Autor Thema: US Roadtrip 2017 - 8: Ohne Hilfe geht nix, an der Route 66 (50 B.)  (Gelesen 315 mal)

Roni

  • MstsForum.info
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 807
Hallo!


Zum vorherigen Teil der Serie:
US Roadtrip 2017 - 7: Caesaren kommen nicht aus der Mode (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3834.0


Das Video zur Serie (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/W5HFQsdVA0o

Wild-West-Galerie:
http://raildata.info/nnry17

Multimedia Diashow:
https://youtu.be/3Zw2d6o1lmk




20. 2. 2017

Wir befinden uns in Las Vegas vor dem Hotel Bellagio, dessen Anlage an den Comer See erinnern soll...




Nicht ganz happy mit den Hochzeitsbildern?




"Arc de Triomphe" mit "Quadratverkehr".




Neben "Frankreich" darf auch der österreichische Beitrag am Strip nicht fehlen... ;-)
Auch große Kunstausstellungen findet man in den Hotels.




Rückfahrt bei Dunkelheit ab der Station "Bally's & Paris" - zu der man natürlich wieder durch das Hotel musste - , im Hintergrund der beleuchtete "High Roller".




Die Einschienenbahn brachte uns zurück in unser MGM Grand Hotel.



Wir aßen noch eine Kleinigkeit im Foodcourt, aber in Maßen, denn die 200% Preisaufschlag für die Location kann man anderswo in ein besseres Mahl investieren. Die Hotels sind ja wie kleine Städte, man kann hier fast alles finden - um einen Preis.



21. 2. 2017

In der Nacht hatte ich einen Kampf mit einem Getränkeautomaten, um 5 Uhr in der Aufzugslobby des Stocks kam noch ein Spieler hinzu, der offensichtlich bis jetzt gezockt hatte. Wir versuchten dem Ding Wasser zu entlocken, auch einen Stock tiefer, aber es funktionierte einfach nicht. Frühstück gab es anschließend relativ günstig von Starbucks im Haus - allerdings das einzige Mal auf dieser Reise, dass wir irgendetwas von einer größeren Kette konsumiert haben.

Der Morgenausblick aus unserem Zimmer Richtung Norden auf den Strip.




Wir nahmen die East Tropicana Avenue bis zur Autobahn, hier gelangte man wieder auf die Route 93. In Boulder City kommt man durch die Stadt, dann erreichten wir diese Aussicht auf Lake Mead. Mit 170 km Länge ist es der größte Stausee der USA.




Wir fuhren ab Richtung Hoover Dam. Schon seit meiner ersten Kanada/USA Reise 2001 sind die "Slow-Heinis" unsere Lieblinge, oft wird dieser Job an Baustellen von Frauen ausgeführt.




Wie den zweiten, so erreichten wir auch den dritten Staat der Reise zunächst zu Fuß. Arizona liegt wie Utah wieder in der Mountain Standard Time, also waren die Tageslichtzeiten menschenfreundlicher gelagert.




Vor nicht allzu langer Zeit herrschte unten viel mehr Verkehr.




Denn wir befinden uns auf der erst 2010 fertiggestellten Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mike_O%E2%80%99Callaghan-Pat_Tillman_Memorial_Bridge

An einem der zwei Maschinenhäuser sieht man Gleise und die Transportgondel eines 150 Tonnen-Kabelkrans, die dem Austausch von schweren Generatorteilen dienen.




Mehr Info über die 1935 eröffnete gewaltige Anlage (die englische Seite ist viel umfangreicher): https://en.wikipedia.org/wiki/Hoover_Dam




Wir fuhren nun hinunter und über den Damm. Um überhaupt in die Nähe zu gelangen, muss ein Sicherheitscheck passiert werden (mit heruntergelassenen Fenstern). Wenn man damit durchkommt - das wäre wohl eher geeignet für den römischen Circus, aber der Parkplatz ist zumindest gesichert... ;-)




Blick auf den aufgestauten Colorado River im Black Canyon, der sich hinter der Kurve zum Lake Mead ausweitet.




Zunächst versuchten wir auf der Arizona-Canyonseite weiterzufahren, doch das stellte sich als Navi-technisches Missverständnis heraus - die durchgehende Straße war nun gesperrt. Also mussten wir wieder hinunter, hinauf und den gesamten Weg zurück zur Schnellstraßenauffahrt, wo wir hergekommen waren.




An einem Parkplatz genossen wir das Panorama mit Colorado River im Nordwesten Arizonas.




