Autor Thema: Urlaub in Bulgarien 2015 - 24: Rhodopen - Sofia (50 B.)  (Gelesen 944 mal)

Roni

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Urlaub in Bulgarien 2015 - 24: Rhodopen - Sofia (50 B.)
« am: 13. Februar 2016, 17:13:13 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Urlaub in Bulgarien 2015 - 23: In die Rhodopen (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3751.0


Zum Video:
https://youtu.be/4dl-qDnduFM




Der Fahrplan zu diesem Teil:
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So, 9. 8. 2015

Welingrad ab 11:13  PV 16103 -> Dobrinischte


Tscherna Mesta an 12:49

Tscherna Mesta ab ?


Welingrad an ?


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Mo, 10. 8. 2015

Welingrad ab 10:30  PV 16102


Septemwri an 12:09 +10

Septemwri ab 12:21 +50  BV 8610


Sofia an 14:13 +50


9. 8. 2015

Wir sind mit PV 16103 angekommen in Awramowo, der kurze Kreuzungsaufenthalt am höchsten Bahnhof des Balkans bietet willkommene Gelegenheit zum Beinevertreten und Frischmachen auf der insgesamt 5 Stunden dauernden Fahrt Septemwri - Dobrinischte.




Die Rhodopenbahn ist auch durch Touristen gut genutzt.




PV 16104 Dobrinischte - Septemwri mit Henschel-Lok 75 005 hat die letzten steilen Meter zur Passhöhe im Bahnhof von Awramowo bezwungen.
Wanderwege führen hier durch den schönen Hochwald. Der Stellwerker wartete an seinem Hütterl, das im Winter sicher auch vor Schnee schützen muss.




Das Panorama an der Nordwest-Einfahrt, die Strecke folgt hier bergauf dem Tal, im Hintergrund auf dem fast 3000 m hohen Rila-Gebirge haben sich Quellwolken angesammelt.














Ein letzter Überblick über den Bahnhof auf 1267 m Höhe, bevor zuerst der Zug Richtung Septemwri, dann unserer weiterfuhr. Links befindet sich ein Stumpfgleis, die Wiese dazwischen wird offensichtlich auch als Kuhweide genutzt.









Wir verließen Awramowo, passierten das Einfahrtsformsignal ...




... und begaben uns auf Talfahrt westwärts, welche Brücken und wieder zwei Kehrtunnel inkludierte, allerdings nicht so dicht zusammen wie an der Ostrampe.




Angekommen in Tscherna Mesta - einst Bahnhof, nun Haltestelle. "Tscherna Mesta" bezieht sich übrigens auf den gleichnamigen Fluss und hat nichts mit "Mjasto" - "Ort" zu tun.




Das Dorf wird wie einige in den Rhodopen mehrheitlich von Menschen muslimischen Glaubens bewohnt, wie uns auch Einheimische später erzählten.




Kafe wird hier wohl schon länger nicht serviert...




Wir bogen von der Hauptstraße ab und folgtem dem Tal der Tscherna Mesta Richtung Rila-Gebirge. Es begegneten einem wunderschöne Natur mit Gebirgsflora und -fauna sowie freundliche Einheimische bei der Landarbeit.









Eine Bäuerin in traditioneller Kleidung führte eine Kuh ins Dorf.




Abenteuerliches Treffen auf unserer Wanderung mit einem der typischen sowjetischen ZIL-130 LKWs. Nur das EU-Nummernschild verrät die Ära.




... und ein UAZ-452.









Gegen 3 Uhr kehrten wir ins Dorf zurück.




Ziel war das bekannte Moschee-Motiv von Tscherna Mesta, leider zeigte sich das Minarett nicht mehr blau wie noch ein Jahr davor, war allerdings komplett saniert worden.
Wenn man genau hinschaut, ist die Holzscheune rechts Teil eines EU-Projekts. ;-)




Nach der Wanderung hatten wir uns Eis vom nahe gelegenen Dorfgeschäft geholt und warteten im Schatten auf PV 16105 Richtung Dobrinischte gezogen von Henschel 75 004.




Televersion des "3. Händchens" mit Kompaktkamera, gerade als der Zug den Fluss überquert.




Man beachte die nummerierten Schienen.




Einheimische hatten sich vor dem Dorfladen mit Bierchen versammelt, wir holten uns ebenfalls eines für die Wartezeit auf den Zug - langsam legte sich das Abendlicht über das Dorf...




Mit einer Roma-Familie warteten wir auf PV 16109, der um 17:09 eintreffen sollte. Im Schatten neben dem Bahnhofsbrunnen genossen wir das Bier, doch es kam und kam nichts... Eine Stunde nach der planmäßigen Abfahrtszeit schaute ich im Internet eine BDZ-Infonummer nach - so etwas gibt es tatsächlich! Und wir konnten herausfinden, dass es sich nicht um eine "normale" Verspätung handelte, sondern dass ein Zwischenfall passiert war - die Dame am anderen Ende wusste allerdings nicht genau, was. Nun, da auf einer derart langen Strecke sicher die nächsten Stunden nichts geschehen würde, schauten wir uns nach alternativen Transportmöglichkeiten um. Da diese zum Teil so aussahen:




... entschieden wir uns, ein Taxi aus Welingrad zu rufen, das auf der Straße über den Pass 35 km entfernt ist. Von der Roma-Familie wurden wir eher belächelt, sie meinten da käme bestimmt nichts - umso erstaunter schauten sie, als es gegen sieben mit einem netten Fahrer tatsächlich auftauchte. In schneller Fahrt ging es auf der modernisierten "Republikanischen Straße" II-84 Richtung Awramowo, von wo die Straße weiter zum Sattel bei Jundola auf 1400 m Höhe ansteigt. Hier ein Blick hinab zur einsamen Station Awramowo.



Wir passierten derart viele Honigstände, dass wir uns schon dachten: unmöglich, dass hier das Angebot der Nachfrage entspricht - als wir einen Parkplatz voller Honigstände passierten! Immer wieder sah man Ausblicke auf die traumhaften Mittelgebirgsrücken in der Abendsonne durchblitzen, die Ortschaft Sweta Petka ist beispielsweise sehr schön gelegen. Doch durch die dichte Bewaldung fand sich an der Straße keine richtig freie Stelle. Bald waren wir in Welingrad, natürlich wurden wir direkt zum Hotel chauffiert und erreichten es aufgrund der wesentlich umständlicheren Trassierung der Bahn nur etwa 45 Minuten nach der theoretischen Planankunft des Zuges. Zum Tagesabschluss führte ich mir eine gegrillte Forelle im Hotelrestaurant zu Gemüte.




10. 8. 2015

Unser letzter Rhodopen-Sonnenaufgang dieser Reise brach an, wieder hatten wir ob der späten Zugabfahrten länger Zeit. In das Pool wagte ich mich heute nicht, da sich die allergische Reaktion auf den Wespenstich zwei Tage zuvor trotz Medikation zu einen handtellergroßen roten Fleck ausgebreitet hatte.




Zunächst kauften wir beim Billa neben dem Bahnhof ein, dann befragten wir den Vorstand bezüglich gestern. Er entschuldigte sich und meinte, dass es ein Bahnübergangs-Unfall gewesen sei. Der Zug heute würde allerdings definitiv pünktlich kommen. Zudem erfuhren wir, dass ein Informationssystem auch für Haltestellen geplant sei, doch Tscherna Mesta war damit noch nicht ausgestattet.




Unser Zug aus den Rhodopen, PV 16102 gezogen von der rumänischen 77 002, fuhr tatsächlich pünktlich um 10:27 in Welingrad ein.




Damit verabschieden wir uns vom Thermalkurort.




In Kostandowo wurde planmäßig die nächste Kreuzung abgewartet.
Interessante Mischung aus deutscher und englischer Beschriftung auf der Fabrikstafel unserer 77 002 aus den letzten Jahren des Kommunismus.
Der Hersteller wurde 1921 von Nicolae Malaxa zunächst als "Malaxa" gegründet, lief dann unter "Rogifer", ab 1945 nach dem Putsch "Lokomotivfabrik 23. August" und nach der Wende als "FAUR". Wobei das FAUR-Logo auch schon vorher genutzt wurde, wie hier zu sehen.




Im Hintergrund parkte gerade ein Trabi aus.




Auf den Gegenzug warteten wir länger als geplant, manche Reisende machten sich schon Sorgen um den Anschluss nach Sofia.




Letztendlich trudelte PV 16103 mit 75 004 10 Minuten verspätet aus Septemwri ein.




Die Leute hätten sich nicht sorgen müssen...




... denn in Septemwri erfuhren wir sogleich von 50 Minuten Verspätung unseres Anschlusszuges.




Also begab ich mich noch auf eine kurze Streiftour zum Schmalspurbahnhof. Die große Lacke in der Unterführung war in den zwei Tagen übrigens aufgetrocknet.




Die sowjetische Baureihe TU7 wurde von der Maschinenfabrik Kambarka ab 1967 entwickelt. Von der Exportversion TU7E baute man 1981 zehn Lokomotiven für die BDZ, wo sie zunächst als Baureihe 94, seit 1988 als 81er klassifiziert sind. Die in Septemwri Verschubdienste verrichtende 81 002 ist eines der letzten überlebenden Exemplare dieser Baureihe.




Unser BV 8610 Burgas - Sofia rollte um 13:10 gezogen von 46 242 ein. Diese von Electroputere gebauten Maschinen sind identisch mit den CFR 40ern und die einzigen E-Loks der BDZ, die nicht von Skoda geliefert wurden.




Wir hatten uns um heiße 40 Cent ein Erste-Klasse-Upgrade gegönnt, das Innere der Wagen war noch immer DB-Interregio-Original. Um ein funktionierendes WC zu finden musste ich bis an das Zugende vorstoßen, im letzten Waggon befand sich gerade eine deutsche Pfadfindertruppe auf dem Weg zurück vom Meer.




Nördlich von Septemwri durchfährt man die Schlucht des noch jungen, im östlichen Rila-Gebirge entspringenden Mariza-Flusses, des mit 500 km längsten Flusses, der nur den Balkan durchfließt. Auf Griechisch Evros, Türkisch Meric genannt bildet er an seinem unteren Flusslauf die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei.




In Wakarel begegneten wir dem pünktlichen BV 8613 nach Burgas.




Sammlung von Schrottloks bei der Einfahrt in Sofia - bemerkenswert natürlich eine der von Simmering-Graz-Pauker ab 1962 gelieferten Diesel-Baureihe 04 ganz hinten, die letzten Einsätze hatten auf der Strecke Richtung Serbien Ende der 1990er stattgefunden.




Wir wurden von einer V 60 begrüßt, die Wagen sollten auch bekannt vorkommen...




Die massiven Bauarbeiten am Hauptbahnhof hatten wir schon bei der Herfahrt bemerkt, nun konnten wir auch die Halle von außen betrachten.




Zunächst gingen wir am benachbarten Busbahnhof vorbei, um unsere reservierten Buskarten nach Nis abzuholen. Anschließend checkten wir im "Favorit Hotel" im Bahnhofsviertel ein, das ich für einen kurzen Sofia-Aufenthalt in allen Belangen empfehlen kann. Freundliches Personal, alles neu, guter Preis, kurzer Fußweg zum Bahnhof, aber trotzdem in einer stillen Seitengasse gelegen. Die nette Rezeptionistin druckte mir auch gleich die nun endlich eingetroffene Fotogenehmigung für Serbien aus.
Anschließend begaben wir uns auf Stadtrundgang.




Wir starten bei der 1891 eröffneten Löwenbrücke am Rand des Stadtzentrums. Der Platz rundherum wurde historisierend erneuert.
Ein Tatra T6A2 ist gerade auf der Linie 18 vom Journalist-Platz zum Stadtviertel Orlandowzi unterwegs.




Nachschuss Richtung Hauptbahnhof.




Blick entlang des zentralen Boulevard Knjaginia Maria Luisa, im Hintergrund unter anderem die Banja-Baschi-Moschee und die Kuppel der Sweta Nedelja Kathedrale. Sofia ist zudem eine Millionenstadt mit Hochgebirgskulisse.



Weiter erkunden wir die bulgarische Hauptstadt im nächsten Teil... :-)
lg,
Roni

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