Autor Thema: Winter in Rumänien 2015 - 1: Sibiu - Cluj (50 B.)  (Gelesen 1576 mal)

Roni

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Winter in Rumänien 2015 - 1: Sibiu - Cluj (50 B.)
« am: 02. März 2015, 16:23:41 »
Hallo!


Im Herbst letzten Jahres entschied ich mich endlich etwas nachzuholen, was ich eigentlich schon 2005 machen wollte: das Wassertal. Eine Tour sprang ins Auge, der Termin war günstig, und auch Winterdampf ist etwas, was mich immer anspricht - also buchte ich die Woche 14. - 21. Februar 2015 bei Tanago. Die Leute kannte ich zumindest über das Netz aus der fotocommunity, und vom Wiener Freundeskreis konnte sich auch einer (aktuell in München) für die Reise erwärmen.
In der Vorbereitung ging es mir nicht ganz so gut, seit Weihnachten lag ich zwei Mal im Bett und mein letztes Stück Antibiotikum nahm ich zwei Tage vor der Abreise. Dennoch gelang es halbwegs, für die Fahrt fit zu werden, nur am Anfang wollte ich etwas leiser treten. Immerhin konnte ich mir die Zeit mit einem Hardware-Update versüßen, ab jetzt bekommt ihr von mir fast nur Vollformat-Bilder serviert... :0)
Ich buchte meine Nachtzugreservierungen lokal am Schalter in Wien Meidling, eine Binnenfahrt in Rumänien online. Zunächst standen zwei Tage alleine Planverkehr-Fotografieren auf dem Programm, daher fuhr ich schon am Mittwoch Nachmittag vor der Fotozugwoche ab.


Zum Video:
https://www.youtube.com/watch?v=7RcNqeNYQUo



Der Fahrplan für diesen Teil:

Mi, 11. 2. 2015
-------------------------------------------------------------

Wien Meidling ab 14:03 RJ 63


Budapest-Keleti an 16:49

Budapest-Keleti ab 19:10 EN 473 "Ister"  CFR 47 / 65



Do, 12. 2. 2015
-------------------------------------------------------------

Sibiu an 6:25

Sibiu ab 7:28  R 2512  CFR 76 (ex-DB 614) -> Fagaras


Podu Olt an 8:01

Podu Olt ab 9:39 R 2101 Desiro +30


Sibiu an 10:14 +37

Sibiu ab 17:53 IR 1737 Desiro


Cluj Napoca an 21:49



11. 2. 2015

Am Mittwoch arbeitete ich noch bis Mittag, besorgte noch die letzten Sachen und ging nach Hause. Das Gepäck hatte ich schon die Tage zuvor eingepackt, so ruhte ich mich noch kurz aus und bestieg um 13:32 den Bus 9A nach Wien Meidling. Ein praktisches Haus-zu-Haus Taxi für mich, das leider zu späten Zeiten - wenn man es wirklich braucht - nicht unterwegs ist. Und wenn man am Sonntag von einer anstrengenden Fahrt heimkommt, ebenso wenig. Um nicht alles schleppen zu müssen, war ich trotz Einsatz mit vollem Gepäck diesmal nicht mit Rucksack, sondern Rolltasche unterwegs. Am Dienstag hatte ich noch die angeratenen Gummistiefel um heiße 15 Euro erstanden, diese mussten nun natürlich auch mit. Railjet 63 kam pünktlich aus München an, auf meinem Platz saß schon eine Dame, die daraufhin lieber eine andere Vierergruppe suchte. In meiner Umgebung befanden sich vor allem Reisende aus Deutschland, am Tisch daneben unterhielt sich die ganze Zeit eine Dame mit einem jungen Bayern. Da die Stimme nicht so leicht zu ertragen war, nahm ich für den Rest der Fahrt mit Kopfhörern vorlieb. In Komarom wird gerade am Donauufer vermutlich eine neue Straße gebaut, momentan könnte es aber nicht schlecht zum Fotografieren sein, da ein langer Abschnitt entlang des Flusses nun komplett frei ist. Gegenüber von mir reiste ebenfalls eine ältere Dame, die Kontakt mit ihrer Reisegruppe in Budapest via Handy aufnahm und in Kelenföld ausstieg. Kurz zuvor fragte sie mich noch, ob ich wüsste wie die ungarischen Bezeichnungen für weibliche und männliche Toiletten wären, damit nur ja kein Missverständnis entstehe. In Kelenföld entdeckte ich einige Fotografen am Gleisrand, kurz danach huschte nur im Augenwinkel am Gleis etwas vorbei, was ich aufgrund der Scheinwerferpartie am ehesten für eine britische E-Lok im DB-Schenker-Kleid hielt. Es erwies sich jedoch als eine von Softronic modernisierte rumänische Lok, klassiert als DB Schenker Baureihe 480 (nicht verwandt mit den MÁV-Traxx 480).

