Autor Thema: Trolleybusse im Osten '03-'16 - 14: Kolomyja - Czernowitz (50 B.)  (Gelesen 441 mal)

Roni

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Hallo!



Zum vorherigen Teil der Serie:
Touristischer Osten '03-'16 - 13: Jaremtsche - Kolomyja (50 B.)
http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3799.0



Das Video zu dem Teil (bitte auf 1080p Qualität / Vollbild stellen):
https://youtu.be/WmYCDzD87uc



2. 8. 2016

Wir sind morgens am Bahnhof von Kolomyja angekommen, um 7:26 beschleunigte 2M62-934 den Schnellzug 357 "Huzulschtschyna" Kiew - Rachiw diesmal annähernd pünktlich Richtung Karpatendestination. Im Hintergrund rangierte 2M62-1051 noch meinen Wendezug weg, rechts davon sieht man die Kurswagen, die soeben hier vom Schnellzug abgehängt worden waren. Die Fahrt wurde nur mit 8 Waggons fortgesetzt.




Gerade noch rechtzeitig - denn die Fernzugschalterhalle schloss für eine Zeit um 8 - begab ich mich spontan zum Schalter und erkundigte mich nach einer Fahrkarte bis Czernowitz im Platzkartny. Der Schnellzug 136 aus Odessa würde mich früher ans Ziel bringen als die geplante Regionalzugfahrt. Auch kurz vor Abfahrt kein Problem - die nette Dame reichte mir nach meinem Namen fragend einen Zettel und schaffte es fast ihn auf der Fahrkarte zu transkribieren - beim Vornamen haperte es leicht an den Konsonanten, hier ein Bild:
http://raildata.info/ost16/platzkartny.jpg

Dann setzte ich mich neben junge ukrainische Backpacker auf eine Bank unter dem großen Bahnsteigsdach. Zug 6438 bestehend aus einem Triebkopf von D1-801 und -628 traf um 7:39 aus Iwano-Frankiwsk ein.




Wieder wurde der Zug schnell wegrangiert, nachdem alle ausgestiegen waren.









2M62-1051 mit DPL1-Wendezug kehrte kurz vor neun an den Bahnsteig zurück.




Liebesgrüße aus ....    Lappland*

*Beziehungsstatus: "It's complicated"




Um Punkt neun, sieben Minuten zu spät, traf M62-1439 im Neulack mit Schnellzug 136 Odessa - Czernowitz ein. Hier ist nur die erste Hälfte zu sehen, meine Reservierung lautete für Waggon Nummer 14. Ich weiß nicht, ob geplant, aber es war zufällig derjenige, der genau vor dem Empfangsgebäude hielt. Ansonsten hätte man hier schon ein paar hundert Meter laufen müssen.




Der Prowodnik nahm mir am Eingang die Fahrkarte ab und wies mich zu meinem Platz 1, die anderen Kurzstreckenreisenden saßen schlauerweise ebenfalls auf Plätzen direkt am Einstiegsbereich. Im ganzen Waggon packten die Passagiere - meist noch Schwarzmeer-Badeoutfit tragend - soeben ihr Bettzeug zusammen. Ein kleiner Junge auf einer Liege über mir schnappte sich einen auf dem Tisch liegenden Berg Wäsche - da klatschte ein übersehener riesiger Becher Softdrink aus dem Knäuel auf den Tisch und spritzte die Umgebung samt mir an. Glücklicherweise nicht fahrtverderbend übermäßig.
Wir fuhren in akzeptablem Tempo, auch wenn selbst der Schnellzug an einigen mittelgroßen Bahnhöfen halten musste. Dann war endlich die Oblast Tscherniwzi erreicht.




