Autor Thema: Schmalspuriger Osten '16 - 9: Berehowe - Irschawa (50 B.)  (Gelesen 643 mal)

Roni

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Schmalspuriger Osten '16 - 9: Berehowe - Irschawa (50 B.)
« am: 28. August 2016, 14:38:17 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Umgespurter Osten '03-'16 - 8: Tschop - Berehowe (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3791.0


Das Video zu dem Teil (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/WmYCDzD87uc



30. 7. 2016

Samstag Früh verließen wir vor halb sieben die Unterkunft und gingen durch Berehowe, wo Leute teilweise schon auf den Beinen waren.




Unser Ziel war das Schmalspurdepot an der Station Berehowe Male, die Gleisverbindung zum Breitspurbahnhof ist nicht mehr befahrbar. Wir durchquerten ein Vorortviertel mit netten, gut bewachten Häuschen, auf der anderen Seite der Bahn befindet sich jedoch ein von Roma bewohnter Slum, in dem die Menschen unter schwierigen Bedingungen in Segregation leben müssen.




Es war tatsächlich schon alles für eine Abfahrt um 7:00 bereit, unser Fotozug stand sogar mit drei Wagen da.

Vielen Dank an dieser Stelle Thomas für sein Bemühen und seine Organisation! :0)
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?30,7808968





Unsere Zuglok für den Tag: TU2-034, die ab 1956 in der Sowjetunion im Einsatz stand, seit 1972 in Berehowe.
Mehr über die Baureihe findet man hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/S%C5%BDD-Baureihe_%D0%A2%D0%A32
http://members.tele2.nl/p.engelbert (auf Englisch)




Der Bau der 760 mm-Strecke (ab 1948 auf 750 mm umgespurt) wurde im Jahr 1908 als Borzsavölgyi Gazdasági Vasút ("Borschatal-Wirtschaftseisenbahn") begonnen, mit ukrainischem Namen des Flusses: Borschawatalbahn. Allerdings erreicht man auf der heute befahrbaren Strecke gar nicht mehr das Borschawatal, denn dieser Abschnitt beginnt erst hinter dem derzeitigen Endpunkt Irschawa.
Einen Überblick über das Netz und die Geschichte findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Schmalspurnetz_Berehowe
Nur noch der Ast Chmilnyk - Wynohradiw wird im Personenplanverkehr befahren, die Strecke Chmilnyk - Berehowe für gelegentliche Überstellungen ins Depot genutzt, Chmilnyk - Irschawa regulär gar nicht mehr.
Der ehemalige Güterbahnhof Berehowe zeugt von der einstigen Bedeutung der Strecke, Güterverkehr lief etwa bis 2000, vor allem um die Kalkbrennerei in Pryborschawske zu bedienen.




Wir fuhren doch nur mit zwei Waggons, einer musste per Muskelkraft ausgereiht werden (ein paar Reisegefährten schoben von hinten an).




Danach setzte sich die TU2 wieder vor den (für den heutigen Planverkehr realistischen) Zug.




Die Maschine zog uns nach Plan mit heißen 14 km/h (waren gelegentlich auch ein bisschen mehr) aus der Station.




Nachdem wir aus dem Schatten eines Hügels gefahren waren, führten wir bei Janoschi den ersten Fotohalt durch.














An der saftigen Wiese fand ich gleich das perfekte Model.




Es herrschte traumhafte Stimmung - einige niedere Hügel erheben sich in der Umgebung, an deren Hängen zum Teil Weinbau betrieben wird (daher: Wynohradiw). Über diesen hingen noch Nebelschwaden wie an einem höheren Gebirge.




Der mit Reifen aufgebockte Viehwassertrog.




Wir fuhren weiter nach Satyschne, zur nächsten Begegnung der bovinen Art.




Noch war alles nass vom Morgentau - später musste ich im Waggon an der Sonne meine Socken trocknen.




Vor der Nebelwand.




Ich sprintete hinüber zur Rinderweide und wurde motivlich nicht enttäuscht.




Das Nebel-Rinds-Suppen-Panorama.




Nach einem Sprint zurück konnte mir der zweite Hirte vor der Lok nicht entkommen.









Bei Kidjosch hatten wir uns von den Nebelbergen etwas entfernt.









Die typische Bahnübergangsabsperrung.




Blick in die Morgensonne die Strecke entlang - sonst fast überall stark verwachsen.




Für Schwarzfahren ist ein undefinierter Betrag Kupon-Karbowanez (hyperinflationäre Währung der Ukraine 1992-1996) zu berappen - wie viel wohl die Schtraf für das Dösen am hinteren Führerstand beträgt? ;-)




Rauchen dagegen kostet heftige 85 Hrywnja - zum Vergleich: meine gesamten Bahnfahrten durch die Westukraine waren zusammen billiger.
Keine Strafe wird dagegen wohl über das innovative Abgassystem der Lok verhängt. Wobei es hier nicht so schlimm rauchte wie es mir von früher berichtet wurde, mit praktisch undurchsichtigen Fenstern der Personenwagen aufgrund des Dieselöls. Nun war alles glasklar geputzt, und es ließen sich pro Waggon zwei Fenster öffnen.




Wir fuhren einige Zeit durch das Dickicht bis Nyschni Remety.




Das Denkmal ist ein aktuelles...




Während manche Sowjetdenkmäler abgerissen werden, jene für Soldaten bleiben gepflegt.




Meister Adebar und der Meister auf seiner Maschine blicken in die Landschaft.




Der Zug rollte ein wenig weiter. Dass man sich hier noch auf dem Gebiet ungarischstämmiger Bevölkerung befindet, sieht man an katholischen und evangelischen statt orthodoxer Kirchen in den Orten.




Futuristisch-sowjetisches Bushaltestellen-Design.




Noch eine der besseren Dorfstraßen...




Diese Ziegenfamilie war unser nächstes Fotomotiv.




Der liebevolle Ziegenbesitzer kam alsbald herbei, danach verabschiedeten wir uns vom Ort.




Nächster Halt: Garten Eden Werchni Remety.









Der Besitzer des Grundstücks schaute vorbei.




Die Äste der Obstbäume hängen derart in die Strecke, dass einem Anfang August schon das Obst im Waggon praktisch auf den Kopf fiel, man müsste nur den Mund während der Fahrt offen halten.









Bandscheibenvorfall-begünstigende Arbeit im Maisfeld - das ist ein Leben.




An der Dschungeleinfahrt von Chmilnyk aus Richtung Berehowe, die Formsignale sind nicht mehr betriebsfähig. Bei der Vorbeifahrt musste ich etwas in die Büsche springen (siehe Video Minute 7:00). Dann trabte ich bis zum Bahnhof locker hinterher, angefeuert von den Leuten im hinteren Waggon.




Die Vorständin des Schmalspurknotenpunkts beim Posieren, daneben der neurotische Bahnhofshund.




Die Kleinen schauten ihrer Oma (?) zu.




Kinderschuhe werden per Draisine transportiert, Straßenanschluss besitzt der Bahnhof keinen.




Nun bewegten wir uns auf dem planmäßig nicht mehr befahrenen Abschnitt Richtung Irschawa. Einen Grund sieht man hier: man fährt entlang großer Straßen, auf denen der Busverkehr wesentlich schneller unterwegs ist. In Silze wird die N09 einmal überquert, die Umgebung der Bahn wirkt bis Irschawa moderner und belebter.




Wir liefen die Gleise weiter, der Zug folgte uns. Bei der Begegnung mussten wir diese Dame erst überreden, vor den Linsen zu posieren.




Kilometer 39 fotografierten wir noch, dann stiegen wir wieder ein.




Um 11:30 hatte der Zug die Stadt Irschawa erreicht - nun mit orthodoxer Kathedrale als Motiv. Bei der Einfahrt wartete tatsächlich ein Schrankenwärter auf uns - und den St. Nimmerleinstag!



Mehr über den heutigen Endpunkt der Strecke und die weitere Fahrt nächstes Mal! :0)
« Letzte Änderung: 07. September 2016, 14:51:52 von Roni »
lg,
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