Pünktlich wurde Budapest-Keleti erreicht, dort empfing einen eine alles andere als freundliche Atmosphäre. Aufgrund der vielen Menschen, die vor kurzem aus dem Kosovo geflohen waren, wurde jeder Zug Richtung Österreich und der Slowakei von der Polizei umstellt und abgeriegelt. Ich hob zunächst ein paar Forint ab und setzte mich in die nächste Bar. Dort wurde ich zwar vom Tee erwärmt, jedoch nicht von der Raumtemperatur – die Bedienung war in Mütze und Jacke tätig und unterhielt sich die ganze Zeit angeregt mit einem der Kunden an der Bar. Anschließend nutzte ich noch eine wartende FLIRT-S-Bahn nach Szolnok für einen Toilettengang, dann wurde die Garnitur meines EuroNight 473 "Ister" bereitgestellt. Er bestand aus älteren MÁV-Tageszugwagen, der Garnitur Richtung Sofia (1 MÁV, 2 BDZ-Wagen) und an der Zugspitze der CFR-Garnitur Richtung Bukarest. Mein Schlafwagen lag an erster Stelle, ich hatte T3 gebucht – das untere Bett 51 - , aber blieb wie erwartet alleine. Der Schaffner empfing mich freundlich, dann setzte sich schon unverkennbar mit gurgelndem Sound die CFR 47er vor den Zug. Die Nacht verlief sehr angenehm, nur das Kleinkind in einem nahen Abteil war bis Mitternacht recht aktiv.


12. 2. 2015

Die Grenzkontrolle gestaltete sich für mich sehr kurz und höflich, die Dame mit Kind nebenan – eine Touristin aus Russland – wurde jedoch härter in die Mangel genommen. Letztendlich verließen die Grenzer den Zug, wir fuhren an, doch schon an der Ausfahrt Curtici mussten wir uns wieder einbremsen. Nach einigen Minuten erst kam der Gegenzug, dann setzten wir die Fahrt in die Nacht Richtung Arad fort, wo wir mit +25 abfuhren. Der Wecker war nun korrekt auf die Zeitzone gestellt, und ich schlummerte wieder gut 2 ½ Stunden bis Simeria. Siehe da, die Verspätung war wieder komplett aufgeholt worden. Wie überall in Rumänien – bis auf ein paar Ausnahmen – war man eigentlich stets pünktlich unterwegs, auch dank gemütlicher Fahrweise und oft großzügigen Planfahrzeiten. Ein vertrautes Wummern näherte sich meinem Schlafwagen, schon hier wurde auf die GM-modernisierte Baureihe 65 umgespannt, obwohl wir theoretisch noch bis Vintu de Jos unter Fahrdraht unterwegs sein würden. Fast fühlte man sich wie auf der Likabahn – Schlafwagen und drei Stunden satter GM-Sound, mmmmmmmmhhh…

