Autor Thema: Im Land der Eisenbahn-Herrlichkeit 1/2 (50 B.)  (Gelesen 1494 mal)

Roni

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Im Land der Eisenbahn-Herrlichkeit 1/2 (50 B.)
« am: 15. Januar 2015, 17:25:33 »
Hallo!

Das Video zur Reise habe ich ja schon einmal gepostet (bitte auf 1080p Qualität stellen):
https://www.youtube.com/watch?v=FKJad_c9CkM


Im August dieses Jahres verbrachte ich ein paar Tage mit Familie und Freunden im Salzkammergut. Allerdings war ich in der Zeit so wenig auf Bahn eingestellt, dass mich sogar die anderen auf den ÖGEG "kaiserlichen" Sonderzug nach Bad Ischl am 15. 8. 2014 aufmerksam machen mussten. Wir erlebten das augenzwinkernde Spektakel in der Masse mit - ich hatte mich kurz zu den Fotografen geschummelt - die 78.618 passte lediglich historisch nicht ganz zum guten alten "Franz Joseph"... ;-)




Am 16. 8. 2014 besuchten wir Hallstatt.




Auffällig war die hohe Zahl an eingesetzten 1142ern, am ersten Tag der Reise befanden sich mindestens drei im Umlauf, wobei es keine Rolle spielte, ob es sich um REX nach Stainach-Irdning oder Regionalzüge nach Obertraun-Dachsteinhöhlen handelte. Talent sah ich jeweils nur einmal pro Tag, ansonsten 44er. Am Wochenende bespannte die blutorange 1142.575 mit Pflatsch REX 4422 - REX 4429, hier letzterer.




Salzkammergut-Nieselregen wechselte mit Sonnenschein - aber das kann asiatischen Touristen am Ausflugsboot nichts anhaben.




Zurück zur Haltestelle Hallstatt dampften wir mit typisch österreichischer Sicht auf Zug und Kronenzeitung... ;-)




Am Morgen des wunderschönen 17. 8. 2014 starteten wir unsere Alpentour von Bad Aussee aus, in Mitterweißenbach kreuzten wir wieder REX 4422 mit 1142.575.




Ohne Sparschiene ging es über Attnang-Puchheim nach Salzburg, von wo wir mit dem Bayernticket den Meridian nach München bestiegen - die Fahrzeit ist ja nur geringfügig länger als beim Railjet.




Am Chiemsee wurde der aus 4 FLIRT-Einheiten bestehende Zug von Massen an schlammverschmierten Festivalbesuchern geboardet, was nichts Gutes für unseren knappen Anschluss zum alex in München bedeuten würde. Noch dazu entschied man sich kurzfristig dazu, unseren Zug nicht auf dem Hallengleis 11, sondern 10 außerhalb der Halle einfahren zu lassen, was bis zum ebenfalls außerhalb liegenden Gleis 27 einen Sprint über drei Hallenlängen bedeutete - doch wir schafften es in letzter Sekunde dank eines netten Zugbegleiters/Buffetbedienung im hintersten Waggon. Wir erreichten unser Quartier in Kempten, anschließend begab ich mich schnell zur Iller-Brücke um den nur am Sonntag verkehrenden EC 1290 nach Zürich zu erwischen. Der Rest des Tages war der Besichtigung von Kempten sowie Allgäuer Biertraditionen gewidmet, um die gerade auslaufende Allgäuer Festwoche machten wir natürlich einen großen Bogen - im Ausseerland hatte es schon zu viele Dirndl- und Lederhosenaufläufe gegeben. Am Montagmorgen, 18. 8. 2014, ging es früh los für mich, ich fuhr bis Immenstadt und wanderte in Richtung der Alpseen. Am Kleinen Alpsee erwartete einen gleich eine herrliche Morgenstimmung mit Bodennebel. ALX 84140 München - Lindau düste alsbald nach der Zugteilung Richtung Oberstdorf in Immenstadt an mir vorbei.




