Autor Thema: Mit dem Schnellzug zur Lagune - 66 (50 B.)  (Gelesen 980 mal)

Roni

  • MstsForum.info
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 985
Mit dem Schnellzug zur Lagune - 66 (50 B.)
« am: 09. Juli 2024, 13:59:18 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Mit dem Schnellzug durch die Hecke - 65: Transilvania VIII (50 B.)
https://www.mstsforum.info/index.php?topic=4138.0



Wir biegen für ein Sommerferien-Doppel-Special von der aktuellen Route ab:



18. 8. 2023

Am Vortag per Bus aus Split (mehr in zukünftigen Teilen der Serie) nach Rogotin am See Vlaška gekommen, der durch einen Kanal mit dem Meer beim Hafen von Ploče verbunden ist, machte ich mich um 5:40 in der Früh daran den 114 Meter hohen Hügel Veliki Trovro zu erklimmen. Oben findet man ein Kreuz und eine Windorgel.
Belohnt wurde man mit dem Sonnenaufgang über den Bergen um 6:17... jetzt müsste nur noch irgendwann ein Zug kommen...





Dieser fuhr dann tatsächlich auch um 7:30 in Form eines Güterzuges Richtung Bosnien. Tatsächlich verkehrte dieser Zug verlässlich an allen Tagen - auch am Wochenende - fast immer um die gleiche Zeit mit Abfahrt 7:30 - 8:00 in Ploče. Wir werden ihn im zweiten Teil des Specials näher kennenlernen.


Doch das war nicht der Zug, wegen dessen ich gekommen war - auch wenn jedes bei Tageslicht fahrende Vehikel hier dankbar angenommen wird. Ich fand davor keine Berichte online - also war ich eher unsicher, ob es den weißen Wal tatsächlich gab...

...






Zur Planzeit um 10:36 kam weit und breit: nichts...





...





Ein erstes Mal gesellten sich am späten Vormittag ein paar andere Touristen zu mir, aber nur kurz.


Ich plante schon vor, wie lange ich hier noch warten würde... zumindest spendete das Kreuz etwas Schatten.










...








Da tauchte hinten an der stark regulierten Neretva um 11:43 eine lange weiße Schlange auf - angeführt von der herrlich blauen HŽ 1141-302 (welche übrigens ALLE gesichteten Zugleistungen auf dieser Strecke erledigte)!
Sie passierte gerade die Haltestelle Banja - dorthin werden wir am nächsten Tag marschieren.




Es handelt sich natürlich um den zur Sommersaison an Wochenenden Fr-So verlängerten B 1391 Sarajewo (7:15) - Ploče (10:36), den einzigen internationalen Schnellzug Bosnien-Herzegowinas.
Im Hintergrund der Ort Komin.




Die längere Wartezeit verhalf sogar zu etwas Seitenlicht auf der Geraden zur Station Rogotin. Der 18-teilige Doppeltalgo mit der blauen Lok ist doch einfach eine Wucht, wie ich finde - für mich der leiwandste lokbespannte Schnellzug Europas zur Zeit!




Im Vordergrund der kleine See Jezerina.




Ich habe ihn den "Herzerlsee" getauft. Insgesamt ein 360° Blick über Rogotin, Ploče und das Neretva-Delta mit seinen Lagunen und schilfgesäumten Kanälen bis hin zur Halbinsel Pelješac.
Den Zug kann man ebenfalls entdecken.




Inzwischen passierte B 1391 das Wasserballfeld.




Der See Vlaška ist einer von fünf verbliebenen Seen im Neretva-Delta und eines der letzten bestehenden Schilfgebiete Kroatiens:
https://hr.wikipedia.org/wiki/Vla%C5%A1ka_(jezero)















Blick über den 90 Meter breiten Kanal zum See auf den Hafen Ploče mit Containern und Kohle. Der Zug passierte den Güterbahnhof und bog anschließend etwa 70 Grad ab zur runden Halle des Kopfbahnhofes.