Es ging die Steigungen Richtung Sibiu hinauf, allerdings immer in gemächlichem Tempo. Gegen 6 Uhr brachte mir der Schaffner die Fahrkarten, Kaffee und ein Paket mit Butterkeksen und Marmelade. Um 6:25 hüpfte ich bei unter -10 Grad auf den vereisten, eher spärlich beleuchteten Bahnsteig. Ich filmte die Abfahrt, dann begab ich mich hurtig Richtung Bahnhofshalle. Ich war wohl der einzige, der hier die Unterführung nutzte - aber auch nur das eine Mal, denn in der Dunkelheit sah man die Abschneider nicht gut. So schleppte ich die schwere Tasche in die kaum beheizte, aber doch wärmere Bahnhofshalle. Einige Gestalten hatten sich hier versammelt, an der Tür klebte zwar eine Warnung, dass man sich ohne Fahrkarte nur eine begrenzte Zeit hier aufhalten durfte - doch bei diesen Temperaturen wurde das zurecht ignoriert. Einige ältere Herren kamen herein und kauften Fahrkarten für den Zug Richtung Fagaras (ohne Sonderzeichen, hier s = "sch"). Die Rucksäcke deuteten auf Outdoor-Aktivitäten hin, es standen heraus: Teleskop-Angelruten, Bier(?)flasche mit Pfropfen (nach dem, was wir in der Woche danach in Flaschen mit Pfropfen serviert bekommen haben, könnte es aber auch etwas Härteres gewesen sein) und der Stiel einer Axt(?). Im Saal befanden sich zwei Fahrkartenautomaten, beide außer Betrieb, dafür mit Bildschirmen darüber, auf denen CFR-Werbung in Schleifen lief. In der Mitte ist eine alte Säule des Bahnhofs als Denkmal aufbewahrt worden, am Sockel Inschriften in einigen Sprachen, allerdings auf Deutsch mit nicht ganz korrekter Schreibweise für Hermannstadt. Einer der älteren Herren - Lidl-Sackerl-bewaffnet - rief mich zu sich und meinte ich sollte nicht an der kalten Steinbank um die Säule warten, besser hier, dies sei die "Elitebank von Hermannstadt". Kurz vor der Abfahrt wollte ich noch Lei abheben, der Bankomat in der Halle versuchte sich zunächst lange zu verbinden und spuckte anschließend kommentar- und geldlos meine Karte wieder aus. Der Sache näher auf den Grund gehen konnte ich nicht mehr, aber es dürfte nichts abgehoben worden sein.
R 2412 von Teius bestehend aus Kutter und zwei Wagen war auf Bahnsteig 2 angekommen. Eigentlich sollte mein Zug von dort weiterfahren, also hoffte ich, dass die Garnitur durchgebunden werden würde. Dem war nicht so, die Wagen wurden wegrangiert, und ich fand meinen Zug R 2512 nach Fagaras auf Gleis 3 stehend in Form eines Triebwagens der Baureihe 76 (ex-DB 614). Drinnen war es schön warm, nur dürfte diese Baureihe das Problem haben, dass einige der automatischen Türen sich nicht mehr ganz schließen lassen. So wurde man im separaten Türraum während der Fahrt von Zugluft bei Minusgraden empfangen. Auf einem Nachbargleis, noch im Gleisvorfeld (ich denke jedoch bezeichnet als "Bahnsteig 5"), stand eine urige Garnitur mit Kutter und blauen Wagen. Diese wurden soeben von drei Frauen mit mehreren riesigen "Ostblocktaschen" (auch bekannt als "Vietnamesentasche") geentert. Der Schaffner kontrollierte meine Karten gleich nach der Abfahrt, bei der ersten Station stellten sich sogleich die frisch Zugestiegenen bei ihm an, um ebenfalls Tickets zu erwerben. Da schon die nächste Haltestelle folgte, kam er bald in Stress.
Nach einer halben Stunde Fahrt war mein erstes Ziel - Podu Olt - erreicht. IR 74 "Transilvania" Brasov - Budapest brauste uns mit GM und Wagen am zweigleisigen Stück kurz davor entgegen. Ich filmte noch die Abfahrt des Triebwagens, dann erkundete ich den Warteraum, denn diese Einrichtung war bei derartigen Temperaturen besonders wichtig. Nun, wie in fast allen kleinen Bahnhöfen in Rumänien, die ich besuchte: es gab zwar einen Riesen-Kachelofen, doch geheizt wurde nicht. Da die Tür auch immer wieder offen stand, entsprach die Temperatur drinnen fast den Außentemperaturen. Längere Zeit hier zu Warten war also keine Option. Zunächst gab es allerdings etwas zu tun, also marschierte ich den Tiefschnee vermeidend auf der Straße bis zum Bahnübergang an der östlichen Bahnhofsausfahrt. Hier findet sich übrigens auch eine Pension mit Restaurant, das jedoch in der Früh noch geschlossen wirkte.

Guten Morgen, Fagaras-Gebirge! Die mächtige Bergkette empfing mich mit mächtiger Stimmung.




Als ersten Zug erwartete ich um 8:25 R 2068 Sibiu - Ramnicu Valcea. Wie erhofft tauchte 60-0770 mit den zwei blauen Wagen auf. Man beachte auch das Lidl-Sackerl.




Im eisigen Nebel war vieles noch in Raureif gehüllt.




Mit etwa fünf Minuten Verspätung setzte der Zug die Fahrt fort.




