Autor Thema: Kuba 2003 IV... Tropenabenteuer Hersheybahn (50 B.)  (Gelesen 2042 mal)

Roni

  • MstsForum.info
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 808
Kuba 2003 IV... Tropenabenteuer Hersheybahn (50 B.)
« am: 19. März 2013, 20:44:00 »
Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
Kuba 2003 III... Estaciones de La Habana (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3426.0


19. 2. 2003

Zur Hersheybahn: die Strecke wurde von der amerikanischen Schokoladefirma Hershey im Jahr 1916 errichtet, welche damals Zuckerrohrplantagen 45 km östlich von Havanna auf etwa halbem Weg nach Matanzas erworben hatte, dort wurde ebenfalls eine große Zuckerfabrik gebaut. Aufgrund eines Mitbewerbers durfte die Bahn nicht in Havanna enden, deshalb befindet sich der Kopfbahnhof nun in Casablanca. Im Jahr 1922 startete die Elektrifizierung der Strecke.
Mehr kann man zum Beispiel auf dieser Seite (auf Englisch) erfahren:
http://www.tramz.com/cu/hy/hy.html

Beschafft wurden zweierlei elektrische Triebfahrzeugarten:

Zum einen diese GE 7230B E-Loks, hier #20803, von denen es insgesamt 12 gab und welche ab 1920 gebaut wurden.




Zum anderen 16 Brill Triebwagen, ab 1923 gebaut. Sie waren bis zur Einführung der "neuen" Züge die Einzigen Personenfahrzeuge auf dieser Strecke, zum Ein- und Aussteigen musste man offensichtlich ganz schön klettern.




Es waren nur noch #3008 und #3006 einsatzfähig, Ersterer mit funktionierendem Stromabnehmer, Letzterer mit funktionierenden Fahrmotoren.




Hier sieht man den Grund für die teils abenteuerlichen Stromabnehmerkonstruktionen: dieser hier passte genau, bei den anderen Triebwagen musste gebastelt werden.




Es handelte sich hier allerdings nicht mehr um einen Regelzug, sondern um eine Sonderfahrt für Touristen nur bis Hershey. Der Lokführer war entsprechend freundlich und aufgemaschelt, ich konnte mit meinen Spanischkenntnissen ganz gut mit ihm plaudern.




Ich wurde in das holzbeplankte Innere der damals über 80 Jahre alten Maschine eingeladen. Man beachte die "Kuba"-Socken des Triebfahrzeugführers. ;-)




Ich durfte auch auf seinem Sitz platznehmen, hier der Führerstandsblick auf den Bahnhof, vorne der Fahrbefehl von Hershey nach Casablanca.




Sowohl auf Kappe als auch auf dem Gilet prangte stolz "Maquinista".




Nun war aber bald die Abfahrtszeit gekommen, ich begab mich in den hintersten Wagen, wo man auch ungehindert in den offenen Führerstand sehen konnte.




Die GE rangierte die Brill-Wagen auf das zweite Gleis und setzte dann nach hinten um.




Abfahrt! Auf Wiedersehen Havanna, ein herrliches Tropenabenteuer sollte seinen Anfang nehmen...




Nur ganz am Beginn verlief die Bahn noch auf der Straße/dem Feldweg.




Fast an jedem Abstellgleis traf man auf Kesselwagen, dieser hier war am vertrauensvollsten.




Trotz regen Passagierwechsels blieb ich ziemlich alleine am Ende des Zuges. Dies hatte einen einfachen Grund: fast alle Unterwegshaltestellen besaßen nur eine Treppe zum Erklimmen der ersten Türe, was zu irrwitzigen Menschentrauben im Nichts wie hier führte!




Allmählich ließen wir das Stadtgebiet von Havanna hinter uns.




Bahnübergang neben einem Friedhof.




Mitten in der schönen Landschaft fand sich plötzlich die abgesägte Front eines Zuges...




Wunderbare Landschaftsblicke - Kuba ist so ziemlich das "billigste" Tropenabenteuer, das man bekommen kann: (theoretisch) leicht zu erreichen und kein einziges böses Tierchen auf der ganzen Insel (nur Krokodile, aber die bleiben meist, wo sie sind...).









Wir erreichen die Mittelstation Hershey.




Bunter Arbeitertrupp.




Begegnung mit dem Gegenzug, welcher wie meiner zusammengesetzt war.









Hombres unter sich.




Und es ging weiter, der Gegenzug war früher abgefahren. Man beachte eines der vielen genial kreativen Bilder: zur Feier der "Verjüngung der elektrischen Eisenbahn" reichen sich ein alter und ein junger Triebwagen die Hand! ;-)




Nun bogen wir hier http://goo.gl/maps/ghS0V rechts zur Zuckerfabrik ab. Diese hieß klarerweise früher Hershey, wurde aber nach der Revolution in Central Camillo Cienfuegos umbenannt. Central stand als Bezeichnung vor allen Zucker-Kombinaten. Im July 2002, also kurz vor meinem Besuch, war sie nach 86 Jahren Betrieb geschlossen worden. Das Betriebswerk der Hersheybahn befindet sich jedoch noch immer dort, leider war der Blick für mich durch abgestellte Waggons verdeckt, hier ein alter Kran.