Ich kletterte ein wenig auf den Wiesen entlang des Großen Alpsees herum, um weitere schöne Stimmungen mit Alpenkette einfangen zu können.




EC 196 München - Zürich passierte, daraufhin wurde das Wetter etwas windiger und eine leichte Wolkenschicht zog auf. Den direkten Weg hierher konnte ich nicht nutzen, da er von Kuhherden derart zertrampelt war, dass man im Schlamm steckenblieb. Aber auch an der Straße führte ein Pfad den Hügel hinauf.




Nach einer kurzen Fahrt bis Martinszell hatte schönes Sommerwetter wieder Oberhand gewonnen. Hier kamen zwei lokbespannte ICs nordwärts binnen kürzester Zeit vorbei, nach IC 2084/82 Richtung Hamburg näherte sich der längere IC 2012 "Allgäu" Oberstdorf - Magdeburg mit Doppelbespannung.




Allgäuer Idylle mit typischem Fahrzeug.




Zu Mittag holten wir in Kempten unser Gepäck und gönnten uns ein Taxi, um die Koffer nicht noch einmal durch den eher trostlosen Teil der Stadt ziehen zu müssen. Der sonst eher schweigsame Taxifahrer war nur eines - heilfroh, dass die Festwoche endlich vorüber war. Wieder einmal nahmen wir den alex, wo wir das Abteil mit zwei lustigen Pensionisten teilten, und kamen bald über den Damm im Mini-Venedig Lindau an. Weiter ging es per EuroCity, im mit der SBB Cargo Re 421 angekoppelten schweizerischen Verstärkerwagen blieben wir fast allein. Nachdem wir den Rhein überquert hatten, war endlich das Land der Eisenbahn-Herrlichkeit erreicht!




Tatsächlich... ;-)
Ein Doppelstock-RE brachte uns von St. Margrethen nach Chur, wo wir gleich Anschluss zum Albula-RE hatten.




Natürlich hatten wir die Ereignisse der Woche davor stets mitverfolgt, doch die Strecke war ja schon mit 16. 8., also zwei Tage davor, binnen kürzester Zeit wieder eröffnet worden. Wir passierten die Unfallstelle in Langsamfahrt (siehe Video Minute 15:10) - die Wirtin unseres wohlbekannten Hotels Grischuna in Filisur meinte, die Berichte wären übertrieben. Doch was man da sah, war alles andere als das - nur senkrecht wäre steiler, und die paar Bäume im Weg ein Riesenglück. In Filisur angekommen schaute ich noch schnell zum Landwasserviadukt für die zuverlässig um 18:30 kreuzenden Güterzüge, manchmal an unterschiedlichen Stationen, aber immer um die Zeit. Ge 6/6 II 705 "Pontresina" zog Güterzug 5157 bergwärts über das berühmte Viadukt.




Ich weiß nicht ob aufgrund des Unglücks, aber die ganze Zeit unseres Aufenthaltes über fuhr Ge 6/6 II 707 "Scuol" im Umlauf der Albula-Schnellzüge. Nun trafen sich die Züge in Filisur wieder wie ein Uhrwerk, auch das Postauto stand zum Umstieg bereit.




Ge 4/4 III 641 in Coop-Werbelackierung rollte den Albula hinunter mit RE 1164 St. Moritz - Chur Filisur entgegen.




Auch eine (Rivella-)Pause muss mal sein...




Früh aufstehen ist kein Problem, wenn das legendäre Hotel Grischuna (rätoromanisch für Graubünden) gleich beim Bahnhof liegt. Unsere bestellten Sandwiches zum Frühstück waren leider nicht geliefert worden - am Abend stellte sich heraus, wieso: wir wurden verwechselt, und ein anderer Gast hatte die Brote einfach genommen... Als Ausgleich dafür gab es ein Filisurer Röteli (Kirschenlikör) aufs Haus.
Pünktlich um 6:35 am 19. 8. 2014 holte uns R 1141 nach Chur in Filisur ab. Der Himmel sah hier gut aus, doch es war ein Regentag angesagt.