Allerdings bahnte sich ein Problem an: wir fuhren heute die ganze Zeit südwärts mit starkem Gegenwind, dazu kam der ungeplante Umweg - bis jetzt war sich alles problemlos ausgegangen, doch nun wurde der Sprit knapp. Was in Europa keine Sache ist, kann in den USA ohne Tankstelle für mehr als 100 km durchaus ernst werden. Wir kamen an einem Schuppen vorbei, doch der schien verlassen zu sein. Etwa 50 km vor Kingman ging dann die Spritwarnung an. Endlich, eine Tankstelle an der Abzweigung nach Dolan Springs - oh nein, die wird gerade erst gebaut!




Dann - gemessene 6 Kilometer vor der ersten rettenden Tankstelle im Ort - war es aus. Ich konnte nur noch an den Seitenstreifen rollen - zumindest gab es hier etwas halbwegs Asphaltiertes, Teile der Straße besaßen gar keinen. Glücklicherweise hatte ich nach schlechten Erfahrungen auf vergangenen Reisen - vor allem mit Reifen - diesmal einen 24h-Pannenservice dazu genommen, denn irgendwo in der Einöde wollte ich nicht stranden. Ich wählte die angegebene Nummer und wurde mit einer netten Dame verbunden. Manchmal führt man so surreale Gespräche, in denen Fragen gestellt werden, wie: "Sind Sie schon an Santa Claus vorbei?" - ich konnte bejahen, wir waren schon an Santa Claus vorbei (ein Ort vor Kingman). Letztendlich wurde das Gespräch erfolgreich absolviert, und ein Abschleppwagen aus Kingman losgeschickt.




Eigentlich hatte ich ja vor, den Nachmittag im Kingman Canyon zu verbringen - doch es sollte das einzige Mal sein, dass sich meine sonst so brave Wetter-App auf der Reise gröber irrte - bei einem Blick nach draußen war ich über die Wartezeit im Auto nicht soooo böse.
Nach etwas mehr als einer Stunde sah ich einen Lastwagen hinter uns wenden und halten (amerikanische Abschleppdienste verwenden entsprechend große Vehikel), aus ihm sprang ein genialer Typ, ein zahnloser älterer Mechaniker, typischen Optimismus versprühend: "Alles kein Problem, ich fülle euch nur schnell einen Kanister nach, das bringt euch über den Hügel - ihr hättet es ja eh fast geschafft!" Also genau den Menschen, den man in so einer Situation sehen will.
Nach der unkomplizierten Lösung bedankten wir uns und gaben Gas. Anschließend wurde natürlich gleich eine der ersten Tankstellen aufgesucht.




Im Ort Kingman verließen wir die Route 93, die wir praktisch von Wendover her verfolgt hatten, und trafen auf die legendäre Route 66 (heutzutage allerdings nur noch eine Bundesstaats-Bezeichnung). Ebenso gelangten wir an die transkontinentale Hauptstrecke der BNSF. Wie man sieht, hatten wir wettermäßig nicht viel verpasst. Zudem musste ich hier mitten im Ort auf der Route 66 so einigen Schlaglöchern ausweichen, was auf der bisherigen Reise nicht der Fall war.




Wir checkten in das Best Western Plus King's Inn & Suites ein - ein Motel-artig angelegtes, aber gutes Hotel. Der Zimmereingang befand sich direkt am Parkplatz, was mit schweren Koffern praktisch ist. Ein erneuter Blick hinaus zeigte dies:




Ich wartete auf Schiebeloks am ostfahrenden Güterzug, doch vergeblich - diese scheinen auf der Sektion selten zu sein. Wer genau schaut, erkennt dennoch ein angetriebenes Schienenvehikel im Bild.




Wir fuhren in das alte Zentrum des Ortes zum Essen und Einkaufen - doch vielleicht ging ja mehr.




Dies sollte der südlichste Punkt der Reise sein - doch auch hier ist Schnee auf den Bergen zu erkennen. Der Bahnhof wurde von der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway (ATSF) 1907 im kolonial-spanischen Stil gebaut und beherbergt seit einer Renovierung 2011 neben einem Warteraum für die hier nächtlich haltenden Amtrak "Southwest Chief"-Züge auch ein (zu dem Zeitpunkt geschlossenes) Bahnmuseum.




Im Hotel fand ich historische Bilder des Ortes - der Hoover Damm war übrigens 1933 - 1947 "Boulder Dam" genannt worden.




Im Vergleich sieht man, dass das Schild des alten Hotel Beale erhalten wurde - das Hotel selbst ist allerdings verfallen.




Ich hatte schon zu Hause ein Wunschmotiv entdeckt - mal sehen, ob es etwas werden könnte. Um 17:25 traf ich ein, gleich darauf grummelte es im Canyon, und um 17:31 war der Containerzug aus Kalifornien da... das nennt sich wieder einmal effizientes Bahnfotografieren!




Die führende BNSF Dash-9 4691 (GE C44-9W, gebaut 4/2000) trug noch das alte Logo der Gesellschaft (bis 2005, ebenso wie die Umbenennung von "Burlington Northern and Santa Fe" in die Abkürzung "BNSF").









Wieder einmal wartete ich vergeblich auf Schubloks - so sieht man eben, wie sich die doppelt gestapelten Containerwagen auf einem von zwei unterschiedlich geführten Gleisen an den Vororthäuschen von Kingman vorbeischlängeln.




Abstellgleise für Gleisbaufahrzeuge.




Die Amtrak "Southwest Chief" Chicago - Los Angeles #3 bzw. Los Angeles - Chicago #4 halten hier planmäßig um 0:46 bzw. 2:28 in der Nacht. Natürlich überprüfte ich die praktische Amtrak-App, doch es kam kaum zu Verspätungen - also keine Chance auf ein Antreffen bei Tag. Der Zug ging aus dem "Super Chief" der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway hervor, der auf der gleichen Strecke verkehrte - meist parallel zur historischen Route 66.




Wenn man erfolgreich einen Zug erlegt hat, kann man ja auch einmal der Gastfreundschaft frönen - wobei hier an der Wand zweideutige Signale gesendet werden...
Kingman wurde 1882 als Eisenbahnsiedlung gegründet.




Nach dem Genuss von Schweinefleisch aus dem 24h-Barbecue Pit ging es über die Schlaglöcher der Route 66 zur Nachtruhe.






22. 2. 2017

Sleepy Motel Morning - im Best Western gab es wieder ein Frühstücksbuffet inklusive.




Route 66 Motel Sunrise.




Bevor der Fotomorgen begonnen konnte, besuchten wir kurz eine Bank - Wells Fargo, was sonst im Wilden Westen? Als Experiment versuchten wir Euros zu tauschen. Sofort wurden sämtliche Bankmitarbeiter herbeigerufen, denn die meisten hatten noch nie im Leben Geld gewechselt. Dann war ein zweiter Ausweis neben dem Pass gefragt, und eine Sozialversicherungsnummer - nun, wenn ihnen die österreichische e-Card weitergeholfen hat... ;-)

Ich blieb draußen - und siehe da, ein Güterzug rollte gerade nach Osten vorbei... Nun musste dieser nur einmal Schubloks haben - juhuuuu, endlich!




Das spontane "Altstadt"-Motiv.




Wir nahmen die kleine Old Trails Road in den Kingman Canyon, durch den auf der anderen Seite auch die Route 66 führt. Unterwegs begegnete uns der nächste Ostfahrer, diesmal die amerikanische Version der RoLa, natürlich wieder ohne Schubloks. Die Muster im Himmel sind übrigens kein Bildfehler.




Bei der alten ATSF-Brücke parkten wir. Noch hielten sich Wolken über den Bergen, doch sie verzogen sich rasch. Es hatten Leute hier in einem Zelt über Nacht gecampt, es waren neben uns aber auch die einzigen Menschen, die wir im Canyon trafen.




Das ist also die Freizeitbeschäftigung hier draußen, wie viele leere Patronenhülsen am Boden bezeugten.




Im Schatten stieg ich den Hang teils über Felsen hinauf.




Doch die Sonne schaffte es langsam über den Hügel.




Das "dritte Händchen" erkundete die Felsformationen an der Brücke.









Zehn Minuten, nachdem ich Stellung bezogen hatte, vernahm man wieder etwas - und es rauschte der nächste Containerzug aus Kalifornien heran. Die Straße hinter den Loks ist die Route 66.




Bespannt war der Zug von BNSF 7579 (GE ES44DC), 4241 (ES44C4), 7604 und 7231 (beide ES44DC).
ES44DC bedeutet: Evolution Series, 4400 PS, DC traction, die ES44C4 (..., C-C wheel arrangement, 4 traction motors) besitzt im Gegensatz zu den anderen nur zwei statt drei Motoren pro Drehgestell.
Mehr Info (auf Englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/GE_Evolution_Series#ES44DC









Natürlich: keine Schubloks. Also musste endlich einmal etwas Richtung Kalifornien kommen, da war schon mindestens seit dem Frühstück in der Dämmerung nichts mehr gefahren...
« Letzte Änderung: 04. Mai 2017, 21:18:35 von Roni »
lg,
Roni

Up-to-date auf Twitter: https://twitter.com/raildata_info @raildata_info

http://raildata.info