Autor Thema: Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)  (Gelesen 3068 mal)

Roni

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Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)
« am: 12. August 2013, 20:44:38 »
Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
Orient-Express 1: das 21. Jahrhundert (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3503.0


Wir befinden uns am 4. 11. 2008 bereits auf dem Gebiet der Istanbuler Vorortezüge (Banliyö Trenleri). In der zweiten Station ab Halkali, Soguksu, begegneten wir einem E14000-Triebwagen, gebaut ab 1979 von Tüvasas und Groupement 50Hz. Die Stationen der Vorortstrecke sahen wie diese hier aus, mit einem breiten Mittelbahnsteig.




Wie viele Großbaustellen Byzanz im Laufe der Jahrtausende wohl schon gesehen hat? In Yedikule passierte man sowohl die aus dem 5. Jhdt. stammende Theodosianische Mauer, hier befand sich das Goldene Tor, als auch die Großbaustelle des heutigen Marmaray-Projekts, des Eisenbahntunnels unter dem Bosporus. Aufgrund dessen läuft der Vorortverkehr der Linie B1 momentan nur noch auf dem Abschnitt Yedikule bis zum Endbahnhof Sirkeci, es wird spekuliert, dass nach Fertigstellung des Projekts Sirkeci endgültig aufgelassen wird.
Karte der aktuellen Situation: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/30/Istanbul_Rapid_Transit_Map.png




Wir näherten uns dem Zentrum und passierten unterwegs einige wahnwitzige Holzhäuschen, die wohl nirgendwo sonst einer Bauinspektion standhalten würden. Auch sahen wir die ältesten E-Triebzüge, Baureihe E8000, welche ab 1955 unter Führung von Alsthom hergestellt wurden. Sirkeci - Halkali ist die im selben Jahr 1955 erste elektrifizierte Strecke der Türkei.




Schon nahe der Einfahrt Sirkeci trafen wir auf eine Verschubdiesellok der Reihe DH7000, welche Güterwagen zur Bahnfähre über den Bosporus verschob. Bei der TCDD werden moderne Lokomotiven nach der PS-Anzahl benannt, es handelt sich um eine dieselhydraulische Lok mit 710 PS, gebaut ab 1994 von Tülomsas.




E43000 und E52500 im Depot von Sirkeci, beim Vorbeifahren winkte uns ein Mitarbeiter freundlich zu.









Kurz nach 10 Uhr war unser glorreicher Bosfor / Balkan Express endlich angekommen, mit etwa 1:40 h Verspätung. Ab Kapikule wurden wir von E52518 gezogen, der ehemaligen JZ / ZBH 441-124, von Koncar 1977 produziert und in den 90ern umgebaut, welche 1999 in die Türkei gelangte. Links kann man die OSE / ex-SNCF Schlafwagen des Dostluk / Filia / Freundschafts-Expresses aus Thessaloniki erkennen.




Am vollen Orient-Express-Fernbahnsteig von Sirkeci, vor unserem Zug stand die aus TVS2000-Wagen bestehende Garnitur des 81601, welcher Cerkezköy um 7 eine Stunde vor uns verlassen hatte (planmäßig hinter uns).




Statt eines Prellbocks wacht Mustafa Kemal Atatürk (mit dem Slogan "Glücklich, wer sich Türke nennt"), da bremst man als Lokführer sicher etwas vorsichtiger.




E52513 (ex JZ / ZBH 441-007 / Fabriksnummer SGP 65186/67 - zehn Jahre älter als E52518, auch von Koncar erneuert) als Zuglok des 81601.




Zunächst kümmerten wir uns um die Gepäckaufgabe, dies wurde trotz Troubles mit den Schließfächern letztendlich erfolgreich absolviert. Danach ging es an die Jeton-Besorgung für den Stadtverkehr, allerdings kauften wir etwas exzessiv, denn erst später merkten wir, dass nicht alle Jetons in allen Verkehrsmitteln galten.
Unser erstes in Istanbul war die Straßenbahnlinie T1 ( http://de.wikipedia.org/wiki/T1_(Tramvay_Istanbul) ), damals verkehrten nur Bombardier Flexity Swift, gebaut in - Wien. Im Hintergrund sieht man eine Schwarzmeerfähre aus der Ukraine vor dem Goldenen Horn.




Diese Bücher-Banken waren an vielen Haltestellen aufgestellt. Obwohl die Stationen in diesem Abschnitt auf offener Straße lagen, kam man nur durch Jeton-Barrieren hinein.




Wir begaben uns gleich zur bekannten Reiseagentur im Altstadtteil Sultanahmet, wo auch die meisten Sehenswürdigkeiten liegen. Wir benötigten noch die Reservierung für die kommende Nacht im Freundschaftsexpress nach Thessaloniki. Jedoch stellte sich heraus, dass Fahrkarten gleich mitgebucht worden waren, da es offensichtlich nicht anders möglich war. Die Mitarbeiter im Büro meinten, wir sollten versuchen die Fahrkarten in Sirkeci umzutauschen.




Zurück gingen wir jetzt allerdings, denn es wird der alte Prunk-Bezirk direkt von der Straßenbahn durchfahren. Hier haben wir als Hintergrund gleich die gute alte Hagia Sophia.




In die andere Richtung ragt die Sultan-Ahmed- (blaue) Moschee hervor.




Die Gleisführung war in der Altstadt sehr interessant, hier wurde ein alter Baum umkurvt.




Als nächstes musste der Topkapi-Palastkomplex umrundet werden.









Anschließend geht es durch die Hüdavendigar Caddesi, an der ein paar europäisch angehauchte Altbauten lagen, hinunter nach Sirkeci. Man bemerke auch das zur Straßenbahn passende "Bim"-Schild... ;-)




Mittagspause in Sirkeci - ein netter älterer Herr am Schalter erwies sich als sehr kompetent und erstattete uns die Fahrkarten mit nur 6% Stornogebühr. Für mich als Balkan-Flexipass-Besitzer war's das, mein mit FIP-Karten ausgestatteter Begleiter benötigte noch für die Strecke in der Türkei das Ticket.




Über Fotografieren brauchte man sich in Sirkeci gar keine Gedanken machen, denn nebenan vor dem Orient-Express Café knipsten einander alle fünf Sekunden ein paar Japaner.









Nun startete aber endlich von allen Pflichten befreit unsere größere Istanbul-Tour.




Blick vom Goldenen Horn über den Bosporus, wer genau schaut erkennt rechts der Mitte neben der hinteren Flagge eine mit Waggons beladene Eisenbahnfähre.




Über die Galatabrücke verkehrte auch die T1.




Und natürlich ebenfalls an der Neuen Moschee (Yeni Cami) vorbei.




Hier sind wieder Eisenbahnfähre (links) und Straßenbahn (rechts) zu entdecken.




T1 vor dem Galataturm.




Etwas verwirrt hatte uns anfangs die Bezeichnung der Fähranleger, denn selbst ganz nah beieinander liegende führen komplett unterschiedliche Namen. Letztendlich fanden wir allerdings das Dock namens Karaköy (der moderne Name von Galata), und ließen Europa sowie die letzte Fotowolke des Tages hinter uns. Für die Fähren benötigte man Jetons, aber klarerweise andere als für die Straßenbahn...




An Deck wurden Tee und die klassischen Sesamkringel serviert, ein Passagier verfütterte seines gleich weiter...




Nicht nur der Fütterung wegen umringten derart viele Möwen sämtliche Schiffe, sodass kaum ein Möwen-freier Ausblick auf die Sehenswürdigkeiten möglich war.




Nach etwas mehr als zehn Minuten ab Karaköy fuhren wir bereits am asiatischen Ufer des Bosporus entlang, man bemerke die Eisenbahnwagen am Hafen.




Die beladene Fähre nannte sich Demiryolu II (Eisenbahn II). Was glaubt ihr übrigens, von welchem Unternehmen 100% der in Asien gesichteten Waggons stammten? Kleiner Tipp: es beginnt mit "Ö" und mein Begleiter war für sie zuständig - und nein, er arbeitete nicht für die neu gegründeten "Özkan Eisenbahntransporte"... ;-)









Bevor die Fähre ihren Endpunkt Kadiköy (aus Karaköy kommend für Touristen gar nicht verwirrend, "Köy" bedeutet aber nur Dorf: Karaköy - schwarzes Dorf, Kadiköy - Dorf des Richters, Cerkezköy -  tscherkessisches Dorf. "Köy" bezeichnet Ortschaften unter 2000 Einwohner, nur Dörfer sind das beileibe nicht mehr! "Sehir" nennen sich größere Städte, wie etwa Eskisehir - alte Stadt) erreichte, wurde am asiatischen Kopfbahnhof Haydarpasa angelegt. Das ist gutes altes Reisen mit Stil!




