Autor Thema: Orient-Express 8: Markttag in Alasehir (50 B.)  (Gelesen 4282 mal)

Roni

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Orient-Express 8: Markttag in Alasehir (50 B.)
« am: 22. Oktober 2013, 13:09:04 »
Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
Orient-Express 7: Dampf in der Ägäisregion (50 B. + 1 V.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3522.0


Zum Video der Reise:
http://www.youtube.com/watch?v=xFRjlmE2N64&hd=1


Detaillierte Karte des TCDD-Bahnnetzes (Achtung - 12,9 MB):
http://www.tcdd.gov.tr/upload/Files/ContentFiles/2010/harita/TR-M-S-001.jpg


24. 9. 2013


Um 6:30 ging es zum Frühstück, ich steckte mir wieder einmal nur ein paar Sesamkringelstücke ein. Wir waren mit vollem Gepäck unterwegs, doch mein Zimmerkollege kannte einen Taxistellplatz gleich um die Ecke, also fuhren wir bequem zum Bahnhof. Nach sieben Uhr sperrte das erste Geschäft dort in der Gegend auf, gerade als ich hinkam, so konnte ich mich noch mit Wasservorräten eindecken.

Ein echter TCDD-Dodge vor dem Bahnhof von Usak.




Historische Aufnahme und aktueller Fahrplan des Izmir - Ankara Mavi Tren im Warteraum. Auch sonst wurde der Zugverkehr in letzten Jahren wieder sehr ausgebaut, zwei Zugpaare "Ekspres Usak" von Izmir nach Usak unter Tags, zwei weitere Züge bis Alasehir, dazu noch ein Express nach Konya.
Die aktuellen Fahrpläne kann man hier herunterladen: http://www.tcdd.gov.tr/Upload/Files/ContentFiles/2010/bolgesel/alsancakusak.pdf



Es hatte sich schon langsam die Lokmannschaft versammelt, auch die Tourmitglieder waren zur geplanten Abfahrt um 7:30 vollzählig. Die Frage des heutigen Morgens lautete: "Wo ist unser Zug?"
Tatsächlich war die Garnitur nirgendwo zu sehen...

Es geschah zunächst gar nichts, dann tauchte um 8 aus Richtung Afyon DE24210 mit einem langen Güterzug auf, welcher einen Schlafwagen im Verband mitführte. Der Zug kam hinter dem Bahnübergang zu stehen, dann schob er wieder ein paar Meter zurück, um unter anderem den Schulweg freizumachen.




Jenseits des Übergangs in Richtung Alasehir war eine lange Reihe Schrott-Dampfloks abgestellt. Diese sollten offensichtlich auch hier bleiben, denn es war ein Schienenkran mit Holzaufbau wortwörtlich auf der ersten Maschine geparkt worden. Mit Dg53752 und Karabük erkundete ich den Friedhof ein wenig: hier die preußische G10 55043 (BMAG / 1924), gefolgt von 46223 - einer amerikanischen USATC S200 "Middle East" Class, welche 1943 geliefert wurde - , sowie einigen weiteren Wannen und anderen Baureihen. Im 2. Weltkrieg ritterten die Kriegsparteien um die Transportwege der neutralen Türkei, weswegen Kriegsloks von allen Seiten vorhanden sind.




Etwas später machte der Güterzug Gleis 1 wieder frei, nach 8:30 gab es endlich etwas Dampfaction.









Ah, des Rätsels Lösung: unsere Garnitur war am hintersten Gleis an der Rückseite des Güterschuppens versteckt worden! Die Lok hatte über Nacht ihre Rauchkammer-Verzierung eingebüßt. Um 9 fuhren wir endlich ab, heute stand eine Art Überführungsfahrt nach Alasehir auf dem Programm, die aber auch einige nette Motive eröffnete. Unser Tagesziel lag bereits fast auf mediterraner Seehöhe, also sollte es teils steil bergab gehen, normalerweise fuhr man also mit der Rauchkammer in die andere Richtung.




