Autor Thema: Wilder Westen 2017 - 4: 350-jähriger Personenzug (50 B.)  (Gelesen 306 mal)

Roni

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Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
Wilder Westen 2017 - 3: Nevada Northern, Szene 1 (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3826.0


Das Video zur Serie (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/W5HFQsdVA0o




Allgemeine Informationen zur Nevada Northern Railway:

Offizielle Seite, unter anderem mit Rollmaterial-Liste:
http://www.nnry.com


Historisches Archiv mit Geschichte, Karten, etc.:
http://nnry.com/history/httpdocs/index.html


Wikipedia-Seite mit Geschichte, Streckenkarte und -beschreibung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nevada_Northern_Railway


Wikipedia-Seite zum Museum:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nevada_Northern_Railway_Museum


Buch mit Geschichte und historischen Fotos (Google Books Vorschau, nicht alle Seiten angezeigt):
https://books.google.at/books?id=rghpVbIBhhcC&printsec=frontcover




18. 2. 2017

Wir starten mit #40 in den ersten Strecken-Fototag - der Rest des kalifornischen Wintersturms erwies sich als nicht so schlimm wie angekündigt, nur der Wind blies oft unangenehm.




Unter dem Bekohlungsturm von East Ely wartete an diesem Morgen auch wieder das ALCo-Doppel.




Ein Dirigent und sein Orchester.




Der Boss, Mark Bassett, übernahm persönlich die Rangiermanöver.









ALCos #109 und #105 mit Erzzug vor stimmungsvollen Schneebergen.




In diesem Schuppen war die Personenzuggarnitur untergebracht. Manche Gebäude wirken nicht so alt, aber sie stammen alle aus der Gründungszeit der Bahn vor 110 Jahren.




Es erschien: die originale Garnitur des "Steptoe Valley Flyer" - jenes Zuges, der bis zur Einstellung des Personenverkehrs am 1. August 1941 Passagiere auf der Hauptstrecke zwischen Ely und Cobre transportiert hatte. Doch schon in den 1950ern wurde die Garnitur unter großem Andrang wieder für Publikumsfahrten genutzt.

Hier findet sich der Fahrplan aus dem Jahr 1941 mit Umsteigemöglichkeit in Cobre:
http://www.streamlinerschedules.com/concourse/track12/steptoe194106.html

Der Zug bestand aus der Lok #40 (Baldwin / gebaut 1910), Gepäck/Postwagen #20 (American Car and Foundry (ACF), gebaut um 1905-07) und dem sechsachsigen Personenwagen #5, der 1885 als Schlafwagen #3 "Silesia" ("Schlesien") produziert von Pullman das Licht der Welt erblickt hatte und 1918 in einen Erste-Klasse-Waggon konvertiert worden war.
Insgesamt hatte die kurze Garnitur also 350 Jahre auf dem Buckel und fuhr durch eine nahezu unverfälschte Umgebung - in Europa mit seiner turbulenten Geschichte ist ein derartiger Konservierungsstatus sehr rar...









Zurückschieben, an der Gleiswaage vorbei...




... und am enormösen Güterschuppen.




Mannschaftsbesprechung vor der Abfahrt.




An der östlichen Ausfahrt befindet sich dieser herrliche Bahnübergang - die Funktion der urigen Warnanlagen kann man im Video bei Minute zehn bewundern.




Der "Steptoe Valley Flyer" dampfte hinaus ins Steptoe Valley, welches sich 160 Kilometer von Nord nach Süd erstreckt. Benannt ist es nach Oberst Edward Steptoe, der diese Gegend 1854 erkundete. Die Laderampe war wohl einmal etwas angesengt worden.









Dieser alte Dodge ist bei genauerem Hinschauen auch ein Eisenbahnvehikel der Nevada Northern Railway.














Wir verließen das historische Ensemble nun - allerdings nicht auf der originalen Personenzugstrecke, sondern auf der "Keystone Line" Richtung Westen, welche zur Erschließung von Minen nahe Ruth gebaut wurde. Dazu mussten wir East Ely vorwärts verlassen, um anschließend an der Stadt Ely vorbei in die Berge hinauf geschoben zu werden.




Unterwegs gab es ausreichend Zeit für zahlreiche Anekdoten. Nach der Ankunft konnte ich ein echtes Schwarz/Weiß-Bild anfertigen.




Die Attraktion hier ist - der Tunnel.




Fotohalte verlaufen weitaus entspannter als bei vergleichbaren Fahrten in Europa - dort hupft man aus dem Zug, und nach ein-zwei Vorbeifahrten wieder hinein - hier grast man während eines Halbtages etwa drei Stellen ab, manchmal spaziert man ein wenig weiter, mit einigen Vorbeifahrten und Posieren der Lok im Stehen.