Hier treffen zwei Strecken zusammen: links jene ostwärts und Olt-aufwärts nach Fagaras und Brasov, über welche aktuell die Nachtzüge nach Bukarest umgeleitet werden, rechts jene südwärts oder Olt-abwärts Richtung Ramnicu Valcea, Piatra Olt und letztendlich Craiova.




An der Paradestelle der Strecke erwartete mich genau im richtigen Moment die beste Stimmung, als der Grat des Gebirges durch einen Leuchtstreif akzentuiert wurde. Schon einige Minuten zuvor hörte man im Tal den Kutter, dann das Rollen auf der Brücke über den Olt, dann war R 2071 Piatra Olt - Podu Olt nach über fünf Stunden Fahrt für 164 km fast am Ziel angekommen.




60-1191 passierte meine Stelle.




Die angekommene Regionalzuggarnitur wendete in Podu Olt und hatte nun stundenlange Wartezeit in dem abseits der Orte gelegenen Knotenpunkt.




Am Bahnsteig warteten die Fahrgäste auf die Verbindung Richtung Sibiu, neben der Dame traten auf: die Stationshunde, die Ostblocktasche und das Lidl-Sackerl... wobei ich nach gewissen Sichtungen die Theorie hegte, dass in dieser Region das Lidl-Sackerl über das Billa-Sackerl triumphiert hatte.




Die Maschine war 1977 von Electroputere in Craiova hergestellt worden.









Die Schneeschicht musste sich die nächsten Tage halten, es war immer schönes Wetter angesagt mit teils heftigen Minustemperaturen bis zum Vormittag und Plustemperaturen am Nachmittag.




Nun musste ich grübeln, was es zu tun gab. Denn aufgrund der Rekonvaleszenz und da mir die nächste Woche eigentlich wichtiger war, wirkte das Herumlaufen und Warten in der Kälte nicht besonders reizvoll. Ebenso gab es zu bedenken, dass hier oft große Lücken im Verkehr herrschen, es am Nachmittag beispielsweise fast gar nichts zu fotografieren gab. Also beschloss ich - obwohl ich für den nächsten zu fotografierenden Zug eigentlich einen anderen Plan gehabt hatte - jetzt schon nach Sibiu zurückzukehren. Nur wo blieb mein Zug, R 2101 aus Brasov? Mit ein paar Wartenden turnte ich etwas im Wartesaal, um mich warm zu halten. Endlich, mit über einer halben Stunde Verspätung, vernahm man das Rauschen auf einer der Olt-Brücken und eine kurze Ansage kündigte die ankommende Desiro-Garnitur an. Ich nahm auf einem Sitzplatz neben einer durch Steinwurf beschädigten Scheibe Platz - wie öfters zu sehen - , doch es blieb alles dicht. Kurz vor Sibiu kreuzten wir IR 1736 Cluj - Ramnicu Valcea, dessen Gegenzug ich am Nachmittag nehmen würde.

Sibiu erreichten wir mit +37, und ich musste mich schon beeilen für einen altbekannten Zug. Aufgrund von Bauarbeiten an der elektrifizierten Hauptstrecke Richtung Brasov und Bukarest über Sighisoara verkehren aktuell zwei Nachtzugpaare auf der Dieselstrecke und bedienen Sibiu direkt.
Und voilà: IR 347 "Dacia" aus Wien (wobei er als Zug aus Budapest angesagt wurde, im Kursbuch steht jedoch "Viena" als Abfahrtsort), welcher hier um 11:01 abfährt. Gezogen wurde er von einem GM-EMD remotorisierten Kutter, 65-1363. Lampenmast, oder Ausguck, oder was auch immer, im Hintergrund entfernt, geleuchtet hat das Ding in der Nacht jedenfalls nicht mehr.
An der Brücke traf ein alter Dacia auf den Dacia.




Nachschuss vor der herrlichen Kulisse des Fagaras-Gebirges. Links ist das Depot Sibiu zu sehen, darin auch abgestellte Schmalspurdampflokomotiven. Ein Eisenbahnmuseum befindet sich ebenfalls dort, das ich jedoch nicht besucht habe. Entlang der Strecke Richtung Süden sind immer wieder Schmalspurgleise der teilweise erhaltenen Strecke Sibiu - Agnita zu entdecken, welche momentan von Freiwilligen restauriert wird: http://www.sibiuagnitarailway.com  -  http://www.spurfilm.eu/agnita




Abgestellte Wagen auf einem Stumpfgleis vor dem Hausbahnsteig von Sibiu.









