Autor Thema: Rumänien 2015 - 12: Aprilwetter am Cibin (50 B.)  (Gelesen 940 mal)

Roni

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Rumänien 2015 - 12: Aprilwetter am Cibin (50 B.)
« am: 08. Juli 2015, 11:20:40 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Rumänien 2015 - 11: Per Daciam Cibinium (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3719.0


Zum Video:
https://youtu.be/f2aVp_q6rT4




2. 4. 2015


Um 7 Uhr morgens wanderte ich das erste von mehreren Malen an diesem Donnerstag durch den Ort Talmaciu, hier vorbei an der neueren orthodoxen Kirche samt Friedhof.




In den ersten Lichtstrahlen durchfuhr ein modernisierter 614er als R 2512 Sibiu - Fagaras den Ort, mit diesem Zug war ich im Winter gefahren. Unterdessen machte sich ein orthodoxer Priester auf den Weg.




Ich war mir nicht ganz sicher, ob es sich ausgehen würde, da sich die beiden Züge normalerweise nahe Talmaciu treffen - doch es klappte alles, und ich erwischte an der Cibin-Brücke den internationalen Tagesschnellzug IR 74 "Transilvania" Brasov - Budapest: Blau in Blau.




65-0943 zog die 3-Wagen-Garnitur an der herrlichen Kulisse des Fagaras-Gebirges mit Wolkenstimmungsunterstützung vorbei.




Danach stellte ich mich auf die Autobrücke über den Cibin.




Ein weiterer Grund für das frühe Aufstehen: R 2068 Sibiu - Râmnicu Vâlcea (sprich: "Rmniku Wltscha") als klassische Kutter-Garnitur auf der Cibin-Brücke im schönsten Morgenlicht.




Während der Hauptteil des Ortes durch den Dorferneuerungsverein aufgemascherlt wurde, leben Roma am Rand, im wahrsten Sinne des Wortes.




Die Sektion zwischen Talmaciu und Podu Olt führt herrlich entlang des Cibin mit schönen Bäumen und von Schafen gestutzten Wiesen. Im Hintergrund ein Desiro und schon das Einfahrtssignal von Podu Olt.




Blick über zwei Flüsse Richtung Fagaras Gebirge, der zweite und größere, der Olt, ist nur nicht zu erkennen. Am entferntesten Ufer ist gerade der werktägliche R 2071 Piatra Olt - Podu Olt kurz davor sein Ziel zu erreichen.




In dieser Einstellung ebenfalls noch sehr klein zu erkennen, links unterhalb der Rauchschwaden. Die Einfahrt aus der nahen Klassiker-Perspektive ist im ersten Reportageteil anfangs zu sehen, nur bei etwa 20 Grad weniger.




Die Bäume am Ufer hatten es mir angetan... es erinnert irgendwie an britische Landschaften.




Blick von der Klippe über dem Cibin auf die Stadt Talmaciu (Deutsch: Talmesch, Ungarisch: Nagytalmács) und die evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen, die jedoch nur noch 0,6% der Einwohner ausmachen.



Beim Warten auf der Anhöhe sah ich plötzlich etwas seltsam dichte Schwaden heranziehen und fragte mich, was das sein könnte... nun ja - Schnee!
Es erwies sich aber als gar nicht so schlecht, denn die eisigen Flocken prallten einfach von einem ab, bei Regen wäre ich an der exponierten Position trotz Schirms ordentlich durchnässt worden. Der Spuk dauerte nur etwa 10 Minuten und sollte der einzige Niederschlag des Tages bleiben, dann zog die Wolke weiter Richtung Fagaras-Gebirge.




Ein Fuhrwerk bog in die Gasse zu den Häusern unter mir ein.




