Autor Thema: Urlaub in Bulgarien 2015 - 22: Wandern zum Goldstrand (50 B.)  (Gelesen 895 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Urlaub in Bulgarien 2015 - 21: Wundersame Felsen (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3745.0


Zum Video:
https://youtu.be/4dl-qDnduFM



Der Fahrplan zu diesem Teil
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Do, 6. 8. 2015

Listez an 15:45


Listez ab  16:13 +8  PV 30155

Warna an 18:27


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Fr, 7. 8. 2015

Warna ab 22:10  BV 2626



6. 8. 2015

Ich war unterwegs mit PV 30154 südwärts Richtung Burgas. In Sawet traf sich dieser mit dem nordfahrenden Regionalzug, also musste ich irgendwo davor aussteigen. Als ich die herrliche Abgelegenheit von Listez sah, wusste ich sofort: hier muss ich raus! Der Feldweg mit Bahnsteigkante ist - der Bahnsteig.




Wie in einigen Orte entlang der Strecke gibt es hier eine Bevölkerung muslimischen Glaubens.
Man konnte nicht unbedingt damit rechnen - aber es kam tatsächlich der DB Schenker Mega Combi-Zug nach. Dadurch bot sich dieses einzigartige balkanesisch-skandinavische Ensemble einer ehemals dänischen Lok eines in Bulgarien tätigen deutschen EVUs mit einem Zug von Deutschland in die Türkei durch die schon fast anatolisch anmutende Landschaft Thrakiens.




Die mit der DB Baureihe 120 verwandte 86 016 (ex-DSB EA 3016) zog an mir vorbei.




Nach etwa einer halben Stunde Aufenthalt holte mich der leicht verspätete PV 30155 nach Warna ab. Hier passierte es zum ersten Mal in Bulgarien, dass mir ein Lokführer das Fotografieren untersagte - alle anderen Bahnangestellten bisher waren freundlich gewesen. Angesichts der Station im Nichts musste ich dann aber doch eher einen Lachkrampf unterdrücken...




In Rasdelna erwartete mich diese BZK-V60 mit Kesselwagen, ansonsten hatte sich das Bild seit der Früh kaum verändert, die ehemals britischen Class 87 standen dahinter versteckt.




Straschimirowo am Warna-See wäre ein Kandidat für eine Fotosession gewesen, aber da ich an dem Hitzetag schon spektakulärere Stellen besucht hatte, hielt sich die Lust in Grenzen. Zudem ist nicht klar, ob die Stelle vom Boden aus auch so frei einsehbar gewesen wäre wie hier aus dem Zug. Eventuell ließen sich die Hänge erklimmen, aber alles wäre wohl eher etwas für die vegetationsärmere Jahreszeit. Rechts ein Trockendock, in dem sich gerade ein Schiff befand.




Zurück in Warna, links daneben war vor kurzem BV 2611 aus Sofia angekommen. Der alte Waggon rechts wird stationär genutzt.



Anschließend besorgte ich noch Proviant aus dem Supermarkt nahe des Hotels - größer als die bisher aus Zentren bekannten Geschäfte, mit Delikatessenabteilung - und wir trafen uns danach im Zimmer wieder.



7. 8. 2015

Gemütlicher gingen wir den letzten Tag am Schwarzen Meer an. Nach einer Morgenschwimmrunde noch weitgehend ohne Strandbesucher und Frühstück machten wir uns erst um halb zehn auf den Weg.

Typisch für Bulgarien - auch anderswo am Balkan, aber nirgendwo so häufig - sind die allgegenwärtigen Gedenk-Plakate, welche nicht direkt Todesanzeigen darstellen, sondern in beliebigen Zeiträumen nach dem Ableben - hier 40 Tage links und 20 Jahre rechts - an die Verstorbenen erinnern sollen. Eine schöne und rührende Sitte, wie ich finde.




Wir durchschritten die schattigen Altstadtgassen. An einer der erneuerten Fußgängerzonen findet sich das Opernhaus, wo gerade Turandot auf dem Sommerprogramm stand. Warna wird 2017 Europäische Jugendhauptstadt sein, heuer war es Cluj. Vor der Muttergottes-Kathedrale liegt die Tourismus-Information und eine zentrale Busstation, von wo wir eine Stadtbuslinie Richtung Goldstrand nahmen.




Unterwegs durchquerten wir die Ferienorte St. Konstantin und Helena (wieder einmal unser Kaiser Konstantin, mehr folgt auf der Reise) und Tschaika, wo sich ein Lift hinunter zum Strand befindet. Allerdings fuhren wir nicht bis zu den Goldstrand-Hotelburgen, sondern ließen uns von der Busmannschaft bestehend aus Chauffeur und Schaffnerin an einer Ecke der Hauptstraße absetzen, von wo eine Straße zum Aladscha-Felsenkloster abbog. Meist im Schatten erklommen wir den einen Kilometer zum Kloster, manche Touristen ließen sich in konvertierten Sowjet-Geländefahrzeugen hinauffahren.




Es ist wohl eines der typischen und auch das nächste Ausflugsziel, wenn man als Strandurlauber einmal "Kultur" machen will. Die Anlage herum war zu einem schönen Park gestaltet worden.




Über eine Außentreppe gelangt man zu den heute gut gesicherten ehemals von Mönchen genutzten Höhlen in luftiger Höhe auf zwei Etagen.




Wir erfrischten uns noch kurz, dann bogen wir vom Touristenpfad ab.




Durch den Naturpark Goldstrand führt ein Netz an markierten Wanderwegen (allerdings dürften sich die Markierungen vor kurzem geändert haben). Unser Bulgarienbuch war gleichzeitig als Wanderführer gestaltet, so konnten wir als Tipp eine etwa acht Kilometer lange Wanderung vom Kloster zum Goldstrand entnehmen. Sie erwies sich auch in der Sommerhitze als angenehm, immer marschierte man durch den schattigen Wald. Lediglich ein Abschnitt hatte eine unangenehme Überraschung parat - als sich der Pfad in einen Fahrweg mit Rinnen im sandigen Boden wandelte, wo sich vermutlich von Gewittern noch Lacken angesammelt hatten, wurden wir von dichten Mückenschwärmen verfolgt.




Nachdem wir den Goldstrand umrundet hatten und wieder auf einen Fußpfad abbogen, legte sich das Problem wieder - insgesamt ist die Wanderung dennoch zu empfehlen. Wir erreichten die einzige Panoramastelle, an der sich der Wald lichtete.




Die dichte Bewaldung umringt dank Naturschutzgebiet die Hotelburgen - auch wenn sie natürlich gefährdet ist. Weiter oben im Ortsteil Panorama befinden sich kleinere Häuschen, teils mit Weingärten. Goldstrand - oder wörtlich "Goldene Sande" - ist kein Tourismuswerbename wie der "Sonnenstrand" weiter südlich bei Burgas, sondern seit Jahrhunderten für dieses 3,5 km lange Stück Sandstrand gebräuchlich.




Unten angekommen füllten wir unsere kühlen Getränkevorräte im "Aldo"-Supermarkt nach, wohl auf das Zielpublikum zugeschnitten...




Der Strand ist schön, allerdings herrschte wie stets am Schwarzen Meer eine steife Brise, die das Schwimmen schwer möglich machte - zudem gibt es einen steileren Hang zwischen Sand und Wasser.




Am "Ballermann des Ostens", nur eine Liverpool-Flagge störte das Ensemble - wobei, vielleicht hatte man damals schon eine Vorahnung... ;-)




Fast karibische Farben...




Damit wir nicht ganz leer ausgehen - wobei das Disney-artige Vehikel erstaunlich detailgetreu gestaltet worden war.




Lange mussten wir uns nicht unbedingt auf der Promenade aufhalten, also gingen wir Stiegen hinauf zur am Hang verlaufenden Hauptstraße mit Busstation. Dort hingen ein paar Taxifahrer herum, die kaum Ruhe gaben. Als der angebotene Preis schon auf Niveau des Bustickets gesunken war, sagten wir zu, und düsten als Sammelfuhre schnell zurück nach Warna.




Im Zentrum waren manche fleißig, andere hatten ihre Tätigkeiten eingestellt.




Die älteste Kirche Warnas, Maria Himmelfahrt, findet man versteckt - 1602 eröffnet wurde sie in den Boden gebaut, aufgrund der damaligen Vorschriften durften christliche Kirchen nicht höher als zwei Meter hervorragen. Doch schon vorher hatten sich Sakralbauten an dieser Stelle befunden. Ergänzt wird das Ensemble durch einen hölzernen Glockenturm.




Zuerst schüttelten wir ob der verlangten 20 Lewa Fotogebühr (etwa 10 Euro) den Kopf, doch nach einem Blick in die Kirche überlegten wir es uns schnell anders. Noch nirgendwo auf den letzten Reisen hatten wir eine derartige Ansammlung wertvoller, alter Ikonen gesehen, besonderes Schmuckstück ist die mittelalterliche Madonna mit Kind links.









Nach dem Verlassen der Kirche begaben wir uns zu den nahen römischen Thermen, die ich noch nicht besichtigt hatte. Meine Begleitung, die schon drinnen gewesen war, blieb am Eingang bei einer besonders heimtückischen Katze sitzen.




Es sind nicht irgendwelche Thermen, sondern zählen zu den größten des römischen Reiches und zeugen von der Wichtigkeit des antiken Odessos.




Um fünf Uhr erreichten wir den Stadtstrand von Warna, Blick Richtung Norden und Goldstrand, welcher aber noch nicht zu sehen ist.




Unsere Wahl fiel auf das hier am Anfang der Mole befindende Piratenschiff-Restaurant, und wir sollten es nicht bereuen. Die bestellte Fischplatte war wieder einmal sehr reichhaltig, schmackhaft und enthielt neben zwei Spießen aus Meeresfrüchten auch fünf lokale Fische aus dem Schwarzen Meer und Grillgemüse.




Im Kursbuch war er nicht enthalten, glücklicherweise checkte ich die aktuellen Abfahrten und konnte so zu einem Schmankerl einen Abstecher Richtung Bahnhof machen: MBV (internationaler Schnellzug) 1004 Warna - Minsk mit Abfahrt um 19:15.




Auf Bahnsteig 2 stand der Desiro nach Dobritsch als KPV 28204 mit Planabfahrt um 18:55 bereit.




Diese Fahrzeugtypen treffen sich wohl auch nicht so oft.




Nun stand die Sonne besser als bei der späteren Abfahrt des "Albena", wo sie schon verschwunden war.




44 127 beförderte den Zug Richtung Ruse.




Bald fuhr der Desiro aus - in dieser Region sind Zwetschken und ähnliches Steinobst besonders gut vertreten (was daraus traditionell produziert wird, kann man sich denken), so auch hier am Bahnsteig.




Der Saisonzug nach Minsk kurz vor der Abfahrt - diese gibt es auf dem Video ab Minute 29:00 zu sehen - wer entdeckt den besonderen Clou des Bildes? :0)




Anschließend trafen wir uns im Abendlicht beim Piratenschiff wieder.




Mehrere Kriegsschiffe lagen im Hafen.




Der "Meeresbahnhof Warna" wird wohl schon länger nicht mehr für seinen eigentlichen Zweck als Passagierterminal genutzt, gleich daneben befindet sich der Jachthafen.




Wir warteten auf den Sonnenuntergang, während an den Kriegsschiffen Lichterketten aufgehängt und Besucher empfangen wurden. Die Fregatte "Gordi" ("stolz") hier war 1978 in Belgien als "Westdiep" in Dienst gestellt und 2008 von der bulgarischen Marine übernommen worden.














Dass man bei der Marine exakt auf den Sonnenuntergang wartet, um die Flaggen einzuholen, hatte ich bis jetzt nicht erlebt. Schon etwa eine Viertelstunde zuvor standen an jedem Ende der Schiffe Matrosen bereit.




Während die Flagge schon zusammengefaltet wurde, bot sich uns Abendunterhaltung in Form eines Lichterketten-Aufhängungsdrama-Kabaretts an Deck der "Gordi". Mehrmals wurden die Lampen am Heck aufgezogen, nie funktionierten sie ganz.









Abendstimmung über den Hafenanlagen, rechts ragt der Bahnhofstuhrturm hervor. Durch den Meerespark spazierten wir langsam zurück zum Hotel und holten unser Gepäck.




Wir setzten uns nahe des Bahnhofs bei einem Park in eine Bar im Freien und begaben uns kurz vor zehn Uhr zum Bahnsteig, wo bereits unser Nachtzug BV 2626 Warna - Sofia wartete.




Hinter der Lokomotive war ein Gepäckwagen eingereiht - im Dienstabteil war man fleißig - dahinter folgten drei der neuen Schlafwagen.




Nun war es Zeit, sich in den 2012 vom türkischen Hersteller Tüvasas gebauten Wagen zur Ruhe zu legen - ab dem nächsten Tag würden wir in einem anderen Teil Bulgariens unterwegs sein.
lg,
Roni

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