Autor Thema: Urlaub in Rumänien 2015 - 19: Mit der Bahn zum Strand (50 B.)  (Gelesen 1159 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Urlaub in Rumänien 2015 - 18: Brasov - Constanta (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3742.0


Zum Video:
https://youtu.be/4dl-qDnduFM


Der Fahrplan zu dem Teil:
Mo, 3. 8. 2015

Constanta ab 16:57 R 8803

Mangalia an 18:36

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Di, 4. 8. 2015

Mangalia ab 6:47 R 8802 -> Constanta

Pescarus H. an 7:07


3. 8. 2015

IR 1585 aus Bukarest fuhr um 16:36 mit 18 Minuten Verspätung in den Bahnhof von Constanta ein. Links die Abstellgleise für Maschinen und Garnituren.




Auf unserem Bahnsteig warteten schon größere Massen Passagiere.




63-1060 - 120 km/h schnelle GM-EMD Modernisierung der Kutter-Baureihe 62, die 65er sind ehemalige 60er - stellte unseren R 8803 nach Mangalia gerade einmal acht Minuten vor der planmäßigen Abfahrt bereit. In der Sommersaison ist der Fahrplan auf der Dieselstrecke bis Mangalia komplett umgestellt, mit anderen Zugnummern als im Rest des Jahres. Regionalzüge fahren generell am Vormittag aus Mangalia ab, am Nachmittag aus Constanta - genau gegensätzlich zu den IR-Fernzügen aus ganz Rumänien, welche die Regionalzugleistungen zur jeweiligen Tageszeit übernehmen. Das ergibt ellenlange, bis zu 15 Wagen starke Nachtzüge mit mehreren Schlaf- und Liegewagen, die hier an jedem Kaff halten. Die Wagenanzahl der Regionalzugleistungen ist teils etwas geringer, aber auch sie sind lokbespannt, Waggons aus den Fernzügen nutzend.




In die Gegenrichtung fuhr IR 1945 Mangalia - Satu Mare ein, diesen bestiegen die meisten aus der Menschenmenge.




Ich hatte mir ein Abteil im einzigen Wagen mit Halbfenstern ausgesucht - zwar erste Klasse, das spielt bei Regionalzügen in Rumänien allerdings keine Rolle.




Ziemlich pünktlich setzte sich unser Zug in Bewegung, die Strecke nach Mangalia führt auf den ersten Kilometern entlang des größten Hafens am Schwarzen Meer.




Der Hafen, der über den Donau-Schwarzmeer-Kanal auch 200 Flussschiffe pro Tag abfertigt, ist durch mehrere Strecken mit dem europäischen Bahnnetz verbunden. Gleich daneben wird der wichtige Kanal überquert, der den Weg von der Donau in das Schwarze Meer um 370 km abkürzt.




Am anderen Ufer wurden wir in der beschaulichen Station Agigea Ecluza abgefertigt.




Gleich danach folgte der erste touristische Höhepunkt in Eforie Nord.




Wie war das noch einmal mit Fotografieren aus dem Zug? Wir warteten - ich vermutete, dass wir früher kreuzen hätten müssen - da tauchte auch schon die Wagenschlange des 25 Minuten verspäteten IR 1931 Mangalia - Oradea auf dem Damm in der Entfernung auf, für den mein Waggon den perfekten Standpunkt bot! Noch dazu der mächtigste Zug der Strecke mit 15 Waggons, davon 4 Liege-, 3 Schlaf- und 1 Buffetwagen - das ist schon eine Fuhre, für die man nicht einmal sonderlich Tele benötigte - sonst hätte sie nicht in das Bild gepasst.
Im Vordergrund ist der Techirghiol-See zu sehen, die größte Salzwasserlagune Rumäniens - zwischen Eforie Nord und Sud gelegen. Der Name stammt aus dem Türkischen "Tekirgöl", also "Tekir-See"-See. Dahinter, durch einen dünnen Damm getrennt, das intensivere Blau des Schwarzen Meeres.




