Autor Thema: Per Doppelstock zur Doppellok - 1 (50 B.)  (Gelesen 363 mal)

Roni

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Per Doppelstock zur Doppellok - 1 (50 B.)
« am: 04. November 2018, 13:01:52 »
Hallo!




Wir unterbrechen nun unsere Heckenschnellzug-Sommerserie in Brașov und wenden uns der heurigen Winterserie zu:


11. 10. 2018

Anlässlich eines schönen Herbstnachmittags unternahm ich einen Ausflug an die Ostbahn bei Trautmannsdorf an der Leitha, neben D 145 "Lehár" Wien - Budapest dieselte zu meiner Freude auch dieses RTS-2143er-Doppel vorbei. Die nächsten Bilder sind 4K-Video-Screenshots.




Anhaltender Südwind brachte sommerliche Temperaturen und Starts in Schwechat von Bahn 16. Unter anderem erhob sich ein Emirates A380 als Flug EK 128 nach Dubai in die Lüfte.
Die Szene auf Video, siehe hier: https://youtu.be/vBqI3qUHE2g?t=154





Der große Vogel traf sich mit Mähdrescher und Getreidezug.





20. 10. 2018

Eine Woche später, Samstag Nachmittag, saß ich selbst im großen Vogel. Mit meiner Buchungsklasse hatte ich nur einen mittleren Sitz bekommen, doch in der Reihe saß ein Ehepaar, daher durfte ich zumindest am Gang Platz nehmen. An Brașov (alternative Schreibweise siehe Karte) vorbei flogen wir rasch in die einsetzende Dunkelheit hinein.






Nach etwas mehr als fünf Stunden Flug inklusive Abendessen und Sandwich vor der Landung wurde Dubai International pünktlich gegen 23h erreicht. Wir parkten irgendwo am Feld und mussten zunächst eine Viertelstunde per Bus zum Transferpunkt gekarrt werden. Wer das kühle, moderne Innere des Terminals 3 kennt - dort geht es schon etwas hektischer zu. Mein Anschluss flog in vier Stunden von Terminal 2, dahin musste man wieder einen Bus besteigen, der in zwanzig Minuten großteils den soeben zurückgelegten Weg wieder zurückfuhr. Nun konnte ich mich noch zwei Stunden hinsetzen - Terminal 2 bedient schon eine etwas andere Klientel, hier fliegt flydubai nach Osteuropa und Afrika und Air India Express zahlreiche indische Städte um diese Zeit an.


21. 10. 2018

Das Gate öffnete vor drei (nach innerer Uhr noch vor Mitternacht), ein Bus brachte uns wieder das kurze Stücke zur flydubai 737-800 für Flug FZ 657 / Emirates Codeshare EK 2180. Die Belegung war spärlich, allerdings hatte jeder mindestens ein riesiges Dubai Duty-free Sackerl voller Zigaretten dabei. Die Bildschirme der Billigfluglinie schalteten sich kurz mit Werbung ein, doch dann wurde alles ausgeschaltet, und fast jeder legte sich schlafen. Die Sitzabstände waren sogar so, dass ich mich komplett ausstrecken konnte, länger als im A380. Die etwas leger gekleideten Flugbegleiter gingen durch und suchten Emirates-Passagiere auf einer Liste - diese bekamen kostenlos eine Art britisches Frühstück, jedoch fleischlos.

Den "Qibla Compass" des A380 brauchte man auf dem Flug nicht, denn wir flogen von Dubai direkt nach Osten an Riad vorbei und fast über Mekka, bis die Küste des Roten Meeres erreicht wurde und wir bei Dschidda nach Süden drehten.




Bald darauf wurde der Sinkflug gestartet. Links der Sonnenaufgang über dem Roten Meer an der eritreischen Küste nahe Massaua, rechts das Bergland von Eritrea. Eigentlich sollte im eritreischen Hochland seit einem Monat Trockenzeit herrschen, doch das Wetter spielte die Wochen von Zentralafrika bis zum persischen Golf verrückt. Vielerorts waren Gewitter am Wetterradar zu sehen, selbst über der arabischen Wüste.






Wir sind angekommen in der Hauptstadt Eritreas, Asmara, auf 2325 m Seehöhe die höchste Hauptstadt Afrikas - hier allgemeine Informationen zum Land, die ich in den folgenden Berichten natürlich noch ergänzen werde:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eritrea


Ich hatte mich entschlossen, nach China 2008 und Bosnien 2010 wieder einmal mit Bernd ( http://www.farrail.de ) eine Reise zu unternehmen. Eritrea hatte ich schon länger im Visier, doch waren die letzten Jahre keine Fotofahrten möglich, da der Staatsbahn schlicht und einfach die Kohle fehlte. Eine Lieferung ist aus Südafrika eingetroffen, und wir waren die erste Eisenbahnfotografen-Gruppe, die wieder eine Tour wagte.

Mit ein paar Touristen aus Europa wurden die Visas gecheckt, meines hatte Bernd im September in Berlin beschafft. Nur einer der doch großen Fotografengruppe war mit diesem Flug eingetroffen, die meisten kamen schon früher in der Nacht per Egyptair oder Turkish Airlines.

Auf uns zwei wartete in der auf dieser Höhe frischen Morgenluft ein Auto vor dem Flughafen, das uns in die Stadt brachte. Auf den Straßen finden sich neue Autos, Gebrauchtwagen aus Europa, sowie italienische Schmuckstücke wie dieser Officine Meccaniche (OM) Tigrotto (Baujahre 1957-72). Die Bindung zur ehemaligen Kolonialmacht (Ende 19. Jhdt. bis 1941) ist nach wie vor vorhanden. Ebenso wurde Asmara 2017 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt - in mancher Beschreibung wird es als "Frozen City" bezeichnet - wegen der vielen unveränderten Art déco-Gebäude aus der Kolonialzeit. Ich werde in den kommenden Reportagen immer wieder Bilder aus der Stadt zeigen.




Aufgrund einer chaotischen Zimmervergabe bei Nacht wurden wir nicht in das gebuchte Hotel, sondern zum nominell edleren Albergo Italia chauffiert. Dort begrüßte uns einer der sehr freundlichen einheimischen Leiter der Reise, Thomas, und versorgte uns mit Espresso und Wasser. Anschließend bekamen wir für den Vormittag Zimmer zum Ausruhen. Allerdings durfte man bei der Hygiene nicht so genau hinschauen, offensichtlich ist es mit der Edelherberge in letzter Zeit eher bergab gegangen. Vor Mittag fuhren wir zum Savanna International Hotel, wo die meisten untergekommen waren. Es erwies sich als hygienisch etwas besser, aber auch nicht berauschend in den Zimmern. Und das für doch über 60 Euro pro Nacht. Manche übernachteten in den Hotels Crystal und Sunshine, diese dürften eher zu empfehlen sein.




Zu Mittag versammelten wir uns zu einem ersten Essen im "Ghibabo" Gartenrestaurant und Pizzeria gleich gegenüber des Regierungspalastes des seit 1993 regierenden Präsidenten Isayas Afewerki, wo striktes Fotoverbot herrscht.
Es wurde Suppe serviert, danach Lasagne, andere Male bekamen wir Pizza und Spaghetti - das italienische Erbe lebt. Ein Dame bereitete die ganze Zeit eritreischen Kaffee zu, welcher zusammen mit Ingwer geröstet wird.