Am Morgen stiegen wir in Chur aufs Postauto nach Flims Waldhaus um, die älteste Postautostrecke Graubündens. In Flims Waldhaus kann man über ein touristisch gut erschlossenes Hochplateau wandern, der zum Baden genutzte (nicht diesen August, offensichtlicherweise...) Caumasee kann durch eine selbstbediente Standseilbahn erreicht werden.




Wir gingen jedoch weiter, bis der Rand der Rheinschlucht, der Ruinaulta, gesichtet wurde. Im Tal würde soeben RE 1233 Disentis/Mustér - Chur - Landquart - Scuol-Tarasp die Station Versam-Safien erreichen.




Während der Wanderung zur Rheinschlucht hingen noch Wolken über den 3000ern rund ums Safiental.




Erster Punkt war "Il Spir" - "der Mauersegler", eine über den Felsen der Rheinschlucht hängende Aussichtswarte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Il_spir
Es bot sich ein kompletter Überblick über die Ruinaulta. Hier hatte sich der Vorderrhein durch den vor etwa 10000 Jahren entstandenen Flimser Bergsturz gefressen. RE 1220 nach Disentis/Mustér hat soeben den Tunnel durch die Chli Isla passiert und steuert nun Versam-Safien an. Postauto könnte man bei höherer Auflösung auch entdecken, dieses tauchte immer pünktlich wie die Feuerwehr aus dem Safiental zum Anschluss an der entlegenen Bahnstation auf, in den Serpentinen stets mit dem Posthorn tönend.
Panorama aus mehreren 10mm-Hochformatbildern.




Unten im Tal sieht man die kombinierte Bahn/Wanderwegbrücke zwischen der in Rheinschleifen liegenden Isla Bella links und Chli Isla rechts, welche gerade vom Güterzug 5225 nach Ilanz durchquert wird.




Rechtzeitig, als eine mit Kutsche herchauffierte französischsprachige Pensionistengruppe nahte, beendeten wir die Session am Ausguck. Auf dem Pfad hinunter in die Rheinschlucht entdeckte ich diesen Aussichtspunkt, mit Blick auf den Bahnhof Versam-Safien, der soeben von RE 1241 nach Scuol-Tarasp erreicht wird. Im Hintergrund jene Felsen, die sich tatsächlich Ruin' Aulta nennen und damit namensgebend für die Schlucht sind (rätoromanisch: "Ruina" - Geröllhalde, Steinbruch; "aulta" - hoch).




Super-Weitwinkelpanorama des Bildes davor. Rechts geht übrigens kein Weg weiter, denn wir befinden uns genau am Rand der Ruinas sut Crestaulta, über denen die Aussichtswarte schwebt.




Via kombinierte Bahn/Wanderwegbrücke erreichten wir das andere Ufer. Wir befinden uns nun am Gipfel der Chli Isla, die man auch auf dem regulären Wanderweg überqueren muss, denn entlang der Felsen am Vorderrheinufer kommt man nicht durch - zwei Irre radelten über diesen meterbreiten Grat per Mountainbike.
Unter uns fährt sogleich RE 1245 nach Scuol-Tarasp durch den Tunnel, gezogen von Ge 4/4 II 615 "Klosters".




In Versam-Safien bestiegen wir wieder die Bahn, unser nächstes Ziel war Disentis/Mustér. Ge 4/4 II 618 "Bergün" in Edelweiss Air-Werbung hat soeben Glacier Express 904 Zermatt - St. Moritz von einer MGB-Maschine übernommen. Im Hintergrund blickt man durch zum Pizzo del Sole.




Eine Viertelstunde später verlässt RE 1257 Disentis Richtung Scuol-Tarasp, im Hintergrund das dominante Benediktinerkloster.




