grün! Der 18047 "Amaravati Express" Howrah (Kalkutta) - Vasco kam eine Viertelstunde später angedüst. Er wurde gezogen von einem Pärchen Gooty-Maschinen in meiner Lieblings-Lackierung, angeführt von "Baldie" WDM-3A 14045 - insgesamt für mich wohl die schönste Dieselform- und Farbvariante auf indischen Gleisen - , wieder mit grüner Flagge. Die beiden Schnellzüge mussten in Cansaulim gekreuzt haben.
Vor dem Zug schoss ein Affe mit nach ihm benannten Zahn über die Gleise - das war also das Rascheln im Dickicht gewesen...




Der schönste Zug an Wahnsinns-Stelle!









Die Anschlussgleise in die Werkshallen. Kaum zu glauben, dass der Blick nach rechts ...




... so aussah!




Die Haltestelle Sankval, die Verladehalle war interessant dem Streckenverlauf angepasst gebaut worden. Sie diente dem Wetterschutz und überdachte zwei Gleise, im Inneren wurde der Dünger per Fließband verladen.




Nun konnte ich wieder einmal höchst zufrieden mit der Ausbeute durch einen Kokospalmenhain direkt vom Stationsschild hinunter zum Strand gehen, nur ein etwas zweifelhaftes Stromkabel galt es zu überwinden. Der Platz am Ozean entpuppte sich als liebliche Bucht mit einem natürlichen Becken, das durch Felsen abgegrenzt wurde. Dazwischen gab es weichen Sand.




Eine Felsbarriere trennte den Strand von der belebten nächsten Bucht, daher war ich hier fast allein.




Dunkles Gestein, wohl vulkanischen Ursprungs, mit Muscheln gespickt.




Meine Bucht, links oben die Bahnstrecke. Von der Fabrik merkte man gar nichts.




Nur ein Fischermädchen und ihre Mutter waren mit zwei Hunden vor Ort, ansonsten traf ich innerhalb der restlichen Zeit hier keinen Menschen, die gingen alle oberhalb vorbei.




Ich dachte schon ich träumte von Lokpfeifen, doch tatsächlich, es näherte sich wieder ein Zug! Ich suchte mir ein Platzerl, von dem aus man durch eine Lücke auf die Gleise sah, und alsbald kam ein WDG-4-Pärchen mit Güterzug aus Richtung Vasco vorbeigedonnert.

Das Panorama Nummer 1, rechts die Fischerinnen, dahinter begann der kilometerlange Strand, der auch an meinem Hotel vorbeiführte. Die überlangen GM-Monster-Loks habe ich virtuell ein bisschen freier geschnitten.









Das Panorama Nummer 2 mit der kleinen, abgeschlossenen Bucht im Vordergrund.









Das Mutter-Tochter-Team, im Hintergrund der große Strand.




Doch das war nicht alles, ich hatte es mir gemütlich gemacht, da weckte mich wieder GM-Brummen aus Richtung Vasco. Es folgte nur wenig später der nächste, fast identische Zug! Diesmal wurde er jedoch am zweiten Gleis neben dem Werk abgestellt und war daher nicht so gut von der Bucht aus sichtbar, ich filmte die Einfahrt.

Impressionen nach ein bisschen im Sand liegen und planschen, Goa war wirklich ein Vogelparadies.




Der Beginn oder das Ende einer Reise dieser Kokosnuss?




Als es Zeit für den Personenzug wurde, wanderte ich die paar Meter hinauf zum Bahnsteig, der Weg durch den Kokospalmenhain ergab ebenfalls einige tolle Eindrücke.









Genau hier endete der Pfad von der Bucht, ein paar Jugendliche am Bahnsteig kehrten vom Besuch des bevölkerten Strandes nach Hause zurück. Der eingefahrene Güterzug stand noch da.




Schnell, der Regionalzug kommt!









Geschafft!




Gooty WDG-3A 14625 leistete das letzte Mal brave Dienste für mich.




Der Zug kam recht pünktlich, ziemlich voll von Pendlern aus Vasco. Ich fand trotzdem ein Platzerl und hatte sowieso nur eine kurze Heimfahrt von 13 Minuten.





56966 VSG QLM PASSENGER

1 VSG Vasco Da Gama 17:30 SWR 0 1
2 DBM Dabolim H 17:34 17:35 1 SWR 5 1
3 SKVL Sankaval 17:39 17:40 1 SWR 8 1
4 CSM Cansaulim 17:46 17:47 1 SWR 13 1
5 MJO Majorda 17:53 17:54 1 KRCL 17 1
6 SRVX Suravali H 18:03 18:04 1 KRCL 21 1
7 MAO Madgaon 18:13 18:15 2 KRCL 28 1
8 SJDA Sanjuja Da Areyal 18:19 18:20 1 SWR 34 1
9 CNR Chandar Goa 18:24 18:25 1 SWR 37 1
10 SVM Sanvordem Chuch 18:32 18:33 1 SWR 44 1
11 KM Kalem 18:46 18:47 1 SWR 54 1
12 QLM Kulem 19:10 Last Stn SWR 62 1


In Cansaulim waren wir bereits fast auf Seehöhe unten.




Auf dem Weg hatte ich diese äußerst extravagante Statue außerhalb einer Kirche erspäht, aus dem Zug aufgenommen.