Hinter Usak verläuft die Strecke relativ gerade, erst vor Inay fand der erste Fotohalt statt. Müllhaufen gehören ja auch zu landestypischen Motiven, wie man bereits aus alten Plandampfberichten weiß. ;-)




In Inay fanden wir ein typisches anatolisches Dorf vor, das schon ziemlich von Landflucht betroffen war. Etwa die Hälfte der Häuser wirkte verfallen, die andere Hälfte war mit Utensilien des 21. Jhdts. - wie etwa Solarzellen - aufgepeppt worden. In der Wartezeit auf die Ausfahrt kam auch einer der bis 2000 von Oyak Renault gefertigten - also noch immer omnipräsenten - Renault 12 "Toros" vorbei, dieses Exemplar sogar mit alten, schwarzen Nummerntafeln.




Ohne Pluderhosenportrait konnte ich natürlich nicht weiterfahren.




Nette Landschaft fanden wir kurz vor Ahmetler vor, wieder einmal habe ich den Güterteil etwas verlängert.




Unser "Hilfszug", der noch einen grünen Zweiachser in Aufarbeitung mitführte, welchen wir später einsetzen konnten.




Ali verhalf sich zu einer Mitfahrgelegenheit zum Bahnhof, verpasste aber fast den Zug, weil wir zu Fuß wesentlich schneller, da direkter, unterwegs waren.




Unsere Mittagsrast für die nächsten drei Tage: Esme. Hier mussten wir stets den 31619 Usak-Express Izmir Alsancak - Usak kreuzen. Wie man sieht: nicht nur das Zugangebot wurde gesteigert, auch die Nutzung konnte sich sehen lassen - und die Tageszüge waren stets sehr pünktlich.




Nach einem auf der Pfeife geträllerten Lied des Zugbegleiters beschleunigte DE24306 lautstark unter Pielstick-Grollen aus dem Bahnhof, das Rotkäppchen hatte von der Zugbesatzung einen neuen PC geliefert bekommen und brachte den Karton gerade in Sicherheit.




Während der Pause setzten wir uns in eine Imbissbude neben dem Bahnhof, die wir mit unserer Bestellung eventuell etwas überfordert hatten. Aufgrund von leichten Verdauungsproblemen bestellte ich nur Pommes Frites (hier: "C(h)ips"), die anderen aber ein volles Menü. Letztendlich bekamen wir alles rechtzeitig, danach stand noch ein Besuch im benachbarten Supermarkt an. Am Bahnhof beobachteten wir noch ein wenig das Treiben, bevor es gegen 2 Uhr weiterging.




Im "Vordorf" von Esme wurde der Dampfzug von einigen Bewohnern bewundert, von der Eselpopulation jedoch ignoriert.




Eine zweite Anfahrt in der schönen Felslandschaft, diese Bilder wurden wieder mit der EOS 450D angefertigt, ich filmte hier.




Und eine dritte Position etwas weiter hinten bei einem Einschnitt.




Ab Alasehir bietet die Strecke drei größere Brücken, wir erreichten nun Nummer 3 hinter Güneyköy, die unspektakulärste, ich werde in den nächsten Berichten Bilder davon zeigen. Kurz davor verließ der Zug Tünel Nummer 17.




Nun kommen wir zur Brücke Nummer 2, welche mitten in den Bergen ein Tal überquert. Wir blieben wieder davor stehen und mussten sie zu Fuß überqueren, wie noch öfter auf der Fahrt - eigentlich war ich nicht so erpicht darauf, aber es verlief stets ohne gröbere Abstürze. Hier ging es steil bergab, nähere Aufnahmen der Brücke gab es daher erst bei den Bergfahrten der folgenden Tage. An diesem Nachmittag war ich fasziniert von diesem Weiler auf einer Anhöhe.




Auch in den Bergen hatte die Moderne schon Einzug gehalten.




Hier lässt sich allerdings kein Utensil der letzten Jahrzehnte erkennen... Im Stall blökte es deutlich - doch die Viecher waren gut versteckt worden, wie ich anderswo auch noch bemerken würde.




In der Einsamkeit befand sich doch tatsächlich eine eingleisige Station - Türkmentepe. Hier die Ausfahrt, im Hintergrund kann man noch einmal die Brücke Nummer 2 erkennen.




Der recht spektakulär gelegene Tünel 12.




Die Schutznetze waren allerdings neu angebracht worden.




