Autor Thema: Eritrea 2018 - 3: Tunnelblicke (50 B.)  (Gelesen 149 mal)

Roni

  • MstsForum.info
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 857
Eritrea 2018 - 3: Tunnelblicke (50 B.)
« am: 13. November 2018, 09:14:01 »
Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Eritrea 2018 - 2: Dämmerungen (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3927.0


Das Video zur Serie:
https://youtu.be/vBqI3qUHE2g




22. 10. 2018

Wieder einmal starten wir am nun gut bekannten Vier-Bogen-Viadukt, mit der ebenso bekannten 440.008 um 7:30 in der Früh.




Ein Video-Screenshot.




Und ein vertikales 1x3 Querformatspanorama - die Stimmung hatte schon ein bisschen was von "Gor... Mallets im Nebel" - aber dazu kommen wir erst im nächsten Teil.




Hier treffen Zeitalter aufeinander.




Eselsliebe - doch Moment! Der offensichtlich schon geflickte gelbe Wasserkanister ist leck!









Schau ma mal, ob die Grashalm-Reinstopf-Methode sich bewährt. Die universalen gelben Kanister in diversen Formaten finden auch abgesägt ein zweites Leben - zum Beispiel als Schlüsselbehälter für die Zimmerdamen unseres Hotels. Eine hatte es geschafft, meinen Schlüssel mit enormösem Holzanhängsel zu verschustern. Daraufhin durfte ich zwei Tage lang den viel leichteren Managementschlüssel für mein Zimmer verwenden, bis der lästige Holzklotz auf mysteriöse Weise wieder auftauchte.




Und volle Sonne beim Zurückrollen.




Danach hatten die Eselburschen genug.




Eine letzte Anfahrt um 8:20 im Licht, dann mussten wir uns aufgrund Wassermangels Asmara-wärts bewegen.




Nicht ohne Stopp am letzten und höchsten Tunnel der aktuell befahrbaren Strecke, Nr. 29. Hier sieht man gut den Drehgestell-Mechanismus der Mallet.









Anschließend durchfährt man dieses schöne Wald-S.









Zurück in Asmara Hbf um zehn Uhr, wir bekamen eine halbe Stunde zum Erkunden des Geländes.
Das untere Bild könnte das Wald-S darstellen, das obere Gemälde wird es am Ende dieses Berichts photographisch zu sehen geben. Die Flachwagen-Plane mit den Eritrea-Farben hatte man zu Hause gelassen.
Rechts das Propaganda-Plakat, 2016er Ausgabe: "Ein Vierteljahrhundert Widerstandsfähigkeit und Entwicklung". Später werden wir neuere Versionen sehen.




Über dem Bahnhof thront eine eritreisch-orthodoxe Kirche:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eritreisch-Orthodoxe_Tewahedo-Kirche

Immer wieder hörte man Messen und Gesänge, hier habe ich etwas aufgenommen:
https://youtu.be/vBqI3qUHE2g?t=2445





Das "D.eposito L.ocomotive" von 1911. Später werden wir noch ausgiebig Zeit hier verbringen, dann erzähle ich euch mehr zur Geschichte der Bahn und allgemein Eritreas.




Auch den B-Kupplern werden wir uns intensiver widmen. Daneben wurde gerade etwas geschmolzen...




Und gegossen.




Die Reihe der großen Mallets: 442.54, .55 und .56. Ihr dürft gerne raten, mit wie vielen davon wir unterwegs sein würden. Wir wussten es zu dem Zeitpunkt nicht.




Typisches Schuppendach.




Blick auf die andere Seite des Bahnhofs Richtung Dieseldepot und Stadtzentrum, rechts die Nda Mariam (oder: Enda Mariam) eritreisch-orthodoxe Kathedrale.




Der Zug rangierte gerade vom Bahnhof zum Depot.




Ein Ural-LKW (oder "Lok", wie er jetzt genannt wird) stand noch immer wie am Tag zuvor da. Das ist die Ural-"Lok" Nr. 2, welche 1997 konvertiert wurde, auf einem Drehgestell der Fiat Littorina No. 6 von 1935 angetrieben von einem Jaroslawski Motorny Sawod (JaMZ) 236 V6 Dieselmotor mit 132 kW.




1959 wurden vier Krupp-Dieselloks aus Deutschland beschafft, nummeriert 25D-28D. Hier 27D (Krupp Nr. 3602 / gebaut 1957), der Motor stammt von MAN und musste aufgrund der Höhenlage von 650 auf 550 PS herabgestuft werden. Ursprünglich waren sie für die Bergsektion gedacht, doch bald zur flacheren Strecke Asmara - Keren - Agordat transferiert, wo sie bis zur Schließung 1975 im Planverkehr liefen.