Den hochinteressanten bunten Schmelztiegel, die Hauptstadt der historischen Bukowina mit bewegter, auch persönlicher Geschichte: https://de.wikipedia.org/wiki/Czernowitz , werde ich in drei Teilen behandeln. Die Bilder in diesem wurden vom 15. - 17. 4. 2003 und 2. - 3. 8. 2016 angefertigt, der Fokus liegt diesmal vor allem auf Stadtverkehr, der im heutigen Czernowitz unter anderem mit Trolleybussen abgewickelt wird. Ich werde nicht bei jedem Bild genau das Datum hinzufügen, aber ob historisch oder nicht sollte leicht erkennbar sein (auch an der Jahreszeit). Die Bilder dieses Teils sind grob geografisch geordnet, der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten selbst widmen wir uns erst in den nächsten Reportagen.

Zu Ostern 2003 hatten wir im VW-Bus die großväterliche Heimat erreicht und passierten typische bukowinische Brunnen (siehe auch meine Moldovita-Berichte), sowie neu errichtete orthodoxe Kirchen.




Man folgt der Bahnstrecke durch das Flachland - bemerke die Uniform des Polizisten am Schranken.
Ein starkes Anzeichen für Czernowitz sind natürlich die auftauchenden Trolleybuslinien. Den Fluss Pruth erreichten im Jahr 2003 die Linien 3 und 5, heutzutage wird die Linie 5 auf dem jenseitigen Ufer weitergeführt.

Einen aktuellen Plan der Linien findet man hier: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/65/Trol-ua-chernivtsi.jpg

Einen Wikipedia-Artikel zu dem am 1. 2. 1939 eröffneten Betrieb in Czernowitz (inklusive Plänen der historischen Linienentwicklung) hier, allerdings nur auf Ukrainisch und Russisch (bei Nichtverstehen -> bitte "Übersetzen" klicken): https://goo.gl/4lxc1L






Die Hauptlast wird von Skoda 14Tr erfüllt, hier überquert Bus Nummer 292 - ein 1989 gelieferter 14Tr89/6 - auf Linie 5 den Pruth.




Die meisten Busse tragen heutzutage Vollwerbung, so auch 14Tr02/6 Nummer 270 von 1987. Der Blick Richtung Bahnbrücke gefiel mir zwar...




... doch für den anstehenden Zug zog ich das spiegelnde Angler-Motiv vor. Wenn ich mir vorstelle, wie grauslich schon das Wasser in den Karpaten war - Fische aus Czernowitz können da kaum mehr gustiös sein.




Zug 6466/6465 Czernowitz - Kolomyja bestehend aus... wieder einmal 2M62-1051, diesmal mit einem modernen DEL-02-Triebwagen im Schlepptau.
https://de.wikipedia.org/wiki/UZ-Baureihe_%D0%94%D0%AD%D0%9B-02




Der Kreisverkehr der Station "Rika Prut" im Vergleich: links 2003, rechts 2016.




Neben der potentiellen Absteige im "Kaiser"-Hotel fuhr ein second-hand Ukraine-Europa-Bus vorbei.




Auch solche Szenen sind 2016 noch möglich: 14Tr89/6 323 in pipifeiner Lackierung mit ebenso pipifeinen Komparsen-Vehikeln. Wir sind der Gagarina Wulyzja zur...




... Bahnhofseinfahrt gefolgt. Hier der Blick Richtung Pruthbrücke mit Schneepflug, Kran und TschME3 im Rangiereinsatz.




Und der Blick zum herrlichen, seit der Monarchie beinahe unveränderten Hauptbahnhof. Der vorher gesehene Zug stand zur Abfahrt bereit.




Ankunft aus Odessa am Hausbahnsteig von Czernowitz.




Vor dem Bahnhof die Trolleybushaltestelle, daneben ein Denkmal für die ehemalige Straßenbahn, welche von 1897 bis 1967 in Betrieb war.
Einen interessanten historischen Artikel mit Bildern dazu habe ich hier gefunden: http://ehpes.com/blog1/2014/11/25/tramway-and-electrical-lighting-equipment-in-czernowitz




Der als "R. Prut - Folksgarten" ausgesteckte Triebwagen 2003 links und überwachsen 2016 rechts. Man bemerke auch das improvisierte ukrainische Wappen über dem roten Stern.




