Autor Thema: Orthodoxer Südosten '17 - 17: Dezent gekleidet in Metéora (50 B.)  (Gelesen 108 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Mythischer Südosten '17 - 16: Kentauren und Argonauten (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3861.0


Das Video zu dem Teil (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/ycE1bWePImU




24. 10. 2017


Nach einem netten Frühstücksbuffet im Volos Palace Hotel - wobei ich mir angesichts des Gelages am Tag zuvor versprochen hatte zu fasten - und einem Frühspaziergang am Hafen, stoppten wir "kurz" beim volösen Lidl um Wasser für die nächsten Tage zu bunkern. Es standen nur vier Leute vor uns an der Kasse, dennoch warteten wir fast eine Viertelstunde. Jeder brauchte irgendetwas besonderes, dann brach zwischen wartenden Kunden und Mitarbeitern eine minutenlange Diskussion aus, ob man eine zweite Kasse öffnen sollte. Und der Herr vor uns begann erst seinen vollen Wagen auf das Kassenband zu laden, als die Kundin vor ihm schon fertig war. Alles sehr effizient... ;-)

Die schnellste Route für den Tag führte wieder an Larissa vorbei - wobei 19 Kilometer der mautpflichtigen Autobahn gesperrt waren, und man über die parallele Landstraße geleitet wurde. Die Ethniki Odos (Nationalstraße) 6 ist bis Trikala zu großem Teil eine ausgebaute Schnellstraße am nördlichen Rand der thessalischen Ebene, danach ging es auf der ebenfalls meist mehrspurigen Sektion bis Kalambaka (manchmal auch "Kalampaka" oder "Kalabaka", im Griechischen gibt es kein "B" - die Betas werden alle als "V" wie in "Volos" transkribiert - deshalb schreibt man "My-Pi" - siehe auch die Bahnstation "Bralos" - griechisch "Mprálos" geschrieben).

Bei unserer Pension für die Nacht bogen wir gegen Mittag ohne Zwischenstopp ab und fuhren bergwärts - zum ersten Fotohalt:









Die eindrucksvollen Felsen von Metéora befinden sich genau am Übergang von der thessalischen Ebene zu den Antichasia-Bergen im Pindosgebirge. Durch das Tal verläuft das breite Flussbett des Pinios, dessen Sedimente hauptverantwortlich für die Bildung der Ebene waren.

Nun - nur dreieinhalb Wochen nach diesen Aufnahmen - haben Regenfälle eines Hurrikan-artigen Tiefs über dem östlichen Mittelmeer in Griechenland zu Verwüstungen geführt (besonders bei Megara, wo ich ebenfalls gewesen war), unter anderem wurden Dörfer am Pinios nahe Trikala überflutet - kaum zu glauben, angesichts dieser Trockenheit nach langem, heißem Sommer... http://www.tagesschau.de/ausland/griechenland-1477.html










Wir fuhren weiter hinauf, dieses Panorama zeigt links das Kloster Agía Triáda (Heilige Dreifaltigkeit), eines von sechs bewohnten der einst 24 Felsenklöster:
https://de.wikipedia.org/wiki/Meteora

Die Klöster sind manchmal zu Mittag, sowie einen Tag pro Woche für Touristen geschlossen - hier gibt es dazu aktuelle Informationen:
https://www.visitmeteora.travel/en/monasteries-visiting-hours





Ein paar der Klöster verfügen über Lastseilbahnen.




Ach ja - dezente Kleidung ist Pflicht, Damen in Hosen werden mit Röcken zum Umbinden ausgestattet - das Teddy-Kleid hat aber offensichtlich gereicht... ;-)




Und noch etwas gibt es hier - eine Bahnstrecke. Kalambaka ist das nordwestliche Ende der einst meterspurigen thessalischen Eisenbahn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thessalische_Eisenbahnen

Erst 2001 wurde die Umspurung der Strecke Paläofarsalos - Kalambaka komplettiert, so dass Züge aus Athen direkt hierher fahren können. Da nähert er sich auch schon in der Ferne: Schnellzug 884 Athen 8:20 - Paläofarsalos 12:20 - Kalambaka 13:18, eine Viertelstunde verspätet. In jedem der folgenden 11 Bilder ist er zu entdecken.




Auf dieser Straße kamen wir von Trikala im Hintergrund her. Nahe des Bahnübergangs kann man auch für Züge ab Kalambaka Streckenaufnahmen mit Bergen im Hintergrund machen - bei diesem Besuch wählte ich aber etwas anderes.




Offensichtlich ist Feldabfackeln noch ein populärer Sport in Thessalien.




Die Umgebung des Nonnenklosters Agios Stéphanos bietet die besten Ausblicke für Bahnbilder - man machte nur ab 13:30 Mittagspause, also blieb ich außerhalb.




Nicht nur Metéora ist spektakulär: im Felsen links befindet sich die Theopetra-Höhle, wo menschliche Aktivität bis vor 50000 Jahren nachgewiesen worden war.




Der Zug näherte sich Kalambaka.




Agios Stéphanos und der Fluss Pinios dahinter.