Am Bankomaten einer österreichischen Bank, die ich zwar nicht so gerne nutze, aber welche zumindest auch die Zahlung im CFR-Onlinesystem abwickelt, konnte ich genügend Lei für die Reise abheben. Als ich den Hügel zur Altstadt hinauf marschierte, entdeckte ich dieses Exemplar, das noch etwas stilvoller und passender zu einer Eisenbahnreise gewesen wäre.




Das Zentrum ist klein, aber fein, bald stand ich am Großen Ring (Piata Mare), dem Hauptplatz der Stadt. Im Hintergrund unter anderem die römisch-katholische Kirche und das Rathaus. 2006 war der Platz generalsaniert worden. Man fühlte sich zudem fast wie in Österreich, neben dem Hotel am Ring gab es die Admiral-Wetten, die Volksbank und den Billa im Angebot.




Blick auf die eher niedrigen Häuser der - heutzutage - 150000-Einwohner-Stadt, von den steilen Dächern rutschten gelegentlich Dachlawinen ab.




Das Brukenthal-Palais links ist eines der interessantesten Barockgebäude in Rumänien, rechts das Rathaus.




Die evangelische Stadtpfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert.




Anschließend besuchte ich ein paar Cafés um mich aufzuwärmen und Kraft zu tanken, unter anderem das Café Wien, wo allerdings niemand der jungen Bedienung Deutsch sprach. Insgesamt leben nur noch etwa 2000 Siebenbürger Sachsen in der Stadt, zur Wende 1989 waren es noch 20000 gewesen.




Zurück am Bahnhof enthüllte das Nachmittagslicht die volle Herrlichkeit des Bergpanoramas.




Interessante Zugbewegungen allerdings: so gut wie Fehlanzeige, da legte sich auch das Hunderl nieder.




Und wenn etwas kam, dann ein Desastro. Der Triebwagen rangierte langsam von weiter hinten in den Bahnhof.




Endlich ein bisschen Abwechslung, 76-1453 (modernisierter DB 614) war pünktlich als R 2592 aus Copsa Mica angekommen.









Einen letzten Lichtspot auf den Gleisen nutzte ich für IR 1725 nach Craiova.




Anschließend wärmte ich mich wieder kurz in der Bahnhofshalle, schleppte diesmal die Tasche aber natürlich auf den üblichen Schleichwegen über die Gleise. Zwei junge deutsche Touristen warteten auf der Bank neben mir, sie sollten auch den selben Zug nehmen wie ich.
Zurück am Bahnsteig erwartete mich das Spektakel des Fagaras-Leuchtens. IR 1737 Ramnicu Valcea - Cluj Napoca holte mich genau im richtigen Moment ab.




Ich hatte mir um heiße 15 Euro eine 1. Klasse Karte bis Cluj geleistet. Es wäre jedoch ziemlich egal gewesen, denn der Zug blieb so gut wie leer, bis auf die schon erwähnten zwei Touristen. Diese tranken sich in den folgenden vier Stunden Fahrt durch das rumänische Biersortiment. Gelegentlich blieb der Schaffner bei mir im Abteil sitzen, ansonsten verlief die Fahrt ereignislos, Dunkelheit setzte ja schon sofort ein. Auffallend war, dass in Rumänien Regionalzüge meist sehr gut besetzt sind, Fernzüge dagegen oft spärlich. Und dies, obwohl nun praktisch alle Züge zu IRs downgegradet wurden. Bei der Ankunft in Cluj stiegen vielleicht 5 Leute aus dem Triebwagen aus, während der Fahrt kam oder ging niemand.
Es fiel mir sofort auf, dass Cluj-Napoca - mit 325000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Rumäniens - sich wesentlich lebhafter als Sibiu präsentierte. Gleich vom Bahnhof weg schleppte ich zum ersten und letzten Mal meine schwere Tasche den steilen Anstieg hinauf, durch dorfähnliche Nebengassen und die wieder einsetzende Kälte zum Hotel. Dieses war ein Vierstern-Schnäppchen gewesen und eigentlich ganz gut, doch bei der Ankunft wollte einiges nicht klappen. Zunächst wollte der Aufzug nicht (man hätte während der Fahrt dauernd den Knopf drücken müssen, das war mir doch etwas riskant, aus dem Lift gerettet werden müssen - das hätte mir noch gefehlt), also die Stiegen hinauf, dann ging die Zimmertür nicht auf, dann wollte die Dusche nicht, ... aber letztendlich konnte ich in das verdiente Bettchen fallen.