Schon in der Vorbesprechung wurde erwähnt, dass sich in jeder Fotografengruppe ein paar "Bergziegen" finden würden. Tatsächlich kletterten ein paar wenige etwas höher, was ein netter Herr neben mir kommentierte: "We got us some mountain goats!". Also wurde auch ich bei der dritten Vorbeifahrt zur Bergziege, schon nach kurzem Aufstieg ergab sich ein schöner Ausblick. Allerdings spürte man die Seehöhe deutlich, nach wenigen Metern geriet man ins Keuchen.




Der Tunnel ist übrigens ein Atomschutzbunker aus dem Kalten Krieg - natürlich bestand keine Gefahr durch die pilzförmige Wolke, die nun aufstieg. Allerdings befand sich der Nevada Test Site - der primäre Atomtestort der USA von 1951 bis 1992, bis 1962 oberirdisch - nur etwa 300 km von hier entfernt.









Besonders faszinierte mich die Struktur der Vegetation - daher war ich froh, dass nicht allzu viel Schnee lag, sonst würde man weniger vom speziellen Charakter der Landschaft mitbekommen.




Im Stehen kam erneut die Sonne heraus. Gleise durfte man nur betreten, wenn das Fahrzeug sicher abgestellt war.



















Es ging weiter - oder besser gesagt zurück, in die Nähe des Bahnhofs.




Vor Ort entdeckte ich einen alten Pferdewagen, doch das wohl nicht minder alte Drehgestell mit genieteten Achslagerträgern war noch interessanter.
Hier ( http://www.cumberlandmodelengineering.com/CMEProductsTrucks.html ) findet sich ein Plan eines dreiachsigen Drehgestells der Pullman Palace Car Company:
http://www.cumberlandmodelengineering.com/images/Pullman%20Palace%20Car%20Truck%201.JPG




Der Wagen unten stand auf privatem Land, welches nicht der Bahn gehörte - also musste ein Panorama mit dem Steptoe Valley (rechts) her.




Wieder einmal tolle Strukturen - inklusive gefrorenem Teich.
























Als letzten Punkt für den Vormittag steuerten wir den Bahnübergang an der White Pine County Road 19 an, der in den vorherigen Fotos im Hintergrund zu sehen war.




Hier befinden sich alte Erzverladerampen aus Holz.




Kleinere Ställe für diverse Tiere, unter anderem Pferde. Ganz unten sieht man Schienen quer zur Bahn - wohl für Draisinen, wie ich es schon aus der Türkei kannte.









Das Spotlight zeigte sich kurz.




Blick von einer Rampe.




Zur Mittagspause ließen wir die Personenzuggarnitur im Bahnhof stehen.




Und stiegen auf ein noch älteres Vehikel um: Bauzugwagen #06, ehemals Personenwaggon #6 der Grand Trunk Railroad, 1872 von Pullman gebaut! 1909 war er von der Nevada Northern Railway gebraucht gekauft worden, 1940 zum Arbeitsvehikel umgebaut.




Unser Zug für den Rest der Zeit: hölzerne Boxcars mit Caboose.




Ich dachte ja, dass Tumbleweeds eher als Comic-Effekt in Filmen dienen - doch man sah sie hier in der Gegend dauernd. Meist nur einzelne verwehte Stauden, doch gelegentlich hatten sich schon mehrere zu einem Knäuel vereinigt.
Auf Film erwischte ich eine kurz: https://youtu.be/W5HFQsdVA0o?t=7m49s




Schauen wir, was der nächste Teil bringt - wir fahren auf die High Line! :-)
« Letzte Änderung: 04. April 2017, 12:00:16 von Roni »
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Re: Wilder Westen 2017 - 4: 350-jähriger Personenzug (50 B.)
« Antwort #1 am: 28. März 2017, 10:06:46 »

Fantastische Bilder, starkes Video. Wenn nicht gelegentlich ein eher modernes Dieselfahrzeug zu sehen wäre, könnte man glauben man befindet sich im späten 19. Jahrhundert.

Daß man in den USA etwas entspannter mit dem Thema "Verhalten des interessierten Publikums bei Sonderfahrten" umgeht wie hierzulande ist bekannt und begrüßenswert.

lG
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Roni

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Re: Wilder Westen 2017 - 4: 350-jähriger Personenzug (50 B.)
« Antwort #2 am: 04. April 2017, 12:00:48 »
Hallo!

Danke dir! :-)

Die "modernen Dieselfahrzeuge" sind auch aus den 1940ern...  ;)
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