Autor Thema: (Vor)-Alpine Verbindungen - 1: Auf den Spuren des Lisinski (50 B.)  (Gelesen 275 mal)

Roni

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Hallo!



Das Video zur Serie (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/VGbL1eX4wik


Wir beginnen die Sommerberichtsreihe mit einem Beitrag - nicht exklusiv, natürlich - für E-Lok- und Nachtzug-Enthusiasten. :0)


Zwei Zugpaare täglich verkehren zwischen Ljubljana und Rijeka, hier MV 483 "Ljubljana", der die slowenische Hauptstadt nach Mittag mit Verbindung zum "Emona" aus Wien verlässt. Einst verkehrten direkte Kurswagen, doch letztes Jahr - als diese Aufnahme am 14. 8. 2016 entstand - nicht mehr.
Die Verbindung ist nun Domäne der SZ-Baureihe 342 "Moped" (Ansaldo, Baujahre 1968-70).




Die letzten zwei Jahre verbrachten wir etwas Strandurlaub in Opatija, hier ein großer roter Mond über der Kvarner-Bucht am 18. 8. 2016.




Am Morgen des 9. 8. 2017 nahm ich einen Bus der Linie 34, welcher den steilen Anstieg hinauf nach Matulji erklimmt. Im Zentrum besorgte ich mir noch einen Slanac als Snack, dann wanderte ich am Fußweg zur Station Opatija-Matulji. Gegenüber befindet sich dieser Garten, wie immer und überall in Ex-Jugoslawien wurde stets ein Bauvehikel gesichtet. Heuer war die Strecke aus Slowenien nach Rijeka teilweise gesperrt - zu diesem Zeitpunkt verkehrten alle Züge, aber an manchen Stellen mit extremen Langsamfahrstellen (die jedoch offensichtlich im Fahrplan einkalkuliert waren).




Am 18. 8. 2016 reservierte ich einen ganzen Tag für einen Eisenbahnausflug mit meinem slowenischen Freund Misko. Als Erstes passten wir B 481 "Opatija" Ljubljana - Rijeka beim Form-Einfahrtssignal von Jurdani ab, das trotz Erneuerung der Oberleitung für 25 kV Wechselstrom erhalten geblieben war.
Damals bestand der Zug nur aus drei SZ-Wagen, heuer habe ich einen wesentlich mächtigeren Zug an der Ausfahrt Opatija-Matulji festgehalten. Hinter der Lok befindet sich ein 2. Klasse-Wagen des EuroNight 481 aus München, der eigentlich erwartete Schlafwagen fehlte jedoch mysteriöserweise. Am Ende des Zuges verkehren ein MÁV Schlafwagen, ein slowakischer Liegewagen und ein erste-Klasse-Wagen des "Istria" aus Budapest.




Letztes Jahr erwischten wir den Zug Dank langer Bahnschleife und kurzem, aber engem Weg mit dem Auto durch das Dorf steil bergab ebenfalls im Bahnhof wieder.




Heuer entschied ich mich für ein Panorama inklusive Blick Istrien entlang auf die Kvarner-Bucht mit der Insel Cres. Ich musste eine Stunde auf den Zug warten - einen möglichen Grund für die Verspätung erfuhr ich dann später bei meiner Fahrt mit jenem selbst.




Trotz offiziellem Gehweg in den Ort ist das Überschreiten der Gleise verboten... ;-)




Am 18. 8. 2016 führte uns die Tour weiter Richtung Gorski Kotar, so zum Beispiel mit Pu 4000 Zagreb - Rijeka zur Mittagszeit bei Skrljevo. Die Masten sind besonders dicht gesetzt, zudem schützt eine Wand die Strecke vor dem starken Fallwind, der Bora, die zu den stärksten der Welt gehört mit Böen bis zu 250 km/h.




Mehr von diesem Ausflug würde nun zu weit führen, doch ein Bild mit Schlafwagenbezug habe ich hier schon gemacht: am 10. 8. 2010 rollte B 700 aus Zagreb hinter 2063-003 den Berg hinab, diese größte kroatische GM-Baureihe wurde in den letzten Jahren des Gleichstrombetriebs dort eingesetzt.




Pu 4606 aus Ogulin kam unter einem Regenbogen am Abend des 18. 8. 2016 in Rijeka an.




Nachtzugwagen fotografierte ich schon bei meinem ersten Eisenbahnfanaufenthalt am 17. 8. 2005 in Rijeka, auch mit Misko.




Und am 9. 7. 2007 mit viel Gleichstromaktivität.




Vor zehn Jahren wie heute führte der B 480 die Kurswagen des "Lisinski" Richtung München mit.




Nun bewegen wir uns Richtung Slowenien, am 10. 8. 2010 erwischten wir B 482 Richtung Ljubljana in Matulji.




Auch auf der Hinfahrt am 14. 8. 2016 war noch Diesel zu sehen: 2062-038 als Schublok an einem Güterzug im kroatischen Grenzbahnhof Sapjane.




Will ja niemanden schmerzen, aber auf slowenischer Seite sah es am 8. 9. 2008 so aus, sogar ein 362-Treffen konnte ich damals nach Strandurlaub nur mit Kompaktkamera bewaffnet festhalten. Unsere Fahrt fand von Rijeka bis Spielfeld durchgehend hinter ex-JZ 362ern statt, auch der "Emona" wurde damit bespannt. Diese 1960-68 in zwei Serien von Ansaldo/Breda gebauten Gleichstrommaschinen fuhren in Slowenien im Juli 2009 zum letzten Mal - ersetzt durch die 541 - , in Kroatien im Dezember 2012, da auch die letzte Strecke Rijeka - Sapjane durchgehend auf 25 kV Wechselstrom umelektrifiziert worden war.




Heute ist das im slowenischen Ilirska Bistrica alles Nostalgie.




Am Abend des 11. 8. 2017 nahm ich den Bus hinauf nach Matulji, um meine kurze Sommer-Bahntour zu starten. B 480 kam mit allen vorgesehenen Nachtzugwagen schon in der Dunkelheit. Neben mir stiegen noch zwei Mädels, die Richtung Budapest fuhren, und ein paar Einheimische ein. Der lange Zug war überschaubar belegt, ich richtete mich für eine sehr kurze Nacht im Sitzwagen Richtung München ein, dessen Klimaanlage allerdings erst unter SZ-Regie anlief - dort dafür extrem kalt. Die beiden Grenzstationen werden vom im Vergleich zu außerhalb der Saison fast drei Mal so langen Zug komplett unvorbereitet getroffen - oder zumindest weigert man sich, dafür mehr Personal einzusetzen. Zwei Maxerln klapperten jeweils die acht Wagen ab, was uns insgesamt eine Verspätung von fast einer Stunde bescherte.
Daher entstanden diese Bahnsteigsaufnahmen in Ljubljana erst nach Mitternacht am 12. 8. 2017, der Stammzug EN 498 "Lisinski" aus Zagreb - ab Dobova hinter SZ 541 - war ebenfalls bereits da und spiegelte sich in unserem.




Damals noch B 296 "Lisinski" nach München konnte ich am 12. 7. 2007 kurz vor der Abfahrt in Zagreb Glavni kol. um 21:05 ablichten. Normalerweise werden Züge auf der Relation von HZ 1142ern bespannt, 1141 sichtete ich aber auch schon.




Am 12. 8. 2017 besuchte mich Nachteule Misko kurz am Bahnsteig, doch ich musste meinen Sitz gegen die anstürmende Backpacker-Horde verteidigen. Manche fanden in den zwei Sitzwagen ab Ljubljana keinen Platz mehr. Dazu kommen jeweils ein Schlafwagen aus Zagreb und Rijeka und ein Liegewagen aus Zagreb.




541-018 rangierte zu unseren Wagen aus Rijeka.




Aufgeholt wurde nichts, aber so hatte ich zumindest eine kürzere Nacht in Villach Hbf. Über den Tauern muss nach Hinzukommen des EN 236 Venedig - Wien und 40236 Venedig - München nun schon ein mächtiger Zug befördert werden, wie hier von 1116.122 und 1144.107 mit einer Stunde Verspätung um 2:43.
Da ich noch drei Stunden bis zu meinem Regionalzug auf die Tauern Südrampe überbrücken musste, verzichtete ich auf Schlaf und fing den "Tanz der Nachtzüge" in Villach - der hier mit Austausch diverser Zugteile täglich stattfindet - hauptsächlich auf Video ein. Das Resultat inklusive der imposanten Ausfahrt des "Lisinski" ist im Film hier zu sehen:
https://youtu.be/VGbL1eX4wik?t=16m29s

Verspätungen aus Italien müssen klarerweise von den jeweiligen Trägerzügen abgewartet werden, ebenso wartete der "Lisinski" Richtung Zagreb auf die Verbindungen aus dem Nachbarland.




Ich nahm um 5:29 den ersten und am Samstag einzigen Tauernregionalzug S1/R 4930 und stieg am minimalistischen Erdbahnsteig der Haltestelle Oberfalkenstein aus, als gerade die ersten Sonnenstrahlen die Bergkuppen kitzelten.

Kurz vor Spittal begegneten wir dem letzten Nachtzug des Morgens, EN 40465/415 Zürich/Schwarzach-St. Veit - Zagreb/Beograd.
Ein Bild des D 415 - der sich damals "Alpine Pearls" nannte - vom 27. 9. 2011 bei Faak am See findet sich in meinem Bericht hier:
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?106,5580568





Der Morgen begann trüb, doch genau rechtzeitig setzte sich die Sonne durch, und die windige Kühle wurde sogleich zum Hochsommertag - Nebelschwaden stiegen kurzzeitig aus dem Mölltal auf. Nur wenige Tage davor hatte hier ein Gewittersturm gewütet, der sogar auf einem Campingplatz Wohnwagen umgeworfen hatte. Meine Reise fiel allerdings genau in die schöne Woche zwischen Regen und Unwettern im Alpenraum.
Erstens war ich als Eisenbahnfotograf aus Österreich zu meiner Schande noch nie hier, zweiter Grund für den Besuch: 1020.018 der Lienzer Eisenbahnfreunde, welche mit dem Befahren der 396 m langen und 90 m hohen Falkensteinbrücke schon fast die Tauernbahn-Südrampe auf dem Weg nach Zell am See erklommen hat. Links die Burg Oberfalkenstein, der obere Teil der unten bekannteren Anlage.
Der Zug selbst wurde mit Tele aufgenommen, das Landschaftsbild entstand etwas vorher, zudem wurde ein blauer Nostalgie-Schlierenwagen durch einen der wunderschön restaurierten ersetzt.




Die Televersion des Bildes.




Als erster internationaler Tagesschnellzug tauchte EC 114 Klagenfurt - Dortmund auf.




Der Klassiker darf natürlich nicht fehlen - trotz Ferragosto verkehrten ein paar Güterzüge, meist war auch eine 1144 mit von der Partie. Die Stelle auf der alten Tauernbahn-Brücke ist leicht zu erreichen, sogar eine italienische Wanderergruppe schaute während meiner Wartezeit kurz vorbei.




Mangels Regionalverkehrs muss man für eine Öffiverbindung zum Bus ins Tal nach Gratschach, von hier findet man zumindest diese Perspektive auf die Brücke mit romantischer Burg Niederfalkenstein vor. Die ob des Unfalls in Meidling ihrer Garnitur beraubte ORF-Werbelok 1116.232 schob einen herkömmlichen railjet 111 München - Klagenfurt talwärts.




Ich machte ein wenig Mittagspause in Spittal, den Nachmittag verbrachte ich am Abzweigepunkt der Drautalbahn, Lendorf. 1020.018 kehrte verfrüht um halb sechs aus Zell am See zurück.




Das Wenden in Spittal ging dankenswerterweise ebenfalls schnell vonstatten, weshalb ich dieses Bild um 18:05 anfertigen konnte, mit S1 4260 Lienz - Villach - Friesach schon in Möllbrücke-Sachsenburg gekreuzt wurde, und ich dadurch zwei Stunden früher als erwartet zu meinem ausgezeichneten gemischten "Franzi" im Villacher Brauhof gelangte.




Etwa 2 1/2 Stunden vor dem "Lisinski" verkehrt ein weiterer Nachtzug Richtung Alpen, B/EN 414 Belgrad (ab 10:55) - Zagreb - Ljubljana - Villach - Schwarzach-St. Veit - Innsbruck - Feldkirch - Buchs - Zürich (an am nächsten Tag 9:20). Wobei heutzutage kein Wagen die gesamte Strecke zurücklegt, neben Tagesreisezugwagen nach Zagreb verkehrt ein Sitzwagen Beograd - Schwarzach, sowie HZ-Nachtzugwagen und ein SZ-Sitzwagen Zagreb - Zürich und ein Autotransporter als ARZ 414 Villach - Feldkirch.

Hier stellvertretend der damals noch fahrende B 411 "Olympus" aus Ljubljana bei der Einfahrt Belgrad am Morgen des 7. 7. 2009.




Die Hauptstrecke durch Slawonien ist die Domäne der Schnellzugbaureihe 1142, nur am 19. 6. 2009 verirrte ich mich einmal fotografisch in das Kukuruzfeld zwischen Zagreb und Belgrad. B 413 "Nikola Tesla" Zagreb - Belgrad führte einen ZS (nun SV = "Srbija Voz") Liegewagen aus Venedig mit, hier in Kutina. Ebenso, wie der Liegewagen längst Geschichte ist, wurden die Verbindungen nach Serbien auf das eine Zugpaar EN 414/415 reduziert.




Abends fuhr EC 211 "Sava" München - Beograd in Strizivojna-Vrpolje ein, heute nur noch B 211 Villach - Vinkovci.









