Autor Thema: Tierischer Südosten '17 - 18: Fütterung am Gorgopotamos (50 B.)  (Gelesen 100 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Orthodoxer Südosten '17 - 17: Dezent gekleidet in Metéora (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3862.0


Das Video zu dem Teil (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/ycE1bWePImU




25. 10. 2017


Nach Frühstück und Frühzug in Kalambaka fuhren wir an Trikala und Karditsa vorbei Richtung Südosten. Meine Reisebegleitung würde ein paar Tage in Thessaloniki verbringen und dann von Athen wieder nach Hause fliegen, als optimale Intercity-Station hatte ich Domokos ausgemacht. Am Tag mit der schlechtesten Wettervorhersage fuhr ich oft durch starken Regen. Die Nationalstraße 30 ist teilweise als Schnellstraße ausgebaut - dort lief eine trächtige Hündin genau vor uns über die Fahrbahn, was einen erfolgreichen ABS-Test nach sich zog. Zum Glück herrschte auch wenig Verkehr auf dem Abschnitt. In Neo Monastiri bog man auf die 3er Larissa - Lamia Richtung Süden ab, nach ein paar Kilometern ging es eine Nebenstraße hinein.
Letztendlich wird einem der Weg zur Station im Umbau gewiesen:




Inklusive Empfangskomitee.














Anschließend ging die Eisenbahn-Fototour los - es war schon etwas knapp für IC 50 Richtung Thessaloniki. Ich fuhr bis Ekkara und wollte neue und alte Brücke zunächst von unten aufnehmen, einen Platz dafür hatte ich per Google Maps auf der Bergstraße ausgemacht. Doch diese war definitiv gesperrt - ein Erdwall war quer über die Abzweigung aufgehäuft worden! Also suchte ich einen freien Platz im Ort und wurde am Fußballplatz fündig. Einen Blick auf die Online-Abfrage beruhigte: aus davor nur geringer Verspätung war plötzlich eine halbe Stunde geworden. So konnte ich teils im Regen, aber auch bei immer wieder durchkommender Sonne, gemütlich den Zug erwarten.




Danach wurde an die behelfsmäßige Station Domokos gefunkt, dass nicht mehr lange zu warten war.
Etwas fiel mir bei der Vorbeifahrt dort auf: die extrem harten Weichenübergänge bei der Zusammenführung der beiden Strecken - man glaubte fast, der Zug würde entgleisen.




Das "dritte Händchen" nahm in Folge die Brücken in Ekkara noch einmal bei der Fahrt nach Athen im IC 55 am 29. 10. 2017 auf.




Ich schaute mich nicht besonders engagiert nach einer Umleitung um, doch aufgrund des Wetters entschloss ich mich gleich nach Lamia in den Süden zu wechseln um den 13:00-IC ab Lianokladi in Gorgopotamos zu erwischen.
Dass man irgendwie durchkommt hat DSO-User IC 2239 hier bewiesen: https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,8350319




Noch eine Sichtung Altbau- auf Neubaustrecke zwischen Ekkara und Aggeie.




Am 25. 10. 2017 musste ich wohl oder übel die Serpentinen der Nationalstraße 3 nach Domokos (der Ort liegt am Berg, nicht beim Bahnhof) hinter LKWs hinaufkriechen. Als man oben endlich vorbeikam, wurde der Wagen im ersten Regen seit Wochen in der Gischt mit einer Dreckschicht überzogen. Durch die Stadt Lamia fuhr ich direkt zum Aussichtspunkt an der Gorgopotamosbrücke.
Mein Vehikel vor dem Golf von Malia mit dem Nordende der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, rechts im Hintergrund die kürzlich wieder durch die Popkultur populär gewordenen Thermopylen. Einst ging das Meer bis an die Berge, dadurch war dies ein wichtiger strategischer Punkt, doch nun ist die Bucht kilometerweit versandet.




IC 55 Thessaloniki - Athen mit Planabfahrt in Lianokladi (Hauptstreckenbahnhof für Lamia) um 13:06 kam etwa 45 Minuten verspätet um die Ecke gebogen. Im Hintergrund: Lamia.









Hauptattraktion - auch für reguläre Touristen - die Gorgopotamos-Brücke, von der ein Teil am 25. November 1942 durch eine britische SOE-Einheit mit Unterstützung griechischer Partisanen gesprengt worden war. Heutzutage wird sie kurz vor Außerdienststellung nur noch im Schneckentempo überquert.




