Autor Thema: Winter in Rumänien 2015 - 6: Moldovita - zum Wildschwein (50 B.)  (Gelesen 864 mal)

Roni

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Hallo!



Ich habe gerade ein bisschen Nachschub geholt, was für eine kleine Verlängerung dieser Serie sorgen wird! :0)



Zum vorherigen Teil der Serie:
Winter in Rumänien 2015 - 5: Mit Cozia nach Cozia (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3701.0


Zum Video:
https://www.youtube.com/watch?v=7RcNqeNYQUo




18. 2. 2015

Wie versprochen gab es an dem Tag Abwechslung: nach 7 Uhr holte uns der RG Holz-eigene Kleinbus vom Hotelzug ab und sammelte die anderen Tourmitglieder ein. Die etwa 3-stündige Fahrt sollte zur Schmalspurbahn von Moldovita (sprich: "Moldoviza") im östlich liegenden Kreis Suceava führen. Für die Fahrt hatten wir uns das "Top Gear"-Spiel ausgedacht, nach dem man bei jedem gesichteten Dacia Sandero "Top Gear!" rufen musste. Leider dürfte der jedoch hauptsächlich ein Exportmodell sein, an neuen Dacias sieht man in Rumänien fast nur Logans, ansonsten praktisch exklusiv moderne westeuropäische (Gebraucht-)Wagen. Auch alte Dacias, wie beispielsweise bei Cluj noch häufiger anzutreffen, sind in dieser Gegend selten.
Wir folgten der Normalspur-Stichstrecke durch das Tal der Viseu bis nach Borsa, dann folgte der Anstieg auf den 1416 m hohen Prisloppass zwischen den Nationalparks des Rodna-Gebirges im Süden und des Maramures-Gebirges im Norden.

Auf dem Pass legten wir einen kurzen Fotohalt ein, hier der Blick nach Süden mit Schigebiet und Disneyschloss-artigem Kloster. Die nun sichtbar schlechter werdende Straße führte uns aus Maramures in die historische Region Bukowina, wo einer meiner Großväter seine erste Lebenshälfte verbracht hatte.









Panorama des Maramures-Gebirges mit Selbstporträts der Fotografen.




Die Bergabfahrt erfolgte in ein bewaldetes Tal, immer wieder passierte man Holzeinschläge und beladene LKWs, ansonsten herrschte kaum Verkehr. Ab Cârlibaba wurde das Tal bewohnter, in Iacobeni erreichten wir die zweigleisige elektrifizierte Hauptstrecke der Bahn Richtung Câmpulung Moldovenesc, doch Züge ließen sich während des Entlangfahrens keine blicken. Bei Sadova abzweigend musste ein weiterer, kleinerer Pass bezwungen werden, dann war Moldovita erreicht.
Die Waldbahn Moldovita wird von http://cfi.ro geführt, im Besitz des baumlangen Österreichers Georg Hocevar, welcher uns gleich vor Ort begrüßte und die Tour leiten würde. Das Unternehmen betreibt unter anderem auch weitere Schmalspurbahnen in Rumänien, sowie das einzige Ausbesserungswerk, ohne das Dampf im Land überhaupt nicht mehr möglich wäre.

Die Seite zur Strecke mit einer Karte des derzeit betriebsfähigen Streckenabschnittes (die Broschüre muss dazu vergrößert werden) findet sich hier: http://www.cfi.ro/index.php?p=1_12

Ein paar historische Details zur Bahn sind hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Waldbahn_Moldovi%C8%9Ba

Es erwarteten uns zwei Loks unter Dampf für zwei Fotozüge. Da wir schon für die Schneeräumung gezahlt hatten - diese jedoch nicht nötig war - war der zweite Zug angeboten worden.




Man sieht den leichten ÖBB-Einschlag am Bahnhofsgelände von Moldovita, im Häusl findet sich dennoch nur ein Loch im Boden.









Wunderbare Winterdampfatmosphäre.




Diese zwei Maschinen standen uns zur Verfügung: 764-431 (Resita 1136/1954) "Bucovina" und 764-404R (Reghin 601/1984) "Hutulca" (sprich: "Huzulka"). Die Huzulen sind ein ostslawisches Karpatenvolk, das die Region entlang der Strecke einst mehrheitlich bewohnt hatte, als die Bukowina noch intakt gewesen war. Auf einer früheren Ukrainereise hatte ich ebenfalls das Gebiet der Huzulen besucht, allerdings auf der anderen Seite der Grenze.









Welche Maschine ist 30 Jahre älter? Nun, die rechte!




Schuppenarbeit, wie ich sie liebe.









Etwas findet man in Moldovita zuhauf: Pferdefuhrwerke!




Der Kutscher wollte jedoch gleich wieder weiter...









764-431 zog nun mit einer Personenzuggarnitur vor, während 764-404R mit einem Güterzug folgte.









Der Charakter der Strecke ist ein gänzlich anderer als im Wassertal, meist führt sie entlang der Straße durch Siedlungen. Unser Personenzug bestand zum Teil aus nicht ganz stilechten Wagen, zwei von drei waren aus Österreich importiert und auf Drehgestelle gestellt worden.




Auch die Lichtstimmung unterschied sich vom klaren Wassertal, durch die geheizten Häuser herrschte dunstige Luft. Kommentar zu dem Bild mit Pferd am Bahnübergang: "Das ist ja wie in China!", was natürlich auch von der rauchigen Atmosphäre ähnlich eines Kohlereviers her zutraf.




Nur kurz ging es eng zwischen Häusern durch, danach kam der längste Teil der Strecke entlang der Hauptstraße Richtung Argel.




Wir fuhren immer im Personenzug vor, dann folgten Fotoanfahrten mit beiden Zügen an jeder Stelle. Abschließend stand man wieder im Konvoi da.




Oft wurde die Strecke Allee-artig zumindest auf einer Seite von Bäumen gesäumt, welche fotogene Schatten warfen.




Wir passierten einige schön dekorierte Häuser, auch die schmucken überdachten Brunnen sind typisch für diese Gegend.




764-431 an der ersten kurzen Steigung der Strecke.




Überdachte Zäune wie dieser hier sind ebenfalls häufig zu entdecken, ein wenig später am Tag fand einer der hinunterragenden Zierzähne Gefallen an einem Stück meiner Jacke...




764-404R - eine der neusten für den Planbetrieb gebauten Dampfloks in Europa - präsentierte sich in um einiges schlechterem Zustand als ihre 30 Jahre ältere Schwester. Aber wenigstens war der Dampf, der überall hervorquoll, optisch ein Spektakel für den Winterdampffotografen. Dahinter folgte ein Pferdefuhrwerk.




Blick von der hinteren Plattform des Personenzuges während der Fahrt.




Interessante Verwendung eines Isolators als Dekoration bei einem Hauseingang, habe ich auch schon anderswo in Rumänien entdeckt.




Die stärkste Steigung der Strecke wurde in Angriff genommen.




Irgendwie bevorzuge ich doch die Bilder der 764-404R, es war einfach ein größeres Spektakel.




An der Ausweiche Rasca ("Raschka") kam uns diese typische Heufuhre entgegen.




Wie man sieht, wird hier einfach einer der Heuschober auf die Kutsche umgelegt.




Mittlerweile hatte 764-431 Probleme auf das zweite Gleis zu gelangen (siehe Video ab Minute 42:30), es musste mehr vom eisigen Schnee weggeschlagen werden.




Geschafft, nun konnte sich der Güterzug daneben positionieren.









Auch die Umgebung bot interessante Motive.









Dieser urige Stall beherbergte neben Hühnern Rinder.




Zunächst noch aufgeregt ob der Fotografenhorde, später resignierend.




Zur Weiterfahrt gab es ein größeres Problem als das Eis zuvor zu beheben.




Die Weiche war eingefroren und wollte selbst nach einigen Versuchen nicht.




Letztendlich ließ sie sich dann doch zur Kooperation bewegen.




Zur Abwechslung bestiegen wir einen Hang auf einem steilen, vereisten Forstweg.




Es bot sich ein wunderbarer Überblick über das Tal der Moldovita, welche ein Zufluss zur Moldova ist. Am Hof vorne wagte sich auch ein Pferd ins Bild.




Variante mit dem folgenden Güterzug.




Es dauerte natürlich eine Weile, bis die ganze Gruppe wieder den Zug bestiegen hatte.




Nun folgte die planmäßige Mittagspause auf den in Moldovita angebotenen Fototouren in einem Restaurant am Haltepunkt "Haus des Jägers von Rasca" - Hintergrund ist, dass sich hier ein ehemaliges Jagdhaus des Kronprinzen Rudolf befindet.




Das Pferd mit Schlitten sorgte für zusätzliche Attraktivität.




Wir wurden in einem Außengebäude bewirtet, als Hauptgang gab es Wildschwein mit Mamaliga (Polenta), dazu wieder einmal Afinata, allerdings die schärfere, industrielle Variante - kein Vergleich zu dem Guten in Viseu.




Trotz des sofort spürbaren Effekts durch die harte Dosis Alkohol nutze ich den Rest der Mittagspause produktiv... andere wiederum nahmen sich ihre Flasche vom Mittagstisch für unterwegs mit.



Nächstes Mal folgt der Rest der befahrbaren Strecke bis Argel in schönstem Nachmittagslicht, sowie ein Besuch des Weltkulturerbes Kloster Moldovita. :-)
lg,
Roni

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