13. 2. 2015

Am nächsten Morgen entschloss ich mich, ebenfalls nur einen halben Tag zu fotografieren, diesmal jedoch am Nachmittag. Es hätte sich auch nicht unbedingt ausgezahlt, denn man hätte in der Eiseskälte früh aufstehen müssen, nur um dann erst recht wieder am Vormittag eine lange Zuglücke durchzutauchen. Also, einfache Lösung: aufstehen um 9:05, Frühstück bis um 10, raus fahren erst zu Mittag. Beim Frühstücksbuffet wurde einem wirklich alles geboten, sogar Fischstäbchen hätte man sich theoretisch aufladen können. Manches wirkte zwar schon nicht mehr ganz frisch, aber da darf man sich nicht beschweren wenn man erst am Ende hinkommt. Immerhin bekam ich noch von der netten Managerin die Dusche erklärt - ah, man kann nicht nur drehen, sondern auch ziehen und verschieben und zwischen 3 verschiedenen Düsenmodi wählen...

Blick aus meinem Zimmer um 10 Uhr auf die steile Gasse und das Depot Cluj, ein Desiro rückte soeben aus.




Nach 11 verließ ich das Hotel, die Gassen erinnerten mich am ehesten an ungarische Straßendörfer, bis auf die typisch rumänischen Holzeingänge. Alte Autos sieht man ja nur noch selten, doch hier konnten nicht nur alte Dacias, sondern auch eine Trabi-Ansammlung gesichtet werden.




Ein Dame hatte soeben einen orthodoxen Priester besucht.









In der Strada Horea, die im rechten Winkel auf den Bahnhof zuführt, traf ich auf die Straßenbahn.




Die Straßenbahn Cluj-Napoca besteht aus drei, ja eigentlich nur aus einer Linie. 100 und 101 wenden in einer Schleife am Bahnhof, 102 fährt die Gesamtstrecke durch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenbahn_Cluj-Napoca
Vor mir ist mit #83 der Dritte der vier 2012 gelieferten PESA "Swing" Triebwagen.




Auf Feinstaubalarm dürfte man verzichten können, denn es würde wohl Daueralarm geben...




Als nächstes näherte sich ein ex-Berliner Tatra KT4D.




Ein alter Dacia 1310 TX hatte sich aus der Ausfahrt neben mir geschwindelt. Was in Rumänien allgemein bevorzugt wird, sieht man jedoch: westliche Gebrauchtwagen.




Als nächstes folgte ein ehemals Potsdamer KT4DM auf der hochelektrischen Straße.




KT4D #19 (CKD Tatra #167681 / gebaut 1979) mit gepimpten Rims! Die Linie 100 wendet hier nordwärts.




Während die Linie 101 zurück in den Süden fährt, im Hintergrund der Wasserturm.




Ich kaufte mir im Oncos-Supermarkt Flüssigkeit für den Tag, dann fertigte ich dieses Panorama mit Bahnhof und KT4DM an. Trotz dreier Linien auf einer Strecke ist der Takt eher spärlich, etwa 5-10 Minuten.




Entsprechend sammelten sich die Menschen auch schon an der Haltestelle.




Blau - (bisschen) Gelb - Rot




Vor dem Bahnhof stand das Prachtexemplar 150.139 (Nachbauserie der DRB 50er, Resita 1946 - 1960).




Die mit einem stolzen Logo versehene 41-0747 fuhr um 12:07 mit R 3612 nach Teius aus.




Es standen wieder Reihen hellblau lackierter Wagen abgestellt, auch Doppelstock.









Langsam füllte sich der Bahnsteig.




Das Vehikel rechts rangierte mit einer Gleisbaurotte durch das gesamte Bahnhofsgelände, doch leider musste ich mit dem Vehikel links vorlieb nehmen...



Im nächsten Teil geht es zu Streckenaufnahmen westlich von Cluj, und wir kommen in Viseu an! :-)
« Letzte Änderung: 08. März 2015, 22:37:43 von Roni »
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Re: Winter in Rumänien 2015 - 1: Sibiu - Cluj (50 B.)
« Antwort #1 am: 03. März 2015, 00:55:12 »
Danke fuer die extrem stimmungsvollen Bilder
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle