Autor Thema: US Roadtrip 2017 - 1: Salzige Strassenbahn (50 B.)  (Gelesen 521 mal)

Roni

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US Roadtrip 2017 - 1: Salzige Strassenbahn (50 B.)
« am: 09. März 2017, 21:56:38 »
Hallo!


Das Video zur Serie (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/W5HFQsdVA0o




Ende des Sommers überlegte ich, was mir als nächstes Traumziel vorschweben würde - im Hinterkopf hatte ich schon seit über einem Jahrzehnt tolle Bilder, die man immer wieder zu sehen bekam: vom Winterdampf-Event auf der Nevada Northern Railway. Mitte September dachte ich mir: jetzt machen wir es einmal endlich, und buchte das zweite Wochenende der Veranstaltung im Februar. Der Preis / Spende an den Verein betrug 490 Dollar für 2 2/1 Tage - im Vergleich zu dem, was Fotoveranstaltungen in Europa heutzutage kosten, absolut adäquat.
Natürlich fliegt man nicht derart teuer nur für ein Wochenende um die halbe Welt, also wurde auch eine Rundreise geplant, der Plan mehrmals revidiert, Flugverbindungen gecheckt, optimale Routen gesucht. Letztlich kristallisierte sich Salt Lake City als perfekter Ausgangs- und Endpunkt heraus. Delta fliegt diesen vergleichsweise kleinen Flughafen mehrmals pro Woche aus Amsterdam und Paris an, also buchte ich über KLM um etwas über 700 Euro die Route Wien - Amsterdam - Salt Lake City - Paris - Wien.
Dem Roadtrip stand also nichts im Wege - und ein Roadtrip musste es in der Gegend sein, denn öffentlicher Verkehr ist in den entlegenen Regionen praktisch unbekannt. Dies stellte mich vor eine neue Herausforderung, denn davor bin ich noch nie derart weit Auto gefahren. Dazu kam, dass meine Reisebegleitung über keinen Führerschein verfügte, also lag die gesamte Verantwortung auf mir. Doch noch gab es ein paar Monate zur Vorbereitung, also machte ich mir darüber keine Sorgen.
Im November kam dann natürlich der Schock - vermutlich nur sehr wenige hätten gedacht, dass eine derartige Situation in den USA eintreten würde. In den Monaten und Wochen vor der Reise verfolgte man das immer surrealer werdende Theater - als einzige Beruhigung durfte man nur hoffen, dass in der kurzen Zeit noch kein allzu großer Schaden angerichtet werden könnte. Zudem würden wir durch weitgehend menschenleere Gegenden fahren, und letztlich: vermutlich wäre es sicherer auf wütende Hillary-Anhänger zu treffen, als wütende Trump-Anhänger. ;-)
Auf der Fahrt fiel auf, wie apolitisch die amerikanische Gesellschaft in der Realität ist. Absolut niemand, den wir trafen, verlor von sich aus auch nur ein Wort über die aktuelle politische Situation - sobald man den Fernseher aufdreht, wird natürlich sehr intensiv und kritisch diskutiert. Zudem ist zu erwähnen, dass alle Menschen extrem freundlich und hilfsbereit waren, negatives Erlebnis hatten wir kein einziges.



13. 2. 2017

Am Montag Nachmittag nahmen wir den Railjet (ex-InterCity) von Wien Meidling zum Flughafen. Eine KLM Boeing 737-800 brachte uns als KL 1848 ab Schwechat 17:05 nach Amsterdam Schiphol, 19:00. Auf dem Flug nach Westen verfolgten wir die untergehende Sonne, bei der Landung war es noch nicht ganz finster. Gebucht hatten wir wieder einmal ein Design-Hotel am Flughafen, das citizenM. Anders als beim BLOC-Hotel Gatwick befindet sich dieses nicht ganz im Terminal, doch nach etwa fünf Minuten entlang eines überdachten Gehweges war es erreicht. Zudem wird das Zimmer hier nicht durch ein Galaxy Tab, sondern ein iPad gesteuert. Klo und Dusche befinden sich in halbtransparenten Verglasungen mitten im Raum.


14. 2. 2017

Wir nahmen das Frühstücksbuffet im Hotel zusammen mit anderen noch relativ müden Gestalten ein. Die Alternative zu dem Hotelaufenthalt wäre der Frühflug aus Wien mit sehr knapper Verbindung gewesen, also hatten wir die gemütliche Variante gewählt. Das Gepäck aus Wien war bereits bis Salt Lake City durchgecheckt, also mussten wir am Flughafen nur noch einmal durch die Sicherheitskontrollen. Dazu wurde man für den Delta-Flug extra von einer netten Dame befragt, und vor dem Boarding musste der Pass am Schalter eingelesen werden. Die zwei Jahre gültige elektronische ESTA-Genehmigung für die Einreise in die USA muss man vor dem Flug online beantragen. Die Bearbeitungszeit wird mit bis zu 72 Stunden angegeben, unsere war am selben Tag gleich da.

An einem für die Niederlande sehr frostigen Morgen stand unsere Delta 767-300ER bereit. Das Boarding ging gemütlich und pünktlich über die Bühne, wir hatten normale Economy-Sitze, aber die Beinfreiheit ist nicht schlecht. Sogar ich Großgewachsener konnte mich fast ausstrecken.




Wie verließen die verschneite niederländische Küste um 9:50, bis Salt Lake City würde man nur Wasser, Eis und Schnee sehen. Über dem Atlantik fotografierte ich diese schönen Wolkenformationen. Bereits nach einer Stunde servierte die Crew das Mittagessen, insgesamt wurde man am 9:30 h langen Flug regelrecht gemästet. Dazu gab es drei Mal Karamel-gefüllte Nachspeisen, einmal sogar Eis, derartige Speisen war ich überhaupt nicht mehr gewohnt.
Über die Färöer und das in Wolken gehüllte Island überquerten wir anschließend Grönland, die Westküste mit Eisbergen ist hier rechts zu sehen.




Wir blickten auf die vereiste Hudson Bay und befanden uns die meiste Zeit über Kanada, erst zwei Stunden vor Ankunft wurde die amerikanische Grenze über Montana erreicht, von wo man fast nur noch südwärts flog. Der gesamte Flug brachte schönes Wetter und tolle Fernsicht, letztendlich setzten wir zum Sinkflug über dem Großen Salzsee an, wo auch zum ersten Mal die Schneedecke endete.




Während des finalen Landeanflugs entstand das erste Eisenbahnbild der Reise mit einigen Union Pacific-Loks und Wagen.




Die geplante Ankunft war 12:37, doch wir rollten bereits um 11:45 zum Gate. Die Freude währte nur kurz, bald kam die Ansage der Besatzung: "Wir wollten euch eine Freude machen mit der verfrühten Ankunft, doch wir haben gerade erfahren, dass der Zoll erst um 12:30 seine Arbeit beginnt". - Willkommen in der amerikanischen Bürokratie, das ist der Nachteil, wenn man einen kleineren Flughafen anfliegt! Wir konnten im Flugzeug sitzen bleiben oder uns in den Gang draußen stellen. Letztendlich blieb fast niemand sitzen, und wir warteten bis kurz nach 12:30, als wir endlich vorgewunken wurden. Nun hatte ich doch einen kleinen Müdigkeitsanfall, war die Wochen vor der Reise nicht ganz gesund gewesen, auch während der Fahrt ging die Verkühlung nie ganz weg. Wir reihten uns an der Passkontrolle ein, Umsteigepassagiere kamen etwas schneller dran. Letztendlich ging aber alles fix und problemlos, der Beamte war freundlich und stellte nur kurz die Frage nach Ziel und Zweck der Reise. Ansonsten muss man noch seine Fingerabdrücke hinterlassen und wird fotografisch gecheckt.