Die Getränke mussten wir zahlen, also wurden die ersten Scheine der Nationalwährung Nakfa gezückt. Dieser ist im Verhältnis 1:15 an den Dollar gebunden, allerdings nicht frei konvertibel. Der 10-Nakfa-Schein bietet dieses Eisenbahn-Motiv: die Südansicht der Obel-Brücke mit einem der zwei Mitte der Neunziger Jahre mittels der Drehgestelle von Littorina Nr. 6 konvertierten Ural-Lastwagen. Das Bild ist jedoch reine Fiktion des Malers, nie im Leben könnte der Schienen-LKW die Traktionsleistung für einen derartig langen Zug aufbringen. Für Gleisarbeiten werden die Fahrzeuge jedoch genutzt.
Dieser Schein von 1997 ist nicht mehr gültig, die aktuellen unterscheiden sich nur minimal - das weiße Siegel um das Kamel fehlt.




In drei eher kleinen Bussen wurde unsere Gruppe die Woche herumgekarrt - um 13:30 hatten wir den Bahnhof von Asmara mit Depot und Werkstätten erreicht. Tatsächlich stand da gleich einer der Ural-LKWs.
Trotz schlechterer Wettervorhersage war es warm und sonnig, doch das kann sich auf der anderen Seite des Hügels - wo das Hochland über die Escarpment genannten Berge 2000 Meter zum Meer abfällt - schlagartig ändern.





Mehr über die Eisenbahn und die spektakuläre Bahnstrecke findet sich hier, auch da werde ich natürlich in den folgenden Teilen zusätzliche Infos geben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Massaua%E2%80%93Biscia


Am Hausbahnsteig erwartete uns die kleinere Mallet (das müsst ihr mir jetzt glauben) 440.008 (Ansaldo Nr. 1162 / gebaut 1915) mit einem Zug aus zwei gedeckten und zwei offenen Güterwagen. Die Personenwaggons können nur von den größeren Mallets mit über die Steigung gezogen werden. Diesmal nahmen die meisten im offenen Wagen Platz, wo Bänke bereit standen.




Es ging gleich los, ins eritreische Abenteuer! Soeben aus dem Stationsgelände heraus, muss die Lok kräftig mit der Steigung kämpfen, denn der Scheitelpunkt befindet sich 2,6 km von Asmara Richtung Massaua entfernt. Der Rest der Strecke nach Keren, Agordat und Biscia ist nicht mehr befahrbar, die Stadt Asmara wurde teils über die Gleise gebaut.




Natürlich waren wir eine Attraktion für Passanten. Wir erfuhren, dass am selben Vormittag schon eine sudanesische Touristengruppe mit einem Personenwagen hier gefahren war - die Strecke wird nun also doch auch abseits der Fotofahrten genützt.




Einer der wenigen Teiche außerhalb Asamaras als Naherholungsgebiet, einige Fußballer hatten sich versammelt - ein Fußballplatz liegt zwischen Depot und Bahnwerkstätten. Permanente Gewässer sieht man kaum in der Gegend, umso größer sind die Schäden nach der Regenzeit und durch Unwetter. Seit Anfang der Trockenperiode war an der Strecke gearbeitet worden, damit wir bis Ghinda fahren könnten. Die aktuellen Gewitter dürften uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht haben...




Doch das machte gerade nichts, denn nur fünf Minuten später waren wir über dem Scheitelpunkt und hatten diese ersten Ausblicke in die grandiose Bergwelt.














Bald darauf passierten wir den ersten Tunnel hinter Asmara, Nr. 29. Die Hauptstadt ist nicht groß, man befindet sich gleich außerhalb unter der Landbevölkerung. Beim Bau dieser Hütte waren offensichtlich zwei Metallschwellen als Torpfosten verwendet worden.




Eine Hochzeitsgesellschaft.









Es eröffnet sich der Blick ins Durfo-Tal.




Wir überquerten das größte Viadukt der Sektion, das 4-Bogen-Viadukt.









Blick aus der obersten in die unterste von drei Streckenebenen auf der Bergseite im Vordergrund und den weiteren Verlauf der Bahn Richtung Arbaroba im Hintergrund.