Den Nachtzug ins Land erwarteten wie überall an der Strecke immer wesentlich mehr Menschen als unseren Regionalzug. Wie schon versprochen, es gab wieder einmal eine Eisenbahnfotografin zu sehen. :0)




Wir setzten uns nun auch mit fast einer Viertelstunde Verspätung in Bewegung. Das GM-Grummeln unserer Lok jagte immer wieder Vogelschwärme auf, es badeten auch einige Menschen in der Lagune, die seit 1899 als Heilbad genutzt wird. Am gegenüber liegenden Ufer ragt einsam in der flachen Landschaft der Techirghiol-Fernseh- und Radioturm auf.
Danach, in Eforie Sud, passierten wir eine außer Dienst gestellte Autoverladeanlage.




Der Reichtum durch den Tourismus scheint sich nicht weit in die Ortschaften entlang der Strecke zu verbreiten...
Wir befinden uns in der Region Dobrogea (Deutsch: Dobrudscha), deren nördlicher Teil in Rumänien und südlicher in Bulgarien liegt.




Hier, am Haltepunkt Tuzla - ja, genau ;-) - könnte man genauso im Banat sein.




Nur der tiefblaue Streif am Horizont erinnert einen an das Meer.




Im Bahnhof Costinesti kamen wir wieder fast pünktlich an, hier war die nächste Kreuzung geplant. Zuerst dachte ich, es stünde schon ein mit Kutter bespannter Zug im Bahnhof, doch das stellte sich nur als einsame Lokomotive heraus. Wie in Eforie Nord gab es auch hier Formsignale.




Unser Lokführer konnte eine kleine Pause einlegen, dann trudelte schon 63-1143 pünktlich mit IR 1982 Mangalia - Bukarest, ein.




60-1376 stand abgestellt am dritten Gleis - doch sie sollte sich bald wieder in Bewegung setzen...




Wir passierten das Strandstück hinter Costinesti (wie war das noch? Kein "i" am Schluss nach Konsonanten! Daher: "Kostinescht"), das wir am nächsten Tag erkunden wollten, und kreuzten im eher glanzlosen Bahnhof Neptun den sagenumwobenen Doppelstock-IR 1688 nach Sibiu: 65-1349 donnerte die Steigung aus Mangalia hinauf. Im Ort Neptun findet man auch eine Haltestelle, in kommunistischen Zeiten wurden diese nach Planeten benannten Massenbadeorte mit Riesen-Betonbunkern zwischen Mangalia und Costinesti geschaffen.




Schon eine beeindruckende Doppelstock-Wagenschlange.




Pünktlich erreichten wir Mangalia - zunächst machte ich noch einen Abstecher, denn eine Abfahrt stand kurz bevor.




Auch kein schlechter Zug, IR 1821 Mangalia - Arad, bestehend aus zehn Waggons um 18:56 in herrlichem Abendlicht...




Und mit Formsignal, dessen Seilzug durch eine starre Verbindung ersetzt worden war...




Und mit ex-DB-Schlafwagen im Zugverband.




Trotz nicht allzu vieler Gleise und rustikaler Technik wird hier laufend rangiert.




Intelligenterweise wurde hier, am Ziel vieler langer Fernzüge, eine Wagenwerkstatt eingerichtet.




Wir hatten im Hotel Solymar gebucht, laut Führer eines der wenigen akzeptablen hier (gefunden hatte ich es schon vorher online). Bei 1,5 km Entfernung gönnten wir uns mit Gepäck nach dem langen Tag ein Taxi. Unser Zimmer lag im Erdgeschoss mit Blick auf den Strand, welcher sich hinter Garten und autofreier Straße befand. Es wurde neu renoviert, also gab es keinen Grund zur Beschwerde.
Auf der Promenade über dem Strand hat Mangalia seine Version des "Walk of Fame" eingerichtet.