Panorama von Lamia bis zu den Thermopylen (der Name leitet sich von zwei heißen Quellen ab).




Nun hatte ich viiiiieeel Zeit - hier der regulierte Gorgopótamos ("gorgos" - "schnell", "potamos" - "Fluss").
Oben war mir ein hungerndes, einsames Hündchen begegnet, bei dem man schon die Rippen durchsah. Also unternahm ich einen Abstecher zum lokalen Minimarkt, wo ich zwar kein Hundefutter fand, aber doch drei Fleischkonserven kaufte. Das Hundi war bei meiner Rückkehr nicht mehr zu sehen, also leerte ich den Inhalt der Dosen gut erreichbar auf einen Betonsockel. Er hätte wohl lieber gleich mitwollen, wie die Spurensicherung bewies... :0)




Ich döste ein bisschen im Auto, es kam nur selten jemand vorbei... ein Kuhhirte, aber auch ein Bergläufer.
Die interessante Pfeilerkonstruktion von unten - ein Nazi-Graffiti musste entfernt werden.




Denkmäler sind auf dem ganzen Areal zu finden, manches Geplante wurde nicht ganz vollendet.
Mehr Information zum Ort: http://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/gorgopotamos.html





IC 56 Athen - Thessaloniki, planmäßig in Lianokladi um 16:41, tauchte fast pünktlich auf.




Das Areal inkludiert neben einer Kapelle sogar einen künstlichen Wasserfall.




Und Bunker.



Ich hatte meine Unterkunft im Kurort Loutrá Ipatis reserviert - das 650-Einwohner-Dorf weist eine unglaubliche Dichte an Hotels auf, während es anderswo praktisch nichts gibt. Eine nette Dame empfing mich als wohl einzigen Gast für zwei Tage im Hotel Esperia, um heiße 20 Euro pro Nacht. Bei Fragen konnte ich mit ihrem Sohn telefonieren, der wohl in der Stadt arbeitet, während die Eltern das Hotel hüten.



26. 10. 2017

In der ersten Nacht schaffte ich es nicht, die Klimaanlage für etwas Wärme (erstmals gab es Temperaturen unter 10 Grad) zu aktivieren - bis mir am nächsten Morgen gezeigt wurde, dass sich hinter einem Vorhang noch eine zweite Balkontür versteckte, die einen Spalt breit geöffnet war. Aber gut, es ließ sich aushalten und für den Abend wusste ich es nun. Dafür wurde ich um 7:30 noch bei Dunkelheit von der Hotelmama nicht ohne Kaffee und Kuchen weggelassen.
Klischeehaft heißt es: Kaliméra Elláda!




Ich nahm den Weg durch Lamia und auf der mautpflichtigen Autobahn (60 Cent am Automaten) Richtung Süden, dann weiter die 3er den Berg hinauf. Nach 8:30 hatte ich mein Ziel, den Ort Skamnos, erreicht. Am Ende der asphaltierten Straße stellte ich den Wagen ab und ging zu Fuß weiter. Wer einen Datsun will, wird hier fündig...




... doch muss man zuerst an dieser Familie vorbei.




Um 8:57 tauchte tatsächlich der 8:00-Intercity auf der Asopos-Brücke auf - hätte nicht gedacht, dass ich den zu Gesicht bekommen würde. Später würde er sich noch als praktisch erweisen.




Herbst in Griechenland.









An der Eustachius-Kirche vorbei suchte ich mir einen Aussichtspunkt auf die größte Brücke der Bergsektion...




... die 277 Meter lange Papadia-Brücke nördlich von Bralos. Wieder musste man warten, zunächst rauschte Schnellzug 884 nach Kalambaka von hinten vorbei, erst um 10:53 tauchte IC 53 auf - allerdings spektakulär doppelt bespannt und bergauf dieselnd. Hier muss die Geschwindigkeit nicht nennenswert reduziert werden.




Einmal erwischte ich das Viadukt im Spotlight.









Im Hintergrund der Nationalpark des Iti-Gebirges.




Am Rückweg zeigte sich ein... Regenbogen?









Es sind noch mehr!




Herzlichen Dank an den 8:00-Zug! Mit Regenbogen.