Wieder wenige Augenblicke darauf passierte Ge 4/4 II 613 "Domat/Ems" mit RE 1257 meinen Standpunkt, natürlich eine perfekte Sandwich-Möglichkeit... ;-)




Verlässt man Disentis Richtung Chur, bietet sich ein herrlicher Blick in die Cadi, den oberen Teil der Surselva, des Tals des Vorderrheins. Durch die vielschichtige Landschaft, vorbei an steten Bergrücken mit kleinen Ortschaften und von Heuschobern gespickten Hängen, näherte sich RE 1236, welcher gerade den Bahnhof Sumvitg-Cumpadials verlassen hatte.




Noch in der Ferne, nun fuhr Ge 4/4 II 628 "S-chanf" mit RE 1236 an mir vorbei, nur ein paar Kurven vom Endbahnhof Disentis entfernt.




Es blieb der Maschine eine halbe Stunde zum Wenden, und mir, um rechtzeitig RE 1261 heimwärts - also Filisur-wärts - zu erwischen.









Reges Rangiertreiben in Ilanz.




Wie am Tag zuvor bespannte Ge 6/6 II 707 Albula-Schnellzüge, diesmal RE 1157 eine Stunde früher. Bei so einer schönen Garnitur kann man ja auch einmal klassisch machen, im Hintergrund das soeben vereinte Rheintal bei Reichenau-Tamins.




Da war ich wohl nicht der Einzige im Zug... ;-)




Angekommen am Stützpunkt Filisur, wo um diese Jahreszeit herrlich lang die Sonne hinscheint, mit leichter Verspätung... allerdings bestand noch immer eine Langsamfahrstelle.




Sollen wir unser Feierabendbierchen am Ende des "Regentages" noch für die Güterzugkreuzung um 18:30 unterbrechen?




Na gut, ein Blümchenbild geht noch...




Am 20. 8. 2014 war voller Regentag angesagt - was tut man da? Nun, auf ins Hochgebirge! Es regnete auch praktisch überall, nur nicht dort, wo wir waren...




In Ospizio Bernina stiegen wir noch im dichten Nebel aus und wanderten bei gelegentlichen Regenschauern am Lago Bianco entlang. Als wir die Wasserscheide Adria - Schwarzes Meer überquert und den hinter der Staumauer liegenden Lej Nair umrundet hatten, ergab sich jedoch plötzlich dieser Blick...




Noch dazu war R 1636 Tirano - St. Moritz aus ABe 4/4 III gebildet, insgesamt konnten wir drei Doppel der im Vergleich zu den nun omnipräsenten Allegras älteren Triebwagen im Umlauf erleben, fast die Hälfte der gesichteten Züge. Hier hinter dem Lej Pitschen auf Talfahrt nach Bernina Lagalb.




R 1621 nach Tirano erklimmt die letzte Steigung von Bernina Lagalb hinauf zum höchsten Punkt der RhB.




Auf dem Weg nach Bernina Lagalb wird die obligate Kuhalm überquert.









Wir verlassen das Reich der Alpenblüten...




... und begeben uns kurz in Gesellschaft mediterranerer Vegetation in Brusio.




Zu Mittag geht sich an einem der prominentesten Plätze der Strecke eine einstündige Kurzsession aus. Bernina Express 973 nach Tirano fährt zwischen zwei Regionalzügen hinab, angeführt von ABe 4/4 III 53 und 54.
Statt Sandwiches habe ich den Zug etwas verlängert... :0)




Blick über Brusio, links nähert sich R 1656 Tirano - St. Moritz der Station.



Wir fahren bald mit Teil 2/2 fort!
lg,
Roni

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Re: Im Land der Eisenbahn-Herrlichkeit 1/2 (50 B.)
« Antwort #1 am: 16. Januar 2015, 00:28:15 »
Danke fuer die schoenen Bilder
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle