Autor Thema: Winter in Rumänien 2015 - 10: Multimedia-Diashow + Abschied von Viseu (50 B.)  (Gelesen 1134 mal)

Roni

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Hallo!







Ich habe zum Winterdampf im Wassertal nun auch eine Multimedia-Diashow produziert, hier zu finden (bitte auf Qualität 1080p stellen):
https://youtu.be/79c4UxSwW1w







Zum vorherigen Teil der Serie:
Winter in Rumänien 2015 - 9: 50 Prozent OK (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3710.0


Zum Video:
https://www.youtube.com/watch?v=7RcNqeNYQUo



Der Fahrplan zu diesem Teil:

Sa, 21. 2. 2015
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Viseu de Jos ab 18:20 R 4134 -> Cluj


Beclean pe Somes an 20:26



So, 22. 2. 2015
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Beclean pe Somes ab 0:23 IC 406 Corona


Budapest-Keleti an 9:15

Budapest-Keleti ab 11:10 RJ 64 -> München


Wien Meidling an 13:55




20. 2. 2015


Wir kehren am Freitag nach der letzten Fotozugleistung zurück zum Lokschuppen von Viseu de Sus. Resita 764-449 verschiebt um O&K 764-211 Gesellschaft zu leisten.




Fast authentisch aus Planbetriebszeiten vor der großen Wand aus Feuerholz.




"Ioana" neben "Mariuta" vor dem Lokschuppen.














87-0033 kehrte mit dem ersten Produktionszug des Tages zurück.




Sogar riesige TAFs werden auf schmaler Spur transportiert, das Auf- und Abladen funktioniert mittels mobiler Rampe am Flachwagen sehr schnell. Auch für Schmalspurfahrzeuge findet man eine Rampe vor.




87-0033 auf dem Weg zum Lokschuppen.









Am Gelände finden sich einige abgestellte Dampfloks, noch einer der uns schon bekannten blauen Triebwagen, sowie weitere Draisinen.




Führerstandsblick der Augsburger Polizeidraisine, leider ohne Blaulicht, der Fahrersitz fehlte ebenfalls.
Die Draisine im Hintergrund ist der ehemalige ÖBB KL X 626.142 des Bauhofs Wels.




Dieser alte Schienen-LKW fährt leider nicht mehr, der kleine russische Triebwagen rechts wurde gerade für den Einsatz hergerichtet.









Das Tor wurde geöffnet - man achte auf die Gleislage!




Treffen von Pferdefuhrwerk mit der ankommenden britischen Ford Transit-Draisine am Bahnübergang vor dem Betriebsgelände.









Der Lokführer von 764-408R "Cozia-1" mit dem Zug der anderen Touristengruppe hatte die Schmach zu erleiden trotz Vorwarnung auf einem Schienenbruch zu entgleisen - offensichtlich hatte sich der Defekt nicht ganz an der vermuteten Stelle befunden. Da so eine Kleinigkeit auf der Wassertalbahn an der Tagesordnung steht, war eine Weiterfahrt bald möglich. Dennoch trudelte der Zug mit einiger Verspätung ein.
Ich stand oben an einer steilen Wiese, wo die armen Pferde vor dem bereits bekannten Fuhrwerk mit fehlender Achse zum Kompostaufladen hinaufgetrieben wurden. Nach dem Foto versuchte ich den Hang hinunterzugehen, doch war es aufgrund der Schneeschmelze derart schlammig und die Grasnarbe derart dünn, dass ich diese durch mein Gewicht mitriss und den gesamten Hang hinunterschlitterte. Erst das einzige kleine Bäumchen weit und breit rettete mich davor ganz bis unten zu rutschen. Während ich es festklammerte, zeigten die Arbeitenden meinem Begleiter lachend die Gartentüre oben hinaus auf die Straße...




Noch während meiner Rutschpartie näherte sich schon der kleine blaue Triebwagen mit Arbeitern, um den Schienenbruch zu reparieren. Auch die Kamera hatte ein wenig Gatsch abbekommen, aber es ging noch halbwegs zu fotografieren.




Beim Weg zurück musterte mich der Arbeiter hier im Bild links und rief aus: "Katastrofa, Scheffe, Katastrofa"! Naja, es hatte zumindest nur meine Schihose und -jacke erwischt, die ich auf der Reise nicht mehr brauchen würde und einfach eingetütet für gründliche Reinigung zu Hause in den Koffer packen konnte...









764-408R rangierte ihre Garnitur zurück zum Schuppen - zusammen mit der Abendstimmung im Hintergrund wurde dies zum Dampf-Abschiedsbild der Tour.




Am Holzverladeplatz rangierte nun die 87-0033 neben einer Balkanziege - ausnahmsweise auf Gummirädern!




Blick die lange Wagenschlange entlang Richtung Sägewerk.



Anschließend organisierten wir letzten zwei Mohikaner noch eine Tour für den nächsten Vormittag per Taxi. Es wurde vor horrenden Beträgen gewarnt, die ein derartiges Unterfangen verschlingen könnte. Doch ein kurzer Anruf beim Taxler ergab, dass uns insgesamt 70 km Wegstrecke und eine Stunde vor Ort Warten 100 Lei, also ca. 22,5 Euro, kosten würden...
Später am Abend traf die Gruppe noch einmal zum gemeinsamen Dinner im Speisewagen zusammen.



21. 2. 2015

Am Samstagmorgen standen wir etwas früher als die anderen auf. Leider zerschlug sich die Hoffnung das Servieren der Spiegeleier in der Pfanne fotografieren zu können, da die gute Fee unsere Intentionen wohl vorausahnte...
Um 7:30 ging es los, der Rest der Gruppe würde uns bald darauf im Kleinbus auf der selben Route folgen, allerdings direkt zum Flughafen Cluj. Über den Pasul Setref verlässt man die Region Maramures. Unserem urigen Taxler riefen wir zu: "Fotostopp!" - Es bot sich ein traumhafter Blick zurück auf diverse Gebirgszüge.




Die Strecke Salva - Sighetu Marmatiei führt hier durch einen Tunnel, wir vermuteten, dass die korrespondierende Telegrafenleitung dennoch über den Berg verlegt worden war. Im Bahnhof Dealul Stefanitei sahen wir ein Formsignal rumänischer Bauart, ich dachte durch das Taxifenster würde es die einzige Möglichkeit bleiben, so etwas zu fotografieren...




Das Ziel unserer Taxifahrt war ein Dorf namens Romuli, nun sind wir von Maramures kommend im Norden Siebenbürgens - Kreis Bistrita-Nasaud - angekommen.
Die Hauptattraktion des Ortes ist im Hintergrund zu sehen, doch aus allen Ecken kamen auch Nebenattraktionen hervorgetrabt - das Dorf wäre der Himmel für den Pferdeflüsterer unserer Gruppe gewesen!









Hauseingang.




Dorfstraße von Romuli, langsam kämpfte sich die Sonne durch die Hochnebelschicht.




Überall gab es faszinierende Details zu entdecken.









Straße ins Tal der Strâmba.




Nun zur Hauptattraktion (inklusive Nebenattraktion): der großen Eisenbahnbrücke über Romuli. Wir schauten uns auch nach Blicken vom Hang aus um, aber der wird beherrscht von Privatgärten, wo die lieben Wachhündchen natürlich nur auf einen warten. Aufgrund der vielen Motive, die durch die Gassen liefen, gab es aber ohnehin nicht viel zu überlegen wie man das Ganze umsetzt.
Da nur ein Personenzug in der Wintersaison bei Tageslicht fährt, wird man mir hoffentlich verzeihen, wenn er etwas öfter auftaucht... ;-)
Wir spekulierten mit einem klassischen Kutter, weil diese fast exklusiv auf dieser Strecke zu sehen gewesen waren. Der Zug beschleunigte bergauf aus der Haltestelle Romuli kurz davor - es hörte sich gar nicht nach Kutter an. Es kam - eine GM vor R 4135 Beclean pe Somes - Sighetu Marmatiei inklusive Kurswagen aus Timisoara von IR 1843.




Im Ort wird der Fluss/Bach unter anderem auf einem Holzsteg überquert, wo ich das Video aufgebaut hatte - die Eisenbahn tat dies in größeren Höhen.




Fuhrwerke kamen praktisch im Minutentakt vorbei. Ebenfalls fiel mir die schwarze Fahne am Haus rechts auf (hinter Pferdeohren)...




Und eine Variante mit kleinem Sägewerk.




Am Vormittag kehrten wir nach Viseu de Sus zurück. Ich schenkte unserem jungen Führer mein etwas verbogenes Stativ, das nicht mehr in die Reisetasche passte. Im Gegenzug bekam ich eine Flasche des hochbegehrten hauseigenen Afinata mit auf den Weg.




Zu Mittag machten wir uns in die Stadt auf, um etwas zu Essen zu bekommen. Auf dem Weg ging man das Sägewerk entlang, eine moderne Anlage wo Holzbriketts hergestellt werden. Die Schmalspur setzt sich in diesem Dreischienengleis fort, das Sägewerk besaß auch zwei 85er, welche vom Zustand her einwandfrei aussahen. Dennoch waren wir nicht sicher, ob sie zu Einsatz kamen. Die Strecke mündet in jene zwischen Borsa und Viseu de Jos und sah eher nicht mehr befahrbar aus. Zudem entdeckten wir keine beladenen Normalspurwaggons, alles schien durch LKWs abtransportiert zu werden.




Hinterhofblicke in Viseu de Sus.




Zunächst steuerten wir das empfohlene Lokal an, das mein Begleiter schon am Anfang der Woche erfolgreich getestet hatte. Doch ausgerechnet hier war die Küche an dem Tag wegen Renovierung geschlossen. Etwas Interessantes fand ich allerdings in der Garage daneben vor. Also gingen wir zurück durch das Zentrum, Viseu de Sus ist doch eine größere Stadt als man es von den dörflichen Ausläufern her vermutet. Sogar einen großen Taxistandplatz fand man vor, da war es klar wieso wir unseren Trip am Vormittag so billig bekommen hatten.




Die Vorzugsschüler des Gymnasiums - wo die Schlimmen hinkommen, hatten wir ja schon am Anfang der Woche bei den Holzfällern erlebt.




Modernes und altes im Zentrum, auch ein großer Supermarkt wurde besucht - der einzige der Reise, wo ich Azuga-Bier vorfand. Dieses musste natürlich zum Testen mit nach Hause genommen werden. Gleich daneben entdeckten wir das ansprechendste Restaurant auf unserem Rundgang, ein eher wie ein amerikanisches Diner wirkender Palast. Natürlich war der Hauptteil wie in Rumänien üblich voll verraucht, ein kleines Nichtraucher-Abteil fand sich ganz hinten. Darin nahmen wir als einzige Gäste neben einer Mama, die gerade mit Kind Hausübungen durchmachte, Platz. Zwar mussten wir auf das bestellte Essen ein wenig warten, es war aber alles ganz gut, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass auf der Speisekarte von Pizza bis zu einheimischen Spezialitäten alles zu finden war. Und auch ökonomisch konnten wir uns über den Vormittag mit nicht viel mehr als 20 Euro pro Nase für Taxifahrt, Supermarkteinkauf und vollem Mittagessen nicht beschweren.




Bei unserer Rückkehr leuchtete es Blau-Geld-Rot.




Abschied von 87-0033.




Ein letzter Blick aus dem Schlafwagenfenster des Hotelzugs auf die Holzverladung.




Ein etwas ungesprächiger Fahranfänger-Junge fuhr mich von Viseu de Sus (Oberwischau) zum Hauptstreckenbahnhof in Viseu de Jos (Unterwischau). Nach Zuckelei mit etwa 10 km/h unter der Geschwindigkeitsbeschränkung und nachdem ich ihm die Route zur Station ansagen musste, brachte er nicht einmal ein Wort heraus ob er irgendetwas dafür verlangte. Also drückte ich ihm ein wenig Geld in die Hand, und er zog ab. Es schien jedoch zu wenig gewesen sein, denn von meinem Begleiter, der den späteren Zug nehmen würde, verlangte er dann mehr. ;-)




Die harten Bedingungen für ältere Menschen erlebte ich hautnah, als sich ein gebrechlicher Mann vor diesen Häusern durch den Schlamm kämpfte, der sich aufgrund der Schneeschmelze gebildet hatte. Er verlor komplett die Orientierung und fiel in eine Lacke. Ich eilte sofort hin und half ihm auf, dachte schon er würde wieder stabil stehen, dann plumpste er wieder hin. Letztendlich kam vermutlich seine Tochter aus dem Haus daneben und kümmerte sich um ihn. Da gerät man schon ins Grübeln, wie es den Menschen in derart abgelegenen Regionen ergeht, während anderenorts Niederflur ja das Mindeste ist, was man zu bieten hat.




Die Wetterstimmung wurde während des Wartens immer besser, schon nach Sonnenuntergang im letzten Licht kam schließlich pünktlich mein R 4134 Sighetu Marmatiei - Cluj Napoca gezogen von einem klassischen Kutter daher. Man achte auf den Stellwerker.




Nach der Einfahrt lief ich schnell vor um den Zwei-Wagen-Zug zu besteigen. In einem modernisierten 2.-Klasse-Abteil nahm ich neben einem älteren Ehepaar Platz, welches ständig an Sonnenblumenkernen nagte. Doch sie konnten immerhin ein paar Brocken Englisch, um mit mir zu kommunizieren.




Gleich nach Abfahrt setzte komplette Finsternis ein, in Sacel kreuzten wir bald darauf einen nordfahrenden Personenzug. In Salva wurde die elektrifizierte Hauptstrecke erreicht, danach stieg ich im Eisenbahnknotenpunkt Beclean pe Somes aus. Nun hieß es vier Stunden Wartezeit zu überbrücken - der Warteraum war nicht außerordentlich geheizt, also sah ich mich zunächst nach Alternativen um. Direkt gegenüber der Station befand sich eine Bar, ein surrealer Ort - nicht nur aufgrund der aufreizenden Alkoholwerbeplakate - ein iPhone-Bild davon muss ich zeigen:


Die Besoffenen des Städtchens hatten sich hier versammelt, ich setzte mich in eine Ecke und holte ein im Rucksack greifbares Drehscheibe-Heft hervor, da ich nicht unbedingt mit irgendeiner Elektronik hantieren wollte. Natürlich wurde ich gleich von einigen ins Herz geschlossen, das Heft wurde durchgeblättert und mir gezeigt, was so alles in Rumänien sei und was man alles kenne (eh klar ;-)). Letztendlich wurde die Drehscheibe beschlagnahmt und liegt wohl heute noch als Lektüre in der Bahnhofsbar von Beclean (die beste Stadt) auf.
Leider währte das Vergnügen nur kurz, denn bereits um neun wurde die Bar zum Schließen vorbereitet - mit der effektiven Methode, dass einfach sämtliche Türen aufgerissen wurden. Also bewegte ich mich wieder zurück in den Warteraum, wo es sich mit weiteren Kleidungsschichten doch halbwegs warten ließ. Nach zehn fand der große Nachtzugwagenaustausch statt, der Regionalzug mit meinem Begleiter kam an - dieser fuhr jedoch weiter bis Cluj. Ich wartete in Beclean für maximale Schlafdauer, da ich einen Schlafwagen bis Budapest gebucht hatte. Nach etwas Rangier-Action kehrte Ruhe an der Station ein. Letztendlich erschien pünktlich um 0:23 mein IR 406 "Corona" Richtung Budapest Keleti. Ich lief zum ersten Wagen, wo mich schon der nette Schlafwagenbetreuer empfing. Wieder hatte ich mit T3 ein Abteil für mich alleine. Für den finalen Normalspurteil der Reise empfehle ich das Video (Link s.o.) ab 1:08:25 anzusehen, fotografiert habe ich nicht mehr.
In der Nacht stand ich kurz auf, um die M41 zu filmen, insgesamt konnte ich mich bis Budapest angenehm ausruhen. An der Lok trafen wir in Keleti wieder zusammen, ich hatte nur den Verdacht, dass mir während der kurzen Wartezeit ein Hund an die Reisetasche gepinkelt hatte - nun gut, sie war ohnehin schon so ramponiert, dass ich sie zu Hause gleich entsorgen konnte. Zunächst tranken wir Kaffee im edlen Bahnhofsrestaurant, dann schauten wir noch ein wenig auf den Bahnsteig hinaus um die enorme Vielfalt an Zügen diverser europäischer Bahngesellschaften hier genießen zu können (siehe ebenfalls Video). Anschließend stieg er in den EuroCity nach Prag, ich musste mich mit dem Raildreck nach Wien begnügen...

Das war's dann wohl mit Rumänien dieses Jahr... oder? :0)
lg,
Roni

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