Die Eisenbahnen im Osmanischen Reich wurden von diversen Gesellschaften mit ausländischen Investoren betrieben. Haydarpasa wurde 1906-08 gebaut und war Ausgangspunkt der Anatolischen Eisenbahngesellschaft oder auch Société du Chemin de fer Ottoman d’Anatolie (CFOA) nach Ankara und abzweigend in Eskisehir nach Konya mit Anschluss an die Bagdadbahn, unter Führung der Deutschen Bank. Dies spiegelt sich klarerweise auch in der Architektur wider.
Wir waren noch rechtzeitig dort, denn am 28. November 2010 verlor der Bahnhof nach einem Großbrand ausgelöst durch Bauarbeiten den Dachstuhl. Und im Juni 2013 wurde der Bahnhof aufgrund des Marmaray Tunnels komplett eingestellt, ein Teil soll zum Museum werden, der Rest ein Hotel und Einkaufszentrum.

Haydarpasa komplett.









Die Halle brachte einen richtig in Reisestimmung.









Wir schauten uns auf den Bahnsteigen um, es stand jedoch kein Zug mit Lok Richtung Bahnhof da.




Eine TVS2000-Garnitur des Bogazici (Bezeichnung für die an den Bosporus (Bogaz) angrenzenden Stadtgebiete) Treni nach Ankara.









Wir entschlossen gleich zur Brücke über die Bahnhofseinfahrt zu wandern und kamen an diesem Banner zur zwei Jahre alten 150 Jahr Feier der TCDD vorbei. Unterwegs wurden wir von Polizisten aufgehalten und dachten schon, sie wollten etwas zum Fotografieren am Bahnhof sagen - doch nein, sie wollten nur selbst fotografiert werden!




Überblick über die Waggonabstellanlage, im Vordergrund TVS2000-Waggons und ältere Nahverkehrswagen, im Hintergrund fuhr gerade ein E14000 der Linie B2 aus Gebze ein (Karte: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/30/Istanbul_Rapid_Transit_Map.png ).




Im Vordergrund die Fernverkehrsbahnsteige, rechts der Nahverkehr.




Bald darauf fuhr der Bogazici Treni ab, das habe ich jedoch nur gefilmt.




Auf der anderen Seite der Brücke blickte man ins Depot, ganz links eine Reihe abgestellter DH6500 (ähnlich DB V60).




Im Schuppen hinten kann man einen neuen Rotem DM15000 Dieseltriebwagen erkennen.




E43017 (gebaut von Tülomsas / Toshiba) wartete auf neue Aufgaben. Bei der TCDD wurden zwei unterschiedlich dimensionierte Stromabnehmer benötigt, angehoben ist hier der 1950 mm breite für die Istanbuler Vorortestrecke, im Rest des Netzes ist ein 1600 mm breiter im Einsatz.




Mit Blick auf eine DH9500 und die alte Waschanlage verabschieden wir uns für den Teil... :-)
lg,
Roni

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Re: Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)
« Antwort #1 am: 13. August 2013, 16:25:01 »
Mir bleibt wieder nix anderes zu sagen...... Herzlichen Dank fuer die tollen Bilder.
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


DarkFox

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Re: Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)
« Antwort #2 am: 13. August 2013, 19:23:41 »
Servus Roni,

wieder eine tolle Reportage, diesmal sogar von der türkischen Staatsbahn. :)

Mach weiter so.

Mit freundlichen Grüßen
DarkFox

Roni

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Re: Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)
« Antwort #3 am: 14. August 2013, 17:07:24 »
Hallo!

Danke euch!  :)
lg,
Roni

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Re: Orient-Express 2: Istanbul Sirkeci - Haydarpasa (50 B.)
« Antwort #4 am: 14. August 2013, 22:51:54 »

Schöne Fortsetzung, Danke!  :D

lG

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