Doch schon war ich in Majorda angekommen, es wurde gerade vom Samstagabendmatch nach Hause geradelt.




In der Kirche fand eine Hochzeit mit geschmückten Autos davor statt, inklusive Zaungast.




Nun musste ich mich auf den Heimweg machen, doch Taxi war wieder einmal keines zu bekommen. Ein freies Taxi fand ich erst im Nachhinein an meinem Zielort. Ein einziges Autorikscha sah ich in Majorda, doch der Fahrer wusste nicht, wo mein Hotel lag, und fuhr davon bevor ich es ihm erklären konnte - was für ein Kontrast zum bisherigen Indien...

Es blieb mir nichts anderes über, als nach dem langen Tag wieder die drei Kilometer zurückzulatschen, worauf ich nicht ganz erpicht war, noch dazu mit einer Blase durch die Badelatschen vom Tag davor.
Doch immerhin konnte ich so noch einige Straßenszenen unterwegs einfangen, hier eine Bushaltestelle.









Immer wieder wurde allerlei touristisches Zeugs angeboten, meist hatte es etwas mit Tibet, Kaschmir oder Ayurveda zu tun, letzteres gab es nun in jeder Pension selbst im kleinsten Kaff - ich fragte mich nur, wie plötzlich all die Leute solche Experten geworden sein konnten?




Schon am ersten Überlandstück ging die Sonne unter.




Marterln und ein paar spärliche Straßenlichter leuchteten mir forthin den Weg.




Wieder einmal kann man gut die Art der Religionsausübung vergleichen...




Endlich in Betalbatim angekommen: eine "posh" Cafetaria!




An der Hauptstraßenkreuzung folgte dem Coffee-Shop naheliegenderweise der Coffin-Shop...




Spielplatz auf der anderen Seite der Kreuzung.




Es war Unkrautausrotttag in Goa, ich sah folgendes an mehreren Häusern.




Trotz großer Kirche gleich daneben wurde hier eine Messe teils unter freiem Himmel in einem bunt geschmückten Partybaldachin zelebriert.




Nach solchen Strapazen freut man sich natürlich immer über sämtliche Schmetterlinge und Schwäne am Bett...




Anschließend gönnte ich mir das Buffet im Hotel, allerdings mit der Befürchtung, dass mir das westliche Hotelessen wohl mehr zusetzen würde als sämtliche indische Mahlzeiten zusammen. Es geschah jedoch nichts, selbst das Vanilleeis konnte ich unbeschadet verdrücken, aber gut, wenn es Familien mit kleinen Kindern täglich aushalten…




19. 2. 2012

Es war kompletter Ruhetag angesagt, um 9:30 kam ich zum Frühstück, wo ein Koch extra auf Wunsch am Buffet Omeletts zusammenstellte. Auch sonst war es eine Mischung aus meist warmen Speisen. Dann besorgte ich mir eine sündteure Flasche Sonnenöl, da ich keine Alternativen mit niedrigerem Lichtschutzfaktor besaß und wenigstens ein bisschen Bräunung ergattern wollte. Die Flasche ließ ich neben meiner Liege im Gras liegen, und binnen einer Stunde hatten die hier heimischen winzigen Ameisen (übrigens viel kleiner als die europäischen) schon fast einen Bau darauf gegründet.




Anschließend hüpfte ich kurz ins Meer, nur ungern meine gesamte Ausrüstung mit allen Aufnahmen der Reise alleine im Zimmer lassend. Schwimmen konnte man am offenen Strand eigentlich nicht, es ging mit Brechern sehr flach ins Wasser. Aber ein bisschen erfrischendes Planschen war schon lustig, ein Gaumentest zeigte, dass das Wasser hier extrem salzig war. Nach Ruhe in der Nachmittagshitze setzte ich mich wieder an den Strand zum Sonnen und Tagebuchschreiben. Am heutigen Sonntag waren viele Goaner, vor allem Kinder, an den Strand gekommen. Viele kickten und liefen in Fußballleibchen herum, es wunderte mich wirklich, dass Indien keine bessere Nationalmannschaft aufwies (momentan Weltranglisten 164. hinter Madagaskar...), auch Teile des Nordostens sollten fußballbegeistert sein.




Ein Rettungsschwimmer-Captain mit Jet-Ski am langen Strand.









Auf der Düne vor meinem Kokusnuss-Hain Resort gab es keine Palmen, sondern Pinien, die mich eher an das Mittelmeer erinnerten. Hinten beim Hotel wuchsen natürlich fast exklusiv Kokospalmen, wie man durchsieht - der Name traf also schon zu.




Mit einem Blick auf die Fabrik von Sankval ganz links möchte ich mich bis zum nächsten Mal verabschieden - dann wird es zu fast 100% Sonnenunter- und -aufgänge geben! :-)
lg,
Roni

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AAAEEEHHHMMM Zum 21x Super Bilder.

Unkraut wird in Bali auch so vernichtet. Und der Muell gleich mit.
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


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lg.
Viper

Bianchi310

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wieder mal tolle Bilder und hoch interessanter Bericht aus einer für uns Mitteleuropäer völlig fremden Welt ...

immer wieder schön anzusehen, einfach Klasse, Roni, vielen Dank !!
schöne Grüsse vom Neckarstrand ..... Bianchi310 (Hans)

Roni

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Hallo!

Merci!  :)
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Roni

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