Auf diesem Stück hier hörte man plötzlich ein kurzes Geräusch am Zug, ...




... dieser fuhr jedoch weiter in die nächste Linkskurve, um dort stehenzubleiben ...


... und wieder in den Güterbahnhof zurück zu reversieren!


Anschließend stieg ein Bahnbediensteter ab, hob ein etwa Auto-Stoßstangen-ähnliches Teil auf, das offensichtlich dort vom Zug abgefallen war, und hievte es seelenruhig in den Passagierraum.




Anschließend konnte die Fahrt durch die herrliche Tropenlandschaft weitergehen, als wäre nichts gewesen!




Jibacoa, eine der vielen Unterwegsstationen. Hier zweigten wieder Strecken ab, Kuba besitzt ein extrem dichtes Netzwerk an Zuckerrohrbahnen.









Typische Landszene mit echtem "Vaquero" - davon sollten wir auf unserer Fahrt noch mehr sehen.




Lichtsignale besaß die Strecke ebenfalls.




Ein vertrautes Zeichen...




Macosa kennen wir doch, zum Beispiel von den slowenischen "Spankas".









Der letzte Streckenteil führte an der Mündung des Rio Yumuri entlang, letztendlich trafen wir hier http://goo.gl/maps/vfMlS im Kopfbahnhof von Matanzas ein.




Geschafft, nach über vier Stunden Fahrt.














Der Meister und seine Maschin'









Im Warteraum - Sitzplätze nur für Passagiere - darunter hing eine Box zum Einwurf von Vorschlägen und Beschwerden! Da könnten sich einige europäischen Bahnen ein Scheibchen davon abschneiden.




Die Situation war nun folgende: meine Verwandten sollten eigentlich am Vormittag einen großen Mietwagen bekommen haben und mir bald folgen. Mein Cousin hatte vorgeschlagen, ob ich nicht nach einem Zug weiter Richtung Santa Clara Ausschau halten könnte, da wir prinzipiell in diese Richtung wollten. Ebenso muss man eines wissen: in Kuba gab es damals nur ein kleines 900er GSM-Netz rund um Havanna. Wir hatten das Riesenglück, dass davon in Matanzas gerade noch ein Strichlein übrig war, so dass wir kommunizieren konnten. Ich erfuhr nun zu Mittag, dass vom Auto in Havanna noch keine Spur zu sehen war, also machte ich mich einmal auf der Suche nach dem Bahnhof. Dies war natürlich eine Zeit vor Google Maps, als man noch nicht für einen beliebigen Ort die Pläne aus dem Internet ziehen konnte. Ich hatte also null Plan von der Stadt.

Hier verlief offensichtlich früher noch die Elektrifizierung.




Der Rio Yumuri verengt sich wieder und wird auf dieser kleinen Brücke überquert.




Eine Szene wie aus Amerika vor Jahrzehnten...




In den Rio San Juan konnten offensichtlich auch Schiffe einfahren, daher die Drehbrücke.




Nun fragte ich mich ständig nach dem Bahnhof durch, und tatsächlich, letztendlich fand ich die Halle, davor standen ein paar Busse...









Doch Moment! Irgendetwas stimmt an diesem Bild nicht.... ;-)
Tatsächlich handelte es sich um den alten Bahnhof hier http://goo.gl/maps/9xW7K , heutzutage nur noch Busbahnhof...




Also weitergefragt, und...




Juhuuuuu - gefunden! Hier: http://goo.gl/maps/JxcBS (der aktuell in Google Maps eingezeichnete Ort für den Hauptbahnhof von Matanzas stimmt NICHT).




Ein Problem gab es allerdings: es warteten zwar viele Menschen, wie immer auf Kuba, aber es gab weder geöffnete Schalter noch irgendwelche anderen Informationen. Auf den Gleisen war alles verwaist - bis auf dieses grasende Pferd. Auf geht's, ins neue Jahrtausend, mit Fidel und der glorreichen Revolution!


Wie es weiter ging, erfahrt ihr im nächsten Teil...
lg,
Roni

Up-to-date auf Twitter: https://twitter.com/raildata_info @raildata_info

http://raildata.info

messermoser

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 673
  • Tauchen macht bloed und gleichgueltig. Mir is egal
    • Oebb-Lokschuppen
Re: Kuba 2003 IV... Tropenabenteuer Hersheybahn (50 B.)
« Antwort #1 am: 20. März 2013, 13:56:37 »
Hallo Roni

Sehr stimmungsvolle Bilder. Danke. 
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


DarkFox

  • Fahrdienstleiter
  • *****
  • Beiträge: 861
Re: Kuba 2003 IV... Tropenabenteuer Hersheybahn (50 B.)
« Antwort #2 am: 20. März 2013, 16:03:14 »
Wieder mal etwas Tolles. :)

Freue mich schon auf den nächsten Teil.

Mit freundlichen Grüßen
DarkFox

Roni

  • MstsForum.info
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 808
Re: Kuba 2003 IV... Tropenabenteuer Hersheybahn (50 B.)
« Antwort #3 am: 21. März 2013, 21:17:34 »
Hallo!

Danke euch! :)
lg,
Roni

Up-to-date auf Twitter: https://twitter.com/raildata_info @raildata_info

http://raildata.info