Abendliche Überquerung der Asopos-Brücke bei unserer Herfahrt am 22. 10. 2017.




An diesem idyllischen Ort hatte ich am 26. 10. 2017 das Auto geparkt.




Von der Nationalstraße 3 sieht man die höchste Bahnbrücke Griechenlands noch besser. Das Bauwerk 101 Meter über der Schlucht war im 2. Weltkrieg ebenfalls zerstört worden:
http://www.highestbridges.com/wiki/index.php?title=Asopos_1943_Viaduct

Danke noch einmal an den 8:00-IC... neben mir war dort gerade jemand unter der Motorhaube seines Wagens am werkeln, leider konnte ich nicht helfen.




Doch immerhin wurde wieder einem Hund das Leben gerettet, der wieder genau vor mir die Bergstraße kreuzte. Unten angekommen nahm ich die Straße Thermopylen - Gorgopotamos, um die Stellen für den nächsten Tag in der Früh zu scouten. Die Bahnstrecke ist rechts zu finden...




Noch einmal wurde die Gorgopotamos-Brücke angesteuert. Ich sah, dass die Portionen von gestern auf den letzten Rest abgeschleckt worden waren, und das Hündchen war wieder da. Also musste später noch ein Trip zum Minimarkt her, für vier Fleischkonserven. Diesmal saß eine ältere Dame an der Kasse, die alles auf Papier händisch zusammenrechnete.

Oben ist dieser Paradeplatz zu finden, wo des griechischen Widerstands gedacht wird.




Zunächst kam IC 52 recht pünktlich der Weges, aus dem letzten Wagen wurde ich von DSO-User IC 2239 fotografiert. :-)




Ich wollte die besondere Pfeiler-Konstruktion ordentlich ins Bild bekommen - IC 55 war diesmal nur zehn Minuten zu spät.









Danach schaute ich in die Ebene bei Ligaria und Stirfaka zur nördlichen Strecke Lianokladi - Domokos. Hier, wie auch in Thessalien, wird Baumwolle angebaut. Durch den Regen war die fruchtbare Erde dermaßen klebrig, dass sie nach Abstellen des Wagens nur ein paar Meter auf dem Feldweg bis zum Schluss der Fahrt auf den Reifen blieb.




Hinter Strifaka bog ich ins Tal zum Othris-Tunnel der Neubaustrecke ein. Zunächst bestieg ich einen harmlos aussehenden Hügel, doch Dank stechender Vegetation erwies sich der als ziemlich Plagerei - und man sah die Strecke(n) nicht gut. Zumindest konnte ich diese Stimmung einfangen. Unten jagten zwei lokale Naturburschen etwas mit Gewehr, später begegnete ich den beiden. Keine Ahnung, ob das legal war... aber ich lebe noch. ;-)




Als nächstes stieg ich dort hinauf, wo man es eigentlich gleich hätte tun sollen, nämlich bei der Altbaubrücke unterhalb der Station Karya. Allerdings wanderte ich nicht zur Brücke selbst, denn die ist auch bei gutem Wetter zu der Jahreszeit mit IC 56 schon im Schatten. Stattdessen erreichte man auf einem schön buschfreien Hügel einen Aussichtspunkt Richtung Neubaubrücken und Altbaustrecke dahinter am Gegenhang. Ich setzte mich hin und genoss eine Jause. Das Wetter wurde immer besser, und tatsächlich kam der Zug annähernd pünktlich kurz nach fünf im besten Spotlight.




Blick aus dem Tal: die Altbaustrecke führt hinter dem Betrachter in einer Schleife wieder rechts am Hang hinauf, zum Othris-Tunnel geht es links nach hinten weiter. Allerdings versteckt sich der Altbau heutzutage oft hinter Büschen, während der Neubau wie auf einem Präsentierteller gebaut wurde.




Die gleiche Szenerie aus dem Zug fotografiert.




Das Viadukt sah man vom Hügel nicht, also lief ich hinunter - und konnte gerade noch zwei Mal mit der kleinen Kamera abdrücken. Zu Anschauungszwecken wurde der IC hier virtuell verlängert.




Neue Viadukte im Abendlicht über einem Baumwollfeld - das Finale Grande folgt nächstes Mal wolkenlos! :-)
lg,
Roni

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