Das Haus direkt unterhalb des Bahnübergangs mit glänzendem Dach und Holzbalkonen war unsere Luxuspension. Den Schranken werden wir später noch besuchen.









Da kann man entspannt zuschauen, wie der Schnellzug aus Athen die Touristen am Parkplatz des kalambakischen Lidls vorbeiführt.




Und ein letzter Blick - gleich ist der Bahnhof erreicht.




Widmen wir uns dem um 1400 gegründeten Kloster Agios Stéphanos, die Felsen waren aber wohl schon Jahrhunderte davor besiedelt.




Die Idylle trügt - Busladungen an Touristen aus aller Welt strömen vorbei, wobei das nicht die Hauptsaison war.









Draußen am Parkplatz geht's rund.




Wir hatten Glück mit dem eigentlich schlecht angesagten Wetter - es ergaben sich geniale Lichtstimmungen auf den Felsen.
Im Blick: Links unten Agios Nikólaos Anapavsás, vorne im Schatten Rousánou, Varlaám - das wir noch besuchen werden - oben und rechts daneben das Große Metéorakloster - welches am Dienstag leider geschlossen war.



















Metéora kommt von "in die Höhe heben" und hat den gleichen Wortursprung wie das Wort Meteor. Wie man sieht, ist man hier dem Himmel etwas näher - und war jahrhundertelang den Frauen fern. Ein Teil der Klöster ist heutzutage nur noch bewohnt, weil sie im 20. Jhdt. von Nonnen wiederbelebt wurden.




Blick Richtung Rousánou-Kloster.









Die Umgebung wird aktiv als Kuhweide genutzt, eine stand auf der Straße als wir vorbei wollten. Es wird alles eher gelassen genommen.




Zum Kloster Varlaám überquert man diese Brücke.














Im Hintergrund wird gebaut.




Vieles an den Klöstern ist neu oder erneuert, doch hier steht eine Kirche mit alten Fresken - drinnen ist fotografieren stets verboten.




Zudem bieten Klostermuseen einen Einblick in alte Artifakte von Ikonen (der links ist doch echt süß) bis Handschriften - auch osmanische fanden sich.









Und eine Bahn!




Der alte Windenturm, wo schwere Lasten heraufgehievt werden. In einem Raum daneben befand sich ein riesiges 12000-Liter-Holzfass.









Der Turm von außen.




Beim Großen Metéorakloster schauten wir zumindest vorbei, auch hier existiert eine Lastseilbahn neben dem alten Windenturm.














Auf der anderen Seite des Berges kurvt man in das Dorf Kastraki hinab - gleich am Eingang befand sich eine empfohlene Taverne, diese hatte geschlossen. Doch in der nächsten an der Straße nahm man sich unserer an. Schon war es kühl zum draußen Sitzen - unsere Unentschlossenheit brachte uns einen kleinen Nachteil beim Servieren der Speisen, aber letztendlich genossen wir wie immer ein sehr gutes Mahl.




Wir fuhren durch Kalambaka zur Pension, nun war es schon Zeit für den Zug (zu der Jahreszeit verkehrt hier nicht mehr bei Tageslicht). Schnell das Zimmer mit eingebautem Kamin bezogen, dann ging ich hinunter zur Strecke durch den Ort. Auf Google Street View hatte es etwas freier ausgesehen: auf einer Seite des Gleises befand sich ein hoher Zaun, auf der anderen Büsche. Also zog ich vor zum Bahnübergang zu gehen, der sich als echt amerikanisch herausstellte. Produziert von Safetran Systems Corp., Louisville, Kentucky, die viele US-Strecken ausgestattet haben und 2013 von Siemens übernommen wurden.

Übrigens gibt es bei Louisville lustigerweise auch eine Verbindung zu einer meiner Lieblingsbands (die alles von Swing bis Heavy Metal spielt und mit Weltklasseleuten besetzt ist - kauft es, wenn es euch gefällt :0)): https://youtu.be/n6tvASVy5pk?t=20m22s





Die für Amerika passenden Scheinwerfer aktiviert, unter passenden Felsen - und die Sonne kam auch noch zart heraus.




Schnellzug 885 nach Athen fuhr pünktlich um 17:32 an Maxi- und Miniklosterversionen vorbei ab.






25. 10. 2017


Am nächsten Morgen wurde Frühstück erst ab 8 serviert, was mit der Zugabfahrt um 8:19 etwas knapp war, aber es ging sich aus. Ich wählte die Stacheldrahtseite, wo ich die Kamera mit aktiviertem Bildschirm über Kopf halten musste.




Fünf Minuten verspätet hörte man es pfeifen, und Zug 590 nach Thessaloniki (Baureihe 621 gebaut von MAN / Hellenic Shipyards 2005) düste alsbald vorbei. Statt der rechten Lampe - aus deren Sockel glaube ich ein Fetzen herausschaute - nahm man eben den Zugschluss.



Ab jetzt beginnt der Bahn-Fotourlaub! :-)
« Letzte Änderung: 19. November 2017, 22:39:37 von Roni »
lg,
Roni

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