Dies ist der etwas gewöhnungsbedürftige Strand - wir gingen hier nicht schwimmen, da wir ohnehin am nächsten Tag ein wesentlich schöneres Plätzchen aufsuchen würden. Mangalia hatten wir uns vor allem als Ausgangspunkt für die Weiterreise ausgesucht. Die Eisenbahnstrecke führt bis in den Industriehafen am anderen Ufer, wo eine Werft von Daewoo Heavy Industries gelegen ist.




Hier allgegenwärtig, einmal musste es sein... ;-)



Wir schlummerten ein zu rumänischen Pop-Liveklängen, keine untalentierten Musiker...


4. 8. 2015

Zum Sonnenaufgang (das frühe Aufstehen ist der Nachteil einer Ostküste) schaute ich vor die Tür des Hotels.
Sowohl Jogger als auch die ersten Strandtouristen waren um 6:05 morgens unterwegs - man muss sich eben seinen Schirm sichern! :0)




Wir gingen zum Bahnhof, und es erwartete uns: 60-1376, vorgespannt vor unseren R 8802, bestehend aus zwei Loks und drei Waggons!




Am Haltepunkt Pescarus H. stoppen ganze zwei Züge täglich - genau in der Früh in jede Richtung einer. Wer glaubt, der Bahnsteig wäre verdeckt - nein, es ist der Feldweg rechts des Gleises. Da sich die Abfahrt verzögerte, konnte ich schnell die Seite wechseln. Kurz darauf tuckerte das modernisiert-unmodernisierte Kutter-Duo die Steigung hinauf, bevor es wieder nach Costinesti bergab geht.




Den Grund für die Steigung kann man hier erkennen: eine rumänische Steilküste - wobei sie aus Erdreich und nicht aus Felsen besteht. Daran entlang entstanden einige Ferienhäuschen, ein paar Strandurlauber nächtigten in Zelten an diesem landschaftlich schönen Stück. Rechts des Bildes ist der Abhang Richtung Meer etwas flacher, erschlossen durch Stiegen, eine Familie ging gerade hinunter zum Wasser. Ganz links war eine Schafherde ausgebüxt, zumindest lief sie panisch ohne Hirten über die Felder.
Es näherte sich um 7:39 morgens IR 1687 Sibiu - Mangalia - der letzte Zug des Tages, der in Pescarus hält. Diese Station befindet sich übrigens nicht an der Stelle, die Google Maps angibt, sondern weiter nördlich.




Es schien die Sonne, aber es bildete sich eine leichte Wolkenschicht genau davor.




Nachdem die lange Doppelstockschlange am Feldweg angehalten hatte, wanderte ich hinunter Richtung Strand, dieser befindet sich an einem Damm auf der anderen Seite der Lagune Tatlageac.




Einige Strandbesucher passierten die Stelle, bis IR 1944 Satu Mare - Mangalia vorbeidüste.




Am Schwarzen Meer herrschte meist eine recht steife Brise, dazu Temperaturen von etwa 30 Grad - also herrlich im Vergleich zur Hitzewelle Mitteleuropas. Wir genossen die Fluten ein wenig, auch wenn an dem Tag doch recht starker Wellengang herrschte. Im Hintergrund sind Pfähle der lokalen Fischer zu sehen.




Kurze Unterbrechung durch IR 1992 Timisoara - Mangalia, der trötend und mit Russwolke beschleunigend über den inoffiziellen Bahnübergang donnerte. Die lokale Müllkippe hinter dem Fischrestaurant wurde kaschiert durch die überbordende Blumenwiese daneben.




Seltener sind die Regionalzüge Richtung Constanta am Vormittag, R 8804 - welcher die Garnitur des Doppelstock-IRs untertags nützt - konnte ich am Eingang zum exklusiven Club neben dem öffentlichen Strandstück einfangen. Wie exklusiv der Club tatsächlich ist, entdeckte ich erst bei der Zoombearbeitung des Bildes. ;-)
Im Hintergrund erheben sich die Hotelbauten des ersten Satellitenortes Olimp, danach folgen Neptun, Jupiter, Venus und Saturn.




Goa-Fishermen - Black Sea Style. Wie gehabt, reine Ruderboote, Netze im Sand ausgelegt zwischen den liegenden Touristen - nur die Ausleger fehlten, und die Kokospalmen...




Das Stück über dem Exklusiv-Klub bot sich durchaus an, einen Zug darauf zu verewigen. Weiter links sieht man ihn ebenfalls, aber nicht mehr so frei. Nachdem ich zunächst vergeblich gewartet hatte, erwischte ich doch noch um 11:16 den mehr als eine halbe Stunde verspäteten IR 1822 aus Arad.




Nun brachen wir auf, unterwegs kam uns der genauso verspätete IR 1981 aus Bukarest entgegen - mit unserer 60er, das war wohl der Grund des Transfers. Die Szene ist nur am Video bei Minute 18:30 zu sehen.

In die andere Richtung hatte ich auch noch geplant bei Pescarus zu fotografieren. R 8806 war sogar auf dieser Ansicht über die Steilküste zu sehen. Das Holzhüttchen rechts hatte ich in der Früh fotografiert. Leider blockiert eine neue, große Pension, deren grellblaues Dach ich etwas entsättigt habe, den Blick etwas. Sonst wäre auch ein Morgenfoto in die andere Richtung mit Zugsilhouette vor Meer ansehnlich.




Hier die Mischung: teils Küste, teils Wilder Osten.




Bis auf ein wenig angeschwemmten Dreck sah es echt idyllisch aus.




Wir machten uns auf den teils mühsamen Weg eine Schotterpiste Richtung Costinesti entlang, hier befindet sich der Steigungsbruch der Strecke. Staubende Autos fuhren glücklicherweise eher auf einem Parallelweg. Einem Fahrer, der nicht abbremste als er uns passierte, fluchte ein rumänischer Tourist in der Nähe heftig nach. Insgesamt sind die Menschen hier noch aus anderem Holz geschaffen, da wird nur in Badehose und mit Schlapfen mitten in den Dornbüschen nach Beeren gesucht - welcher verwöhnte Pauschaltourist würde so etwas tun?




Auf der Hälfte des Weges wechselt die Schotterpiste plötzlich auf eine perfekte neue Asphaltstraße mit Gehsteig, gleich daneben befindet sich ein neues Kloster - wie immer in Rumänien ziemlich kitschig. Ich recherchierte das per Flugzeug angepriesene Produkt und bin auf diesen Werbespot gestoßen, Onlinespiel gibt es auch dazu ;-): https://youtu.be/lEqnh2vAmE0




Während meine Begleitung in den Ort etwas essen ging, wartete ich an der Steigung Richtung Mangalia auf den nächsten Zug. Dieser zeigte sich zusammen mit ziemlich schwarzen Wolken pünktlich in Form von IR 10805 Mangalia - Craiova, dem ersten Tagesschnellzug Richtung Constanta. Eine Kuh hatte schon Unterschlupf unter einem Baum gefunden.




Kurz darauf prasselte der einzige Regenschauer der Reise auf mich nieder. Welcher Zug kam als nächstes? Nun, mit mehr als einer halben Stunde Verspätung - aber genau richtig, dass es schon wieder trocken war - der längste Zug der Strecke, IR 1932 Oradea - Mangalia.




Gleich hinter der Lok befand sich ein moderner ehemaliger SBB-Schlafwagen, über mir riss der Himmel schon wieder auf.




Trotz heftigen GM-Grummelns bewegte sich die lange Wagenschlange nur langsam an mir vorbei, diese und einige hier nicht gezeigte Szenen sind natürlich auch in bewegtem Bild und Ton auf dem Video nachzuverfolgen.



Im nächsten Teil finden wir dann in wenigen Kilometern Entfernung - something completely different! :-)
« Letzte Änderung: 23. Oktober 2015, 11:10:19 von Roni »
lg,
Roni

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Re: Urlaub in Rumänien 2015 - 19: Mit der Bahn zum Strand (50 B.)
« Antwort #1 am: 25. Oktober 2015, 00:34:41 »
Danke fuer die tollen Bilder
Schoenen Gruss aus Bali
Peterle