Autor Thema: Indien 2012 - 10: Udaipur - Ein Morgen im Leben ... (50 B.)  (Gelesen 1557 mal)

Roni

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Hallo!



Der vorherige Teil der Reportagen:
Indien 2012 - 9: Auf Meterspur nach Udaipur (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3213.0



Das Video zum Bericht:
http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1



10. 2. 2012

Gerade einmal eine Woche von drei der Reise um, und wir sind schon bei der 10. Reportage angelangt, momentan befinden wir uns am Abend kurz nach Sonnenuntergang auf der Dachterrasse meines Hotels am Lake Pichola in Udaipur. Der sich bietende Ausblick war einfach herrlich, die Beleuchtung der Gebäude war gerade eingeschaltet worden, aber der Himmel zeigte noch Abendfarben. Der Lake Palace glitzerte im See. Nach einer Fotosession bestellte ich mir Abendessen, das natürlich nicht mit dem hausgemachten Mittagessen mithalten konnte. Zudem war es offensichtlich für Touristen gewürzt. Der deutschsprachige Kellner servierte mir ein Kingfisher-Bier, mein erstes der Reise, und ich genoss noch ein bisschen die Aussicht. Ganz kurz wurde ein Feuerwerk am Seepalast gezündet, das war aber schon aus, bevor ich die Kamera zücken konnte.

Das wahnwitzige Dachpanorama...
Lake Pichola wurde im Jahr 1362 künstlich geschaffen, darauf befinden sich zwei Insel-Paläste, der vordere der Lake Palace, welcher heutzutage als Luxushotel dient und ebenfalls schon James-Bond-Schauplatz war.
http://en.wikipedia.org/wiki/Lake_Pichola









Die beiden Inseln, der Lake Palace im Vordergrund ist nur Hotelgästen zugänglich.














Udaipurer Palastnächte.




11. 2. 2012

Der Tag begann wieder enorm kalt, ich hatte mich so gut es ging im Bett eingepackt. Jedoch mussten wir um 5 Uhr los, um die erste Stelle der Meterspurstrecke Mavli Jn.– Marwar Jn. bei Sonnenaufgang zu erreichen. Ursprünglich führte die Meterspur natürlich ab Udaipur weiter, doch nun begann sie im 40 km entfernten Mavli als Nebenstrecke der auf Breitspur umgespurten Bahn Richtung Chittorgarh. Beim Warten auf das Auto machte ich noch ein paar Bilder am See, nur in Gesellschaft einer einsamen wiederkäuenden Kuh.






Auf die Wände wurden ein paar Umweltschutzparolen gemalt, der See trocknet unter anderem gegen Ende der Trockenzeit manchmal fast komplett aus.




Gegenüber meines Hotels befand sich das "Café Edelweiss", die sich davor am Lagerfeuer Aufwärmenden komplettierten die skurrile Szenerie. Ich sah im Norden häufig improvisierte Feuer einfach am Straßenrand an kalten Wintermorgen.




Mit etwas Verspätung, da der Fahrer verschlafen hatte, ging es in die Berge auf guter Straße. Allerdings muss man beim indischen Fahrstil öfter die Augen zumachen, sonst hält man es auf die Dauer nicht aus. Sagen wir einmal so, es wird oft rechts gefahren, nur bei Bedarf (z.B. entgegenkommenden Trucks) links. Doch wir kamen heil zur ersten Stelle, es gab auch noch nicht so viel Verkehr. Wir warteten bei Kankroli, einem von einem ansässigen Unternehmen gesponserten Dorf, und was für einen Unterschied das machte! Da gab es schöne Straßen, europäische Bushaltestellen, etc. ...
Unser Motiv hier war die Banas River Bridge, auch Bawan Kotha genannt, Brücke mit 52 Pfeilern (stimmt, wer es nicht glaubt, kann es auf Google Maps selbst nachzählen: http://g.co/maps/cm6uq ). Am Wasser tummelten sich Vögel, in der Nähe wurde passende Stimmungsmusik eingespielt. Da es noch immer kalt war, wärmten sich die anderen bei Chai im Jeep auf, ich schaute zum Sonnenaufgang schon hinaus.











In der anderen Richtung: Mond mit Vögeln.




Der Zug kam fast pünktlich, kurz nach Sonnenaufgang um 7:30:

52076 MVJ MJ Passenger M G

1 MVJ Mavli Jn First St06:35 NWR 0 1
2 TMGN Thamla Mogana 06:52 06:53 1 NWR 10 1
3 NDT Nathdwara 07:03 07:04 1 NWR 15 1
4 BJN Bejnal 07:17 07:18 1 NWR 22 1
5 KDL Kankroli 07:33 07:34 1 NWR 29 1
6 KXA Kuanriya 08:06 08:07 1 NWR 44 1
7 LSG Lawa Sardargarh 08:33 08:34 1 NWR 59 1
8 CBG Charbhuja Road 08:55 08:56 1 NWR 69 1
9 KRKM Khara Kameri 09:12 09:13 1 NWR 76 1
10 DJKR Dolajika Khera 09:41 09:42 1 NWR 89 1
11 DOHM Devgarh Madariya10:01 10:02 1 NWR 100 1
12 KBK Khambli Ghat 10:18 10:19 1 NWR 105 1
13 GGO Goram Ghat 11:21 11:23 2 NWR 119 1
14 FLD Phulad 11:53 11:54 1 NWR 126 1
15 MRWS Marwar Ranawas 12:28 12:29 1 NWR 136 1
16 MJ Marwar Jn 13:10 Last Stn NWR 152 1

Rechts im Hintergrund sieht man noch die Rauchwolke von einer Beschleunigungsphase vor der Brücke.



















Nun nahmen wir die Verfolgung auf und schafften es schon in Kankroli zur Bahnhofsausfahrt an einem Schranken. In der Station wurde der 52073 Marwar - Mavli Passenger gekreuzt, welcher seit 2:15 in der Nacht unterwegs gewesen war.

Die Auflösung des Titels: "Ein Morgen im Leben Rajasthanischer Schrankenwärter"! :-)




Ausfahrt mit 14 Minuten Verspätung um 7:48.




Der Mavli - Marwar Passenger wurde von YDM-4 6565 gezogen, unserer Lok für den Tag. Sie war mit etwas modernerer Braunlackierung versehen und im Lokschuppen Phulera beheimatet, allerdings wurden alle Loks der Strecke in Mavli stationiert, da es keine Meterspurverbindung mehr zur Außenwelt gab. Ursprünglich existierte hier überall nur Meterspur, unter anderem die weitere Verbindung von Marwar nach Jodhpur und ins gesamte nordwestliche Netz.









Anschließend ging es weiter bis zu einem Schranken vor Lawa Sardargarh, wo wir wieder auf den Zug warteten. Während der Zeit konnte ich im schönen Frühlicht ein paar Impressionen des Lebens in der Umgebung machen, auch im Vorbeifahren sah man natürlich etliche tolle Szenen, aber aus dem rumpelnden, schnellfahrenden Auto heraus war es leider kaum möglich zu fotografieren.

Vor dem Häuschen unter einer schön blühenden Laube hatte sich der Schrankenwärter eine Feuerstelle zum Wärmen eingerichtet.




Die essentiellen Flaggen.




Fahrradschmuck.




Örtliche Jugendliche warteten am Brunnen nebenan.




Überall in Indien, von Rajasthan bis ins tropische Goa, blühten Bougainvilleen wie wild.




Der Meister vor einem seiner zwei Tore.




Sicherheitsdiagramm am Schrankenwärterhaus.




Ein klassischer Mahindra Nachbau-Willys-Jeep.




Bis jetzt war die Strecke flach gewesen, doch bis Marwar musste noch die Aravallikette komplett auf einer herrlichen Gebirgsstrecke durchquert werden.




Bunte Passanten.




Die Tore wurden geschlossen.




Nachzügler.




Indische Bahnübergänge wurden durch solche Tafeln quer über die Gleise gesichert, solange sie offen waren.




Die grüne Flagge bedurfte noch kurzer Reparatur.




Der Brunnen neben dem Schrankenwärterhäuschen, ich konnte eine Häufung an Wasserstellen neben Bahnanlagen erkennen.




Aus der Ferne dieselte der Zug heran.
























Ein kurzer Moment der Hektik nachdem die Garnitur vorüber war.




Weiter ging die Verfolgung auf der Straße, im Hintergrund das mächtige Sardargarh Fort.




Bei einem Bahnübergang vor Charbhuja Road erwischten wir den Zug wieder.




YDM-4 6565 sorgte für eine typische, dick-schwarze ALCO-Rauchwolke.




Schrankenwärter und Lokmannschaft.




Wieder war der Zug vorbei.




Ein "Touristenvehikel" auf dem Weg zu unserem nächsten Punkt.




In Kuvanthal, einer kleinen Landstation, legten wir den nächsten Halt ein. Wieder war ein Brunnen in der Nähe.




Manche Einwohner interessierte das Geschehen eher weniger.




Und die Dame verschwand elegant im Haus, für den kurzen Weg hatte sich der Auf-dem-Kopf-Transport nicht ausgezahlt. Moderne Transportmethoden hatten allerdings ebenfalls im Haushalt Einzug gehalten.


Im nächsten Teil folgt einer der ersten Landschafts-Höhepunkte der Reise, der Bergausflug in die Aravallikette!
lg,
Roni

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