Offensichtlich hatte das Fahrzeug zum 100-jährigen Jubiläum eine Aufarbeitung erhalten, das war 2003 aber auch schon etwas her.




Damals warteten wir in schönem Frühlingswetter vor dem Bahnhof...




... auf unseren Trolleybus in die Stadt. Nummer 285 ist in der heutigen Liste der Trolleybusse nicht mehr vorhanden.




Alleine bleibt man im einzigen Massen-Schnelltransportmittel nicht.




Eine vergrößerte Version der damaligen Netzkarte findet ihr hier:
http://raildata.info/ost16/trolleybuskarte.jpg

Wir rumpelten die Golowna Wulyzja ("Hauptstraße") hinauf...




Heutzutage sieht die steile Hauptstraße in das Stadtzentrum so aus. Allerdings hat der Verkehr deutlich zugenommen, und die Anzahl der maroden Vehikel, die sich die Steigung hinaufplagen, ist für eine moderne Stadt nicht mehr gesund. Dazu kommen die kreischenden E-Motoren der alten O-Busse - die allgegenwärtige Polizei hatte es da in ihrem modernen Fahrzeug leicht.




Ich konnte es kaum glauben, gleich nach meiner Ankunft kam mir doch tatsächlich noch ein Skoda 9Tr als "Techdopomoga" - also technischer Hilfswagen - entgegen.




Bei der Haltestelle Teatr Ljalok ("Puppentheater") am ehemaligen Enzenberg werden die beiden in der Steigung nach Richtung getrennten Straßen wieder zusammengeführt.




Vor der katholischen Kreuzerhöhungskirche - auf Anordnung von Kaiser Joseph II. errichtet, 1814 eingeweiht und als eine der wenigen auch während der Sowjetzeit als katholische Kirche offen - bieten die Mütterchen der Gegend ihre Gartenprodukte an.
Mein Hotel 2016, "Magnat Lux", lag in der Seitengasse Andrej Scheptyzkyj-Straße (einst Landhausgasse) gleich daneben.









Wir sind am Rathaus vor dem technokratisch benannten Zentralplatz - einst Ring Platz - angekommen.




2003 brummte 9Tr 199 im Planbetrieb vorbei.




207 unterwegs auf der Linie 2, daneben eine damals typische Marschrutka.









Ja, es sind Peugeot J9, 2003 noch allgegenwärtig in der westlichen Ukraine. Erst ein paar Jahre später wurden sie weitgehend ersetzt.




Immer wieder fanden wir 2003 diese "k&k" Monster-Strommasten.




Mission für 2016: einen der Masten entlang einer Trolleybus-Linie finden - hier in der Mizkewytscha-Straße vor der Uni Credit Bank. Modernisierung hält auch in Czernowitz Einzug, zehn LAS ("Lwiwskyj Awtomobilnyj Sawod", "Lemberger Automobilwerk") E183D1 waren 2006-2008 geliefert worden.




LAS 52522 Nummer 2011 auf dem Weg Richtung Universität.




2003 stand 9Tr 197 als Hilfsbus im Einsatz.




Kyjiw-11u Nummer 2003, gebaut von KZET ("Kyjiwski Sawod Elektrotransportu") Anfang der 1990er, ist heutzutage nicht mehr in Czernowitz im Einsatz.









9Tr im Planeinsatz 2003.




Andere Leute konnten sich derartige Transportmittel "leisten", auffällig die kleinen "D"-Aufkleber und die Absenz von Nummerntafeln...




Ein RAF ("Rigas Autobusu Fabrika" - "Rigaer Autobusfabrik") 2203 "Latvija" Rettungsauto, fast im Oldtimer-Lack.









Ob da nicht zuviel von der heutigen Ukraine versprochen wird? Am Soborna Platz 2016, früher Austria Platz.




Straßenszenen 2003.




Trolleybusverkehr auf den großen Ausfallstraßen Richtung Süden.



Nächstes Mal unternehmen wir eine Zeitreise weiter in die Vergangenheit...
lg,
Roni

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