Kaum an der klaren, frischen Luft und Sonnenschein wachte ich gleich wieder auf - wir sind endlich da! :-)

Was erwartet man am wenigsten an einem amerikanischen Flughafen? Nun, seit 2013 kann man mit der Straßenbahn in die Stadt fahren! Die erste Linie des Utah Transit Authority (UTA) TRAX Systems war 1999 eröffnet worden, mit Erweiterungen bis zu den Olympischen Spielen 2002 und danach. Die vierte (grüne) Linie 704 hier gibt es seit 2011, die Erweiterung zum Flughafen und West Valley Central erfolgte zwei Jahre später.

Mehr darüber (auf Englisch):
https://en.wikipedia.org/wiki/TRAX_(light_rail)




Betrieben wird das TRAX-Netz (Straßenbahn inklusive Überlandabschnitte) rein mit Siemens-Fahrzeugen. Hier die neueste Generation, ein Siemens S70, in Europa als "Avanto" bekannt.




Einzel- und Tagesfahrkarten kann man mit Karte oder Bargeld bei den an jeder Haltestelle aufgestellten Automaten kaufen. Die günstigen Fahrkarten gelten auch im gut ausgebauten Busnetz der 2014 prämierten UTA. Wir setzten uns in den Zug, die Fahrt zur Haltestelle Courthouse zunächst rasant auf der Überlandstrecke vom Flughafen (siehe Anfang des Videos), dann durch das Stadtzentrum, dauerte ca. 20 Minuten. Auffallend war schon, dass die Bahn auch durch etwas heruntergekommen wirkende Menschen mit Dauerpässen genutzt wird. Ebenso begegnete man in der Downtown dieser relativ kleinen und reichen Stadt an jeder Ecke Obdachlosen, ansonsten wirkt alles sehr steril und herausgeputzt.
Ab dem Zentrum werden mehrere Linien auf der gleichen Strecke geführt. Eine Garnitur aus zwei 2001 gelieferten Siemens SD-160 (Nachfolger-Baureihe der Duewag U2), die in mehreren US-Städten verkehren, verlässt auf der originalen Blue Line 701 Richtung Draper gerade die Station Courthouse.




Ich hatte Hotels für die ganze Fahrt auf booking.com reserviert, allerdings alle noch flexibel bis kurz vor der Ankunft stornierbar. Für diese Nacht checkten wir im edlen Little America Hotel ein, in der Lobby knisterte sogar ein (Gas-)Feuer mit falschen Holzscheiten.
Allerdings war unser Zimmer nicht so glamourös im Motel Courtyard gelegen. Obwohl nur Kleinigkeiten daran auszusetzen waren, beschlossen wir für die Übernachtung vor dem Rückflug eine andere Bleibe zu suchen.




Wir machten uns nur kurz frisch, dann ging es auf ersten Erkundungsspaziergang. Gegenüber unseres Hotels befand sich das Grand America Hotel.




Wir fuhren mit dem TRAX zur Haltestelle Arena - dort befindet sich die älteste Villa der Stadt, das Devereaux House. Teile des Gebäudes wurden 1855 errichtet, seit 1880 ist es in der heutigen Form erhalten, 1979 war es relativ verfallen und wurde seither renoviert.




Am ehemaligen Union Pacific Depot (Bahnhof) von 1908-09 - heute Teil des Shoppingzentrums "The Gateway" - teilen sich die blaue Straßenbahnlinie 701 zum heutigen Hauptbahnhof Salt Lake Central und die hier zu sehende grüne Linie 704 Richtung Flughafen auf. Man bemerke das Schild und das Häuschen für die Straßenbahnkreuzung links.




Die Haltestelle Arena liegt vor der Heimhalle der Utah Jazz. Leider spielten sie genau nicht, als wir dort waren.




Amerika ist anders: aus Europa ist man einheitliche Stadtbilder gewohnt. Hier kann sich ein Wolkenkratzer neben einem alten Prunkhaus neben einer Bruchbude neben einer riesigen freien Fläche befinden. Links im Bild sieht man diverse Einrichtungen des Mormonentums - das runde Gebäude ist das Tabernakel - , auf die wir später noch kommen werden, rechts das Plaza Hotel, das wir nun für unsere Rückkunft gebucht hatten - und das ich für Aufenthalte in Salt Lake City nur empfehlen kann. Es ist nicht so nobel, aber gut, mitten im Zentrum gegenüber dem Temple Square gelegen und nicht teuer. Zudem verfügt es über ein günstiges Restaurant und andere Einrichtungen im Komplex, ein Parkhaus liegt gleich daneben.




Trotz Jetlags wollte ich den ersten Nachmittag der Reise nicht gänzlich ohne große Züge verstreichen lassen, also hatte ich bereits im Vorhinein einen Bahnübergang am Rangierbahnhof ausgewählt, den man in etwa zehn Minuten per Bus vom Stadtzentrum aus erreichen kann. Leider stiegen wir eine Haltestelle zu früh aus, so dass wir ein bisschen gehen mussten. Wieder sah man eine ungewohnte Gegend: abgewrackte Kleinbetriebe, Fabrikhallen, Schrottplätze - dazwischen jedoch auch Wohnhäuser und ein Spielplatz, so etwas gäbe es in Europa nicht.
Nach einer Viertelstunde war der Bahnübergang erreicht. Sogleich machte ich erstmals auf Bodenhöhe Bekanntschaft mit einem wartenden transkontinentalen Autozug der Union Pacific. Die Gleise am grünen Zwergsignal ganz rechts werden von den UTA FrontRunner Vorortezügen genutzt.




Hier ist nicht zu Spaßen - aber Dank Bahnübergangs kam man gut zur Strecke.




Das Wunschmotiv an der Warm Springs Road neben der Interstate 15 lag etwas höher als auf Google Street View vermutet, zudem stand das Schilf überraschend auch im Winter im Weg. Dennoch fand ich eine Lücke: das lautstark verschiebende EMD GP38-2 Pärchen mit führender UP 847, dahinter die Skyline der Stadt und die Wasatchkette. Das Ganze ist umso mirakulöser, als dort bis einen Tag zuvor noch über Wochen dauerhaft schlechtes Wetter herrschte - so schlecht, dass sogar die lokale Zeitung im Wetterbericht versicherte: "keine Angst Leute, die Berge stehen noch"...




Hinter dem Schilf versteckte sich UP 2614, eine brandneue GE ET44AC (Evolution Series Tier 4 (Emissionsstandard), 4400 HP, AC traction) am Ende eines Güterzuges Richtung Westen.




Um 15:36 kam ein weiterer erhoffter Zug, ein FrontRunner der Linie 750 Provo - Salt Lake City - Ogden auf dem Weg nach Norden. Die Garnituren bestehen aus MPXpress MP36PH-3C Lokomotiven, einem renovierten einstöckigen ex-New Jersey Transit Comet I Wagen aus den 1970ern, sowie Bombardier Doppelstockmittel- und -steuerwagen. Bis auf den gebrauchten Waggon wurde alles 2006-07 gebaut. Am Ende der Reise werden wir mit einem fahren.

Mehr Info (auf Englisch):
https://en.wikipedia.org/wiki/FrontRunner









Ansonsten bewegte sich während unseres kurzen Aufenthaltes nichts.




Wir kehrten zur Beck Street zurück, einer der staubigsten Orte, den ich außerhalb Indiens kennengelernt habe. Dauernd fahren irgendwelche Truck-Monstrositäten aus dem anliegenden Steinbruch aus und beschleunigen in einer riesigen Staubwolke. Im Hintergrund das Kapitol des Staates Utah, davor ein heruntergekommener Strip-Schuppen und ganz vorne die Bus-Haltestelle - ein Schild und eine zusammengebrochene Bank.




Die ideale Gegend, seine fetten Hunde Gassi zu führen...




Busse auf dieser Strecke Richtung Ogden fahren recht oft, aber unregelmäßig. Wir warteten bereits eine Viertelstunde, schon waren drei Busse in die andere Richtung vorbeigekommen. An der Haltestelle sind nur die Linien angegeben, aber keinerlei weiteren Informationen. Ein Mann mit einem Mountainbike kam hinzu, er meinte es wäre ihm zu stressig auf dieser Straße zu fahren. Letztendlich erschien der erlösende Bus der Linie 470, gesteuert von einer coolen jungen Dame in Sonnenbrille und UTA-Schimütze. Die Busse verfügen außen an der Front über Gestelle, auf denen man Fahrräder fixieren kann.
Ein Highlight gab es noch auf diesem Ausflug in die nicht ganz so wirtliche Gegend: ich war in der "Dexter Street" ;-)




Binnen Minuten hatte uns der Bus auch schon wieder in der Stadt abgesetzt.




Wir bogen auf den Temple Square ein, im Hintergrund blitzt die Straßenbahn durch.
Über das kontroversielle konservative Mormonentum kann sich jeder selbst informieren. Ich sage nur so viel: die vielen Obdachlosen, die dort im Winter auf der Straße sind (im Vorraum des Plaza Hotels oder im Gateway Einkaufszentrum konnten sich beispielsweise einige Menschen aufwärmen) und die riesigen leeren Prunkbauten daneben - das geht für mich nicht auf eine Rechnung.
Daneben kommen noch diverse freundliche Damen und Herren, die einen gelegentlich zu bekehren versuchen - nun, ich hoffe, dass durch uns zumindest der eine oder andere frische Atheist Salt Lake City bevölkert... ;-)









Salt-Lake-Temple, der größte Tempel der Mormonen, im neugotischen Stil - der Bau dauerte von 1853 bis 1893.




Vor der 1882 vollendeten Versammlungshalle.




Ein iPhone-Bild aus dem Inneren. Wieder traf man auf freundliche Damen, doch "leider" hatten wir Jetlag und konnten nicht lange bleiben.









Glanz in den Straßen und Bergblick mit TRAX. Das Joseph Smith Memorial Building links (erste Reaktion: "stalinistisch") wird aber vermutlich künstlich beleuchtet, auch ohne Sonne herrschte dieser seltsame Abglanz auf der Fassade.




Wir gingen durch das überdachte Einkaufszentrum, in dem ein ehemals natürlicher Bach künstlich wiederbelebt wurde - auch auf einem Mormonengebäude entspringt ein künstlicher Wasserfall - und deckten uns am Foodcourt etwas ein.









Die Haltestelle City Center unter dem Übergang des Einkaufszentrums.




"Deseret" ist eine Anspielung auf das Mormonentum und bedeutet so viel wie "Honigbiene". Ursprüngliche sollte der dort entstehende Staat (größer als der heutige) so heißen, doch das wurde aufgrund der Verwechslungsgefahr mit dem Englischen "desert" ("Wüste") wieder fallen gelassen. Stattdessen nahm man Anleihe bei den Ureinwohnern, und so nennt er sich heute "Utah".














Kurz vor Sonnenuntergang kehrten wir zum Little America Hotel zurück.




Das Grand America Hotel im letzten Licht.






15. 2. 2017

Ich schlief nicht wahnsinnig gut, ab Mitternacht lag ich meist wach im Bett. Am nächsten Morgen nahmen wir das (nicht inkludierte) Frühstücksbuffet in einem Restaurant des Hauptgebäudes in Anspruch. Bedient wurde man von emsigen Kellnerinnen asiatischer Herkunft. Es war unsere erste Begegnung mit der amerikanischen Servicekultur, auch das Trinkgeld beim Bezahlen will geübt sein. Anschließend kauften wir noch im Hotelshop etwas zu Trinken für den Tag, dann rollten wir unsere Koffer zur TRAX-Station. Etwas verwirrend stand hier nun "Green Line - Delay", ohne weitere Informationen. Wir mussten wieder zum Flughafen, doch es war unklar ob nun die Linie dorthin überhaupt verkehrte. Wir nahmen zunächst einen Zug der blauen Linie bis zum Temple Square, denn dort hofften wir notfalls auch ein Taxi zu bekommen. Als nicht so ganz ideal stellten sich die alten Siemens-Triebwagen mit steilen Einstiegstreppen für den Koffertransport heraus, die neuen verkehrten auf der Flughafenlinie. Am Temple Square war ersichtlich, dass unser Zug sich ohnehin nur ein paar Minuten verspätete, und tatsächlich bog bald ein einzelner neuer Triebwagen um die Ecke. Künstliche Möwen blickten auf die Szene herab.




Verwirrend? Die Bahn war als "Blue Line" ausgeschrieben, die Fahrerin musste bei jeder Station durchsagen, dass es sich um einen Zug der grünen Linie handelte.




Wir kamen am Flughafen an, und ich ging alleine zum Mietwagenschalter vor. Ich hatte im Voraus über rentalcars.com bei Alamo gebucht, einen SUV, denn wir würden vielleicht auch etwas Offroad fahren. Diese Option ist für ausländische Touristen (ein fremder Führerschein ist erforderlich) etwas billiger, als direkt beim Verleiher zu buchen. Ich geriet an einen Praktikanten, dem die Managerin zur Seite stand. Zunächst wurde meine Reservierung nicht gefunden, doch die Dame klärte ihn auf, dass mehrere internationale Führerscheine eventuell identische Nummern haben können. Auch das Datumsformat führte zu kurzer Verwirrung, doch sie meinte, dass die Amerikaner die einzigen wären, die das Datum "falsch" schreiben - mit dem Monat vor Tag.
Letztendlich bekam ich den Schlüssel, ich holte Anhang und Gepäck, und wir gingen zu unserem 2016er Chevrolet Equinox in der Parkgarage. Einmal musste ich noch zum Schalter zurück, denn das mitbestellte Navi war nirgendwo zu  entdecken. Dieses wurde in einer Tasche separat überreicht, mit einem weiteren Vertrag, dass man 250 Dollar zu blechen hätte, falls man ohne Gerät zurückkehrt.
Einziges Feature am Auto, das ich nicht unbedingt benötigte, waren die getönten Scheiben hinten (und die Schiträger), aber zumindest sorgte eine Rückfahrkamera für ausreichende Sicht. Ebenfalls ein Manko war die mangelnde Winterausrüstung: statt Winterreifen gab es nur Allwetterreifen, Schneeketten besaß der Vermieter nicht - ein mögliches Problem, wenn auf einem essentiellen Pass zufällig gerade Kettenpflicht herrschen sollte. Da kam einem der Schifahrer am Utah-Nummernschild eher wie eine Verhöhnung vor.
Nun gut, heute war es schön sonnig, und die Autobahn meist brettleben. Vom Flughafen fuhr man direkt auf der Interstate 80 Richtung Westen hinaus. Wie ich bereits von Berichten der Vorwoche wusste, war die Güterstrecke nördlich auf dem Lucin Cutoff über den Großen Salzsee aufgrund eines Dammbruchs an der Grenze zu Nevada gesperrt. Das Resultat: auf dieser Seite stapelten sich die Güterzüge!
Da meine Hände auf dem Lenkrad ruhten, wurden all die Bilder aus dem Auto vom "dritten Händchen" per Canon EOS 450D angefertigt.














Nahe Magna teilen sich die UP Strecken auf in die ehemalige Western Pacific Strecke über die Salt Flats Richtung Wendover, der wir heute folgen werden, und jene nach Süden Richtung Las Vegas, auf welche wir in ein paar Tagen wieder treffen werden. Eine Rangierbewegung sah man in der Ferne, danach bewegte sich nichts mehr.
Der Schornstein der Kennecott Garfield Kupferhütte im Hintergrund ist mit 370 Metern der vierthöchste der Welt, das höchste Gebäude in den USA westlich des Mississippi.




Wir bogen ab zur Great Saltair Konzerthalle, beim Aussteigen begegnete mir sogleich wieder ein Eisenbahnvehikel.




Diese Kanadagänse interessierten sich auch brennend für...




... UP-Züge vor der Wasatchkette am Großen Salzsee.




Ein iPhone-Panorama mit Great Saltair Konzerthalle - bei Trockenheit gehen hier Leute im See spazieren, man sieht einige Spuren.


Nächstes Mal setzen wir unsere Fahrt fort und kommen im Wilden Westen an! :-)
lg,
Roni

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