Autor Thema: Mit dem Schnellzug durch die Berge - 29: Mala Rijeka (50 B.)  (Gelesen 108 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Mit dem Schnellzug durch die Berge - 28: Tara (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=4034.0


Das Video zu dem Teil:
https://youtu.be/pC9y8n2RnRs


Fahrplanaushang Podgorica = Gesamtfahrplan Montenegro 2009:
http://raildata.info/heck/zpcgrv2009.jpg



5. 7. 2009


Wir befinden uns am Berg über der Hangbrücke von Bioče. Putnički 6101 Bijelo Polje - Bar näherte sich ziemlich pünktlich um 9 Uhr aus Bratonožići.




Doch in Bioče hatte er mehr als fünf Minuten unplanmäßigen Aufenthalt, denn... aus Podgorica erschien noch eine 461.




Mit zehn Minuten Verspätung ging es talwärts.









Wir verließen den unguten Hang und küssten zunächst den festen Boden unter den Füßen am Feldweg entlang der Bahn von der Station hinab ins Tal. Das Viadukt bietet schön viele Motive, natürlich ist ein Superweitwinkel von Vorteil. Um 10:06 zeigte sich B 437 "Panonija" Subotica - Bar mit 2 1/2 Stunden Verspätung.




Die Garnitur hatte eindeutigen französischen Einfluss, das wird notiert für den nächsten Morgen.




Tierische Karstbewohner.




Man schnallte zwischen Tele und Superweitwinkel um. Auf der anderen Talseite rollte B 1141 "Nišava" Niš - Bar erneut inklusive nordmazedonischem Schlafwagen bergab. Um 10:45 "nur" 1 1/4 Stunden verspätet.




Bei der Ausfahrt Bioče und als virtuelles Sandwich noch einmal hinten am Berg.




Rechts unten die Mala Rijeka, im Hintergrund der Zusammenfluss mit der Morača.




Ein Streckenläufer musste kurz ausweichen, dann marschierte er weiter... nur mit Plastiksackerl bewaffnet, ohne Hut, in einer Affenhitze. Wir zogen uns mangels Schatten unter den Regenschirm zurück.




Erbaulich ist die Warterei dort nicht, ich erkundete kurz unterhalb des Viadukts - genau um 13 Uhr erschien der eine Güterzug des Tages Richtung Podgorica.




Darauf hatten wir stundenlang gewartet: der erste Tagzug nach Belgrad kam erst um 13:49, B 432 "Tara" auf einer Stunde Fahrzeit aus Bar 2 1/2 Stunden verspätet mit...




... Doppeltraktion hoch über der Mala Rijeka!




Sieben Minuten später, nach Überquerung der Mala Rijeka Brücke, welche...





30. 8. 2005


... wir uns jetzt einmal anschauen wollen. Auf der Reise 2005 hatten wir nur einen Tag in Montenegro, daher nahmen wir ein Taxi für die Früh zum Dorf Klopot oberhalb der Brücke.
PT 6100 nach Bijelo Polje - damals noch als RVR-Triebwagen Baureihe 412 - überquerte die höchste Eisenbahnbrücke Europas 198 m über dem Fluss um Punkt sieben Uhr:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mala-Rijeka-Viadukt





Ein Überblick.




Die morgendlichen Lichtverhältnisse Ende August musste man nehmen, wie sie waren, es ging auf der Reise nicht anders. Kurz sieht man den Zug vollständig, ansonsten ist die Überfahrt durch Windbleche vor den auch hier starken Bora-Fallwinden geschützt.




Um 7:49 erwischte ich noch einen talfahrenden Güterzug, welcher gleich die Station Bioče erreichen wird. Nachtzüge sah ich nicht, denn die waren offensichtlich enorm verspätet. Das hatte später auch Folgen in Bar, als wir die Bettkarte zurück kaufen wollten. Denn damals wurden Reservierungen einfach mit dem Nachtzug aus Belgrad mitgeführt. Da dieser auch zu Mittag noch nicht angekommen war, konnte man in Bar noch keine Bettkarte für den Abend verkaufen. Letztendlich klappte es aber später problemlos.




Es war 2005 keine reine Bahnreise, also schauten wir uns im Dorf um.














Eine kleine Kirche mit Friedhof oberhalb des Dorfes.




Auch auf neueren Gräbern wurde in Jugoslawien noch der rote Stern verwendet.









Doch auch ein historisches Grab war zu finden, man beachte die Medaillen.




Das Innere der Kirche mit Blick durch die Ikonostase auf den spendenbedeckten Altar. Montenegro führte 1999 die D-Mark als Währung ein, nach der Umstellung ist seit 2002 der Euro in Verwendung, einher mit dem Ruf als eines der teuersten Balkan-Länder.