Man traf auf B 412 "Nikola Tesla", ich sicherte mir einen Liegeplatz im ZS-Wagen bis Ljubljana, in Zagreb wechselte er auf den EN "Venezia".




An meinen Abenden in und um Zagreb während des Wartens auf Nachtzüge Richtung Split kam mir natürlich öfters B 414 vor die Linse, nun upgegradet auf EuroNight.
Das Bild stammt vom 14. 7. 2007, es fuhr ein serbischer Sitzwagen die gesamte Strecke bis Zürich durch. Das Motiv kann man fast wiederholen, nur der urige Namenszug am Zagreber Hauptbahnhof wurde kurz danach leider entfernt.




Die Dieselstrecke Richtung Zabok war oft mein Ziel, hier beim Durchfahren des Abzweigebahnhofs Zapresic am 27. 6. 2008 mit älterem SBB-Waggon.




Am 17. 7. 2012 erfüllte ich mir virtuell den Traum einer Doppelausfahrt - zumindest theoretisch wäre es möglich gewesen, bei Verspätung des Pu 3014 Zagreb - Varazdin, aktuell Pu 3016. B 414 führte damals zwei moderne SBB-Schnellzugwagen mit.




Et voilà: am 15. 8. 2017 morgens 700 km westlich an einem Wunschmotiv der Reise bei Sevelen zwischen Buchs und Sargans, gleich neben der Liechtensteiner Hauptstadt Vaduz mit Blick auf den mächtigen Alpstein inklusive Säntis.
Erst für den zweiten Nachtzug nach Acht schaffte es die Sonne ein paar Minuten zuvor ins Tal, EN 464 aus Graz rauschte zusammen mit EN 414 aus Belgrad hinter Re 420 11141 Richtung Zürich vorbei.




Eine Stunde früher vor Alpstein-Morgenleuchten: EN 50466 Praha hl.n. -, EN 40462 Budapest-Keleti - und EN 466 Wien Hbf - Zürich HB in einer Person. Aufgrund langer Pufferzeiten waren die Züge schweizerisch pünktlich unterwegs.




Und wenn sie schon so pünktlich sind, kann man von Sevelen mit der S-Bahn und einem strammen Marsch diesen Punkt nahe Flums mit Blick auf die Churfirsten gerade rechtzeitig für EuroCity 163 "Transalpin" Zürich - Graz erreichen. Der Panoramawagen des geschichtsträchtigen Zuges befindet sich auf dem Abschnitt am Ende der Garnitur.




Am 12. 8. 2017 hatte ich den Zug in Villach bestiegen, am 13. 8. 2017 war ich ebenso zeitgerecht in Zürich HB angekommen. Die Nacht im HZ 4er-Liegewagen (der sich darauf beschränkt, dass zwei Liegen in einem 6er-Abteil freigelassen werden) hatte ich trotz klaustrophobischer Umstände Dank der zuvor durchwachten nightjet-Session gut verbracht.




Rechts der Zugteil aus Zagreb.




Re 460 034 hatte sich bereits zum Verschub ans andere Ende des Zuges gesetzt.




Am 17. 8. 2017 kehrte ich auf die Route des "Lisinski" zurück, dessen Garnitur unter Tags in München Ost abgestellt ist. DB-Autozug gibt es hier nicht mehr, doch der Urlaubs-Express nach Hamburg Altona verkehrte an jenem Abend.




Am nächsten Morgen, 18. 8. 2017, erwartete die zur Rangierlok degradierte "Bügelfalte" 115 448 unter der Hackerbrücke fieberhaft die Ankunft des eine Stunde verspäteten "Lisinski" mitsamt Anhang.




Altbauparadies München Hbf.




Endlich trudelte 120 147 von Salzburg kommend mit den Zugteilen aus Rijeka (EuroNight 480), Zagreb (EN 498), Venedig (EN 40236) und Budapest (EN 462) - als "Kálmán Imre" firmierend - um 7:13 ein, gesehen vom derzeit im Umbau befindlichen Holzkirchner Bahnhof.




Bügelpause.




Und ein letztes Bild der mächtigen Garnitur, befördert vom Who's who des mitteleuropäischen Lokbaus:
Rijeka - Sapjane: HZ 1141
Sapjane - Ljubljana: SZ 342
Zagreb - Dobova: HZ 1142
Dobova - Ljubljana - Villach: SZ 541
Venedig - Villach: ÖBB 1216
Villach - Salzburg: ÖBB 1116 + 1144
Budapest - Salzburg: ÖBB 1116
Salzburg - München: DB 120
München: DB 115
lg,
Roni

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