Angekommen bei Tünel Nummer 2 und Brücke Nummer 1 - nun waren wir tatsächlich über alle Brücken gelatscht, man musste sich stets auf den seitlichen Blechen halten.




Einmal rollte der Zug über das bereits am Hang über der Ebene gelegene Bauwerk.




Doch dann wurden wir schnell zum Zug gerufen, per Funk war die Anweisung gekommen, die Strecke freizumachen.




Wir stiegen also direkt in den Wagen hinter der Diesellok und begegneten im Bahnhof Konaklar DE33026 mit einem Güterzug. Vor allem mussten wir jedoch den Berg-Block für den nachfolgenden Usak-Express freimachen. Was Expresszüge anlangte, kannte die TCDD keine Spielereien. Solange sie nicht vorbei waren, musste alles freigeräumt sein, wie wir noch in den nächsten Tagen öfters erfahren sollten.




Die Pause wurde zur Dampflokpflege genutzt.




Dorfleben in Konaklar.




In Gümüscay, einem Ort mit eigener Haltestelle, hatten wir die Ebene von Alasehir erreicht, wo fast exklusiv Wein angebaut wurde. Allerdings finden die Trauben hier auch direkt als Früchte, als Traubensirup Pekmez oder wie hier als Rosinen zum Trocknen aufgelegt Verwendung.




Um 17:30 ging sich in Killik noch ein Fotohalt im Weinbaugebiet aus, ich stand auf einem Bewässerungskanal.




Die Dame war natürlich das Topmotiv, zusammen mit Hirtenhundnachwuchs - im Stall wurde eine recht große Schafherde gehalten. Man beachte auch die geniale Beleuchtungslösung: einfach eine Latte an den Telegrafenmasten gebunden, Kabel hingeleitet und zwei Energiesparlampen dran!




Bei der Einfahrt Alasehir passierten wir eine Markthalle - hier herrschte wahnwitzig viel Leben - Markttag! Selbst erfahrene Türkeireisende bestätigten, so etwas noch selten erlebt zu haben, es herrschten schon fast indische Verhältnisse. Nachdem wir uns mit dem Gepäck durch den Verkehr zum Hotel gekämpft hatten - manchmal ist es etwas ungewohnt, wenn man von Vehikeln angesteuert wird, deren Fahrer nicht vom Gas gehen, im festen Glauben, dass ohnehin jeder aus dem Weg springen würde - musste ich mich trotz Erschöpfung gleich noch einmal in den Trubel werfen... unser Hotel lag direkt an einer von mehreren Markthallen.














Fuhrwerke waren einige unterwegs.




Zunächst begab ich mich aber zum nahen Schranken, das Treffen der beiden abendlichen Usak-Expresse stand an.




Am Horizont tauchte DE24379 aus Richtung Izmir mit dem 31621 auf.




Hier fanden sich noch herrlich alte Handschranken, welche erst betätigt wurden, als 31620 mit DE24000 doppelbespannt heranraste. Rechts im Hintergrund sieht man eine Markthalle und die Drehscheibe.




In die andere Richtung war es noch extremer, erst fuhr der Zug in der Station an, dann wurde gekurbelt - anders ginge es bei dem ungeduldigen Verkehr nicht.




Nun begab ich mich in jene Sektion des Marktes, wo nur Bauern - oft mitsamt Familien - direkt ihre Produkte anboten.









Das Mittelmeer ist nicht weit.




Schuhverkäufer ist also doch ein Risikojob... ;-)
Im Hintergrund erkennt man den Eingang unseres Hotels Sahin.




Die glamouröse Obst- und Gemüsehalle.









Mit geschenkter Zitrone und etwa 500 Bildern mehr auf der Speicherkarte kehrte ich ins Hotel zurück...



Bis zum nächsten Mal! :-)
lg,
Roni

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Re: Orient-Express 8: Markttag in Alasehir (50 B.)
« Antwort #1 am: 22. Oktober 2013, 16:40:39 »
Danke fuer die tollen Bilder.
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle


Roni

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Re: Orient-Express 8: Markttag in Alasehir (50 B.)
« Antwort #2 am: 03. November 2013, 11:37:41 »
Danke dir!   :)
lg,
Roni

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