Anschließend wechselt die Strecke kurz auf die andere Bergseite am Devil's Gate vorbei um durch Tunnel Nr. 28 den Bahnhof Shegerini zu erreichen, auch schlicht bekannt als km 110.4 oder P.M. (Posto di Movimento) Durfo. Gleich darüber befindet sich diese Kirche.




Es wird umgesetzt.




Vielerorts am Land wurden wir von einer großen Kinderschar empfangen, die Perspektiven in den Bildern täuschen etwas - es war alles andere als einsam. Die Standardphrasen überall: "You!" - "You!". Gefolgt von: "Gimme pen!", "gimme pencil", "gimme money", "gimme biscuit", "gimme caramel". Wir waren zwar gut mit Buntstiften und anderem ausgestattet, doch oft überstieg die Anzahl der Kinder unsere Vorräte.




Die Erwachsenen hatten Wichtigeres zu tun.














Das würde unsere einzige Fahrt im offenen Wagen bleiben, denn Planen wurden für die Fotofahrten in gemeinschaftlicher Arbeit montiert. Ab nun mussten wir mit dem geschlossenen Güterwagen vorlieb nehmen.




Das Stationsgebäude.




Gerade erst gelandet, noch ziemlich müde, aber sofort in so einer herrlichen Landschaft angekommen. Und gleich um die Ecke wartete eines der Topmotive der Strecke: Devil's Gate - mit Blick ins Tal hunderte Meter hinab!









Nun könnt ihr mir glauben: es ist eine Mallet. Beim Zurückrollen sah man zumindest etwas, sonst verdeckte der Dampf der an einigen Stellen lecken 440.008 vieles. Noch wussten wir nicht, dass das die Maschine im besten Zustand sein würde...
Die ersten Mallets waren 1907 von Maffei nach Eritrea geliefert worden. Ansaldo kopierte das Design und baute einige Lokomotiven nach, so wie diese hier 1915. Zunächst wurde sie in Italien zum Bau der Strecke Florenz - Bologna eingesetzt und gelangte anschließend mit einigen anderen 1936-37 nach Eritrea. Von der eritreischen Bahn wurde die Baureihenbezeichnung 440 erst 1939 eingeführt, diese schloss die Originalmaschinen von 1907 mit ein.









Die zweite Anfahrt - schon teilweise in Sonne!



















Über die Strecke führt hier die Hauptstraße P-1 Asmara - Ghinda - Massaua. Offensichtlich hatte das Geländer schon einige Aufprälle erlebt.









Und beim vierten Versuch mit voller Sonne - gleich am ersten Tag, damit hätte man bei den Wetteraussichten nicht gerechnet.









Zur nächsten Stelle nahmen wir die Busse, der Zug folgte in der Ferne mit der Kirche im Hintergrund - rechts im Bild die zweite Ebene der Bahnstrecke bei Shegerini. Der grün-türkise LKW auf der Straße ist der Wasserwagen der Bahn, von der Straßenbrücke aus wird Wasser per Schlauch in die Lok geleitet. Ansonsten befindet sich die nächste Möglichkeit erst in Arbaroba - und die 440 kann nicht sonderlich viel Wasser halten.




Auch mit dem 4-Bogen-Viadukt klappte es gleich in perfekter Sonne!
Die Strecke geht links hinter den Berg am Devil's Gate vorbei, dann taucht sie beim Bahnhof Shegerini links oben wieder auf, führt durch zwei Schleifen und den ganzen Hintergrund rechts Richtung Arbaroba.

Einen Plan dieses Streckenteils findet man hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Massaua%E2%80%93Biscia#/media/File:Eritrean_Railway_Map_of_March,_1998.svg










Der zweite Anlauf ist für mich einfach Perfektion...








Nächstes Mal geht es weiter bis zum Sonnenuntergang - und -aufgang! :-)
lg,
Roni

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