Die Geschichte hinter den gelben Second-Hand-Dieselloks aus Italien, die erst heuer angekommen sind, wird hier von Thomas Kautzor gut erklärt:
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,8729186,8729701#msg-8729701





Eritreas ICE Nr. 001!




Littorinetta vor Littorinas. Der Term ist faschistischen Ursprungs und stammt von den römischen Liktoren - Fasces als Zeichen ihrer Autorität tragende Beamten. Zur Zeit Mussolinis trugen die italienischen Triebwagen ein Liktorenbündel an der Front.
Der kleine Triebwagen ist kein Fiat, sondern wurde teils von anderen italienischen Firmen produziert, teils in Eritrea gebaut. Aus britischer Zeit überliefert wird der Spitzname "Trickling (=rieselnder) Truck", da der Triebwagen die Strecke hinunterfuhr und Löhne der Arbeiter verteilte.




Die großen Littorinas wurden 1934-36 von Fiat konstruiert. Damals schafften sie die Strecke Massaua - Asmara in vier Stunden, der Dampfzug benötigte zehn.









Farbgebungen: links die Nationalfarben, rechts eine Farbgebung, wie sie auch die Personenwagen trugen. Der aktuelle grüne Anstrich wurde den Ansprüchen der Fotografen angeglichen und entspricht jenem der 1960er.




Bitte schön, hier habt ihr all die gelben Loks, die ihr euch wünschen könnt!




Ja, links und rechts befinden sich Waggons! ;-)




Gespiegelt im Design-Fenster des Bahnhofs.




Anschließend fuhren wir mit den Bussen zum Hotel. Ein paar Impressionen der Stadt Asmara aus dem Fenster heraus. Es folgt auch noch eine Stadtbesichtigung, ich werde diverse Eindrücke auf verschiedene Reportagen aufgeteilt präsentieren.
Man bemerke den Hintergrund rechts. Auf der anderen Stadtseite gibt es ein Haus, das als ganzes wie ein Bus gebaut ist.




Die Bushaltestellen-Gang.




Tatsächlich - Straßenarbeiten! Inklusive straßenwalzender Lady.




Die Große Moschee von Asmara, erbaut 1937-38 - auch sie werden wir noch besuchen. Rundherum sieht man schon ein paar der vielen Art déco-Gebäude der Stadt.









Man beachte den Colgate-Zahnpasta-Schwarzmarkt am Gehsteig ganz rechts.




Vom Hotel ging ich eine Straße im Diplomatenviertel zurück, denn dieses Vehikel war aus dem Bus zu entdecken - ein Fiat 1100 (vermutlich nicht Baujahr 1953). Über die Woche sichteten wir ihn noch an anderen Orten in der Stadt.




Nach etwas Rast im Hotel und Mittagessen im Gartenrestaurant - diesmal gab es Pizza - fuhren wir erstmals auf der Reise per Bus hinunter bis Arbaroba. An der Auffahrt zur Station befindet sich ein Viadukt, die Bahn wechselt hier wieder einmal die Bergseite. Gleichzeitig oft eine Wetterscheide - das Tal unterhalb Arbarobas ist berüchtigt dafür, mitten in den Wolken zu liegen.



















Neben der Garnitur vom Morgen wartete die Ural-Lok Nummero Uno mit heißem Rennstreifen und echtem Bauzug: genauso wie Nr. 2 aus einem Drehgestell der Littorina Nr. 6 konvertiert, jedoch bereits 1995/96.




Da lässt sich ein "historisches" Foto basteln.




Details erinnerten jedoch an die Moderne.




Wir rollten ziemlich schnell bergab, zum Doppeltunnelblick Nr. 13 und 14. Aufgrund Platzmangels führten wir drei Anfahrten durch. Bei der ersten Anfahrt blieb ich am Hang über Tunnel 14, alsbald dampfte 440.008 aus Tunnel 13.

Im Panorama links sieht man die Strecke durch weitere Tunnels bergan steigen. Zum besseren Betrachten habe ich hier eine Version in größerer Auflösung heraufgeladen:
http://raildata.info/eritrea18/eri0348g.jpg





Der klassische Tunneldurchblick - wie am Gemälde - bei der zweiten Anfahrt.




Bei der dritten platzierte ich mich im Rücken der Gruppe mit Blick ins Tal.



Nächstes Mal dampfen wir weiter bergauf bis Arbaroba und Shegerini! :-)
lg,
Roni

Up-to-date auf Twitter: https://twitter.com/raildata_info @raildata_info

http://raildata.info