Auf dem Weg hinunter trafen wir eine ältere Dame, welche uns prompt zu sich nach Hause einlud.




Auf der Terrasse des Hauses, im Wohnzimmer wurde uns Rakija serviert. Dass man familiäre Verbindungen zu Sarajewo hat, wird gut aufgenommen. Die meisten Menschen, mit denen man ins Gespräch kommt, sind nicht nationalistisch eingestimmt. Man muss auch bedenken, dass Sarajewo die größte jugoslawische Stadt hier in der Gegend war, wesentlich näher als Belgrad.




Nachdem wir uns verabschiedet hatten, liefen wir prompt der nächsten Dame in die Arme, die natürlich um nichts nachstehen durfte. Bei ihr bekamen wir auch etwas zu Essen, inklusive hausgemachtem Käse (nichts für mich, aber andere fanden ihn gut ;-)).














Die Dame war nicht alleine, sondern wurde über den Sommer besucht von ihren Enkelkindern aus der Stadt. Und als Besonderheit: ihr Mann hatte als Junger beim Bau der Mala Rijeka Brücke mitgearbeitet!
Der stolze Brückenbauer mit Gattin und Enkerln.




Anschließend fuhren wir mit dem Taxi zurück nach Podgorica und weiter per Regionalzug nach Bar - weiter auf dieser Reise geht es übernächstes Mal.



5. 7. 2009


Wir sind noch immer in Bioče, ein Zug fehlte noch: Poslovni/"InterCity" 1130 Bar - Belgrad tauchte um 14:14 25 Minuten hinter dem "Tara" auf, "nur" eine Stunde verspätet - hier als virtuelles Sandwich.









Eindeutig der Paradezug der ŽPCG.




Damals verkehrte eine Garnitur mit Halbfenstern und serbischem Speisewagen, die andere rein mit montenegrinischen klimatisierten Wagen. Dreimal kann man raten, welche bei Fans der Strecke beliebter war...









Ein letzter Blick vor einer vierstündigen Zugpause. Wir gingen zurück zum Bahnhof. Der freundliche Fahrdienstleiter war erstaunt, er dachte wir würden hinüber zur Straße wandern und einen Bus in die Stadt nehmen. Doch wir hatten noch etwas geplant... Mittlerweile lud uns der Fahrdienstleiter ein mit ihm Wimbledon zu schauen. Doch wir waren hundsmüde und legten uns lieber eine Runde draußen in den Schatten schlafen. Denn...




... Regionalzüge verkehrten hier im 11/13-Stunden-Takt. PT 6104 Bar - Bijelo Polje erschien auf die Minute pünktlich um 18:04. Auf die Pünktlichkeit mussten wir nach den massiven Verspätungen des bisherigen Tages auch bauen, damit die abendliche Mission gelingen sollte. Mittlerweile war die bekannte Schwüle wieder eingekehrt.




Zwischenhalt im Bahnhof Bratonožići.









Angekommen um 18:35 in Lutovo. Der Zug sollte gleich abfahren, doch er wartete zehn Minuten für eine Kreuzung - Juhuu!




Auf einem Schwellenstapel stehend konnte man genau über das Geländer schauen, und da kam auch schon der eine halbe Stunde verspätete B 433 "Tara" aus Belgrad.









Der Schaffner des Regionalzuges hechelte vor der Abfahrt schnell zu uns vor und fragte, ob wir noch mitfahren wollten. Doch wir bedankten uns und meinten, wir würden nach Podgorica zurückkehren. Einfach super, wie liebenswert man sich um uns sorgte.
Die Vorständin und zwei montenegrinische Polizisten fertigten den Zug an der Station ab. Mit den beiden kamen wir nachher ins Gespräch. In balkantypischer Manier philosophierten sie, welcher mittelalterliche serbische König denn am besten gewesen sei...




Die Maschine von der Früh holte uns um 19:45 genau pünktlich ab, die Garnitur war gut gefüllt. Der "Fleck" im Logo des Infrastrukturbetreibers ŽICG stellt übrigens die geographische Form des Landes dar.




In Bratonožići regnete es ein bisschen. Wir blieben lange stehen, bis 20:35.




Wie am Vortag im "Tara" begegnete uns hier ebenfalls wieder ein Nachtzug. Wir kehrten danach ins Hotel "Evropa" zurück - am nächsten Morgen geht es früh raus zum Fischen (Züge, natürlich), erneut bei schönem Wetter! :0)
lg,
Roni

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