Talmaciu liegt an einer strategisch wichtigen Position am Roter-Turm-Pass (Pasul Turnu Rosu) Richtung Olttal (links im Bild). Schon Kaiser Trajan zog hier durch und errichtete auf der anderen Seite ein römisches Lager, weshalb der Pass früher auch Trajanspforte genannt wurde. Unter anderem während der Ungarischen Revolution 1848/49 und im 1. Weltkrieg fanden in dem Gebiet Kämpfe statt. Es befand sich hier die Grenze zwischen dem Rumänischen Königreich im Süden und Siebenbürgen als Teil der Habsburgermonarchie in Ungarn im Norden. Heutzutage führt die Europastraße 81 (national: DN 7) über den Pass, beim Warten manifestiert sich das im ständigen lautstarken Kampf der Brummis die Steigung hinauf. Es ist projektiert, die stark befahrene Transitstraße durch eine Autobahn zu ersetzen. Momentan wurde nur ein Stück bis nördlich von Talmaciu als mehrspurige Schnellstraße ausgebaut, wo die DN 7 nach Süden von der DN 1 Richtung Brasov abzweigt. Dort befindet sich sogar ein Subway, der jedoch nur gummibereift erreichbar ist.
So, das war's mit der Geschichts- und Geographiestunde, zurück zum Blick oberhalb der von Roma bewohnten Häuser.

Zum Eisenbahntechnischen: IR 347 "Dacia" Wien - Bukarest kam pünktlich daher, diesmal zwar auch noch mit fünf Wagen, jedoch fehlte nun der Speisewagen und es wurde stattdessen am Zugschluss ein weiterer 2.-Klasse-Fernverkehrswagen mitgeführt. Der Zug überquerte die zweiteilige Cibin-Brücke am Zusammenfluss mit dem Sadu.

Nur eine Viertelstunde nach dem Schneeschauer sah es wieder so aus, im Hintergrund noch die dichten Wolken.




R 2061 Craiova - Sibiu fuhr um 11:33 pünktlich im Spotlight aus Podu Olt aus.




Die beiden Brücken über den Olt sind rechts neben der Station zu erkennen. "Podu Olt" bedeutet übrigens "Oltbrücke".




Der Kutter hat mit R 2061 das Tal des Cibin erreicht - im Hintergrund öffnet sich das Olttal - und passiert die lokale Kuhherde auf der ab Podu Olt zweigleisigen Strecke. Der Olt fließt hinter dem Hügelrücken, dahinter wiederum erhebt sich das mächtige Fagaras-Gebirge.




Ich marschierte ein erstes Mal nach Podu Olt, die Garnitur des R 2071 / 2072 saß geduldig die mehr als vierstündige Wende in diesem Bahnknotenpunkt ab. Im Hintergrund ist kein fahrendes Auto auf dem Bahnübergang zu sehen - was es ist, folgt gleich...




Einer der Stationshunde, die ich schon im Februar gesehen hatte, bewegte sich die ganze Zeit in Sphinx-artiger Position nicht vom Fleck.




Auch Passagiere warteten.




Es begann das mittägliche Umsteigespektakel, IR 1724 Craiova - Sibiu war schon angekommen, R 2102 Sibiu - Brasov näherte sich, allesamt Desiros. Die meisten Fahrgäste aus dem Olttal wollten Richtung Brasov weiterfahren.




Ausfahrt von R 2102, links Restaurant, Pension und ein Pferd mit Wagen neben Heuschobern im Garten.




Das Rätsels Lösung: es handelte sich im ein Wrack neben dem Übergang, im Februar war es schon genauso dagestanden. Ob als Abschreckung postiert, oder einfach nie abgeschleppt, kann ich leider nicht beantworten. Das Desiro-Doppel näherte sich der hinteren Oltbrücke an der Strecke ostwärts Richtung Fagaras und Brasov.




In der folgenden Pause wanderte ich an das Olt-Ufer. Um 13:20 durfte R 2072 endlich die Rückfahrt antreten.




Die vordere Olt-Brücke an der Strecke Richtung Süden nach Râmnicu Vâlcea, Piatra Olt und Craiova wurde überquert.