27. 7. 2006

Reisen wir zurück in Zeiten, als hier noch planmäßig mehrere Personenzüge täglich verkehrten - allen voran die "bosnische Mischung" aus je einem HŽ, ŽRS und ŽFBH-Waggon B 396 Ploče (6:40) - Mostar - Sarajewo - Banja Luka - Zagreb (19:47).

Als Kind war dies häufiger Umsteigeort zwischen Sarajewo und unserem Stamm-Urlaubsort Tučepi. In den 1980ern nannte sich Ploče Kardeljevo, und es war stets ein Erlebnis. Einmal wurde mein Vater Zeuge eines Faustkampfs in dem Chaos vor dem Fahrkartenschalter. Er fragte einen anwesenden Polizisten, ob er nicht einschreiten würde. Der meinte: "Ja, aber erst wenn sie sich richtig wehtun".
https://de.wikipedia.org/wiki/Plo%C4%8De

https://de.wikipedia.org/wiki/Edvard_Kardelj





Wir nahmen den Schnellzug nach Sarajewo. Davor verkehrte bereits um 6:01 Pu 5900 sogar international über die Grenze bis Čapljina, vier Regionalzüge in eine Richtung, fünf in die andere.




29. 7. 2006

Nun sind wir zur Bremsprobe am Hauptbahnhof meiner zweiten Heimatstadt - Sarajewo - angekommen.




Die "bosnische Mischung" B 397 Zagreb - Ploče machte sich um 18:43 mit 25 Minuten Verspätung auf den Weg. Der ŽRS ex-DR-Wagen trug schon die aktuelle Farbgebung.




25. 9. 2003

Aus Zagreb mit B 397 angekommen auf meiner ersten Bosnienreise seit dem Krieg. ŽFBH 441-122 präsentierte sich in einer markanten Lackierung.




30. 9. 2003

Vor der Rückreise per B 396 mit Blick Richtung klassischen DR-Farben.




28. 7. 2006






Die Bahnhofshalle war bereits 2001 dank saudi-arabischer Finanzierung renoviert worden.




13. 6. 2024

Heuer weilte ich zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in Sarajewo. Anlass war das Begräbnis meiner Großmutter, welche bereits vor drei Jahren in Neuseeland im Alter von 101 gestorben war.

Hier hatte ich das Partisanenspital Petrova Gora besucht, wo sie im zweiten Weltkrieg gedient hatte. Später brachte sie es als Internistin zur Frau Oberst in einem Militärspital in Sarajewo:

Mit dem Schnellzug durch die Hecke - 47: Split I (50 B.)
https://www.mstsforum.info/index.php?topic=4091.0

Durch bürokratische Hürden und andere Umstände war es erst jetzt möglich, dass sich einige der in der Welt verstreuten Verwandten versammelten. Das Zusammentreffen war jedenfalls schön, nebenbei konnte ich zumindest die Stadt ein wenig genießen.

Ich zeige nur ein paar Impressionen, vorher war schon hier mehr aus Sarajewo zu sehen - aber es gibt natürlich noch einiges in Reserve:

Der kleine Roni in Sarajewo 1986, Super-8-Aufnahmen mit Straßenbahnen, Trolleybussen und mehr:
https://www.youtube.com/watch?v=FIZAdv-EW7w

Straßenbahnen 2019:
Mit dem Schnellzug durch die Hecke - 15: Adria, Istria I & BiH (1 V., 50 B.)
https://www.mstsforum.info/index.php?topic=3973.0

Besuch im Straßenbahndepot 2010 vor der Kohlerevier-Dampftour:
Dampf in Bosnien 2010 - 1: Ankunft (50 B.)
https://www.mstsforum.info/index.php?topic=2745.0

Der Straßenbahnbetrieb ist leider recht eintönig geworden. Eine große Last des Betriebes liegt momentan auf 16 GT 8, welche ursprünglich aus Köln stammen und 2015 aus Konya nach Sarajewo gelangt waren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenbahn_Sarajevo

Das Symbol auf manchen Laternenmasten war vor 40 Jahren für die olympischen Winterspiele 1984 konzipiert worden - nun wieder omnipräsent in der Stadt.




Lokal passende Werbung: "So lange die Miljacka fließt, knabbert man Plazma".




15. 6. 2024

In der Titova nahe unseres Appartements - heuer war das erste Mal, dass wir nicht bei Verwandten unterkommen konnten.
Triebwagen 560 ist ex-Köln 3677/3777 später Konya 156 (DÜWAG #912 / Baujahr 1965):
https://www.pospichal.net/lokstatistik/97976-sarajevo-n1.htm





GT 8 575 am Abend bei der Skenderija, in der Straße über dem Fluss hatte die Wohnung meiner Großmutter in einem Hochhaus gelegen. Das noch immer bestehende Veranstaltungszentrum bot einst Basketballspiele und skurrile Shows für Kinder (unter anderem die Schlümpfe).




13. 6. 2024

Die ersten neu beschafften Straßenbahnen seit 40 Jahren werden nun geliefert und ersetzen fast alle älteren Typen. Stadler Tango NF3 wurden speziell für die Stadt entwickelt.



26. 9. 2003 / 27. 7. 2006

Links: Die originalen K2YU der Straßenbahn Sarajewo zeichneten sich durch den Stromabnehmer hinten und "Wellblech"-Seiten aus. Später wurde der Pantograf nach vorne umgebaut. An der Endstation Baščaršija vor der Muslihudin Čekrekčija-Moschee von 1526 auf der Linie 1 zum Bahnhof.

Rechts: Ein Original-Tatra beim bekannten Rathaus.




28. 7. 2006

Frühmorgens an der Straßenbahn.




Am Abend begaben wir uns zu einer Fußgängerbrücke bei der Fojnička und aßen hausgemachte Bureks. Ehemalige "Olimpik Ekspres"-Triebwagen wurden nun zu Regionalzugaufgaben Richtung Zenica eingesetzt (jedoch 2019 wieder als Schnellzug, siehe Berichtlink oben).

Aus glorreicheren Zeiten 1984:
https://www.youtube.com/watch?v=fBRG2-_n9c4





Eine Stunde verspätet trudelte die "bosnische Mischung" mit Original-DR-Lack um 19:02 aus Zagreb ein, gezogen von 441-902, die in der Türkei aufgearbeitete ex 441-103 in TCDD-Farben.




Nach fantastisch schnellem Umspannen auf die nun neu klassisch lackierte 441-122 (siehe oben), ging es bereits um 19:15 weiter für B 397 nach Ploče.




15. 6. 2024

Eine Lücke konnte ich beim letzten Aufenthalt schließen: ich hatte noch nie die Viadukte bei Tarčin besucht. Der Samstagmorgen war sehr schön angesagt, Sarajewo präsentierte sich wolkenlos. Um sechs Uhr Früh bestieg ich ein Taxi. Den Fahrer hatten wir am Tag davor schon kennengelernt - wirklich sehr nett. Die gewundene Straße Richtung Tarčin entlang der Zujevina wurde es nebeliger und nebeliger, einmal begegneten wir einem Güterzug. Ich ließ mich bei Vrbanja absetzen und ging anschließend in den Weiler Smucka. Durch die Nebelsuppe konnte man um 6:50 die riesigen Viadukte nur aus nächster Nähe sehen, aber die Sonnescheibe blinzelte oben - es bestand also Hoffnung.




Hinten im Tal begegnete ich diesem Fußballfan... irgendwie werden die meisten Ćevapi-Lokale in der Stadt von Fußballern betrieben... ;-)
"Željezničar" bedeutet natürlich Eisenbahner.
https://de.wikipedia.org/wiki/FK_%C5%BDeljezni%C4%8Dar_Sarajevo





In Tarčin werden gleich fünf große Brücken überquert, vier davon sieht man auf einmal. Um 7:37 präsentierte sich der Nebel bei der zweiten Brücke noch so - als der Zug um 7:47 erschien, hatte es komplett aufgeklart. Da die Stimmung mir gefiel, versuchte ich mich an dieser einen Zeitverdichtung.
Es sollte eigentlich der Saisonzug B 1391 Sarajewo - Ploče sein - dessen Start wurde aber um mehrere Wochen verschoben, also handelt es sich stattdessen um den identisch verkehrenden B 723 Sarajewo - Čapljina. Wenn man das nicht weiß, macht es optisch keinen Unterschied.




Der Doppel-Talgo auf dem dritten von fünf großen Viadukten kurz hintereinander.




Etwas virtuell verlängert auf dem 4. und 5. Viadukt.














Oben: Panorama noch mit Nebelstimmung.

Unten: Aus der Gegenrichtung tauchte um 8:17 der einteilige B 720 Čapljina - Sarajewo auf. Im Vordergrund ein Friedhof der bosnischen Armee, daneben die Autobahn-Mautstelle.









Die gebratenen-Hendl-Stände befanden sich noch nicht in Betrieb. Ich wanderte anschließend weiter zur Konditorei Orijent und besorgte eine Ladung Tulumbe, für die der Ort bekannt ist.




Im Zentrum an der Hauptstraße unterhalb des vorher nicht sichtbaren ersten Viaduktes findet man noch den alten Schmalspurbahnhof. Meine Verwandten saßen in ihrer Kindheit einmal in einem Schmalspurzug über den Ivanpass, der entlief...
https://de.wikipedia.org/wiki/Narentabahn

https://de.wikipedia.org/wiki/Narentabahn#/media/Datei:Station_Tar%C4%8Din_mit_Lok_IIIc5.jpg

Mein Taxifahrer holte mich bald danach an der Tankstelle ab - ein Güterzug Richtung Meer fuhr kurz davor vorbei, doch da befand ich mich bereits außer Sichtweite.




28. 7. 2006

Wir bestiegen Regionalzug 2401 nach Konjic um 7:18 in Sarajewo. Brđani pod Ivanom präsentierte sich so verziert, auf Serbisch stand "Pleševac". In der Umgebung von Tarčin sah man heutzutage viele serbische Bezeichnungen auf Schildern mit Farbe übermalt.




Wir stiegen in Ovčari auf der Herzegowina-Seite aus - unten im Tal der Trešanica, welche gleich darauf in die Neretva mündet, näherte sich die "bosnische Mischung" B 396 Ploče - Zagreb um 9:38.




Deswegen kommt man her - wo einst Schmalspur-Zahnstangenabschnitte den Ivanpass bezwangen, herrschen nun herrliche Normalspur-Kehrschleifen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Sarajevo%E2%80%93Plo%C4%8De

https://de.wikipedia.org/wiki/Ivanpass





Das komplette Ovčari-Panorama im Vormittagslicht. Am Abend konnte man mit den Regionalzügen leider nicht nach Sarajewo zurück, und die Schnellzüge verkehrten auch erst spät.




Wir genossen typisch bosnische Landschaft.




Güterzüge sichtete man damals weit weniger als heute, aber in Ex-Jugoslawien kann man immer auf ein Arbeitsvehikel(gespann) bauen. Etwas Lokalkolorit habe ich im Bild gelassen.









Und auch Streckenläufer gab es natürlich allerorts. Wir gingen zurück zur Station.




Unser Regionalzug zurück bestehend aus einem klassisch-grünen und einem schwedischen Wagen näherte sich unten im Tal.




Gezogen von ŽFBH 441-904 (ex 441-117).



Nächstes Mal tauchen wir weiter in die Lagune ein... :-)
« Letzte Änderung: 19. Juli 2024, 20:40:24 von Roni »