Durch die Wolkenstimmung, aber vor allem auch die megalomanische Flussregulierung, die alles andere zwergenhaft erscheinen ließ, erwies sich der Blick Richtung Fagaras-Gebirge als besonders beeindruckend.




Auf dem Rückweg nach Talmaciu begegnete ich einer Schafherde, auf der Wiese am Hang im Hintergrund sieht man eine weitere.




Offensichtlich gehören zwei Packesel zur Standardausstattung einer jeden ordentlichen Schafherde, siehe auch meine Türkei-Reportagen.




Auf dem längsten Fußweg des Tages, etwa 6 km zwischen den zwei entferntesten Punkten, passierte ich die Cibin-Brücke.




Der Ortsteil um die evangelische Kirche war pipifein hergerichtet worden, nur die türkis restaurierten Kirchenfenster ließen eher das 90er-Jahre-Bahnhof-Zell-am-See-Feeling aufkommen. Den Innenraum konnte man nicht besichtigen, da sie verschlossen war. Ich passierte auch Isolatoren als Torpfostenabschluss, wie schon in Moldovita entdeckt.




Auf meine Ranch kommen keine Desastros - nur Ochsen! ;-)
In dem Fall R 2104 Sibiu - Brasov.




Es war Zeit für die beiden Langstrecken-IRs. IR 1621 Bukarest - Timisoara erreichte die äußerst windige Hochebene aus dem Bahnhof Talmaciu Richtung Sibiu ausfahrend, mich hätte es dort fast weggeweht...




Fast 14 Stunden Fahrt, und dann trifft sich das Zugpaar punktgenau - eine Minute lag dazwischen, aber unter den Umständen ist ein Sandwich schon gerechtfertigt.




Wieder einmal alles im Zeichen von Blau - mit passendem Timisoara-Bier, das es auch schon im Wassertal gegeben hatte (nur hier liegt kein Arrangement vor, die Flasche lag so in der "stürmischen See"), und IR 1622 Timisoara - Bukarest, der in diese Richtung planmäßig eine Minute kürzer unterwegs ist. Mit dem Zug kam auch meine Begleitung, die am Vormittag die gotische Kirche mit größtem Flügelaltar Siebenbürgens in Sebes (Mühlbach) besichtigt hatte. Neben einer Diskussion mit dem Schaffner über das Eintragen von Fahrten im Interrail-Pass wurde auch die Station Talmaciu verpasst, woraufhin der Zug am Bahnübergang hinter dem Bahnhof nochmals hielt... ;-)




Orthodoxe Kirche mit populärer Fantasie und Realität.




Am Eingang zum sächsischen Friedhof nebenan bot sich dieses perfekte Ensemble.




Sprüche auf Deutsch für die Lebenden und Verstorbenen.




Die Stelle vom Morgen besuchte ich am Nachmittag noch einmal, diesmal mit Blick vom Flussufer.




R 2070 Sibiu - Craiova begegnete mir in einer Kurve hinter Talmaciu.




Irdische und himmlische Gebirge.




Vor Podu Olt konnte man wenigstens die Füße auf den weichen, schafgeschorenen Wiesen-Teppichen schonen.









R 2063 Babeni - Sibiu verließ auf der/n anderen Flussseite/n die heutzutage schwer überdimensionierte, zur Haltestelle degradierte Station Turnu Rosu (Deutsch: Rothenturm, siehe gleichnamiger Pass). Der Grund für diesen Bahnhofsbau: hier befand sich einst die Grenzstation ins Königreich Rumänien.














Theaterbeleuchtung auch bei der Ausfahrt Podu Olt, mit handyfonierendem Lokführer.




Das Panorama mit Fuhrwerk und Wolkentürmen.









Richtung Sibiu am Ufer des Cibin entlang...



Nächstes Mal verbringen wir einen schönen Abend in Podu Olt und starten den nächsten Tagesausflug, diesmal mit weiterer Fahrt Richtung Süden durch das Olttal.
lg,
Roni

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